Legenden (#2) – Peters Café

Legenden (#2) – Peters Café

Vollständig heißt es eigentlich Peters Café Sport. Schon in den ersten Büchern, die wir verschlangen, als uns die Idee vom Blauwassersegeln in Studentenzeiten infiziert hatte, tauchte dieses Café in Horta auf der Azoreninsel Fajal auf. Der namengebende Peter hieß eigentlich José Azevedo und war Sohn des Gründers des Café Sport. Der Name Peter geht auf den Spitznamen zurück, den ihm ein englischer Offizier gab, da er den Namen José nicht gut aussprechen konnte und da ihn besagter José an seinen eigenen Sohn Peter erinnerte. Man muss Peter daher eigentlich mit englischem e = i also Pieter aussprechen. Die Historie des Cafés ist in Wikipedia gut beschrieben, daher verzichten wir hier auf mehr Geschreibsel. 1986, mithin ein Jahr vor Ende des Walfangs auf Horta im Jahr 1987 wurde das Café übrigens um ein hochinteressantes Museum ergänzt, das vorwiegend Scrimshaws ausstellt. Wie sich heute zeigt, eine sehr weitsichtige Entscheidung. Mittlerweile wird das Café von der dritten und vierten Generation der Familie betrieben und die fünfte Generation stürmt schon zwischen Tischen, Stühlen und Besuchern umher, sofern sie nicht bereits ins Bett gescheucht wurde. Das Café Sport hat sich von der eigentlichen Kneipe aus über mehrere Gebäude in der Breite entwickelt und umfasst inzwischen eine Café-Kneipe, einen weitern Raum als Ausweich-Restaurantbetrieb, einen Souvenirverkauf und das besagte Museum. Außerdem ist das Familienunternehmen beim Whalewatching aktiv und betreibt eine Werkstatt für die Yachties. Die ursprünglichen Aktivitäten, also Café- und Barbetrieb sowie Restaurant haben sich inzwischen auch auf eine große Fläche auf der Uferpromenade ausgedehnt. Und der Laden brummt. Natürlich ist es ein Saisongeschäft, dennoch kann man hier ein tolles Beispiel für Unternehmergeist und geschickte Unternehmensführung sehen.

Martin und ein Vertreter der vierten Generation. João hält einen gravierten Pottwahlzahn in der Hand. Einer von den vielen, die man hier legal erwerben kann. João versicherte uns, dass die Zähne, die von lokalen Künstlern bearbeitet werden, weder künstliche Plagiate sind noch aus illegalen Quellen sondern aus der Zeit vor dem Verbot des Walfangs stammen. Seinerzeit fielen zahllose Zähne ab und wurden teils achtlos weggeschmissen. Heute ist man dankbar dafür, dass man immer wieder ein paar der alten Zähne auftreiben und dem Kunsthandwerk zuführen kann. Selbstverständlich erhält ein Käufer auch die erforderliche CITES-Bescheinigung, ohne die er das gute Stück nicht mit in die EU und zahlreiche andere Staaten einführen darf. Die Abkürzung steht für Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora. In Deutschland ist diese Konvention gemeinhin als Washingtoner Artenschutzabkommen bekannt.
Noch am Tag unserer Ankunft hatten Susanne, Egon und Egon´s Susanne uns in Peters Café Sport geschleift. Bei diesem geselligen Abend brachte Susanne das Thema eines TO-Treffens auf und machte sich gleich am nächsten Tag daran, alle TO-Mitglieder in Horta zu informieren. So stand der Tag drauf, der 13.06., im Zeichen des Trans-Ocean e.V. Von links nach rechts die Crews von 10 Booten: Ralf mit Skipper Jens (Atma), Anke (Mago del Sur), Jutta (Jobber), Susanne und Egon (Northern Gannet), stehend am Stander Thomas (Jobber) Kim (Mana), stehend eine unbekannte Seglerin, Nanka (unter dem Stander sitzend, Boot nicht bekannt), Eva (Mana), Susanne (Nehaj), stehend unbekannt, stehend Martin (Mago del Sur), Holger und Gabi (Panacea), Carla (leicht verdeckt, Fischkind), Verena und Tim (Moana), Fritjof (Fischkind).
Zwei Susannes rahmen die „Leaders of the Pack“: Egon musste, nachdem dem TO zunächst ein Vorsitzender und gleich drauf eine Vorsitzende abhanden kamen, zweimal den Frontmann geben, was ihm sichtlich Spaß gemacht hat. Und bei Martin wisst Ihr ja Bescheid: sieben Jahre im Vorsitz.
Keine Pause – der dritte Tag in Folge, diesmal mit Arjen von der Horizon. Er hatte auf der Überfahrt von Sint Maarten hierher zwei Stürme abzuwettern, das Ruder fiel aus, das Notruder zerlegte sich, doch irgendwie hat er es geschafft und ist guter Laune.
In der Bar, dem eigentlichen Café Sport, kann man ebenso wie in der Sala, die ein kleinwenig ruhiger und restaurantlike ist, stundenlang umherstreifen und nach Zeugnissen früherer Segler bzw. der hier eingekehrten Segler fahnden.

Ein vergilbtes Foto und drei Zeilen.
Sir Francis Chichester beehrte 1971 mit Gipsy Moth V Horta und natürlich das Café Sport.

Nicht voller Geigen, dieser Himmel, voller Flaggen.

Die Fischkind-Crew hat sich offensichtlich nicht nur auf der Mauer (temporär) verewigt, sondern ihren Besuch auch bei Peter bestätigt.

Auch TO-Segler haben sich verewigt und hier – platzsparend – einen Stander gemeinsam genutzt. Auch eine gute Idee. Lesen kann man die Namen von Tjalk, Stuiste, Anixi, Globi, Noordenwind

Auch unser Stander hängt jetzt im Café Sport. Im Gegenzug haben wir sogar eine Café-Flagge erhalten.

Scrimshaw

Über dem Café befindet sich – zugänglich über eine alte, hölzerne Treppe das Scrimshaw-Museum. Viele Exponate stammen aus neuerer Zeit und wurden von lokalen Künstlern gefertigt, die ihre Werke auch bei Peter verkaufen. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall. Zumal dort oben zwar eine verstaubte Museumsatmosphäre zu herrschen scheint wie in einem alten Kleinstadtheimatmuseum unserer Kindheit. Doch dann tritt eine lebhafte Dame auf und erläutert Museum und Exponate und alles wird lebendig.

Dies ist ein originaler Pottwalzahn, furchig, riefig, abgenutzt. Interessant ist, dass Pottwale nur am Unterkiefer ca. 40 bis 60 Zähne tragen, der Oberkiefer besitzt Hornscheiden, die diese Zähne aufnehmen. Sichtbare Zähne besitzt der Oberkiefer dagegen nicht. Um einen Zahn für Scrimshaw nutzen zu können, muss er zunächst poliert werden. Nach João werden von den hiesigen Kunsthandwerkern nur Zähne verwendet, die von Tieren stammen, die vor 1983 erlegt worden sind.

Etwas länglich ist er ja geraten, der olle Infante Henrique (alt und Infante ist ja ein Widerspruch, ich geb´s zu, aber ich hab´s nicht erfunden). Aber einer der heimischen Künstler war erkennbar der Meinung, dass man die Wurzeln der Blauwassersegelei nicht weit genug in der Vergangenheit suchen kann und hat Heinrich, den Seefahrer, als Motiv gewählt. Immerhin war er für die Seefahrt, die Fortentwicklung der Navigation sowie für die wirtschaftliche Entwicklung des damaligen Portugal und letztlich auch des europäischen Kontinents von entscheidender Bedeutung. Daher haben wir dem Guten vor einiger Zeit schon einen eigenen Blogbeitrag gewidmet, der hier verlinkt ist. Und auch auf dem Zahn ist Heinrich mit der charakteristischen Kopfbedeckung dargestellt, die er nach übereinstimmender Meinung der Historiker jedoch nie getragen hat.

Da wir mit dem ollen Henrique schon weit in der Vergangenheit waren, wollen wir chronologisch vorgehen. Der Ururgroßvater aller Yachties ist unbestritten der gute, alte Joshua Slocum. Mit seiner Spray umsegelte er von 1895 bis 1898 die Welt. Einhand, also allein! Die Reise begann er nahe Halifax und beendete sie in Newport, Rhode Island. Er veröffentlichte über diese Reise ein noch heute lesenswertes Buch, auch da Slocum darin hin und wieder eine kleine Prise Seemannsgarn spinnt. – Gravur auf einer Beinplatte.

Der zweite, geradezu absurd erscheinende Einhandsegler auf extremer Route war Vito Dumas. Der Argentinier umsegelte die Welt von Juni 1942 bis August 1943 und sein Weg führte von Buenos Aires nach Buenos Aires. Einhand. Mehr oder weniger auf einer Route, die dem 40. Breitengrad folgte. Er bewegte sich also entlang der berüchtigten Roaring Fourties. Sein Bötchen, die Ketsch Legh III war bescheidene 31 Fuß lang, also rund 9,5 m. Auf seiner Reise machte er nur 3 Stopps. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Reise während des Zweiten Weltkriegs erfolgte. Wir hatten das große Glück, während unserer Weltumseglung mit Just do it die Legh III in Buenos Aires besuchen zu können.

Das Motiv dieses Zahns erinnert an die denkwürdige Fahrt Thor Heyerdals mit dem Balsa-Floß Kon Tiki. Die Fahrt führte von Peru zu den Tuamotus, wo sie auf einem Riff endete. Sie dauerte von April bis August 1947, wobei die Crew rund 3.730 Seemeilen zurücklegte. Ein beeindruckendes Abenteuer, wenn man sich überlegt, wann diese Reise stattfand. Heyerdahl wollte die Theorie, nach der der Pazifik von Südamerika aus besiedelt wurde, bekräftigen. Heute gilt diese Theorie als widerlegt.

Sir Francis Chichester hatten wir weiter oben bereits erwähnt. Ein außergewöhnlicher Charakter, der vor seiner Segelkarriere schon einige aeronautische Extremleistungen erbracht hatte. So flog er 1930 allein von Croydon in England nach Darwin in Australien, damals eine sehr risikobehaftete, sensationelle Erstleistung. Nach einer glücklich überstandenen Lungenkrebsepisode widmete er sich dem Segelsport. 1960 nahm er an der ersten Einhand-Trans-Atlantik-Regatta (OSTAR) teil und wurde mit seiner Gypsy Moth III auf Anhieb zweiter. Von August 1966 bis Mai 1967 unternahm er mit Gypsy Moth IV eine Einhand-Weltumseglung von Plymouth nach Plymouth, bei der er nur einen einzigen Stopp in Sydney einlegte. Diese Reise brachte ihm die Ehre des Ritterschlags durch Queen Elizabeth II. ein.

Sehr hübsch dargestellt: Bernard Moitessier als ozeanischer Wurzelsepp und Waldschrat. Legendär sind seine Kap Hoorn-Rundung im Jahre 1966 von West nach Ost zusammen mit seiner Frau Francoise (beschrieben im Buch Kap Hoorn – der logische Weg) sowie später die Teilnahme am Ersten Golden Globe Race, bei dem er nach Rundung von Kap Hoorn in Führung liegend abbrach, ein zweites Mal das Kap der Guten Hoffnung und Cape Leeuwin rundete und schließlich 1969 in Tahiti ankam (beschrieben im Buch Der verschenkte Sieg). Beide Reisen unternahm er mit seiner legendären Joshua, die heute noch in La Rochelle als Ausbildungsboot und lebendiges Museum segelt. Sieger in diesem Rennen, bei dem es erstmals gelang, die Welt nonstop per Segelboot zu umrunden, wurde Robin Knox-Johnston mit seiner Suahaili. Nicht minder legendär wurde das Schicksal eines weiteren Teilnehmers, des Donald Crowhurst. Er war mit seinem Trimaran Teignmouth Electron als letzter gestartet und begann im Laufe seiner Reise mit falschen Positionsangaben zu arbeiten, um eine Fahrt vorzutäuschen, die er nicht machte. Als die Umstände ihn erkennen ließen, dass er auffliegen würde, beging er schließlich auf See Selbstmord, wobei niemand sicher sagen kann, ob dies ein bewusster Akt war oder Folge des Abdriftens in einen psychisch völlig verwirrten Zustand. Robin Knox-Johnston spendete übrigens die für den Sieg ausgesetzte Prämie der Witwe von Donald Crowhurst.
Eric Taberly ist eine französische Segellegende. Er gewann zahlreiche Regatten, unter anderem das OSTAR 1964 mit der Pen Duick II (s. vorheriger Blogbeitrag). Auf einer Überführung von Cornwall nach Schottland ging er am 13. Juni 1998 über Bord und ertrank.

Sir Peter Blake – wie man sieht ebenfalls geadelt von der Queen – ist eine neuseeländische Legende. Er gewann u.a. das Whitbread Round the World Race 1989-1990. 1994 errang er zusammen mit Sir Robin Knox-Johnston die Jules Verne Trophy für die schnellste bis dahin gemachte Nonstop-Weltumseglung, die 74 Tage, 22 Stunden, 17 Minuten und 22 Sekunden dauerte. Ja es kommt auch auf die Sekunden an! Am 05.12.2001 wurde er bei einem Überfall auf sein Boot im Mündungsdelta des Amazonas erschossen.

Etwas unvorteilhaft graviert: Dame Ellen McArthur. Als erste Frau gelang ihr 2001 mit ihrer Kingfisher in der Einhand-Regatta Vendee-Globe der zweite Platz nach 94 Tagen 23 Stunden und 11 Minuten ohne Sekunden. 2005 errang sie den damaligen Rekord für die schnellste Einhand-Weltumseglung mit 71 Tagen, 14 Stunden, 18 Minuten und (tatsächlich wieder) 33 Sekunden mit B&Q/Castorama. Für ihre Leistungen wurde sie von der Queen zur Dame gekührt, dem weiblichen Equivalent zum Sir.

Jean Le Cam gelangte aufgrund der Umstände, die zwei seiner Regattateilnahmen auszeichneten, zu weltweiter Bekanntschaft. Bei seiner zweiten Teilnahme an der Vendée Globe 2008/2009 verlor Le Cam rund 200 Seemeilen westlich von Kap Hoorn die Kielbombe. Er harrte 16 Stunden im kieloben treibenden Boot aus, bis ihn sein Mitbewerber Vincent Riou retten konnte. Zwölf Jahre später, bei der Vendée Globe 2020/2021 empfing er den Notruf des Kevin Escoffier, der etwa 600 Seemeilen südwestlich des Kaps der Guten Hoffnung sein Boot verlor. Der zum fünften Mal an dieser Regatta teilnehmende Le Cam konnte Escoffier in dessen Rettungsinsel finden und schließlich auch auf seine Yes we Cam! aufnehmen. Ein Vorgang der aufgrund der äußeren Umstände erheblich schwieriger war, als es sich vielleicht anhört.

Keine Regatten, außer vielleicht auf dem Ammersee, auf der Susanne Huber das Segeln lernte. Dafür eine Seglerin, die auf ihre Weise als Ausnahmeerscheinung angesehen werden muss. Zweimal hat sie an der Longue Route teilgenommen (2018 und 2024), die an das erste Golden Globe Race (vgl. o.) erinnert. Als erste Frau segelte sie einhand, also allein, durch die Nordwest-Passage. Für diese Reise erhielt sie vom angesehenen OCC 2017 den Barton Cup für die außergewöhnlichste Reise des Jahres. Der Seamanship Award des OCC wurde Susanne 2019 für die erfolgreiche Teilnahme an der Longue Route 2018/19 verliehen. 2025 erhielt sie den Barton Cup ein weiteres Mal für ihre 33.532 Seemeilen lange Nonstop-Weltumseglung. Der Trans-Ocean e.V. (TO) ehrte Susanne 2011 für ihre damals 20ste Ozeanüberquerung, 2017 wie der OCC für die Einhand-Reise durch die Nordwestpassage und 2020 für ihre Nonstop-Einhand Weltumseglung im Rahmen der Longue Route mit dem Trans-Ocean-Preis. 2025 wurde Susanne wegen der beim OCC schon genannten Reise erneut mit diesem Preis ausgezeichnet. Sie ist somit die erste Person, die diesen Preis des TO viermal erhielt. Da verliert man echt den Überblick, Fehler seien also verziehen. Bei Susanne weiß man beim Verlassen eines Hafens nie so genau, wo es hingeht und wie lange die Reise wohl dauern wird. Nach eigenen, augenzwinkernden Worten wird sie wohl auch ihre letzte Reise an Bord ihrer Nehaj antreten, aber soweit ist es noch lange nicht. Doch das ist eh uninteressant, toll ist, dass wir Susanne hier begegnen und mit ihr wunderschöne Stunden verbringen.

Zur Abwechslung mal ein Scrimshaw, das aus historischer Zeit stammt. Ob es ein Seemann an Bord eines Walfängers, eines Handelsseglers oder ein Handwerker an Land gefertigt hat, wissen wir nicht.
Sehr ungewöhnliche Scrimshaw-Arbeit von 1973. Wenn man genau hinschaut, es wurde so gut wie nicht graviert, stattdessen wurde der polierte Zahn bemalt.
Bestandteil des Besuchs war eine interessante Führung, bei der wir Gelegenheit hatten, einem tierischen Hohlkörper, dessen Ursprung uns leider entfallen ist, Flötentöne zu entlocken.

Zurück ins brodelnde Leben

Peters Café wird so langsam zur zweiten Heimat. Wir bekommen schon Kredit, wenn wir mal unser Geld vergessen haben und werden von João stets persönlich aufs Herzlichste begrüßt. Und dann schlagen wir noch zu.

Museum ist fein, doch irgendwann muss Entspannung sein. Mit Jutta und Thomas bei Peter.
Das Leben brodelt. Die Thekencrew voll im Einsatz. Im Hintergrund etwas unscharf José Enrique Alvarez, ein Vertreter der dritten Generation der Familie, inzwischen bereits Großvater. Sein Bruder ist übrigens auch häufig eingebunden. Sicherlich ist der Hauptumsatz des Café Sport ein Saisongeschäft, aber er ist für die Inhaber nicht weniger wie für die hier arbeitende Crew vor und hinter der Theke sowie in der Küche, in den Läden und Werkstätten sowie im Museum von immenser Bedeutung.
Auf den Videos von Stefan Finger (Lütt Matten) gab es eine kurze Szene, in der eine Sängerin im Café Sport auftritt. Einmal da, haben wir uns gefragt, wo auf diesem beschränkten Raum kann die Gute denn gestanden haben? Nun wissen wir´s. Gar nicht so schwer. Heute genießen wir den Auftritt von Luis Gil Bettencourt und Tochter Maria Bettencourt. Sie spielen viel Beatles und einige Oldies und zu gleichen Teilen portugiesische Songs, bei denen das Publikum einschließlich der weiblichen Café-Crew mit Leidenschaft einsteigt und mitsingt. Leider ist Anke unpässlich und verpasst den Abend. Doch glücklicherweise geben die beiden ein weiteres Konzert am folgenden, späten Nachmittag, und Anke erlebt dieses dann nach einigem Zögern mit. Ein Bruder von Luis Gil, Nuno Bettencourt, ist übrigens Gitarrist und Keyborder in der Rockband Extreme.
Ach ja, irgendwie ging es nicht ohne. Schon auf der Reise mit Just do it waren wir versucht, das eine oder andere Kunstwerk zu erstehen. Und mit Beginn unserer jetzigen Reise haben wir uns das sogar fest vorgenommen. Um Künstler zu unterstützen, und auch einfach aufgrund der Freude am jeweiligen Werk. Und so führte letztlich kein Weg daran vorbei, dass Martin ergänzend zum Scrimshaw von Bequia auch einen gravierten Walzahn in Horta erstand. Ausschlaggebend für die Wahl war, dass hier zwei Pottwale in realistischem Größenverhältnis zu ihrer bevorzugten Beute, den Riesenkalmaren graviert sind. Ferner auch, dass der Zahn nur zur Hälfte poliert ist. Dessen Rückseite zeigt noch die raue, gefurchte Originaloberfläche. Um eine Vorstellung zu erlauben: Der Zahn ist etwa 15 cm lang. Natürlich erhielt Martin auch eine CITES-Bescheinigung, um nachweisen zu können, dass diese Scrimshaw-Arbeit legal erworben und auch legal nach Deutschland eingeführt werden darf. Danach stammt der Zahn von einem um 1980 herum erlegten Wal.
PS: Damit bekommt auch das am Anfang gezeigte Foto von João und Martin eine neue Bedeutung. Die erworbene Arbeit war bereits verpackt, daher posierten die beiden mit einer / einem anderen Scrimshaw (bis dato habe ich das Geschlecht eines / einer Scrimshaw entsprechend der deutschen Rechtschreibung nicht herausfinden können). Nicht vorenthalten wollen wir auch die Künstlerin, die unseren Zahn graviert hat: Claudia Furtado.

Schließlich blieb noch eine Aufgabe, die unverzichtbar war: Unsere Erinnerung gestalten. Also: Farben kaufen. Eine geeignete Fläche finden, säubern, entfetten, grundieren. Einen Entwurf gestalten, der in die Fläche paßt, eine Folienschablone fertigen und vorsichtig mit Bleistift skizzieren. Um die Knie zu schonen haben wir eine Gummimatte bereit gelegt. Und ein Hocker steht auch zur Verfügung. Anke setzt den ersten Pinseltupfen. Der Supervisor hat den benötigten Schmierstoff erhalten und ein Zauberstab liegt auch schon bereit.

Der Entwurf lässt sich erahnen.

Die ersten Buchstaben folgen, passend zur Schrift auf unserer Mago, was sich als klitzekleine Herausforderung erweist. Um die vorgezeichneten Bleistiftstriche besser erkennen zu können, haben wir ein Cockpitpolster zum Schattenspender umfunktioniert.
Es ist längst dunkel – letzte Arbeiten an Details.
Die stolzen Schöpfer und ihr Werk

Und damit ist der Cliffhanger vom letzten Beitrag aufgelöst.
Von der Horta-Mauer grüßen Euch

Anke und Martin

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