Rückblick: Bis nach Union Island – mit Kirsten

Rückblick: Bis nach Union Island – mit Kirsten

Die Fähre von Kingstown auf St. Vincent hat soeben am Pier von Port Elizabeth festgemacht. Sie spuckt eine Horde Schulkinder aus und dazwischen ganz unauffällig unsere Freundin Kirsten. Kirsten und Anke haben sich in den Vereinigten Staaten vor ewigen Zeiten beim Reiten kennengelernt. Mittlerweile ist Kirsten der Mensch, der uns an Bord von Just do it und Mago del Sur am häufigsten besucht und begleitet hat: 2004 – portugiesische Küste zwischen Lissabon und Lagos, 2005 – Buenos Aires, 2008 – Marquesas, 2016 – Helgoland und Weser, 2021 – Cartagena bis Alicante, 2026 – nun mal eben hier … Fortsetzungen folgen sicher.

Nachdem Sonja geflogen war, ging es zügig weiter nach Le Marin. Wir wollten ein paar Arbeiten vorklären. So sollte unser Motor einen neuen Steuerriemen erhalten, die elende Wackelei unseres Steuermannsitzes sollte endlich beseitigt werden, ebenso wie die des Stuhls am Navitisch. Wir wollten endlich Ersatz für die alte Duplex-Ankerkette, die noch von Just do it stammte, die sich jedoch inzwischen dank widriger Einflüsse zerlegt hatte, und noch dies und das. All dies ließ sich absprechen, vorklären und terminieren. Wunderbarerweise gelang es sogar noch, ein absolut reckarmes, neues Großfall zu bekommen und innerhalb von drei Tagen anhand der als Schablonen dienenden alten Fenster neue Frontscheiben für das Doghouse zu erhalten. Endlich wieder klare Sicht nach vorn !!! Also alles klar – Kirsten konnte kommen. Mit einem unvermeidlichen Zwischenstopp in der Marigot Bay und einem Besuch unserer Lieblingskneipe mit der netten Sharon hinter der Theke eilten wir nach Bequia. Lange hatten wir gerätselt, ob wir Kirsten auf St. Vincent würden aufpicken müssen, doch sie hatte schneller als wir raus und auch organisiert (!), wie sie vom Flughafen auf St. Vincent zum Fährhafen kommen würde. Und von dort per Fähre nach Port Elizabeth auf Bequia.

Die beiden haben sich wieder 😉. Eine echte Reiterfreundschaft ist halt unvergänglich. Was auch sonst!

Dieses Foto können wir nicht unterschlagen: Beim Verlassen unseres Ankerplatzes in der Princess Margerete Bay , so die ganz korrekte Ortsangabe, passieren wir diese Amel Super Maramu. Eine fast schon denkwürdige Begegnung. Denn es handelt sich um die Bebe mit der DER Amel-Guru Bill Rouse seine 10-jährige Weltreise bestritten hat. Heute in glücklichen neuen Händen.
Nach Kirstens Ankunft halten wir uns nicht lange auf. Erst einmal Süd machen und „Land gewinnen“. Den rund 26 Seemeilen langen Schlag nach Mayreau verbringt Kirsten in ihrer bewährten Eingewöhnungslage: Möglichst bequem und horizontal.
Die See sieht gar nicht schlimm aus. Keinerlei white caps, Schaumkronen, die frischeren Wind anzeigen. Aber etwas Wind muss doch wehen, schließlich sind sowohl Genua als auch Groß leicht gerefft.
Kaum ist der Anker gefallen, verschwinden die beiden im Wasser. Der Skipper bevorzugt etwas Ruhe …
… und unterhält sich gemütlich mit einem Greater Antillean Grackle (Quiscalus niger). – Männergepiepe.
Als die beiden von Ihrem Ausflug zurück sind, dauert es nicht lange, und ein weiblicher Grackle beginnt, Kirsten einzuwickeln. Typisch.
Die Ankerbucht in Lee von Mayreau, im Hintergrund ist schon Union Island zu sehen. Der Schlag hat sich doch gelohnt, oder?
Kaum an Land findet sich ein paar Schritte vom Anlegerentfernt eine Bar. Da der anschließende Ort recht langweilig wirkt, zieht uns die Bar geradezu magisch an.

Am Abend ist das erste Mal nach Kirstens Ankunft etwas Zeit für Ruhe und Entspannung. Sie nutzt die Gelegenheit und packt die ganzen Mitbringsel aus. Unter anderem einen gigantischen Käse, mindestens 110% ökologisch und eine typisch japanische Leckerei – sie hatte dort erst vor Kurzem Freunde besucht.

Die genußfertige Leckerei: Motscha Matscha oder so ähnlich – ok: Matcha mochi ist korrekt. Kügelchen aus Klebreis und zu Pulver gemahlenem Grüntee. Diese weichen Bällchen besitzen eine Konsistenz ähnlich wie diese Weißen Mäuse auf dem Jahrmarkt, aber noch viel geschmeidiger. Und der Geschmack, der Geschmack – die Erinnerung ist irgendwie verblasst. Was soll man von dem hier berichtenden Banausen halten? (Der würde es in seiner Ignoranz sogar fertig bringen, einem Japaner Lakritze anzubieten.)
Am nächsten Tag bringt uns ein kurzer Schlag um den Norden von Mayreau herum zu den Tobago Cays. Haben Glück und können im „Kanal“ zwischen den beiden Inselchen Petit Rameau im Norden und Petit Bateau im Süden ankern. Hier der Strand der letztgenannten.
Wie so oft, das Dinghi ist im Einsatz, wir wollen am Riff der Cays schnorcheln.
Kirsten und Anke unterwegs. Eine kleine Auswahl unserer Entdeckungen folgt etwas weiter unten.
Nach dem Schnorchelausflug ist Anke, wie bei allen unseren Ausflügen oder Pendelfahrten stets die erste, die Mago entert und das Dinghi am Boot sichert. Frage: wie schafft Martin das, wenn er allein mit dem Beiboot unterwegs war?

Von den Tobago Cays geht´s weiter nach Clifton auf Union Island. Gehen an eine Boje, um die Einheimischen mit einem kleinen Betrag zu unterstützen. Die Insel wurde durch Hurrikan Beryl arg verwüstet. Das Außenriff hat durch den Hurrikan einen halben Meter an Höhe verloren, daher sind die Ankerbedingungen heute unruhiger als früher. Das gleiche gilt im Übrigen leider auch für die Tobago Cays.
Seitdem wurde viel neu gebaut auf der Insel. Auffallend: Zahlreiche Dächer sehen identisch aus; viele Fenster auch – Standardmaße. Der alte Flair, den wir nur vom Hörensagen und aus Freund Dietrichs Schilderungen kennen, ist jedenfalls verloren. Kirsten sucht ein Aloe vera-Gel in den bescheidenen Lädchen des Ortes und findet sogar eins. Sonst ist das heutige Clifton eher langweilig. Wir hoffen, dass sich die Insel irgendwie wieder weiter entwickelt, nicht dass der Hurrikan die Existenz der Bewohner langfristig ruiniert hat.

Blick über Clifton. Fast alle Dächer sind neu.
Wenn wir es richtig verstanden haben, stehen wir vor einem Wasserspeicher. Oben links steht recht klein „Trink vom lebenden Wasser“. Das Schild weist auf die Förderer hin, die die Wiederinstandsetzung einer Wasserpipeline finanziell unterstützt haben.
Beryl suchte die karibischen Inseln ungewöhnlich früh im Jahr heim und stieß am 01. Juli 2024 auf die südlichen Antillen. Noch immer leben manche Menschen nicht wieder in ihren Häusern sondern in Zelten daneben.
Auf Empfehlung von Dietrich – was ja viel mehr bedeutet, als die Empfehlung eines Segelführers – besuchen wir zum Sundowner die Happy Island Bar. Die Bar ist vom Besitzer auf eine Art Warft auf dem Riff gesetzt worden, die er zuvor in Handarbeit aus Gehäusen der Conch-Schnecke und Korallentrümmern aufgetragen hat.
Gemeinsam mit Volker und Rainer von der Theleme genießen wir diese sonderbare Bar, bis der Besitzer uns gegen neun Uhr Abends rausschmeißt. Das überrascht uns etwas. Doch andererseits, so kommen wir zu ausgezeichneten scrambled eggs maade by Kirsten.
Am nächsten Tag geht es schon wieder zurück nach Bequia. Kirstens Zeit ist knapp bemessen, obwohl sie noch kurzfristig ihre Rückflüge in die USA umbuchen konnte und einen Tag bei uns gewonnen hat. Diesmal hat sie sich auch überzeugen lassen, die Biodramina-Tabletten eine halbe Stunde vor dem Start zu nehmen, und siehe, sie benötigt keine horizontalen Liegeflächen mehr und fröhlich ist sie auch.
Ist Kirsten fröhlich, ist auch Anke fröhlich. 😉 Man kann nun messerscharf schlußfolgern, happy wifes happy sailors life². 😉😉
Huiii

„Oh wie schön ist das Segeln!“

Wenig Welle von der Seite, sanfte Brise, Vollzeug. Es ist eher die Ausnahme, dass man in der Karibik derart angenehm segeln kann. Meist ist es böig, man begegnet kurzen Wellen, Wind und Strömung erfordern harte Am Wind-Kurse. Das sei mal deutlich gesagt: Die Karibik ist nicht das Segelparadies, dass man sich so in heimischen Gefilden ausmalt.
Um diese Felsen müssen wir noch rum, dann können wir nach Steuerbord (rechts) eindrehen und einen Ankerplatz bei Port Elizabeth suchen. Im Hintergrund St. Vincent. Wir befinden uns also bereits wieder auf dem Rückweg.

Die Kirsten bleibenden Tage nutzen wir für Gemeinsamkeit und ein paar Erkundungen. Manches erkennt der aufmerksame Leser vielleicht wieder. Einfach mal in dem alten Blogbeitrag zu Bequia stöbern.

Wir werfen den einen oder anderen Blick auf heimische Hütten …
… touristische Angebote …
… und in unseren Augen eher ungewöhnliche Offerten.
Die Mädels neigen zu Inspektionen der allgegenwärtigen stofflichen Möglichkeiten, während ich mich freue, einfach mal im Halbschatten auf einem Stein hocken zu können und einfach zu sein. [Bei dieser Reflektion muss ich einen längst vergangenen Rüdiger zu zitieren: „Frauen ticken, Männer sind!“ Seine Antwort auf die Frage, wie er denn ticke.]

Auch so etwas kann man / Mann beim hockenden Sein wahrnehmen.

Sonnenreflexe und gefallene Blüten auf dem klaren Wasser unmittelbar am Ufer. Für diese Wahrnehmung war es denn doch erforderlich, den Stein zu verlassen und wieder den aufrechten Gang anzustreben. Dieses glasklare Wasser in der Princess Margeret Bay – viel klarer als in den Tobago Cays – verführt natürlich wieder zum Tauchen. Es folgt eine kleine Auswahl unserer fotografischen Ausbeute.
Martins erste Begegnung, kaum dass er ins Nass gesprungen ist. Sargassum fluitans, eine der beiden Braunalgen-Arten, die beständig an der Meeresoberfläche treiben und niemals Landkontakt haben, sofern sie nicht angeschwemmt wurden. Dann können sie sich zur Plage entwickeln. Die Vermehrung erfolgt weitgehend vegetativ. Bricht ein Trieb der Pflanze ab, lebt er einfach als neues Individium weiter. Einen eindeutigen deutschen Namen für die Art gibt es nicht.
Die verschiedenen Tiere unter Wasser begegnen sich meist ganz entspannt. Manchmal haben sie sich auch zum Fressen gern. Das ist bei den beiden oben im Bild allerdings nicht der Fall.
Inzwischen eine alte Bekannte: Die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) über dem typischen Grund bei den Tobago Cays.
Man fragt sich, wie diese nicht gerade kleinen Tierchen ihre letztendliche Größe erreichen können. Bei der spärlichen Kost. Wenn man genau hinschaut, kann man den geöffneten Schnabel erkennen.
Ein amerikanischer Stechrochen (Hypanus americanus). Direkt über ihm, leicht zu übersehen, ein ihn begleitender Kofferfisch.
Der Rochen ist gerade dabei, den Sand auf Kleintiere zu filtern. Der Kofferfisch ist natürlich auch dabei.
Einer der vielen Seesterne, die wir in den Tobago Cays antreffen.
Fast ein Suchbild. Man muss allerdings nur genauer hinschauen (Bildmitte, obere Bildhälfte), dann entdeckt man den Karibischen Riffkraken (Octopus briareus). Entdeckt in einer Felsspalte in der Princess Margaret Bay.
Ein Weißgefleckter Schlangenaal (Myrichthys breviceps) können wir bei der Nahrungssuche beobachten.
Mit die faszinierendste Begegnung: Ein paar Karibische Riffkalmare (Sepioteuthis sepioidea). Diese Tiere schimmern in allen denkbaren Farben und stets, als beständen sie aus stark reflektierendem, bunten Metall überzogen mit einer Krsitallstruktur, der das reflektierte Licht noch unwirklicher werden lässt. Ein wahrhaft tierischer Metallic-Effekt. Man kann sich an dem Farbenspiel der Tierchen nicht satt sehen.
Gleiches Tier, andere Farbnuancen. Faszinierend, dass sie mit ihrem Flossensaum gemächlich in alle Richtungen schwimmen können; wenn es schnell gehen muss, geht dagegen die Post ab – im Rückwärtsgang. Schade geradezu, dass diese wunderschönen Tierchen nur eine bescheidene Lebenserwartung von rund 5 Monaten haben. Aufwachsen, vermehren, verenden – als mikroskopisch kleiner Unterwasserkristall des ozeanischen Universums.
Nach ihren sensationellen scrambled eggs war Kirstens Küchendienst besonders gefragt.
Satt, zufrieden und glücklich.
Am letzten Tag steigen wir zur Treehouse Bush Bar auf. Waren wir bei den Schnorchelgängen meist etwas schneller unterwegs als Kirsten, so deklassierte sie uns nun beim Aufstieg zur Bush Bar auf festem Boden um Längen. Unsere geschwächte Seglermuskulatur wurde deutlich.
Bush Bar-Freuden an Kirstens letztem Tag.
Beobachtet uns aus sicherer Distanz. Wir vermuten eine Saint Vincent’s Tree Anole (Anolis griseus).
Der letzte Blick von der Bush Bar in die Bucht von Port Elizabeth. Wenn man unter der abendlichen Sonne so ein Traditionsschiff auf dem Ankerplatz sieht, wünscht man sich mehr von der Sorte.
Beratschlagung: Wo wollen die beiden essen? Wir sind dann noch einmal bei Jack´s gelandet …

… wo uns eine alte Bekannte liebevoll begrüßt. Erstaunlich, wie schnell man zur alten Bekannten wird, und wie Martin, der bekennende Katzenhasser, von allen Katzen und Katern bevorzugt liebkost wird. Der Grund ist natürlich klar: Sie erkennen seinen Makel und wollen ihn davon überzeugen, dass Katzen ganz liebenswerte Wesen sind.

Es ist sicher nicht ganz untergegangen, dass Kirsten mit leichten Anflügen von Seekrankheit zu kämpfen hatte. Anke und ich sind in dieser Hinsicht ausgesprochen glückliche Menschen, denn wir haben mit diesem Übel nicht zu kämpfen. Doch spätestens wenn Gäste an Bord sind, taucht das Problem und wie man damit umgeht immer mal wieder auf. Daher möchten wir an dieser Stelle auf ein Video von Marion Kempf (www.hafenkino.blog) hinweisen, dass sich sehr anschaulich, informativ und hilfreich mit dem Thema Seekrankheit auseinandersetzt.. Hier klicken, um das Video anzusehen.

Es grüßen Euch von 24°29,5´N und 059°35,2´W rund 470 Seemeilen nördlich von Barbuda (Zeitpunkt der Freischaltung dieses Beitrags)
Martin und Anke

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Tipps und Hinweise

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Geschnorchelt sind wir auch früher schon, gelegentlich sogar mit Flaschen getaucht. Aber zu diesen Zeiten waren Gopro und Co. noch nicht erfunden. So blieb nichts als verbales Beschreiben. Wir schildern unsere Unterwassereinsätze bis hin zum Tauchen bei gefühlt 6°C frischem Wasser in Patagonien – der Propeller musste von Kelp befreit werden – und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

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