Innere Werte

Innere Werte

Der Blick von außen ist eine Sache, aber wie steht es mit den inneren Werten?

Wie stellt sich unsere Mago del Sur denn als Lebensraum dar? Auch hier gilt, im Prinzip natürlich wie fast jede Amel 54, aber im Detail gibt es doch kleine Unterschiede, teils durch Modifikationen der Werft über die Jahre der Produktion hinweg, teils durch Eingriffe der Eigner. Im Folgenden stellen wir Magos Inneres etwas vor. Da wir bei einigen Dingen unseren guten Helferlein sehr dankbar sind, benennen wir diese namentlich bzw. verlinken sie. Das ist natürlich eine Art der Werbung, aber wir machen es hier als Danke schön und vor allem unentgeltlich, einfach weil wir von der Leistung und Hilfe schlicht überzeugt waren bzw. sind.

Der erste Blick, nachdem man den Niedergang runtergestiegen ist: der Salon. Links bereits erkennbar, der Salontisch ist bevorzugter Arbeitsplatz, in diesem Fall von Anke.
Fast niemand, der das Boot erstmals besucht kann sich der Versuchung entziehen, einen der beiden Sessel auszuprobieren. Zwischen den Sesseln befindet sich ein Flaschenverlies („Bar“), dahinter lagern unser Geschirr, Gläser und profanerweise auch Anleitungen all unserer Ausrüstung. Unter den Sesseln Auszüge mit Ersatzteilen, und in den Bilgen eine Handvoll Weinflaschen und sperriges Werkzeug, vor allem der gesamte Maschinenpark.

Schon auf Just Do It legten wir Wert auf echtes Geschirr und echte Gläser. Wir bilden uns ein, dass es von bzw. aus beiden einfach besser schmeckt. Uns ist auch nie etwas auf See zerbrochen. Alle Verluste, die wir natürlich dennoch hatten, entstanden ausschließlich durch Unaufmerksamkeiten beim Abwasch. Daher gibt es auch auf Mago del Sur kein Plastik.

Jenseits der beiden Sessel öffnet eine massive Tür, die bei Bedarf das Vorschiff wasserdicht abschotten kann, den Zugang zu den Vorschiffskojen. An Steuerbord sind es zwei Etagenkojen, hier ist bei der oberen Koje das sogenannte Leesegel gespannt, das ein Herausfallen des Schläfers verhindert. Bei uns verhindert es im Moment der Aufnahme das Rausfallen all der (verborgenen) da oben abgelegten Dinge.
Blick nach achtern: Die Etagenkojen können mit schweren Vorhängen verschlossen werden. Sie halten die Wärme bei den Kojen und dämpfen den Schall. Gut sichtbar der Türausschnitt in der Schottwand. Unter der Koje und unter dem Fußboden befinden sich Stauräume, gefüllt mit Ersatzteilen aller Art.

Alle Vorhänge an den Fenstern, den Kojen und Hängeschränken haben wir erneuert, da die Originale vom Makler zu heiß gewaschen wurden und sich dramatisch verkleinert hatten. Nach langem Suchen hat uns ein kleiner Bremer Betrieb, der überhaupt nichts mit der Marinebranche zu tun hat, mit Vorhängen und passgenau angefertigten Teppichböden beliefert. Wir sind bis heute mit Materialqualität und Verarbeitung äußerst zufrieden. Daher hier für Interessenten der Link zum Kiosk de Luxe von Herrn Detlef Nordemann.

An Backbord befindet sich gegenüber der Etagenbetten eine Zwei-Personen-Kammer. Die perfekte Kuschelhöhle für zwei, die sich besonders lieb haben. Unter der Doppelkoje lagert unter Anderem unsere Schnorchel- und Tauchausrüstung.
Noch ein Stück weiter nach vorn folgt eine Nasszelle. Und da es sich hier um eine Amel handelt, bereits vom Werk aus mit Trockner (im Foto sichtbar) und Waschmaschine ausgestattet. Stehhöhe unter der Dusche rund 1,90 m. Ganz bescheiden im „Bilduntergrund“ eines unserer Heizwürfelchen, denn dieser Beitrag entsteht in winterlicher Kälte in Brest.
Waschmaschine, Dusche, WC, letzteres leider mit Frischwasserspülung, Herstellerbezeichnung Silent Flush. Was von Humor zeugt, denn das Ding macht beim Spülvorgang einen Lärm wie ein vorüberziehender Tornado.
Amel baut traditionell sehr seegerecht, so sind alle Waschbecken „Eigenbauten“, um eine praxisgerechte Tiefe zu gewährleisten. Die originalen, gammelnden und undichten Marine-Armaturen und rostenden Zahnbecherhalter haben wir gegen handelsübliche Sanitär-Produkte getauscht, wie es sich bereits bei Just do it bewährt hatte.

Amel hat einen legendären Ruf, was Bauqualität und Zuverlässigkeit betrifft. Aber wie überall, es gibt nichts, das absolut perfekt ist. So scheint es nicht nur auf unserer Mago del Sur Probleme mit der Kantenversiegelung der Spiegel zu geben. Man kann es bei genauem Hinsehen erkennen. Aber wenn es keine schlimmeren Probleme gibt …

Zurück im Salon. Polster und Bezüge sind erneuert und das Design der Rückenlehnen ist modifiziert. Gut zu sehen die Rumpffenster. Ohne die wäre uns das Boot zu sehr Kellerschiff. Vor dem Fenster in Bildmitte kann ein TV-Bildschirm ausgefahren werden, und ganz Understatement: das Bose-Soundsystem versteckt sich schüchtern in den Ecken, der Subwoofer bollert unter der rechten Sitzbank. Ansonsten stauen sich unter den Bänken Lebensmittel, in den Bilgen darunter Ersatzteile u. ä.

Mit dem Design der Rückenlehnen hatte man sich bei Amel reichlich verhauen. Vor allem oben sprangen sie unangenehm weit vor. Die jetzige Form entspricht annähernd der, die Kurt Reinke für die Super 11 vorgegeben hat, und die sich sehr bewährt hat. Wie bei unserer Just do it suchten wir nach einem besonders robusten und langlebigen Material aus der Restaurantbranche. Fündig wurden wir überraschend beim Restaurant Natusch, in dem uns anlässlich eines leckeren Fischessens die erstaunlich fleckenfreien Bezüge der Bestuhlung faszinierten. Freundlicherweise erhielten wir vom Restaurant auf Nachfrage auch die Bezugsadresse. Daher hier noch mal unser Danke schön an die Geschäftsführung verbunden mit dem Hinweis, das man bei Natusch in Bremerhaven wirklich hervorragenden Fisch essen kann. Und da wir mit den erhaltenen Bezügen außerordentlich zufrieden sind, und es für den einen oder anderen Segler sicher interessant ist: Den Stoff bekamen wir bei Otto Knechtel in Oyten

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Blick vom Salon in die U-förmige Pantry, etwas finster heute. Neben der Pantry der Niedergang mit einer nicht allzu steilen Treppe, die man auch vorwärts heruntersteigen kann.
Hier die Pantry etwas besser ausgeleuchtet. Auch Standard bei Amel: Geschirrspüler und Mikrowelle. Links praktisch am ruhigsten Punkt des Bootes die ebenfalls extra tiefe Spüle, rechts im Vordergrund zu ahnen, der Deckel der Kühl-/Gefrierkombination. Gegenüber ebenfalls nur zu ahnen, ein Kühlschrank mit zwei Auszügen. Der Vorgänger hatte eine Tür, so dass einem auf See bei geöffneter Tür immer der Inhalt entgegen kam. Außerdem war ich einmal auf die geöffnete Tür gefallen und hatte die Scharniere ziemlich verbogen.
Martins ganzer Stolz. (Bei uns kocht Martin und Anke backt.) Der alte Eno-Herd war in einem solch schauerlichem Zustand – wir wissen nicht, was der Vorbesitzer damit getrieben hat – dass wir ihn schon aus Überlebensinteresse gegen einen bereits auf Just do it bewährten, diesmal vierflammigen Force 10 getauscht haben.
Oberhalb des achterlichen Schenkels der Pantry versammelt sich die Elektrik. Links das 24V-Panel, rechts das 240V-Panel, ganz rechts Panel für Generator, Heizung und Fehlerstromüberwachung. In der Mitte zwischen den Panels verbirgt sich hinter einer Klappe der Zugang zum Ruderantrieb und dem zweiten Autopiloten. Versetzt darunter das Bedienpanel für den Wassermacher. Die dunklen Türen verbergen kleine Schränke für Essig, Öl, Gewürze u.v.m.
Gegenüber der Pantry die Navi-Ecke. Der originale Stuhl des Navigators war kürzlich in die Brüche gegangen, dieser stammt aus einem L.Eclerc-Supermarkt. Günstig und gut.
Navi-Ecke: Dominierend der Bildschirm des Bord-PC, rechts davon von oben Stehwellenmessgerät, Pactor-Controller, Schalterleiste1, GPS, Schalterleiste2, Amateur-Funke, 2 USB-Steckplätze für den PC.
Blick zurück: UKW-Handfunke mit kabellosem Tochtergerät; die Tochter will partout nicht funken und hört nur. Kaum zu sehen eine Handheld-UKW-Funke ebenda. Im Alurahmen ein Meteograph.
Hinter der Navi-Ecke geht es nach achtern. Hier befindet sich die „Lotsenkoje“, die ruhigste Schlafgelegenheit an Bord. Unter ihr versteckt sich das komplette Batterie-Arsenal. Rechts Ablagen und Staumöglichkeiten und ein Fenster ins Cockpit. Hinter der Holzwandung der Dieseltank als Beginn des Motorraums. Die Tür im Hintergrund ist ebenfalls eine Schott-Tür. Auch hier lässt sich die achtere Sektion des Bootes hermetisch verschließen.
Zaghafter Blick in die Achterkabine, ebenso zaghaft unten ein weiterer Heizwürfel.
Doppelbett. Beiderseits des Betts können Leebretter aufgebaut werden, um auch bei Lage das Bett nicht unfreiwillig zu verlassen. Klappt man das Bett nach oben, hat man Zugang zur Ruderanlage, dem ersten Autopiloten und diverse weitere Staumöglichkeiten für sperriges Gut. Die Teppiche beidseits des Bettes wurden ebenfalls von Detlef Nordemann angefertigt, eine sehr aufwendige Passarbeit. Die Originale waren schlicht verdreckt und verschimmelt und farblich auch nicht der Brüller.
Schminktisch (ohne Funktion, Anke schminkt sich nicht und Martin auch nicht) und Sekretär gleich an steuerbord in der Achterkabine.
Achtere Naßzelle mit einem ebenso tiefen Becken und einem ebenso lärmendem WC wie im Vorschiff, und …
… gleich um die Ecke eine zweite Duschkabine mit bescheidenen 2,10 m Stehhöhe. Die Bubble-Folie an der Decke zeugt davon, dass es gerade winterlich kalt ist und wir einige Kältebrücken isoliert haben.