Letzter Rückblick Karibik – Les Saintes bis Antigua

Letzter Rückblick Karibik – Les Saintes bis Antigua

Es ist keine große Entfernung, die wir von Dominica aus zurücklegen müssen. Annäherung an die Les Saintes. Noch um die dunklen Felsen rum, dann kommen wir in die geschützten Bereiche der Inselgruppe. Anders als bei unserem ersten Besuch mit Sonja finden wir diesmal mühelos eine Murigboje bei Terre de Haute.

In einem der vorigen Blogbeiträge haben wir ein paar Rückblicke versprochen, da wir mit den Berichten zur Atlantiküberfahrt natürlich aktuell sein wollten und ansonsten hoffnungslos hinter der Wirklichkeit hinterherhinkten. Heute lösen wir mit einem letzten, zurückschauendem Beitrag dieses Versprechen abschließend ein und umreißen ein paar Aufenthalte bzw. Momente vor und auf Guadeloupe. Schon als wir Puerto Rico besuchten, hatten wir davon gehört, dass es in der Bucht von Deshaies im Norden von Guadeloupe ein, zwei Delphine geben sollte, die gerne mit den dort schwimmenden Menschen spielen. Leider hatten wir bei unserer Frühjahrspassage nach Guadeloupe unglücklichen Wind, so dass wir die betreffende Bucht nicht anliegen konnten. Mal abgesehen davon, dass wir kaum eine Boje oder einen gescheiten Ankerplatz gefunden hätten, so voll war es dort. Nun ist einige Zeit vergangen, und wir befinden uns auf dem Weg nach Norden, konkret nach Les Saintes, der wunderschönen, Guadeloupe südlich vorgelagerten Inselgruppe. Und wir haben erfahren, da soll sich zurzeit eine Delphindame aufhalten, die mit den Schwimmern und Schnorchlern spielt.

Großes Glück: Am ersten Tag bekommen wir bereits mit, dass die nette Dame sich in der Bucht befindet, und wir können aus einiger Entfernung großes Geplansche mit Kindern wahrnehmen. Am zweiten Tag unseres Aufenthalts stürzen wir uns in die Fluten. Erstes Beschnuppern. – Für die, die es genauer wissen wollen: Wir haben es mit einem Großen Tümmler (Tursiops truncatus)
Gemeinsam, wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten 😉, schwimmen wir beständig im Kreis um eine Yacht, an der ein Taucher den Rumpf säubert. Er erklärt uns, dass der Delphin jedesmal vorbeischaut, wenn er unter Wasser arbeitet. Das scheint für die Dame sehr spannend zu sein.
Anke muss auftauchen und Luft schnappen. Da kann so ein Delphin doch herzlich lachen und weitaus länger unter Wasser aushalten.
Auch Martin versucht sein Glück …
… zumal er länger unter Wasser bleiben kann.
Bei aller Ausdauer …
… auch ein Delphin muss mal an die Wasseroberfläche und Luft schöpfen, nicht nur wir.
Dann ist Anke wieder dran.
… bis auf Tuchfühlung.
Und irgendwann ist Abschied angesagt. Uns ist nach anderthalb Stunden trotz der reichlichen Beweung ziemlich fröstelig. Wir Menschen sind halt doch nicht fürs Wasser gemacht.

Vor Jahren, als wir mit Just do it unterwegs waren, habe ich, Martin, Fotos fast nur für mich selbst aufgenommen. Und auch nur mit der Intention, dass sie mir etwas bedeuten. Und dann hatte Freund Lutz, dieser Spaßvogel, dem ich meine Fotos vorsichtshalber und daher regelmäßig zur Archivierung schickte, daraus und aus meinen digitalen Tagebucheinträgen eine Homepage gebastelt. Mit der Folge, dass sich meine Aufnahmen änderten. Mit einem Mal fotografierte ich nicht mehr für mich, sondern für andere, für potentielle Besucher der Homepage. Entsprechend wandelten sich die Fotos. Zu Lutz Ehrenrettung muss ich anmerken, dass sich die damalige Homepage dank seines Einsatzes und dem eines seiner Freunde zu einer der ersten und intensiv besuchten Weltumseglerhomepages entwickelte, was uns erst Jahre später bewusst wurde. – Heute, rund 20 Jahre danach, wird es Zeit, zumindest einen Teil der Fotos wieder meinen früheren Intentionen zu widmen. – Nachdem dies gesagt ist, zurück zum Erzählstrang …

… und dem Foto oben: Wir befinden uns weiter auf den Les Saintes und stromern durch Terre de Haut – Gebäudezierrat
… Licht und Schatten …
… Farben …
… Anlehnung …
Wir haben etwas Zeit, etwas, das man als Segler gar nicht kennt 😉, die wir nutzen, um das Fort Napoleon oberhalb von Terre de Haut aufzusuchen. Eine wunderschön zu einem Park umgewandelte Anlage. Im zentralen Gebäude befindet sich ein Museum, das durchaus einen Besuch lohnt.
Unverkennbar, wie uns dieser eigentümliche Park auch in Details fasziniert.
Das Museum bietet einen weit gefächerten Überblick über die Lokalgeschichte. Mich faszinieren die Darstellungen der Seeschlacht vom 12. April 1782, die zwischen den Les Saintes und Guadeloupe stattfand. Die Schlacht war in gewisser Weise eine Folge des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, bei dem die amerikanischen Gründerstaaten von den Franzosen unterstützt worden waren. Diese Seeschlacht entschieden die Briten für sich, was weitreichende Folgen hatte. Auf den ersten Blick niemandem bewusst ist der Umstand, dass die britische Marine bei dieser Schlacht taktische Erfahrungen und Erkenntnisse gewann, die sich bei späteren Kämpfen im Rahmen der Napoleonischen Kriege für die britische Marine und Lord Nelson bezahlt machten.
Während das erste Gemälde ein klassisches Schlachtengemälde darstellt, wird auf diesem hier deutlich, dass eine solche Schlacht natürlich Verlust, Tod, Ertrinken, Verletzungen und Verstümmelungen bedeutete.
Wirkt wie eine japanische Tuschezeichnung. Eine völlig andere, ungewohnte Annäherung an das Thema. Ohne das letzte Schiff in der rechten Reihe, das man auch als solches erkennen kann, könnte man genausogut an eine zweispurige Ameisenstraße irgendwo im universalen Nirwana denken. Oder anders: Welche Bedeutung misst der Mensch sich und seinem Tun zu, wenn er beispielsweise solch „heroische“ Schlachten veranlasst und wie nahe ist er aus anderer Perspektive einem Nichts.
Eine Romanze aus eben jener Zeit. Die Liebenden – ein Gegensatz zum vorhergehenden Bild. Welch universale Bedeutung kann die Liebe dem Einzelnen und der Gemeinsamkeit geben.
Ein anderer Teil des Museums widmet sich den hiesigen Ureinwohnern. Hier in der Vorstellung der Nicole Reache aus dem Jahr 1993.
Blüten am Wegesrand
(Pseudosphinx tetrio) Raupen eines der größten Nachtfalter der Inseln. Die Tierchen, die wir bei unserer Wanderung zur Festung beobachten konnten, waren beeindruckende 10 – 12 cm lang.

Farblich deutlich bescheidener nahmen sich dagegen die Wildbienen vor ihrem Nest in einer Baumhöhle aus. Dafür wuselten sie natürlich in Massen herum.

Der Besuch auf dem Fort erlaubt uns einen letzten Blick auf die geschützte Bucht von Terre de Haut bei den Les Saintes.
Ein großer inhaltlicher Sprung. Wir genießen unser letztes Abendessen in Terre de Haut mit Blick auf Dinghidock und die nächtliche See. Und es schüttet und schüttet. Kaum zu glauben, dass wir wenig später trocken auf das Dinghidock und zu Mago zurückkehren und zudem noch einem kanadischen Skipper helfen können, sein vom Dock abgetriebenes Dingi zu bergen.
Mit einem kurzen Schlag sind wir von den Les Saintes nach Guadeloupe zum Ort mit dem seltsamen Namen Riviere Sens gelangt und haben in der dortigen, bescheidenen Marina sogar mühelos einen Liegeplatz erhalten.

Wir nutzen die Gelegenheit, die ein ruhiger Marinaplatz bietet, um das Rigg für die bevorstehende Atlantiküberquerung zu inspizieren. Gesichert an zwei Fallen schaukelt und pendelt Martin im Rigg wie weiland Tarzan an den Lianen des Urwalds. Ziel sind gerade die Nocken der Salinge. Nichts soll ungeprüft bleiben. Man muss allerdings erwähnen, dass Tarzan diese Einsätze heldenhaft in einem schlichten Lendenschurz absolvierte, Martin hingegen nicht nur anständig und mit Hut bekleidet ist sondern zudem in einem sorgfältig ausgewählten Bootsmannsstuhl umherjongliert.

Hier kann man den Unterschied schon mehr als ahnen: Der Bootsmannsstuhl besitzt ein Sitzbrett, Beingurte (nicht zu sehen), ist ohnmachtssicher – d.h. wenn ich schlapp machen würde, könnte ich nicht rücklings aus dem Geschirr kippen – und zudem gibt es eine Funkverbindung zu Anke, die die Fallen an Deck bedient. (Tarzan hätte bei diesem Anblick und Umständen den Glauben an die Gesetze des Urwalds verloren …)

Ganz schön weit oben bzw. unten. Auf die Perspektive kommt es an. Anke, die verlässliche Kraft am anderen Ende der Fallen und Winschen.

Für einen Tag ordern wir noch schnell einen Mietwagen, um die letzte Gelegenheit zu nutzen, in größeren, französischen Supermärkten einzukaufen. Da hat Riviere Sens leider nichts zu bieten. Das Sens im Namen des Ortes habe ich auch stets mit „nichts“ oder „ohne“ übersetzt 😉. Die Supermärkte in der näheren Umgebung sind leider auch ein wenig enttäuschend, doch wir wollen nicht die vielen Kilometer bis zur Inselhauptstadt fahren. So bleiben die Einkäufe eben beschränkter. Stattdessen machen wir uns unterwegs auf die Suche nach den am Nachmittag bereits wieder bimmelnden Glockenfröschen. Wir stoppen wiederholt und streifen durch das viele Grünzeug. Dabei bimmeln die Frösche ununterbrochen um uns herum. Vom Erdboden bis hinauf auf die Kronen müssen sie sitzen. Aber diese kleinen Mistviecher sind nicht zu entdecken. Spätestens, wenn wir uns horchgefühlt auf anderthalb Meter rangepirscht haben, herrscht Stille. Absolute Lautlosgkeit. Wir wissen nur, dass es sich um eine oder mehrere Arten aus der Familie Eleutherodactylus handeln dürfte, doch mehr können wir nicht sagen. Immerhin erleben wir nochmal andeutungsweise kleine Urwaldpirschereien.
Kleines Nebenergebnis, doch bei Martin hochwillkommen; in einem der besuchten Supermärkte gab es frische Austern zu einem sensationellen Preis. Da ist eine Schlemmer-Vorspeise beim Abendmahl unvermeidbar.
Am letzten Tag können wir sogar noch Zeit vertrödeln. Also wandern wir, von Google über einen erheblichen Umweg geleitet (Google hat sich anscheinend mit meiner Uhr verbündet und ist bestrebt, mein tägliches Bewegungs- und Schrittziel sicherzustellen) zum Fort Delgrés. Erstaunlicherweise kostet es keinen Eintritt, obwohl allerhand geboten wird.
Es gibt das große Ganze bei diesem Fort, aber das war irgendwie blöd zu erfassen. Doch die Details faszinieren: Türverriegelung.
Detail einer Fensterverschalkung am Pulvermagazin.
Die freien Flächen innerhalb des Forts werden für Events genutzt, aber hier und da auch als Angebot für eine Art von Land Art – man darf das Arrangement oben gerne auch als Denkmal betrachten. Hier wird dem Namensgeber des Forts, Louis Delgrés gedacht. Skulptur von Roger Arekián zur Erinnerung an einen Menschen, der sich gegen die Schikanen gegenüber den seit der französischen Revolution freien (!) farbigen Soldaten in Goudeloupe und die Wiedereinführung der Sklaverei durch Napoleon einsetzte. Bei Interesse am Lebenslauf und Schicksal eines bemerkenswerten Menschen lohnt ein Blick in Wikipedia. Er suchte gemeinsam mit mehreren hundert Weggefährten in aussichtsloser Lage den Freitod nach dem Motto „Frei leben oder sterben“. Vielen Menschen in Norddeutschland wird dies nicht unbekannt vorkommen: „Lewer dood as Slaav!“
Jenseits des Forts – eine phantastische Aussicht, das Meer.
Der letzte Abend in Riviere Sens beschert in der Abenddämmerung noch ein besonders stimmungsvolles Bild.
Eine teils gemütliche, teils böige Etappe bringt uns die Leeküste von Guadeloupe entlang nach Norden.
Ziel ist die Bucht von Deshayes, die Bucht, die wir vor ein paar Wochen von Nevis kommend nicht hatten anliegen können. Diesmal gibt es freie Muringbojen, so dass wir den Liegeplatz sogar aussuchen konnten. Erster Spaziergang am Strand.
Uns begrüßter ein stolzer, womöglich gallischer Hahn. Zugegeben, der ist kein Einzelfall. Hähne und Hennen gibt es auf den meisten karibischen Inseln zu Hauf und auch so ziemlich allerorten. Dafür ließen sich die mit den Besuchern gewöhnlich in der Bucht schwimmenden Delphine nicht blicken. Wahrscheinlich hatten sie sich zu einem Erholungsurlaub bei den Les Saintes begeben. 😉
In dieser Bucht und besonders in einer der Kneipen am Strand wurden … na klar, Szenen zu Death in Paradise gedreht. Hier der Death in Paradise-Souvenirshop. Geschlossen und inhaltlich kaum weniger tot als der paradiesische Tod.
Man kann mit Aussicht sitzen, frau auch, am Kneipendrehort von Death in Paradise.

Nachdem wir uns zum zweiten Mal von Michael und Robyn von der Ripple, denen wir hier überraschend begegnet sind, verabschiedet haben, geht es zügig voran. Wir besuchen noch Antigua und dann folgt der Atlantik. Aber das wisst Ihr ja schon.

Daher hier einfach ein Tschüss
Martin und Anke

Zum Abschluss: Mit leichtem Stolz ein Blick auf die Anzeigen bei der Überfahrt nach Antigua. Wobei die Strömung auch ein wenig mithilft. Natürlich kommt es durch die Wellenbewegung zu unpräzisen Anzeigen. Die Tatsächliche Geschwindigkeit über Grund lag eher bei 10 kn, die durchs Wasser bei 9 kn. Die Differenz war der Strömung geschuldet.

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Tipps und Hinweise

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Das Glück, mit einem Delphin zu schwimmen, ist uns auf der letzten Reise nicht so wirklich begegnet. Doch dafür hatten wir Begegnungen mit Buckelwalen, Südkapern, Blauwalen, einem neugieriegem Seebären und manch anderen Meeresbewohnern. Auch Haie fehlten nicht. Wir schildern diese und noch vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

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