Ja wo segeln sie denn? – Bergfest

Ja wo segeln sie denn? – Bergfest

Anke ist mit ihrer Morgenwache sehr glücklich, denn sie kann sofern nicht eine Wolkenbank den Blick behindert, jeden Morgen den Sonnenaufgang genießen. Hier überstrahlt die Sonne etwas, aber das Beitragstitelbild zeigt, welch Farbenspiel der Sonnenaufgang bieten kann. Es kommt mir zunächst in den Sinn, die Farbenfülle sei gewissermaßen unbeschreiblich. Doch in dem Moment, in dem mir der Ausdruck des Unbeschreibbaren einfällt, schießt mir die Erinnerung durch den Kopf, dass Lothar Günther Buchheim in seinem Roman das Boot genau das gemacht hat. Wiederholte, höchst präzise Beschreibungen der Farbenspiele auf See, bei Sonnenaufgang, bei Sonnenuntergang, und überhaupt.

Nach unseren beiden jüngsten Blogeinträgen scheint die Verwirrung groß zu sein. Wir erhielten jede Menge, teils sogar besorgte Anfragen. Doch keine Sorge, alles ist im Lot. Keiner von uns beiden ist krank, auch gibt es keine Schreckensnachrichten oder Pflichten aus der Heimat, die uns zu einer Rückkehr zwingen. Unser Plan ist im Grunde wie gehabt nach Feuerland und Patagonien zu segeln. Nun wird natürlich jeder beim Blick auf den Globus sofort feststellen: „Aber Ihr segelt ja in die verkehrte Richtung!“ Zugegeben, so scheint es. So ist es jedoch nicht. Nachdem wir uns nochmal eingehend mit den Routenoptionen auseinandergesetzt hatten, verwarfen wir die Idee, durch den Panama-Kanal zu gehen und Patagonien via Galapagos, Osterinsel und Valdivia in Chile anzusteuern. Aufgrund der Jahreszeiten einerseits und der günstigsten Zeiten für die verbindenden Schläge würden wir in Valdivia rund ein halbes Jahr festhängen. Die Alternative, von der Karibik aus auf der Atlantikseite immer die südamerikanische Küste entlang, würde bedeuten, zunächst einmal eine lange Distanz, ca. 2000 sm, beständig gegen Wind und Strömung anzukämpfen. Da erschien uns der große Loop über den Atlantik trotz der größeren Gesamtlänge die einfachere und mithin logischere Lösung. Und so sieht der Plan nun aus: Über den Atlantik auf die Azoren, weiter nach Madeira auf die Kanaren. Von dort einen Zwischenaufenthalt in Deutschland (Mitte August bis Ende Oktober). Anschließend über die Kapverden nach Brasilien und Argentinien. Voila! Gut, eine kleine Einschränkung wird man zugestehen, das ist der Plan, und man weiß als Segler ja nie. Aber es wird schon klappen. Interessant am Rande: Wir sind nicht die einzigen, die einen solchen Loop machen.

Kleiner Exkurs zu unserer Wind- und Wetternavigation

Ja wo segeln sie denn? Die dem guten Loriot entlehnte Frage („Ja wo laufen sie denn?“) kann man natürlich auch anders verstehen. Die Richtung zu den Azoren ist ja einfach: Immer geradeaus dem Großkreis (der kürzesten Verbindung zwischen zwei Punkten auf dem bekanntlich kugelförmigen Globus) folgen, also grob etwas östlicher als Kurs Nordost. Wer uns verfolgt, der wird schnell feststellen, dass wir sehr viel nördlicher steuern. Das ist zum einen im Azorenhoch begründet, das je nach Laune mal über den namengebenden Azoren wabert, jedoch auch westlicher, südlicher und genauso nördlicher sitzen kann. Dieses Hoch lässt sich gelegentlich von Tiefs etwas aus dem Weg drängen, oder teilt sich schon mal in zwei Hochdruckzellen auf. Wie auch immer, dieses Azorenhoch bringt einen großen, windarmen Bereich mit sich, den wir nördlich umfahren wollen. Warum nicht südlich? Da auf der nördlichen Hemisphäre die Winde im Uhrzeigersinn aus einem Hoch herauswehen, bringt die nördliche Variante den Vorteil westlicher Winde, die uns fein Richtung Ziel schieben. Südlich des Hochs hätten wir dagegen mit Gegenwinden zu rechnen. Zugleich nähern wir uns mit zunehmender Nordbreite der Zone der Westwinddrift, also des Bereichs, in dem beständig Tiefdruckgebiete von West nach Ost ziehen. Solange wir südlich des Kerns eines Tiefs segeln, bedeutet dies ebenfalls unterstützende Westwinde, da aus ihnen der Wind gegen den Uhrzeigersinn herausweht. Beides also Effekte, die uns zu Gute kommen. Natürlich achten wir bei den Tiefs drauf, dass ihr Luftdruck nicht zu tief wird, denn das bedeutet dann Starkwind oder gar Sturm. Das brauchen wir gar nicht und das würde uns natürlich dazu bewegen, Richtung Süd auszuweichen. Das erklärt hoffentlich ein wenig, weshalb wir bis heute nördlicher steuern als scheinbar notwendig.

Als wir 2004 mit Just do it zur Weltumseglung aufbrachen und die Biskaya überqueren mussten, hatten wir außer Wetterprognosen über Küstenfunkstationen auf den ersten Seemeilen – nichts. Auf den Kanaren rüsteten wir dann eine Amateurfunk-Anlage nach, mit der wir sogenannte Gribfiles herunterladen konnten. Die Datenübertragung war zwar langsam – besonders verglichen mit den heutigen Möglichkeiten – aber wir erhielten so auch mitten auf dem Ozean aktuelle Wetterprognosen. Heute hat man aufgrund der technischen Entwicklung, insbesondere seit Elon Musk Starlink etabliert hat, Möglichkeiten, von denen man vor 20 Jahren nicht einmal geträumt hat. Über das ununterbrochen zugängliche Internet kann man Wetterprognosen der verschiedensten Anbieter und der verschiedensten Prognosemodelle quasi in Echtzeit über Satellit empfangen. Die Geschwindigkeit der Datenübertragung ist dabei oft größer als bei den kabelbasierten Netzen an Land. Und damit haben sich völlig neue Möglichkeiten ergeben: Insbesondere das Wetter-Routing. Man kann sich heute mit Hilfe verschiedenster Apps, und auch mit Unterstützung von realen (nicht virtuellen) Experten, eine Routenplanung von A nach B erstellen und kontinuierlich fortschreiben lassen, die die optimalen Kurse für den eigenen Törn unter Berücksichtigung der Wetter- und Strömungsverhältnisse sowie ergänzender Vorgaben wie Geschwindigkeiten, die das eigene Boot erzielen kann, welche Windstärken man vermeiden will, ab welcher Windgeschwindigkeit man die Maschine anschmeißen würde usw. … empfiehlt. Kürzlich gab es in einer WhatsApp-Gruppe des Trans-Ocean e.V. einen regen Austausch über welche Wettermodelle, welche Anbieter usw. man die beste Route erhält. Auf langen Törns ist die Fixierung auf eine Route u. E. jedoch nicht hilfreich. Denn auch heute können die Prognosen über die Zeitdauer einer Atlantikquerung beispielsweise nicht zuverlässig sein. Hinzu kommt, dass die Interpretation der tatsächlich zu erwartenden Verhältnisse für den Meteorologen aus den verfügbaren Daten schwieriger ist, da je nach Atlantikregion weniger Daten vorliegen. So übertragen Verkehrsflugzeuge Wetterdaten, ebenso wie zahlreiche Handelsschiffe im Rahmen des VOS-Programms (Voluntary Observing Ship). Logischerweise natürlich nur von ihren Routen, was zur Folge hat, dass es bessere und eben weniger gut datenbasierte Aussagen für die verschiedenen Regionen gibt. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass die Druckunterschiede auf dem südlichen Nord-Atlantik viel geringer sein müssen als im Norden, um Wirkung zu entfalten, was eine ortsgenaue Prognose zusätzlich erschwert. Daher folgen wir auch keiner fixen Route, sondern legen je nachdem entweder eine Art Korridor für die nächsten Tage fest, innerhalb dessen wir uns bewegen wollen, oder auch schon mal eine Kurslinie, die aber nur als Orientierungshilfe dient. Die konkret zu segelnden Kurse bestimmen wir dann angelehnt an diese Hilfen täglich oder halbtäglich, manchmal sogar stündlich neu. Wobei wir Wert auf einen möglichst bequemen und schnellen Kurs unserer Mago zum scheinbaren Wind legen.

Blick auf die Karten-Anzeige des Bord-PC. Das rote Schiffchen sind wir. Der gelbe Pfeil markiert die gestrichelte Großkreisroute nach Horta. Man sieht, wir haben uns von dieser Ideallinie weit entfernt. Die Punkte mit blauem oder lila Rand und der Punkt vor dem Bootssymbol kennzeichnen bestimmte „Orte“, die einen zu segelnden Korridor markieren. Der tatsächlich gesegelte Weg wird vom Track angezeigt, auf den der blaue Pfeil deutet. Der orangene Pfeil zeigt auf die aktuell gesteuerte Kurslinie. Und der grüne Pfeil markiert das Symbol für die Mittagsposition vom 03.06.26.

Di., 02.06.2026 – Auf See – Tag 6

Mittagsposition: 27°40,12´N – 055°52,60´W
Etmal: 147,6 sm

Um 02:15 liegen 700 SM im Kielwasser. Anke zieht in ihrer zweiten Wache erstmals wieder eine leichte Sweater-Jacke und eine Dreiviertel-Hose an. Wann war das das letzte Mal der Fall? Um 04:30 wird es im Osten schon hell. Man kann dann bereits sehr gut sehen. Zur gleichen Zeit steht der Vollmond im Südwesten hoch am Himmel. Das konnten wir zuvor so auch noch nicht erleben.

Nachdem der gestrige Tag  durchweg bewölkt war, scheint heute wieder die Sonne. Allerdings stets verbunden mit einer Art Hochnebel. Nachts hatte der Wind zugenommen. Gute Bft 4-5, daher auch wieder mehr Welle. Kommen gut voran. Später schwächelt der Gute wieder, die Segel beginnen in der Dünung zu schlagen und wir überlegen, ob wir die Genua erneut ausbaumen sollen. Lassen es dann aber bleiben, da der Wind in zwei, drei Stunden auffrischen soll. Legen uns beide am Nachmittag nacheinander für 1-1,5 Stunden hin, um Schlaf nachzuholen. Und siehe da: Der Wind schralt, nimmt zu und die Segel stehen wieder ohne Geschlage. Manchmal hilft auch Nichtstun. Der erste Angelversuch – erfolglos wegen des Sargassso-Krauts – endet mit einem Doppelpieks für Martin an den Fingern der linken Hand.

Martins Angelversuch ist ein Flop. Statt Fisch hängt Sargasso-Kraut am Köder.

Das Grünzeug wird von den Haken gepuhlt. Zum Schluss hat Martin doch was gefangen – Daumen und Mittelfinger seiner linken Hand! Der Köder hat ja auch zwei Haken, für jeden Finger einen.

Sitzen im Cockpit und beobachten gegenläufigen Schwell. So etwas haben wir noch nie gesehen. Der eine Schwell kommt vom östlich gelegenen Hoch, der andere vom Tief nordwestlich von uns. Sieht ausgesprochen merkwürdig aus und man denkt im ersten Moment, man spinnt und hat Halluzinationen. Auf Foto oder Video kann man das leider gar nicht erkennen. Abends wieder Salat, diesmal mit Ei und Anchovis. Haben offenbar viel Salat eingekauft. 😉

Der gegenläufige Schwell ließ sich natürlich nicht festhalten. In einem Foto eh nicht, doch auch im Video erkennt man das nicht. Ein Blick in unsere Wetterprogramme und Apps bestätigt jedoch unseren Eindruck: Hier ein Screenshot aus Windy vom betreffenden Zeitpunkt (Die Zahlen in der Kopfzeile beinhalten keine Datumsangabe sondern die geographische Position des weiißen Kreises auf der Karte). Der gelbe und der grüne Pfeil zeigen Schwell, dessen Höhe, Periode und Richtung an. Der weißliche Pfeil gibt die aktuelle Windrichtung und -stärke an, nicht jedoch die Höhe der Windsee.

Anke beobachtet in der Nacht eine seltsame Wolke, die wie eine sich nähernde Riesenfledermaus unter dem abgedeckten Mond erscheint.

Mi., 03.06.2026 – Auf See – Tag 7

Mittagsposition: 27°40,12´N – 055°52,60´W
Etmal: 147,6 sm

Bis zum Wachwechsel um Mitternacht herrschte feiner Wind. Dann geht er runter auf nur noch 6,5 kn. 15 kn sind  angesagt! Außerdem herrschen 1 bis 1,5 kn Gegenstrom. Sind also mega-langsam. Im Schwell schlagen die Segel wie wild. Und dabei verlangen die Wetterprognosen, dass wir zügig Nord gut machen, um nicht völlig in einem dicken Flautenloch zu bleiben. Perfekt! Anke findet unter diesen Bedingungen zunächst keinen Schlaf. Hypnotisiere über 1 Stunde die Anzeigen. Die sperren sich aber gegen meinen Einfluss. Nach einer Stunde gelingt es mir endlich, und die Windgeschwindigkeit nähert sich 9-10 kn. Habe die ganze Zeit Kursänderungen und Kleinkram an den Segeln gemacht, um ruhiges Segeln für Ankes Schlaf zu ermöglichen. – Und plötzlich ein Signal aus dem Äther – irreal. Um 01:30 antwortet der Funker des Flüssiggastankers LNG Rosenrot auf den Anruf einer Yacht. Die Yacht können wir jedoch nicht aufnehmen.

Wunderbarer Sonnenaufgang um 04:45. Bei SE-SSE 4-5 sind wir nun schnell, schieben allerdings auch viel Lage. Ist logisch, denn Anke hat jetzt Wache, da kann es kein Rumgedümpel mehr geben. Sieht Rasmus, der Wettergott genauso wie Anke. Irgendwie ist das gemein. Man (Martin) kämpft die ganze Zeit für Zehntel-Knoten, und jetzt das! Die See, Rasmus und Neptun sind einfach ungerecht. Mit bis zu 10 kn jagt Anke die Mago durchs Wasser.

Ein neuer Tag, ein neuer Sonnenaufgang
Die Sonne ist voraus schon aufgegangen. Anke düst mit über 10 kn voran.

09:47 – 900 SM liegen im Kielwasser. Wolkenloser Himmel. Die Solarpaneele laden die Batterien mit über 20 A und erreichen hinsichtlich des Tagesertrags erneut einen Rekord. Abends stresst uns der zurückgekehrte Mangel an Wind und der erneute Gegenstrom. Irgendwie macht es keinen Sinn, den Motor zu starten, da unsere Fahrt durchs Wasser noch knapp 4 kn beträgt. Doch der Gegenstrom reduziert diese auf weniger als 3 kn über Grund. Die aktuellen Wetterprognosen wiederum verlangen, dass wir zügig Nord gut machen, um das Risiko eines fetten, windlosen Hochs zu vermeiden.

Zur Vesperzeit – es ist bereits ab halb acht dunkel – geht ein  Frachter gut 1 SM vor uns durch. Anhand der Veränderung seiner Positionslichter erkennen wir, dass er extra einen Bogen gemacht hat, um uns auszuweichen. Er muss uns bereits früh auf seinem AIS gesehen haben. Nach dem Abendessen starten wir dann widerwillig die Maschine. Die ist genauso widerwillig, scheint Sargasso im Propeller zu hängen. Auch nach mehrmals vorwärts / rückwärts läuft der Antrieb nicht so ruhig wie gewohnt. Stellen nach einer Viertelstunde die Maschine wieder ab – und dümpeln missmutig in gebotener Langsamkeit voran. Imnerhin voran.

Waren nach anfänglicher Skepsis doch froh, gestern noch den Spibaum gesetzt zu haben. Dieses Setup hat uns gut und nach dem Versuch mit der Maschine letztlich sogar unerwartet zügig durch die Nacht gebracht.

Die Sonne im Zenit. Zeit für die Mittagsposition.

Kleines Missgeschick. Es gibt noch reichlich Schwell bzw. hohe Dünung. Entsprechend rollt Mago. Wir haben alles gesichert, so dass nichts umfallen und kaputt gehen kann. Nur den Skipper haben wir nicht bedacht. Eine Dünungswelle hat Martin mitsamt der Kojenpolster auf den Cockpitboden befördert, den Po sogar in den Wasserfang vor dem Niedergang. Er hat’s offenbar fröhlich überstanden und entdeckt bei der Gelegenheit neue Perspektiven!

Do., 04.06.2026 – Auf See – Tag 8

In Ankes Wache noch vor Mitternacht wird der Wind etwas frischer und schralt. Besseres Segeln! Freude! 😊 Um Mitternacht zieht eine fette Regenwolke heran. Anke beobachtet sie auf dem Radar. Nachdem sie in der Koje steckt, beobachte ich weiter. Freundlicherweise zieht sie schließlich in 3 sm Abstand vor uns durch. Bevor der Mond aufgegangen war, ließ sich schönes Meeresleuchten beobachten.

Heftige Krämpfe in den Schienbeinen reißen mich während meiner zweiten Freiwache aus dem Schlaf. Gurkenwasser hilft. Das ist ein altes Hausmittel und Tipp von Doris, unserer früheren Mieterin in der Humboldtstraße 😉. Danke Doris. Ein, zwei Esslöffel vom Wasser eingelegter Saurer Gurken trinken. Ne Gurke dazu essen schadet nicht. Aktuell habe ich französische Essiggurken im Einsatz. Die sind in purem Essig eingelegt. Unverdünnt nicht genießbar. (Da muss bei der Produktion was schief gegangen sein, anders kann ich mir das für ein Nahrungsmittel aus Frankreich nicht erklären.) Funktioniert allerdings genausogut wie das Saure Gurken-Wasser.

15:50 Die MSC Carmen geht 1,5 Seemeilen vor uns durch. Auch sie hat einen kleinen Haken geschlagen, um uns nicht zu nahe zu kommen. Sonniger Tag. Der Schwell hat spürbar abgenommen. Der Wind ebenfalls. Entspanntes Vorankommen. Nach der Mittagsposition fällt Anke auf, dass wir uns inzwischen in einer anderen Zeitzone befinden. Die Bordzeit wird umgestellt. Mit Überschreiten von 52°30`W gilt für uns nun UTC-3.

Hell leuchtend stehen Venus und Jupiter tief am frühen Nachthimmel. Auch sonst „unheimlich“ viele Sterne zu sehen, wie Anke es ausdrückt. Ist eben auch schön, wenn der Mond nicht scheint. (Später geht er natürlich doch auf.) Sogar Meeresleuchten gibt es!

Jeden Tag aufs Neue der Sonne entgegen. Die Frontscheiben sind von der Spray versalzen und sammeln die Luftfeuchtigkeit in beeindruckendem Maß.
Mit abgestreifter Scheibe kann man die wärmende Sonne besser sehen. Inzwischen freuen wir uns über die von ihr gespendete Wärme, denn die Nächte werden frischer.
Ein paar Stunden später – das Logbuch liegt bereit für die Mittagsposition.

Martin beim täglichen Inspektionsrundgang. (Es ist aber stets als erstes Anke, die etwas entdeckt, wenn es nicht in Ordnung ist.)

Wanten und Stage, Beschläge, alles Mögliche wird inspiziert. Und bei Bedarf das Deck befreit, von Sargasso-Kraut und anderen meist nächtlich erschienenen Besuchern wie …
… diesem Fliegenden Fisch. Leider bereits verendet und wie man sieht ganz steif.
Und schon ist der Tag vorbei. Wir genießen einen kleinen Sundowner.
Wie sich die Farbe gleichen. Sonnenauf- und Sonnenuntergänge. Letztere sind allerdings meist wolkenreicher. (Und Anke hat ihren Sundowner geschickt versteckt.)
Da wollen wir uns in keinster Form über irgendetwas beklagen (wenig Wind, schlagende Segel …)

Fr., 05.06.2026 – Auf See – Tag 9

Mittagsposition: 32°55,10´N – 051°07,22´W
Etmal: 133,0 sm

Der Wind will so gar nicht wie wir wollen. So machen wir eine Stunde vor Mitternacht einen erneuten Versuch mit der Maschine, und nun geht es. Was auch immer im Propeller saß, es hat wohl aufgegeben. Motoren über Mitternacht hinweg rund 4 Stunden.

Um 02:10 sehe ich bei einem zufälligen Blick auf die Anzeigen, dass wir soeben 1.111 Seemeilen zurückgelegt haben. Eine netter Wert. Wobei anzumerken ist, dass sich die Meilenzählung der Furuno-Anzeigen und die des Bord-PC nicht ganz einig sind. Letzterer zählt etwas langsamer, und heute Mittag ist die Differenz auf 3 Seemeilen angewachsen. Das ist insofern seltsam, da beide auf dieselben Datenquellen zugreifen.

Bis auf das Motorintermezzo in der Nacht sind wir mit den Bedingungen sehr zufrieden. Vor allem: Seit Tagen segeln wir auf einem Halbwindkurs. Anke entdeckt dann noch, dass unsere Meilen zum Ziel grob übertrieben sind, denn die Navigationselektronik misst die vor uns liegede Strecke über einen Wegpunkt, der schon weit achteraus liegt. Wir basteln ein wenig an den Wegpunkten und schnell zeigt sich, dass das Bergfest noch heute gefeiert werden kann! Um 11:10 sind die Werte der zurückgelegten Meilen und der noch zu segelnden Meilen identisch: 1165 sm. Halbzeit / Mitte / Bergfest. Wobei man einschränkend festhalten muss, die Meilen vor uns werden schon noch etwas mehr sein, denn schließlich können wir keine Ideallinie segeln. Immerhin, diesen Punkt haben wir nach 189 Stunden erreicht und dabei einen Schnitt von 6,1 kn erzielt. Das entspricht einem durchschnittlichen Etmal von 146,4 sm. Angesichts der Schwachwindphasen gar nicht so schlecht.

Nächster Versuch während der Mitternachtwache, den Mond und seinen Silberglanz abzulichten. Geht so, das Boot bewegt sich zu sehr.
Später am Tag genießen wir Stunde um Stunde das blaue Wasser. Hübsch garniert mit grünen Sargassokrautflecken. Diese dummen Algen verhindern nach wie vor unser Angelglück.

Allen Widrigkeiten zum Trotz, hier lockt das Glück. Wir haben den Punkt erreicht, an dem die vor uns liegenden Meilen den zurückgelegten Meilen entsprechen. Jeweils 1.165 Seemeilen. Bergfest!

Wir hatten auf Martinique, oder war es Guadeloupe (?), argentinischen Chandon entdeckt. Eingedenk unserer sagenhaften Erinnerungen an den argentinischen Moët, den wir auf unserer letzten Reise lieben lernten, haben wir natürlich sogleich zugeschlagen. Das Bergfest ist die Gelegenheit, um eine Flasche zu öffnen.

Cheers

Mit den Bildern vom Bergfest-Genuß für heute ein fröhliches Ahoi
Martin und Anke
06.06.2026 – auf See – 33°47,76´N / 050°07,79´W (Position beim Tageswechsel vom 05. auf den 06.06.)

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