St. Maarten – kleine Nachlese
Wer sich in vielen Gegenden Europas bewegt, kann sich Grenzen, die ein spürbares Hindernis sein könnten, kaum vorstellen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich im Rahmen einer Motorradtour zum ersten Mal einfach so über eine schlichte Landstraße die französische Grenze passierte: Einfach so weiterfahren an der Kontrollstelle. Kein Mensch da. Noch extremer war es, als ich ebenfalls per Motorrad von Venedig zurückkehrend einen kleinen Umweg von Bayern über die damalige Tschechoslowakei und Thüringen machte. Damals noch gar nicht wiedervereinigt, aber seit ein paar Monaten zugänglich. Fast jeder, der die Grenzstätten zwischen Bayern und der Tschechoslowakischen Republik befuhr bzw. querte, blieb stehen und musste erst einmal durchatmen. So irreal war das. Heute erscheint das Gegenteil irreal. Ist es aber nicht, wenn man den Schengen-Raum erst einmal verlassen hat. In der Folge kursieren auch unter uns Seglern viele Geschichten bis hin zu wilden Gerüchten, da wir uns besonders in der Karibik ständig damit herumplagen müssen, zwischen verschiedenen Staatsgebieten zu wechseln. So gibt es auch bzgl. St. Maarten oft seltsame Geschichten und wir fragen uns, wie diese entstehen.
Im französischen Teil geht es heute supereinfach. Man kann alles online erledigen und sich die Bescheinigung der Ein- und auch der Ausreise sogar selber ausdrucken. Was gelegentlich in Drittstaateninseln Probleme bereitet, denn die Ausdrucke besitzen logischerweise keinen anständigen, händisch angebrachten Stempel. Doch wie gesagt, easy peasy und sogar kostenlos. Der einzige Nachteil, man muss sich erst einmal reinfuchsen, zumal der Zugang teilweise nur auf französisch verfügbar ist. Aber Anke betont: Nicht so schwer. Hier der Zugang: → https://demarche.numerique.gouv.fr/
Im niederländischen Sint Maarten geht man noch old school vor. Daher sucht man als Segler ein Bürogebäude auf, dass einlaufend links vor der Simpson Bay Bridge liegt und sogar mit einem Dingianleger versehen ist. Man betritt es durch den kanalseitigen, meist offen stehenden Eingang. Gleich hinter der Tür trifft man auf zwei entscheidende Fenster bzw. Schalter. Im hinteren holt man sich die notwendigen Formulare, füllt sie an einem bereitstehenden Tisch aus und liefert sie gemeinsam mit Pässen wieder ab. Das andere Fenster ist die Zahlstelle. Hier zahlt man Brückengebühren, Einklarierungsgebühren und auch eine Art Liegegebühr für die Tage, die man in holländischen Gewässern verbringt. Egal ob vor Anker, in der Bucht, in der Lagune oder in einer Marina. Das alles lässt sich mit etwas Goodwill in 30 bis 40 Minuten erledigen, je nach Seglerandrang. Hat man die Einklarierungsgebühr beglichen, kehrt man zum ersten Fenster zurück, legt den Zahlungsbeleg vor und erhält die gestempelten Pässe. Die Beamten sind freundlich und hilfsbereit, solange man sich halbwegs vernünftig gebahrt. Sie können auch anders: Als wir ausklarierten wurde gerade ein Segler einkassiert, der sich partout weigerte, seine Telefonnummer zu offenbaren. Doch auch dies erfolgte höflich und freundlich.
Nach diesem thematischen Abschweifer wenden wir uns ein paar Eindrücken zu, die wir nicht unterschlagen wollen. Und machen daher gleich mir Bildern weiter: Farben und etwas Künstlerisches.





Hier spiegelt Ankes Brille und noch viel mehr. Regelmäßig besuchen wir Lagoonis. Eine Kombi aus Bar und Restaurant bei dem Steg der Lagoon-Werft (nebenan gibt es noch andere Stege). Nicht nur gibt es hier zur Happy Hour günstige Getränke, auch unabhängig davon ist dieses Etablissement gut und günstig und entsprechend beliebt. Logischerweise besonders bei Seglern. Ankes Freude spiegelt sich sichtlich: Endlich mal etwas anderes als die übliche Bordmannskost!



Und da wir schon von Lagoonis berichten, möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es halb bei, halb innerhalb von Lagoonis regelmäßig einen Seglerflohmarkt gibt. Da kann man kostenlos einen Tisch reservieren und seinen überflüssigen und ausgedienten Kram anbieten. Und welcher Segler hat nicht Mengen davon. Und freundlicherweise gibt es für die austellenden und verkaufenden Teilnehmer am Flohmarkt auch noch kostengünstigere Getränke. – Damit uns niemand einseitige Werbung vorwirft: Genauso regelmäßig gibt es einen Flohmarkt auf der französischen Inselhälfte, auf einer der Werften irgendwo nahe des Kanals von der Lagune in die Marigot Bay. – Und wie überall in der Karibik gibt es viel Live-Musik, wobei wir wieder zum Lagoonis zurückschwenken.



Ein angenehmer und unvergesslicher Abend, den wir zusammen mit Arjen und Lisa verbrachten. Doch Lagoonis hat mehr zu bieten.
Ist sie´s oder ist sie´s nicht? Frida Kahlo ist in Mittel- und Südamerika irgendwie allgegenwärtig. Zu diesem Bild gab es leider keine Informationen. Wir nehmen mal an, dass sie es ist. Wer sie nicht kennt doch kennen lernen möchte, kann einen guten ersten Eindruck ihres Lebens durch den Film Frida aus dem Jahr 2002 bekommen.


Fotos, die vermutlich im Rahmen einer Art Auslobung entstanden: Portrait, jeu d´ombres et de lumières. (Porträt unter dem Motto Porträt, Spiel von Licht und Schatten.) Zwei Arbeiten von Nathalie Beaurain (oben und links, Foto rechts unten: Thomas Proust. Das gesamte Lagoonis ist mit Plakaten, Fotografien, Objekten und kleinen Intallationen ausgestattet und lädt daher nicht nur zu günstigem Ti Punsch und Bier in der Happy Hour sondern verleitet auch zum entdeckerischen Streifzug.
Portrait, jeu d´ombres et de lumières.
Foto: Nathalie Beaurain.


Auch zu diesem Foto gibt es keine Details. Es liegt allerdings nahe, dass es ebenfalls im Rahmen der genannten Auslobung entstand. Ob Männergesichter für die teilnehmenden Fotografen uninteressant waren oder nur vom Dekorateur des Lagoonis ignoriert wurden, das bleibt ein unbeantwortetes Geheimnis.
Es finden sich auch Stillleben im Lagoonis.
Oder auch und ebenso möglich: Durch den geeigneten Ausschnitt kann der Fotograf mal eben ein Stilleben schaffen.


Reiten oder sich schon dem Sarg nahe fühlen? Na ja, ganz so war es nicht in meinen frühen Jahren auf und mit einem Bike. Leben wollten wir, intensiv. Klar. Es war Ausdruck unserer unbändigen Lust am Leben, die durchaus zu einer (meist kalkulierten) Risikobereitschaft beitrug. Gebe ich gerne zu. Und die äußerte sich eben auf zwei Rädern. Immerhin, alle meine damals motorradfahrende Freunde und ich sind durch diese Lebensphase munter durchgekommen. 😉 Nur einer hat es geschafft, sein „Moped“ nach eigenem Bekunden auf einen halben Meter zu kürzen, was einen längeren Krankenhaus-aufenthalt unvermeidlich machte. Für Anke haben die drei Worte eine deutlich andere Bedeutung, doch hört man ihre Geschichten, so kann der Sturz vom Rücken der Pferde genauso schnell genauso unangenehm enden.




Und mit der Annäherung an St.Kitts wollen wir uns zunächst einmal verabschieden und Bert´s alte Weisheit zitieren: Geduldiger Skipper hat stets guten Wind. Recht hat er, aber leicht fiel es uns nicht. Also stets geduldig bleiben …
… in diesem Sinne grüßen Euch Martin und Anke
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Tipps und Hinweise
In letzter Zeit gab es etwas Bewegung auf unserer Flohmarktseite. Wer Interesse daran hat, und das eine oder andere vielleicht gebrauchen kann: unter folgendem Link geht´s zum Flohmarkt: https://www.sy-magodelsur.de/flea-market/
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Bisher war es aufwendig, auf ältere Blogbeiträge zuzugreifen. Das haben wir geändert. Auf der Seite REISE(N) befindet sich nun als erster Unterpunkt der Zugriff auf alle bisherigen Blogbeiträge, chronologisch gelistet. Einfach auf → Alle Blogbeiträge klicken.
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Noch nicht wahrgenommen? Unsere Seite besitzt eine Abo-Funktion: Wer in Zukunft keinen Beitrag verpassen will, kann den Blog abonnieren, → und das geht mit Hilfe der Seite Kontakte, oder indem man – ganz einfach – hier klickt.
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Ein kultureller Höhepunkt unserer Reise war der Besuch des Teatro Colon in Buenos Aires. Wir hatten das Glück, Karten für ein Balett zu ergattern und bei dieser Gelegenheit die unglaubliche Akustik dieses Gebäudes zur erfahren. Auch sonst hatte Buenos Aires in dieser Hinsicht viel zu bieten. Wir genossen Tango, Abende mit Tangokonzerten, Melongas und als weiteren Höhepunkt den allerletzten öffentlichen Auftritt von Mercedes Sosa. Wir schildern dies und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. → Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.
Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.
Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.
Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“
