Perfect Match

Perfect Match

Wetterglück

Wenn man längere Zeit als Blauwassersegler unterwegs ist, beginnt es ganz unwillkürlich, dass man sich englischer oder auch spanischer Begriffe und Worte bedient. So kommt uns der perfect match ganz automatisch in den Sinn, wenn wir die letzten zwei Wochen auf See charakterisieren wollen. Wir hätten nie für möglich gehalten, so bequem und angenehm über den Nordatlantik zu den Azoren zu segeln. – Seit dem Bergfest sind einige Tage vergangen und wir können uns über diese Tage nicht beklagen, genauso wenig wie über die zuvor. Um Freundin Martina zu zitieren, eine erfahrene Seglerin: „Ihr habt vielleicht ein Glück mit dem Wetter!“ Das kann man in der Tat nicht verleugnen. Wir hatten so gut wie gar nicht mit Windstillen zu kämpfen, theoretisch im Weg liegende Hochs verflüchtigten sich nach Osten und die Tiefs blieben ebenfalls freundlich. Nicht anders verhielten sich Wellen und Dünung. Da muss man Neptun und Rasmus wohl wirklich einen Schluck vom besten Rum an Bord zugestehen. Wie es seit dem letzten Blogeitrag zum Bergfest weitergegangen ist, beschreiben wir mit den folgenden, leicht abgewandelten Log- und Tagebucheinträgen.

Sa., 06.06.2026 – Auf See – Tag 10

Mittagsposition: 34°34,92´N – 048°58,33´W
Etmal: 148,0 SM

Die Nächte sind rapide frischer geworden. Habe in den Nachtwachen jetzt T-Shirt und Shorts an, Anke sogar noch etwas mehr. Bin während meiner zweiten Wache dreimal für 20 Minuten in die Lotsenkoje gegangen, so müde war ich. Der Küchenwecker hat mich jeweils an meine Pflichten erinnert. Fast wie damals, als ich mit Just do it einhand unterwegs war. Gegen Mittag scheinen wir den Wind nördlich des Azorenhochs gefunden zu haben. Es geht flott voran. – Finden keine Möglichkeit, die magnetische Missweisung auf Plotter  oder Bord-PC anzeigen zu lassen, obwohl das angeblich gehen soll. – Der Frachter Puma Max passiert in 3 sm Abstand hinter uns. Die großen Brüder passen auf uns auf 😉

Anke backt Kuchen, schließlich haben wir heute den 11. Hochzeitstag. Da gibt es natürlich den zweiten Teil des gestern entkorkten Sekts. Koche gefüllte Tortellini mit Chamipgnon-Rahm-Sauce. Vergesse nach letztem Würzen mit Chilliflocken, noch einmal durchzurühren. Anke bekommt alle Flocken. 😉 Das Boot läuft. Zum Abend werden Wind und Wellen etwas weniger. Anke notiert: „Schön für eine hoffentlich angenehme Nacht. Uns geht’s gut!“

Anke ist vorbereitet anlässlich des 11. Hochzeitstags.
Wie sich die Bilder vom gestrigen Bergfest und dem heutigen Hochzeitstag gleichen. Mein im Mundwinkel leicht verkniffener Ausdruck hat wirklich nur mit dem Halten der Selfiekamera zu tun. Wirklich!
Bei ruhigen Seeberhältnissen kann die Bordküche entspannt betrieben werden.

So., 07.06.2026 – Auf See – Tag 11

Mittagsposition: 35°59,70´N – 045°48,68´W
Etmal: 177,0 SM

Um Mitternacht kommt der Halbmond an Steuerbord hinter dem Horizont hervor. Klamotten: Lange Seglerhose (leicht), T-Shirt, Sommerschuhe. Ein langärmliches Flanellhemd  ist bereit gelegt. Um 02:15 staune ich über die aktuelle Geschwindigkeit. Gut, wir haben Schiebestrom,  doch auch die Fahrt durchs  Wasser ist sehr gut. Passt alles, guter Wind aus perfektem Winkel, wenig Welle … Interessant sind die Wetter- bzw. Windprognosen. In Wochenfrist kann sich von Westen her (!) ein fettes Hoch aufbauen, das alle späteren Segler blockieren würde.

Sehen mehrmals etwas Durchsichtiges vorbeitreiben und denken an Müll. Plastikflaschen. Doch nein, plötzlich erkennen wir eine Portugiesische Galeere. Es sind dann gar nicht so wenige, doch sind sie stets zu schnell an uns vorbeigetrieben und wir können keine Fotos machen. Natürlich gibt es auch Plastikmüll.  Deckel, Schläuche, irgendwelche Stücke, ein Autoreifen … Und immer noch Sargasso. Es wird sicher miit Wind und Strömung verdriftet.

Der Himmel zieht sich im Lauf des Nachmittags zu. Dennoch gibt es einen schönen Sonnenuntergang, da unter den Wolken ein zunächst gar nicht wahrnehmbarer Streifen wolkenfrei geblieben ist. Abendessen: Weißkohl-Curry.

Eine Portugiesische Galeere. Das Segel, das diese Staatsqualle üblicherweise über die Wogen treibt ist leider umgeklappt. Man sieht dessen Struktur rechts von Quallenkörper. Das wird anscheinend von den Abwinden unserer Segel verursacht. Die Quallen kommen immer wunderschön angesegelt, und dann macht es klapp. Und auf der Luvseite, auf der es keine Abwinde gibt, kommt einfach keine Galeere vorbei.
Anke backt Brot. Immer lecker und von der Crew immer heiß begehrt. Links backt sie gerade heute an Bord der Mago, rechts im Jahr 2004 irgendwo vor der Iberischen Halbinsel an Bord der Just do it.

Auch Martin macht sich nützlich. Er backt zwar nicht, doch dafür ist das Kochen sein Job. Meistens. Außer wenn es Ankes Lieblingsrezepte wie „Bananen im Schlafrock“ oder „Zitronenhühnchen“ gibt. Hinweis am Rande: Man beachte die lange Hose!.

Und wieder ein Sonnenuntergang.

Mo., 08.06.2026 – Auf See – Tag 12

Mittagsposition: 36°41,65´N – 042°26,12´W
Etmal: 193,0 SM

War der Himmel vor drei Stunden noch völlig bedeckt, ist er bei Wachwechsel um Mitternacht praktisch wolkenfrei. Allerdings ist es dunstig. Die Luft ist extrem feucht. Wir messen 91%. Die Doghousescheiben sind in der Nacht praktisch undurchsichtig. Voller Tröpfchen. Alles ist klamm und pekig. Bekomme beim ersten Versuch, am Doghouse vorbei nach vorne zu lugen, um nach Lichtern Ausschau zu halten, eine Gischtladung ins Gesicht.

Unglaublich, um 03:30 beginnt bereits die Morgendämmerung. Um 06:00 ist die 700 sm to go-Marke erreicht. Gegen 10:15 taucht das erste AIS-Signal eines Seglers auf. Vaiana Solo Sailor. Etwa dreieinhalb Stunden später haben wir einen schwachen Sichtkontakt. Übrigens heute Rekordetmal mit 193 sm. Dennoch ist der Solohansel schneller. Franzose natürlich. Hat bestimmt eine Rennmaschine.

Habe mir heute die Haare geschnitten. Selbst ist der Mann. Anke hat noch ein paar Nacharbeiten vorgenommen und Fotos in den WhatsApp-Status eingestellt. Seitdem gibt es das Haarstudio Mago. Ärgerlich: Anke hat seit einer unglücklichen Bewegung Schmerzen im linken Knie. Sie versucht es mit Kühlen und legt später eine Bandage an.

Venus und Jupiter stehen direkt nebeneinander am westlichen Nachthimmel! Venus ist so hell, dass sie Lichtreflexe auf dem Wasser erzeugt, ähnlich wie der Mond. Natürlich deutlich blasser. Jupiter unterstützt dabei. Abendessen: Linguine mit Lachssahnesauce.

Die Luftfeuchtigkeit ist unglaublich. Morgendliche Doghousescheibe.
Vaiana Solo Sailor auf der Kimm. Der erste Segler, den wir unterwegs sehen können. Es ist ein großer Fortschritt und natürlich Vorteil für Einhandsegler, dass sie heute mittels AIS mit dem Namenszusatz „Solo Sailor“ darauf aufmerksam machen, dass sie allein unterwegs sind. Und folglich nicht konstant Wache gehen können.
Haarstudio Mago bedeutet natürlich Selbstbedienung – mit anderen Worten: Selbst ist der Mann!

Die Chefin des Haarstudios ist, wie an dem kritischen Blick unschwer zu erkennen, mit dem Ergebnis nicht zufrieden und legt doch tatsächlich noch persönlich Hand an. Faszinierend! 😉

Di., 09.06.2026 – Auf See – Tag 13

Mittagsposition: 37°23,09´N – 039°01,56´W
Etmal: 147,0 SM

00:10 = wieder eine lustige Zahl: 1.777 sm liegen im Kielwasser. Der Wind raumt während Ankes Nachtwache (am frühen Morgen also) und nimmt ab. Die Dünung kommt mittlerweile aus Nordwest. Die Segel schlagen. Anke luvt immer mehr an. Irgendwann komme ich aus der Koje, um mal nach der Lage zu peilen. Sind beide gereizt wegen der Unruhe im Boot. Schließlich nehmen wir Groß und Besan weg und schleichen mit ausgebaumter Genua vor uns hin. Die hatten wir glücklicherweise gestern noch kurz vor Sonnenuntergang ausgebaumt. Das vor uns liegende Hoch mit seinem windstillen Zentrum scheint deutlich westlicher und südlicher zu liegen als vorhergesagt, oder es ist ausgedehnter. Wir befinden uns offensichtlich an dessen Nordwestrand, nicht westlich wie angenommen. Am Morgen ist Anke immer noch total genervt wegen der schlagenden Segel und des schlechten Vorankommens, zumal sie kaum geschlafen hat. Und sie ärgert sich über sich selbst, dass sie keine Daten zum Hoch aufgenommen hat. Was bedeutet das alles? No happy wife. Was folgt daraus? RICHTIG: no happy life.

Der Himmel ist komplett wolkenfrei. Beim 360°-Rundblick ist nicht eine klitzekleine Wolke zu sehen. Dafür ist das Himmelsblau nicht mehr so intensiv wie bisher, sondern eher leicht dunstig. 13:00 Sichtung von mehreren Buckelwalen (Megaptera novaeangliae) sowohl an Backbord als auch Steuerbord. Wir sehen die Tiere mehrfach springen. Leider etwas entfernt. Doch im Fernglas kann man sie gut beobachten und identifizieren. Außerdem geistern exakt am gleichen Ort einige Seiwale (Balaenoptera borealis) herum. Von mindestens dreien erkennen wir sehr gut deren charakteristische Rückenfinne. Dass es keine Finnwale (Balaenoptera physalus) sind, die leicht zu verwechseln sind, lässt sich gut am Blas erkennen. Anke ist glücklich. Folge: happy wife. Und happy life.

Ruhiges Gleiten durch Wasser. Die Wellen und der Schwell nehmen zunehmend ab. Kaum noch Rollerei oder ruckartige Bewegungen des Bugs, obwohl wir nach wie vor recht schnell unterwegs sind. Trinken wieder einen kleinen Sundowner im Cockpit.

Kurz bevor es völlig dunkel geworden ist, sehen wir einen einzelnen Delphin, der uns ein paar Minuten neben dem Heck begleitet. Gehen mit 60° an den Wind, nachdem dieser auf Süd gedreht hat. Wir wollen keine Südbreite verschenken. Die Wettersituation erlaubt uns im Bedarfsfall nach Norden zu steuern, aber verlorene Südbreite wieder herauszuholen kann eine schier unmögliche Aufgabe sein. Daher versuchen wir, kein „Süd“ zu verschenken. Abendessen: Lachsnudeln von gestern, verfeinert mit Miesmuscheln (Dosenbestand aus spanischen Landen).

Im Grunde erfüllen die Segel nur dekorative Zwecke, Kaum Wind, kaum Vorankommen. Wir wissen noch nicht, wie perfekt sich die Überfahrt letztlich doch gestaltet. Da hat Rasmus, der Gott der Winde, oder war es sein Kollege Aeolus, die paar flauen Stunden ja nur zur Abwechslung eingestreut, damit uns nicht zu langweilig wird.

Anke hat an Steuerbord den Blas von Walen entdeckt.
Uns waren im Lauf des Morgens mehrfach Wasserflächen aufgefallen, deren Oberfläche ungewöhnlich glatt war. Fast als hätte jemand Öl ins Wasser gekippt. Erst nach der Begegnung mit den Walen wird uns klar, dass diese Flächen gewissermaßen Hinweise auf springende Buckelwale waren. Bei ihrem Aufklatschen aufs Wasser entstehen diese seltsam glatten Oberflächen. – Der Blas eines Buckelwals war dann das Zeichen: Wale. Unmittelbar danach sahen wir auch direkt voraus einen Dreiertrupp Seiwale mit der charakteristisch gebogenen Rückenfinne. Dieser buschige Blas auf dem Foto charakterisiert allerdings Buckelwale.
Leider taten die Wale uns nicht den Gefallen, näher zu kommen. Im Fernglas waren sie gut zu erkennen, besonders auch die langen Brustflossen bei den springenden Buckelwalen. Doch leider war ein vernünftiges Fotografieren auf die Distanz bei dem bewegten Boot nicht möglich. Daher hier ein Suchbild mit drei, vorsichtshalber markierten Buckelwalen.

Mi., 10.06.2026 – Auf See – Tag 14

Mittagsposition nach UTC-3: 37°43,99´N – 035°22,96´W
Etmal: 175,0 SM

Kurz nach dem Wachwechsel um Mitternacht mache ich erstmals Meeresleuchten aus.  Anke sagt, sie  habe schon die Tage welches gesehen. Der abnehmende Mond erleichtert es, dieses Phänomen zu bewundern. Für den vorhandenen Wind sind wir erschreckend schnell. Es weht mit etwas weniger als 10 kn, dennoch machen wir 7,7 kn Fahrt durchs Wasser und 9,1 über Grund. Nun gut, wir schieben auch entsprechende Lage. Irgendwie ist das surreal. Wir düsen mit 9 kn durch die Nacht, und auf dem Meer ist nicht ein einziges Schaumkrönchen zu sehen. Beim 03:00-Wachwechsel rollen wir vorsichtshalber doch das Groß ins erste Reff.

Um halb acht morgens dann ganz unerwartet ein Segel an Steuerbord „auf“ dem Horizont. Wir hatten die Kauri schon länger auf dem  AIS, aber nicht gedacht, dass wir sie auf 3,5 Meilen schon sehen würden.

09:52 = 2.000 sm im Kielwasser. Wieso man immer in solchen Momenten auf die  Anzeigen schaut? Und exakt, als die Mittagsposition nach der alten Uhrzeit (UTC-3) genommen werden muss, bekommen wir Besuch von einer Schule Atlantischer Fleckendelphine( (Stenella frontalis). Happy wife undsoweiter. Nachdem die Mittagsposition genommen ist, stellen wir erneut die Uhren um auf UTC-2. Am späten Nachmittag dreht der Wind immer mehr auf Süd und wir müssen höher an den Wind. Drehen ein weiteres Reff ins Groß. Paper Moon, die Anke auf Foreign Land seit Tagen verfolgt, taucht „neben“ uns auf und segelt parallel. Ansonsten werden die Bedingungen etwas hackig und unbequem. Hoffentlich schaffen wir es vor dem im Nordwesten anrückenden Tief bzw. Tiefausläufer in Horta anzukommen.

In etwas über einer Meile Entfernung passiert uns ein Gastanker.
Der letzte große Meilenstein ist erreicht. Man beachte auch das gespiegelte Gespenst.
Die Atlantischen Fleckendelphine (Stenella frontalis), auch als Zügeldelphine bezeichnet, haben mehr Verständnis für die Wünsche der Segler als die Wale und kommen mal ein bisschen vorbei.
Olé hopp!
Jetzt auch mit Rettungsweste und gesichert: Anke versucht die direkt vor dem Bug schwimmenden Delphine mit der Gopro zu erfassen.

Do., 11.06.2026 – Auf See – Tag 15

Mittagsposition: 38°03,06´N – 031°42,44´W
Etmal: 175,0 SM („Schrumpfetmal“, da es aufgrund der gestrigen Zeitumstellung nur 23 Stunden umfasst.)

Sternenklare Nacht. Der roße Wagen und der Polarstern stehen hoch am Nordhimmel. Cassiopeia auch. Das Kreuz des Südens ist dagegen schon lange nicht mehr zu sehen. Die Milchstraße spannt hr Band einmal quer über unser Boot. Um 01:50 durchfährt mich, Martin, ein Mordsschreck. In ganz kurzer Entfernnung voraus entdecke ich die Lichter eines Bootes. Das darf doch nicht wahr sein. Radar an – nichts! Aber diese Lichter? Schließlich flammen die Lichter regelrecht auf. Die dünne Sichel des aufgehennden Mondes hat, weitgehend abgedeckt durch Wolken, nur zwei Lichtpunkte durchgelassen. Das sah aber täuschenbd echt aus. Schöner Streich.

Nordsetzende Strömungen führen dazu, dass wir vorhalten und hoch am Wind segeln müssen. Zum Glück wird die Welle ruhiger. Zum Sundowner ein Kurzbesuch von 8 – 10 Gewöhnlichen Delphinen. Sie kommen etwas später nochmal vorbei, um eine gute Nacht zu wünschen. Ggen 19:30 plötzlich kaum Wind und ganz glattes Wasser, Eine kleine, begrenzte Erscheinung. Nach 15 Minuten war der Spuk vorbei und Wind und Welle wie zuvor. Zum Abendessen gibt es einen Salat aus den letzten verbliebenen Tomaten und einer Gurke vom Gemüseverkäufer auf Antigua. Der Einkauf bei dem angeblich so grummeligen Mann hat sich also gelohnt. Der Salat ist angereichert mit dem letzten Feta-Käse und es gibt Bratwürste dazu.

Heute besuchen uns sogenannte Gemeine Delphine (Delphinus delphis).

Fr., 12.06.2026 – Auf See – Tag 16

Mittagsposition: gibt es nicht, da wir noch vor dem Mittag den Anker gesetzt haben
Etmal: Gibt es auch nicht, da seit dem letzten Etmal nur 21 Stunden vergangen sind.

Etwa um 02:00 geht die inzwischen recht schmale Mondsichel aus. Diesmal kann sie mich nicht mehr erschrecken. Wieder eine sternenklare Nacht, doch gegen 03:00 beginnt es sich zuzuziehen. Etwa 20 Seemeilen hinter uns lassen sich fünf Verfolger erkennen, weitere Boote kommen aus Flores von Südost oder sind vor uns. Ein Run auf Horta! Um 04:00 (gleich 06:00 Horta-Zeit) glaubt man voraus in dem schmalen Streifen zwischen Horizont und Wolkendecke Land zu sehen. Und tatsächlich, es schälen sich zwei Inselsockel heraus! 05:15 geht die Sonne zwischen den Inseln auf. Der in der Nacht sehr geruhsame Wind frischt auf und wir düsen dem Ziel entgegen. Hoffentlich findet Anke in der Vorschiffskoje noch etwas Schlaf.

Mit der sehr früh einsetzenden Morgendämmerung werden die Inselsockel schemenhaft erkennbar. Die Gipfel hüllen sich leider schamhaft in Wolken.
Wir reisen zwar wieder in EU-Territorium ein, doch da gellten von Übersee kommend andere Regeln als im Schengen-Raum. Anke setzt neben der portugiesischen Gastlandsflagge auch die Q-Flagge, die
Martin ist zufrieden. Der vorherrschende Südwind, natürlich nicht wie prognostiziert SSW-Wind, erlaubt uns so gerade, noch um den letzten fetten Felsen von Fajal herumzuschrammeln und in den „Kanal“ zwischen Pico und Fajal einzusteuern, ohne den Motor einsetzen zu müssen. Das konsequente südlicher Steuern als von den Wetter-Routing-Apps vorgesehen macht sich bezahlt. Und zu Martins großer Freude kann er sogar wieder in einen Faserpelz schlüpfen.

Letztlich können wir bis vor die Hafeneinfahrt segeln! Gehen in der Nähe des Marina-Gebäudes vor Anker, da da der Empfangssteg und die Pier komplett voll sind. Überall liegen Dreier-Päckchen. Es stellt sich schnell heraus, dass wir querab der Nehaj liegen, Susanne winkt vom Kai herüber. Innerhalb der nächsten Stunde kommen Federico (Heureka) und Arjen (Horizon) vorbei. Dann erstmal ein Anleger und etwas Körperpflege, bevor es zum Einklarieren geht. Und entgegen Ankes Befürchtungen ist sogar der Pico zu sehen und begrüßt uns mit seiner Gipfelspitze.

Besan- und Großsegel sind schon weggenommen. Unter Genua laufen wir bis zur Hafeneinfahrt. Keiner von uns beiden hätte erwartet, dass wir so perfekt über diesen langen Schlag kommen. Martina hatte schon recht. Wir hatten unwahrscheinliches Wetterglück. Da werde ich Rasmus, Aeolus und Kollegen wohl doch mit einem kräftigen Schluck Rum bedenken.
Konzentriertes Steuern durch den Innenhafen von Horta. Die Boote vor Anker liegen dicht an dicht. Um 09:10 Bordzeit (UTC-2) sitzt der Anker im Grund und die Maschine schweigt. Nach lokaler Ortszeit, die auch die Sommerzeit berücksichtigt, ist es bereits 11:10 Uhr.
Anke hatte mir noch berichtet, dass sie von Arjen erfahren habe, in Horta sei es grau und neblig, etwa so wie auf diesem Foto.
Doch wenn Menschen reisen, die stets einen Parkplatz vo der Tür finden, auch wenn eigentlich keiner da ist, da zieht sich auch der Nebel zurück und die Sonne scheint, wenn sie angekommen sind. Anke hat es nicht für möglich gehalten, doch bereits eine halbe Stunde nach unserer Ankunft ist der Gipfel des Pico zu sehen und die Sonne kommt durch die Wolken.

Eine kleine Bilanz

  • Strecke: 2.338 Seemeilen
  • Dauer: 355 Stunden oder 14 Tage und 17 Stunden
  • unter Maschine: 7 Stunden, davon waren ca. 4 Stunden überflüssig, da bereits wieder brauchbarer Wind wehte. (Zzgl. 2 Stunden aus der der English Harbour heraus bzw. in den Hafen von Horta hinein)
  • Durchschnittsetmal: rund 158 Seemeilen
  • Bestes Etmal: 193 Seemeilen
  • Schlechtestes Etmal: 127,3 Seemeilen
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 6,6 Knoten
  • Anteil Am Wind-Kurse: ca. 25%
  • Anteil Halbwindkurse: ca. 50%
  • Anteil Raumschotskurse: ca. 25%
  • Windstärke: ca. 70% 10 – 12 kn, ca. 20 % unter 10 kn, ca. 10% 13-16 kn
  • Wassermacher: 8 Stunden 25 Minuten
  • Generator: 3 Stunden 30 Minuten
Wir liegen keine 5 Minuten vor Anker, da ruft es von der Kaimauer. Susanne Huber steht da und winkt. Und begrüßt uns mit einer kleinen Überraschungstüte mit Vitaminspendern und Leckereien. Welch ein Empfang.

Das Ende eines langen Törns ist der Beginn eines neuen Kapitels.
In diesem Sinne,

es grüßen Euch erschöpft aber glücklich
Martin und Anke

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