Zwischenzeit – Blows, Mon, Blows!

Zwischenzeit – Blows, Mon, Blows!

Der Abschied von Kirsten ist nah – neue Erlebnisse warten auf uns. Wobei sich unter den Erlebnissen an Bord einer Blauwasseryachht recht viel Unerwartetes subsummieren lässt. 😉 Mit Kirsten an Bord der Fähre nach Kingstown, St. Vincent.

Auch wenn dieser Beitrag als „Zwischenzeit“ betitelt ist, wir müssen doch noch einmal zurückschauen auf Kirstens Abreise (Foto). Anschließend blieben uns noch zwei Tage auf Bequia, auf die wir einen etwas umfangreicheren Rückblick werfen wollen. „Blows, mon, blows!“ war der Ruf, wenn die Männer von ihren Ausguckposten den Blas von Walen ausmachten. „Blas, Männer, Blas!“ war das Signal, die Fangboote zu rüsten und ins Wasser zu schieben. Wir wollten unbedingt das kleine Heritage-Museum besuchen, dass sich der lokalen Geschichte und Walfang widmet. Aufgrund der sehr eingeschränkten Öffnungszeiten nutzten wir eines der kleinen Pickup-Taxis. Das war zwar nicht sehr schnell unterwegs, allerdings doch schneller als wir zu Fuß. Und wir waren dem Fahrer für die beschauliche Fahrt durchaus dankbar, denn die mehr oder weniger nicht vorhandene Federung – wahrscheinlich beruhte die auf Ersatzblattfedern aus dem Baumarkt (das bzw. die gibt gibt es tatsächlich) – gepaart mit der Straße war schon eine recht wirbelsäulenbelastende Angelegenheit. Im Museum entdeckten wir in einem Nebengebäude Nicola Redway, die soeben einen Vortrag über die Geschichte der Insel und des lokalen Walfangs begonnen hatte.

Auf der Nutzfläche des Taxis. Das sind häufig Pickups, bei denen man auf der Ladefläche zwei einfache Sitzbänke, simple Rückenlehnen und ein schattenspendendes Dach montiert hat. Ansonsten sind die Dinger luftig belassen, was eine Klimaanlage spart. 😉 Mit dem gleichen Modell waren wir u.a. schon in den Kapverden unterwegs gewesen.
Im Bequia Heritage Museum hören wir aus einem Gebäude Stimmen. Neugierig treten wir an die Glastür und werden sofort aufgefordert, hereinzukommen. Nicola Redway, Kuratorin des Museums, hält nun vor sechs Besuchern einen sehr informativen Vortrag über Bequia und den hiesigen Walfang.

Wir sind überrascht als Nicola uns gleich als erstes bestätigt, dass an diesem Morgen ein Walfangboot rausgefahren sei. Wenn es Erfolg haben würde, würden wir das sofort hören, denn dann sei ein großer Teil der Bevölkerung in Aufruhr. Die Walfänger von Bequia gehören zu den „indigenen“ Walfängern, denen die International Whaling Comission (IWC) Quoten für eine traditionelle Subsistenz-Waljagd zugeteilt hat. Heute ist in folgenden Ländern „indigenen“ Gruppen unter strengen Auflagen der Walfang erlaubt :

  • Grönland (Dänemark)
    Die Inuit dürfen im Nordatlantik Zwerg-, Finn-, Buckel- und Grönlandwale jagen.
  • USA (Alaska):
    Den Iñupiat und Yupik in Alaska ist Jagd auf Grönlandwale gestattet.
  • USA (Washington State):
    Der Stamm der Makah erhielt das Recht, Grauwale zu jagen.
  • Russland (Tschukotka):
    Indigene Völker im Fernen Osten Russlands (z.B. Tschuktschen) dürfen Grauwale und Grönlandwale bejagen.
  • St. Vincent und die Grenadinen (Karibik):
    Den Einwohnern der Insel Bequia ist die Jagd auf Buckelwale gestattet. Wobei anzumerken ist, dass es sich in diesem Fall um keine indigene Gruppe im klassischen Sinn handelt (d. Verf.).

Walfang auf Bequia

Nach Nicola war mit Festlegung der ersten Quoten im Jahr 1993 den hiesigen Walfängern das Erlegen von bis zu vier Buckelwalen pro Jahr zugestanden. 2024 wurde von der IWC offenbar ein neues Quotierungskonzept eingeführt, dass ab 2026 für einen sechsjährigen Zeitraum gilt und den Menschen in Bequia zwischen 2026 und 2031 die Jagd von 31 Buckelwalen erlaubt (Quelle: IWC – Bei Interesse diesem link auf die betreffende Seite des IWC folgen). Rechnet man nach, ist die Quote auf etwas mehr als 5 Tiere / Jahr erhöht worden. Wobei nicht erlegte Wale zählen, sondern „strikes„, das heißt harpunierte Wale. Mit anderen Worten, ein harpunierter, aber entkommener Wal wird auf die Quote wie ein erlegter Wal angerechnet.

Weitere Vorgaben sind unverändert, dass nur mit traditionellen Methoden und nur für den Eigenbedarf gejagt werden darf, also mit traditionellen Fangbooten, nur mit Ruderkraft und Segeln, mit Handharpunen usw. Aus ethischen Gründen darf nach dem erfolgreichen Harpunieren das Töten des Tieres mit modernen, schnellen Methoden erfolgen. Auch das Einschleppen des Wales darf nach dem Fang mit Motorbooten erfolgen. Das ist sicherer für die Fangcrew und vermeidet den Verlust erlegter Tiere. 1993, im ersten Jahr der Quotierung, erlegte man tatsächlich vier Tiere, danach meist nur ein oder zwei Wale und oft auch gar keinen. Dieses Jahr hat man offenbar erst wenige Tage vor unserem Besuch einen Wal erbeutet und versucht gerade, einen zweiten zu erlegen. 2022 war zuvor das letzte Jahr erfolgreicher Jagd mit einem erbeuteten Tier.

Kleine Historie

Bequia wurde aufgrund des spärlichen Regens und der nur beschränkt für eine Landwirtschaft geeigneten Böden vergleichsweise spät besiedelt. Vor allem von Franzosen und Engländern. Ende des 18. Jahrhunderts lebten auf der Insel ein paar hundert Sklaven auf neun Landgütern (Estates) zusammen mit den neun besitzenden Familien oder deren Verwaltern. Man versuchte mäßig erfolgreich Zuckerrohr und ein paar andere Dinge anzubauen und zu exportieren. Ein erster wirtschaftlicher Niedergang folgte der amerikanischen Unabhängigkeit. Die Briten untersagten jedweden Handel mit diesen verruchten, nordamerikanischen Abtrünnigen, den Hauptabnehmern der heimischen (v.a. Zuckerrohr- und Rum-)Exporte. Der zweite wirtschaftliche „Schock“ kam mit der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1838. In den Folgejahren sank die Zuckerproduktion um mehr als 75%. Zwar erhielten die Grundbesitzer eine Entschädigung seitens der britischen Regierung, übrigens bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Klar, dass die ehemaligen Sklaven natürlich nicht entschädigt wurden und zunächst als Lohnempfänger unter kaum anderen Verhältnissen lebten als zuvor, zumal sie weder rechtlich noch unter praktischen Erwägungen so einfach kündigen konnten.

In dieser Zeit wirtschaftlichen Niedergangs entwickelte sich die Jagd US-amerikanischer Walfänger auf Buckel- und Pottwale in St. Vincent und den Grenadines. Ein gewisser William Thomas Wallace jr. von einem der Güter, dem Friendship Estate, heuerte auf einem der Walfänger an. Mit dem bei der folgenden Fangfahrt angeeigneten Wissen um die Möglichkeiten, die ein Walfang bieten würde, erwarb er zwei gebrauchte Walfangboote und errichtete 1875 die erste Walfangstation auf Bequia. Auch wenn dieser erste Versuch wirtschaftlich scheiterte, legte er den Grundstein für die kurz darauf beginnende Walfangtradition der Insel, die maßgeblich von Mitgliedern der Familien Wallace und Ollivierre geprägt wurden. Die heute noch aktive Walfängerei wird von Nachfahren der Familie Ollivierre betrieben.

Eine Hommage an Athneal Ollivierre auf einem Walknochen. Athneal Ollivierre ist unter den hiesigen Walfängern des 20. Jahrhunderts eine Legende und hat offenbar sehr dazu beigetragen, das Wissen um die Fertigkeiten und Traditionen, die der auf Bequia ausgeübte Walfang erfordert, zu erhalten.

Athneal Ollivierre war direkter Nachfahre der Ollivierres, die zu den Begründerfamilien des Walfangs auf Bequia zählten. Der Walfang beschäftigte im frühen 20. Jh. saisonal etwa 100 Menschen und begründete auf Bequia zugleich eine Bootsbau-
tradition, die bis heute nachwirkt. So zeigt das Beitragstitelbild den Bau der Sloop Skywave in der Friendship Bay. Für die Bevökerung der Insel war beides ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Überleben. (Foto: Display im Heritage Museum)

Die Boote

Gejagt wurde in der Folge mit Booten, deren Design dem der von den Amerikanern so genannten Yankee beetleboats ähnelte, das aber modifiziert war und die auf der Insel gebaut wurden. Die als Doppelender ausgelegten Boote waren 7,90 m lang, knapp 2 m breit, besaßen eine 5,50 m lange Kielplanke und hatten einen bescheidenen Tiefgang von 15 cm. Ein absenkbares Schwert konnte bei Bedarf die Abdrift reduzieren. Es gab interessanterweise fünf Sitzplätze für Ruderer, drei an Steuerbord, zwei an Backbord. Die Riemen waren unterschiedlich lang: 2 x 4,30 m, 1 x 4,90 m und 2x 5,50 m. Zum Steuern diente ein Steuerriemen von 6,70 m Länge sowie ein abnehmbares Ruder, dass man seitlich an das Heck laschen konnte. Das blitzschnell umlegbare Rigg bestand aus einem kurzen Mast, einer ursprünglich sehr tief angesetzten Spiere, die das Segel vor allem nach oben ausstellte und einem langen Baum. Das Boot trug ein extrem großes Großsegel und eine vergleichsweise kleine Fock. Die Besatzung bestand aus sechs Männern: Dem Kapitän und Steuermann, vier Ruderern und dem Harpunier, der ebenfalls ruderte. Interessant ist, dass das Harpunieren des Wals eine Aufgabe war, die natürlich der Harpunier erledigte, das eigentliche Töten des Wales war dagegen Aufgabe des Kapitäns. Dies erfolgte ursprünglich mit einer Lanze, später mit einer bum gun, einem an der Schulter abgestützten schweren Gewehr, das kleine Granaten verschoss.

Display im Bequia Heritage Museum

Das mitgeführte Equipment bestand unter anderem aus:

  • 5 Rudern, 1 Steuerruder
  • 5 Paddel
  • 1 Holzfaß mit 150 Faden (knapp 275 m) Manilaleine
  • 1 Schöpfkalebasse
  • 1 Laterne
  • 3 Harpunen
  • 3 Lanzen
  • 1 Munitionskiste
  • 1 schweres Schultergewehr für Granaten
  • 1 Blubberspaten, mit dem ein Loch in den Wal geschnitten wurde, um ihn zum Schleppen mit einer Leine zu befestigen.
  • 5 Ersatzstiften für die Bug-Chocks. Diese Stifte (Pins) sollten ein Herausspringen der Manilaleine vermeiden.
Das Fangboot Dart, dass sich Athneal Ollivierre hat bauen lassen.
Bug der Dart. In dieser Einkerbung wurde die Leine geführt, die den harpunierten Wal mit dem Boot verband. Die Seiten der Einkerbung werden Chocks genannt. Durch die Löcher oben wird ein Pin geführt, der verhindert, dass die Leine nach oben herausspringt.
Detail von Rumpf und Mannschaft sind nur schwer zu erkennen, Rigg und Segelgarderobe dagegen gut. Ein traditionelles Fangboot hoch am Wind. (Quelle: Nathalie F. R. Ward: Blows, Mon, Blows, 1995, S. 20 – vom Autor des Blogs bearbeitet)

Die Jagd

Die Jagd erfolgte auf der Luvseite der Insel, da die vorherrschenden Winde es vereinfachten, einen erlegten Wal zur Insel zu schleppen. Heute findet sie überwiegend in dem „Kanal“ zwischen Bequia und Mustique statt. Man jagte bevorzugt Buckelwale, die anders als Pottwale, flaches Wasser aufsuchen und daher als Küstenwale galten. Bevorzugt jagte man Kühe mit Kälbern. Die Bullen galten als zu gefährlich. Außerdem hatte man mit einer Walkuh gleich zwei Tiere erbeutet, da das Kalb nicht fliehen würde. Dass man auf diese Weise den Bestand gefährdete, wurde zwar erkannt, führte jedoch zu keiner Verhaltensänderung. Heute dagegen ist die Jagd auf Kühe mit Kälbern ausdrücklich verboten. Anfang des 20. Jh. wurden auch Pottwale gejagt, da deren Öl besonders hohe Preise erzielte.

Es war eine schwierige Angelegenheit, einen erlegten Wal an Land zu schleppen. Die Crews hatten mit Squalls, Windstillen, unerwartete Strömungen und einbrechender Dunkelheit zu kämpfen. Etwa ein Drittel der erlegten Wale gingen letztlich verloren. 1910 war der Höhepunkt des Walfangs erreicht. Jeder der fünf Fangbetriebe auf Bequia landete in diesem Jahr 6 – 7 Wale an.

Der große Einbruch kam als Folge norwegischer Aktivitäten zwischen 1925 und 1927, die von Glover Island an Grenadas Südküste ausgingen. Die Norweger jagten ebenfalls bevorzugt Muttertiere mit ihren Kälbern und nutzten eine viel moderner Technik. In der Folge brachen die Buckelwalbestände dramatisch ein und der Walfang, der auf Bequia zeitweise einem Fünftel der arbeitsfähigen, männlichen Bevölkerung Lohn und Brot gegeben hatte, brach zusammen. Um die Wichtigkeit des Walfangs zu veerstehen, muss man sich klar machen, dass die Gesamtbevölkerung Bequias zu dieser Zeit bei vielleicht 1.300 – 1.500 Menschen lag – ein Dorf. Zwischen 1947 und 1957 wurde kein einziger Wal mehr gefangen.

Eines der wenigen Farbfotos von der Waljagd auf Bequia. Gut zu erkennen, der Steuermann mit dem langen Steuerriemen. Auf dem Wal sitzt der Kapitän. Auffallend, dass neben der Stammcrew von sechs Männern noch vier weitere Personen an Bord sind, darunter scheint ein Kind zu sein. (Quelle: Display, Bequia Heritage Museum)

Zwischenzeit – nun aber

Der Museumsbesuch bedeutete für uns auch den letzten Tag auf Bequia. In fünf Tagen würden wir in Le Marin sein. Dort hatten wir schon konkrete „Werkstatt-Termine“ vereinbart. Mittlerweile war uns diese kleine und so ruhige Insel Bequia doch ziemlich ans Herz gewachsen. Schien sie uns im vergangenen Jahr noch ziemlich langweilig, hatten wir uns bei diesem zweiten Besuch ein wenig in sie eingegrooved. Jedenfalls können wir inzwischen gut verstehen, warum in den vergangenen Jahrzehnten vergleichsweise viel Europäer hierher umgesiedelt sind.

Nachdem Museumsbesuch folgen die letzten Male. Ein letztes Mal schlendern wir den Strand an der Friendship Bay entlang …

… hinterlassen vergängliche Spuren im Sand (fast wie verliebte Teenager) …

… und kehren ein letztes Mal in der Sand Bar ein.
Ein letztes Mal überlegen wir, ob wir an dieser Garküche in Port Elizabeth noch etwas kaufen sollen …

… und ein letztes Mal begegnen wir YYY, einem lokalen Original.

Ganz überraschend, wenn auch in den heutigen, modernen Zeiten mit Vorankündigung, begegnen wir Birgit und Hans mit ihrer Haipule. Wie lange ist unsere letzte Begegnung her? April 2022 in Gozo (Malta).
Am nächsten Morgen sind wir schon früh im Städtchen, denn wir müssen schließlich ordentlich ausklarieren. Angenehm, dass Zoll und Einwanderungsbehörde die Schalter, wie in vielen karibischen, von Yachties besuchten Inselstaaten durchaus üblich, direkt nebeneinander platziert haben. Das macht die Vorgänge einfach.
Und dann haben wir noch ein Riesenglück. DER Knochenschnitzer von Port Elizabeth, Phil Peters, hat ausgerechnet heute seinen Stand aufgebaut. Es gibt auch andere, doch er macht die handwerklich besten Arbeiten und aus echtem Walbein, keinem synthetischen Ersatz.
Phil Peters mit einer Schnitzarbeit, scrimshaw, aus einem Stück Rippenbogen. Der bearbeitete Knochen stammt von dem vor vier Jahren erlegtem Buckelwal. Er arbeitet in gewisser Weise in der Tradition der sogenannten scrimshander. So wurden die Menschen genannt, die Knochen und Zähne von Walen und anderen Tieren künstlerisch bearbeiteten.
Die Schnitzarbeit, die Phil auf dem vorhergehenden Foto in der Hand hält. Das Motiv zeigt unverkennbar einen Buckelwal.
Mago del Sur verläßt die Princess Margaret Bay bei Port Elizabeth, Bequia. (Foto: Birgit Gehm-Forster)
Wir sind recht spät losgekommen. So beschließen wir einen Zwischenstopp in der Bucht von Chateaubelair, St. Vincent. Bei Annäherung an die Bucht kommen bereits boat boys, um uns an einen Ankerplatz zu lotsen. Dafür wünschen sie eine kleine Anerkennung, und das ist schon ok so, denn für viele Menschen auf der Insel ist das Leben nicht einfach.
Pünktlich am nächsten Morgen sind die boat boys wieder unterwegs, außer wenn Schule ist, dann kommen sie erst nach der Schule. Sie versuchen, etwas Obst und Gemüse zu verkaufen. Wenn man „Nein“ sagt, ist es kein Problem. Mancher boat boy hängt vielleicht noch etwas länger längsseits, aber das bedeutet nur, dass sie vielleicht noch ein wenig schauen oder sich unterhalten und ihre Sprachkenntnisse aufpolieren wollen. Jedenfalls sind sie stets freundlich und unproblematisch. Und man muss anerkennen, dass sie aktiv sind. Sie sind bereit, etwas zu tun, im besten Sinne etwas zu unternehmen, um Geld zu verdienen.

Dass das Leben für viele Menschen in den von uns besuchten Ländern und Inseln nicht einfach ist, wird nicht überraschen. Gründe dafür gibt es viele. Hier eine Szene am helllichten Tage aus Kingstown, St. Vincent.

Ganz wichtig, sofern genügend Zeit zur Verfügung steht: Frühstück, bevor es weiter geht. Bei uns immer etwas einfach aus den Dosen. Schön aufgedeckt wird nur für Gäste. 😊
Am nächsten Tag geht es gleich weiter. Man müsste sich Zeit nehmen für St. Vincent. Es wirkt noch recht unerschlossen, geradezu unberührt. Müsste …
Weiter geht´s nach St. Lucia. Ein Stopp in der Marigot Bay ist für uns mittlerweile ein Muss. Vorbeisegeln geht einfach nicht. Wir freuen uns jedesmal über die Wahrzeichen der Insel, die beiden Pitons.
Anke wechselt die Gastlandsflaggen. Die Dreiecke auf der Nationale von St. Lucia symbolisieren die beiden Pitons.
Unterwegs schleicht sich ein unerschrockener Mitreisender ein. Ein Tölpel, bekannt unter dem Namen „Vogel Fritz“. Er scheint öfter auf Booten mitzureisen, mit uns ist er bis nach St. Lucia gefahren. Martin kann sich problemlos annähern und ein paar Portraits schießen.
Der auf dem Bugkorb mitfahrende Weißbauch-Tölpel (Sula leucogaster) im Portrait.
Wir liegen noch gar nicht lange an einer der Muringbojen in der Marigot Bay, da kommt Hamilton, ich glaube, so nannte er sich, der Ganzjahresweihnachtsmann vorbei. Auch er ein boat boy, der Obst und Gemüse anbietet.

Es trifft sich, dass gerade mein Geburtstag ist, wir in der Marigot Bay liegen und in unserer Lieblingsbar Chateau Mygo gerade Happy Hour eingeläutet wird. So gibt es zwei Rumpunsch für Martin, statt einem. Und da der Rumpunsch ohne Eis serviert wird, gibt es auch keinen Streß beim Trinken, er kann nicht warm werden.

Ein letztes Mal genießen wir den Sonnenuntergang und den Abend in der Marigot Bay. Da wird man schon wehmütig und fragt sich, ob man alles richtig macht.
Martin wird noch schnell ein Jäckchen holen für Anke, denn der Abend will noch ein klein wenig genossen werden.
Ja, und dann hat Anke verraten, dass heute mein Geburtstag ist. Prompt bekomme ich einen Kuchen geschenkt, die Chefin des Chateau Mygo links taut total auf, und Sharon rechts an meinem Busen ist eh schon seit unserem ersten Besuch aufgetaut 😉!
Es häufen sich die letzten Male. Ein letzter Abend vor Anker bei Saint-Anne. Morgen geht es in die Marina von Le Marin.

Und dann ist Le Marin erreicht. Die Buchung des Liegeplatzes hat geklappt und wir machen in der Marina fest, unweit der Boote unserer Freunde Michael und Robyn von der Ripple sowie Wolf und Lisa von der Opus. Gleich am nächsten Tag, einem Montagmorgen, tauchen die Mitarbeiter von Inboard Diesel Service (IDS) auf und wechseln den Zahnriemen, der die Nockenwellen unseres Motors steuert. Dabei entdecken sie, dass der Spanner für den Lichtmaschinenriemen nicht mehr spannt und tauschen auch noch die Riemen für Lichtmaschine und Seewasserpumpe. Kai (Inoxalu) schaut vorbei, und in Wochenfrist ist der Steuermannssitz im Cockpit drehbar wie bisher, aber wackelfrei gelagert. Und das drehbare Stühlchen vor dem Navitisch unter Deck ebenso. Ein Kollege der Segelmacherei Voilerie Incidence schaut ebenfalls wie vereinbart vorbei und innerhalb von 4 Tagen – am Freitag ist Feiertag – sind alle Anpassarbeiten am Bimini getan, und wichtiger noch, die von Anke so ersehnten Seitenteile gegen Sonne und Regen passgenau gefertigt. Wie schon letztes Jahr sind wir mit der Qualität aller Arbeiten sowie der Pünktlichkeit mehr als zufrieden. Und über die Preise kann man keinesfalls meckern.

Natürlich ist auch unsere Mitwirkung gefragt. Anke verschraubt die Bodenplatte des Stuhls am Navisitz, nachdem dieser von Inoxalu zurückgekommen ist. Eine aufbauende Arbeit, die ich aufgrund der Platzverhältnisse nicht leisten kann. Bin zu wenig kompakt. Immerhin war es mir gerade möglich, bei der Demontage die betreffenden Muttern zu lösen, und wenig später in dem unter dem Stuhl versteckten Spantsegment die Reste unserer alten 10 mm-Kette zu verstauen. Ächz.
Am Großschottraveller ersetzen wir die weißen Delrin-Kugeln, die sich unter der Wirkung der karibischen Sonne auflösen. Erstaunlich, wie viel leichtgängiger der Traveller anschließend ist.
Auch der Tausch der Travellerkugeln erfordert den Liegenden, nur diesmal mit Filigranwerkzeug zum Stopfen, Schieben und Halten. Und viel Geduld.

Zuguterletzt wird auch die vorbestellte neue 10 mm-Kette abgeholt. Endlich besitzt Mago neben der zwar starken, aber mit 50 m doch recht kurzen 13 mm-Kette wieder eine lange Kette für größere Tiefen. In wenigen Augenblicken wird unser Dinghi etwas tiefer im Wasser liegen. Auch hier muss man sagen, die Abwicklung der Bestellung durch Clipper Ship und die Qualität der Kette lieferten keinen Grund zur Beanstandung. Im Gegenteil, wir sind hoch zufrieden.

Abendliche Entspannung auf der CKebulan bei Michael und Claudia. Sieger im Honigkuchenpferd-Contest ist …? Claudia ist inzwischen Spezialistin für die Erbeutung des Pazifischen Rotfeuerfisches (Pterois volitans) geworden. Damit leistet sie einen Beitrag zur Reduzierung dieser invasiven Art und erfreut sich, und an diesem besonderen Abend auch uns, mit sehr schmackhaften Fischfilets.
Vorbereitete Filets vom Rotfeuerfisch. Ein festes, sehr aromatisches Fleisch.

Ganz unvermeidlich ist natürlich der Donnerstagsbesuch bei Mamis‘. Auch ein letztes Mal. Da spachteln wir natürlich ersteinmal die herzhafte, aus Nürnberg importierte Currywurst. Das ist inzwischen schon Tradition bei uns. Doch inzwischen wissen wir mehr über die Ursprünge von Mami’s, und dass dieses kleine Restaurant ursprünglich als Fischräucherei begann. Und so beibt nicht aus, dass wir Räucherfisch für die nächsten Tage mitnehmen.

Zum Abschluss können wir uns nicht verkneifen, einen kleinen Ausflug in die krabbelnde Tierwelt zu machen, wobei die meisten Fotos während Sonjas Besuch entstanden sind.

Karibik-Landeinsiedlerkrebs (Coenobita clypeatus). Dafür, dass diese Tiere als scheu und vor allem nachtaktiv gelten, haben wir ganz schön viele gesehen. Interessant ist, dass es sich um Kiemenatmer handelt. Die Tiere schleppen daher im Gehäuse immer einen kleinen Wasservorrat mit. Was Mutter Natur sich nicht hat alles einfallen lassen? Oder anders gefragt, wie kann die Evolution zu solchen überraschenden Lösungen kommen?

Schwarzrückige Landkrabbe oder Touloulou Krabbe (Gecarcinus lateralis), jederzeit bereit, sich zu verteidigen, wie man sieht.

Eine Blaue Landkrabbe (Cardisoma guanhumi) unmittelbar vor der Flucht in ihr in den Grund gegrabenes Loch. Für mich erinnert sie mit den weiß gerandeten Kanten der Augenhöhlen immer ein wenig an manchen amerikanischen Straßenkreuzer aus den frühen Sechziger Jahren.
Tja, wem sind wir hier begegnet? Angeblich soll es sich – nach langen Recherchen – um eine Mangrovenwurzel-Krabbe (Goniopsis cruentata) handeln, doch ich habe meine Zweifel. Vielleicht sieht ja ein Fachmann oder eine Fachfrau das Foto und kann uns einen Hinweis geben.
Und bei diesem Exemplar sind wir hinsichtlich einer Artbestimmung nicht einmal ansatzweise weiter gekommen. Nun ja, auf See schaukelt es ja so, das erschwert jedweden Bestimmungsversuch. ☹

Zum Abschluss noch ein Tierchen, bei dem wir gar nicht erst auf die Idee kommen, die Art bestimmen zu wollen. Nächtlicher Besuch eines Tarnkappen-Batman-Falters auf dem Deckel meines Pikliz-Glases. Der weiß anscheinend, was gut schmeckt und viele Vitamine bereit stellt. (Pikliz ist ein würzige Sauce haitianischen Ursprungs, die vor allem aus Weißkohl, Karotten, Zwiebeln und Paprika besteht.)

Es grüßen Euch von 37°44,0´N und 035°23,0´W rund 323 Seemeilen westlich von Horta auf Faial, unserem Ziel (Positionsangabe = Mittagsposition vom 10.06.2026 um 12:00 UTC-3)
Martin und Anke

Um nicht missverstanden zu werden: Am besten gefällt uns ein fröhlich planschender und blasender, lebendiger Wal! In diesem Sinne …

***

Tipps und Hinweise

Noch nicht wahrgenommen? Unsere Seite besitzt eine Abo-Funktion: Wer in Zukunft keinen Beitrag verpassen will, kann den Blog abonnieren, und das geht mit Hilfe der Seite Kontakte, oder indem man – ganz einfach – hier klickt.

Mit der Tier- und Pflanzenwelt haben wir uns auf Reisen schon immer gerne beschäftigt. Wir schildern unsere Begegnungen mit Howler Monkeys, Alligatoren, sogar einem Leoparden auf Sri Lanka und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert