Wir schließen den atlantischen Kreis

Wir schließen den atlantischen Kreis

Nicht umsonst sagen wir gerne, dass es sich bei unseren Planungen um Ideen handelt. Und so sind wir inzwischen erkennbar auf anderer Route unterwegs, als ursprünglich angedacht. Auch für den Aufenthalt auf den Azoren hatten wir bei Weitem weniger Zeit eingeplant. Aber die Inseln hielten uns mit ihrem Zauber und ihrer Ruhe einfach gefangen. Es bedurfte schon eines energischen „Jetzt aber los“, um die Leinen am Steg vor Angra do Heroismo loszuwerfen und uns auf den Weg zu machen. Geschätzte 640 Seemeilen lagen vor uns. Bei entspannter Fahrt konnten wir mit 4 Tagen auf See rechnen. Gerade genug, um nach etwa der Hälfte der Zeit bzw. halber Distanz in den Seerhythmus zu finden.

Wolkiger Morgen. Wir sind gestartet. Der dunkle Klotz links ist der Monte Brasil, rechts davon kann man Angra do Heroismo noch ahnen. Vielleicht noch vier Tage, dann ist unser kleiner, atlantischer Kreis geschlossen.
Der erste Tag vergeht ereignislos. Sonnenuntergang bei ruhiger See. Wir befinden uns etwa auf Höhe der Nordwestecke der Insel São Miguel, die wir nördlich passieren und können eine ruhige Nacht erwarten.

Fast gemalt. Anke hat gleich in der ersten Nacht den Vollmond eingefangen, der auf der Etappe nach Porto Santo unser steter Begleiter sein wird.

Die Tage sind so ruhig, dass wir erst im Nachhinein merken, dass wir vergessen haben, mal ein paar schöne Segelfotos zu machen. Offenbar sind wir in einen Segeldöszustand geraten.
Anke versucht neue Perspektiven.
Der dritte Tag neigt sich dem Ende zu, …

… und damit naht das Abendessen. Spätestens wenn es ans Essen geht, ist der Döszustand beendet. Zumindest bei Martin, auch wenn zunächst die Kocharbeit ansteht. Die ist bei den ruhigen Bedingungen ein echtes Vergnügen wie man sieht. Nicht die Spur von Akrobatik oder Verrenkungen ist gefordert. Der Nachteil bei derartigen Fotos ist, dass ihm mal wieder die Notwendigkeit abzunehmen deutlich wird. (Gut, dass solche Fotos ihm nicht gleich bei der Aufnahme gezeigt werden. Da würde er ja prompt die Lust am Kochen verlieren.)

Der letzte Sonnenaufgang.
Wie eine Feuersäule über dem Ozean – der intensive Ansatz eines Regenbogens.

Porto Santo bzw. ein Punkt in der See ein paar Meilen nördlich der Insel markiert für uns den Ort, an dem wir die Kurslinie vom 06. Juli 2023 queren würden, die uns von Lagos nach Porto Santo geführt hatte. Dieser Punkt würde unseren nordatlantischen Kreis schließen, wobei dieser ja noch ein kleines Anhängsel in Form eines karibischen Kreises besitzt. Der Kreis samt Anhängsel ist im Beitragstitelbild dargestellt. (Quelle – Kartengrundlage und Track: PredictWind, https://www.predictwind.com/tracking/SV-MagodelSur?tab=posts, download vom 11.10.2026, 11:53 MESZ)

Leider erwiesen sich die Windverhältnisse als zu entspannt, sodass wir nicht umhin kamen, nachts in den Hafen von Porto Santo einzulaufen. Natürlich kann man dort auch vor dem Hafen ankern, aber wir wussten vom letzten Mal, dass man innerhalb der Molen bedeutend ruhiger liegt. So kringelten wir sorgfältig Ausschau haltend einmal durch das gesamte molengeschützte Ankerfeld, bis wir uns zu einem Platz nahe der Einfahrt entschlossen. Hinsichtlich des zu erwartenden Fischerverkehrs nicht optimal, aber besser ging es nicht, zumal manche Ecken des Hafenbereichs gerne unter der Abgasfahne des lokalen Kraftwerks liegen.

Mit dem Tageslicht wird deutlich, wie dicht an der inneren Brücke wir liegen, die den kleinen Yachthafen markiert. Wir erkennen, dass es sogar einen Liegeplatz für uns gäbe, doch letztlich bleiben wir vor Anker. Hier lässt sich alles einfach und schnell per Dinghi erledigen.
Jeden Morgen werden wir in den nächsten Tagen vom Wendemanöver der einlaufenden Fähre begrüßt. Ein schnell wieder vertrauter Vorgang.
Ebenfalls vertraut: Unverändert der gleich neben dem Hafen beginnende Sandstrand.
Die Sonne ist intensiver, der Betrieb an Strand und Land ist nach wie vor geruhsam. Wir erleben nach den ruhigen Azoren also keinen Kulturschock.
Porto Santo bedeutet für uns in erster Linie ein Wiedersehen mit Dieter und Astrid. Die beiden haben sich entschlossen, ihre Windliese II zu verkaufen. Da die Marina samt Werftbetrieb einen neuen Eigentümer hat, wollen die beiden ihr Boot auf einen anderen Stellplatz bringen. Dazu muss ersteinmal der Mast gelegtwerden. Wir haben unsere Unterstützung zugesagt.

Die besteht überwiegend darin, dass Martin mal die Leiter hält, die das An-Bord-Klettern ermöglicht. Später setzt er geistesgegenwärtig sein noch nicht reduziertes Schwerkraftpotential auf der Deichels des Trailers ein, als das Boot samt Trailer wegen der drei auf ihm herumturnenden Personen nach achtern zu kippen droht.

Der Hebegurt wird angeschlagen. Kurz drauf ist der Mast gelegt und am nächsten Tag wird das Boot auf seinen zukünftigen Stellplatz geschleppt.

Mit Astrid und Dieter verbringen wir im Lauf der wenigen Tage noch schöne Stunden in einem der Strandcafés und bei ihnen zu Hause. Und fragen uns, wann wir uns wohl wiedersehen werden.

Früher Morgen. Soeben sind wir zwischen den Molenmauern heraus gestartet. Der frühe Start soll uns die Ankunft im Hellen garantieren, was nicht ganz klappen wird. Etwas zu wenig Wind.

Zweitausendunddreiundzwanzig segelten wir ziemlich flott – in nahezu exakt anderthalb Tagen – die 268 Meilen von Madeira zur Baja Francesca auf La Graciosa, was wir → in einem eigenen Blogbeitrag beschreiben. Diesmal klappt es nicht ganz mit den anderthalb Tagen. Der Wind ist etwas unstetiger und von Porto Santo aus sind es schließlich noch ein paar Meilen weiter. Und wie schon Porto Santo so erreichen wir unser Ziel, die Bucht Playa Francesca erst bei Dunkelheit. Naja, ein ganz schwacher Hauch Restlicht ist noch da, aber weniger als das Büchsenlicht der Jäger. Wir kringeln ein wenig herum, und dann fällt der Anker schön nahe am Ufer – relativ gesehen.

Auch der Schlag nach La Graciosa erweist sich als angenehm. Leider schwächelt der Wind etwas, so dass es mit der Ankunft bei Tageslicht nicht ganz klappt. Dafür haben wir mal eine dichtere Begegnung mit der Berufsschiffahrt. Martin beobachtet den Tanker noch durchs Fernglas, aber wir sind schon klar vor ihm durchgegangen. Der Wachhabende hat sogar geringfügig den Kurs geändert, um mehr Abstand zu gewährleisten.

Ansonsten gibt es von der Etappe nicht viel zu berichten. Sie verläuft entspannt und angenehm.

Am nächsten Morgen in der Früh. Die Sonne krabbelt soeben über die Kante von Lanzarote und bald …
… beginnt der Monte Amarillo, der Gelbe Berg, seine Farben zu zeigen. Dieser Berg ist ein isoliert im Süden von Graciosa liegender Vulkanrest. 2023 hatten wir seinen Gipfel bzw. Kraterrand umwandern wollen, doch die wiederholten Verbotsschilder und der herrschende Wind hatten uns abgeschreckt, denn da oben wehte es heftig. Diesesmal allerdings ruft der Berg mit derartigem Nachdruck, dass es kein Zurück mehr geben kann.
Wir wollen auch nicht zögern und keinesfalls eine Chance verpassen. Gleich am Tag nach der Ankunft starten wir zu unserer Tour. Über Lanzarote hat sich erstaunlich starker Dunst zusammengezogen.
Die Wanderung lohnt schon allein wegen der tollen Aussicht über die Insel und auf die nördlich von Graciosa liegenden Inselchen.
Ab und an gebrauchen wir beim Aufstieg sogar die Hände.
Die Verbotsschilder haben sich gegenüber 2023 nicht verändert. Wir betrachten sie diesmal als freundlichen Hinweis und versicherungstechnische Absicherung der Inselverwaltung. Schließlich kann vom Kraterrand jederzeit Material abgehen, und das könnte in der Tat unglücklich für den Wanderer enden. Die bescheidene Säule markiert den fast höchsten Punkt des Kraterrandes und damit 172 m ü. NN, nehmen wir an.
Wenn wir richtig gepeilt haben, markiert Martin allerdings den tatsächlich höchsten Punkt des Berges.
Letztes Mal waren wir bei der Säule umgekehrt. Diesmal gehen wir weiter. Der sichtbar ausgetretene Pfad macht deutlich, dass wir nicht die einzigen sind, die diesen Weg gehen.
Irgendwann beginnt der Abstieg. Ein geschlossener Rundweg auf Kraterrandhöhe ist nicht möglich, da der nördliche Teil der Caldera zusammengebrochen oder erodiert ist. Jedenfalls gibt es ihn nicht. Der Abstieg an der Westseite des Kraters ist wesentlich anspruchsvoller als der Aufstieg im Osten. Steiler und sehr rutschig. Wir kommen fast ohne Blessuren unten an.
Schön rutschig – der verbliebene Hang zum nicht mehr existierenden Schlund des Kraters. Nicht anders als der abwärts führende Pfad.
Blick von gleicher Stelle in die nördlich anschließende Ebene.
„Unser” Wasser ist nicht mehr weit. Ein wenig noch der ausgespülten Rinne folgen, dann erreichen wir unser Dinghi und können uns an Bord bei einem Bierchen ausruhen.

In diesem Sinne folgt nun ein geruhsames Tschüss
Martin und Anke

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Tipps und Hinweise

Wer unser Widget „Wo wir sind / Tracking“ gelegentlich nutzt, weiß, dass wir mittlerweile wieder auf den Kanaren angekommen sind. Und daher haben wir ein möglicherweise interessantes Angebot zu machen: Wir geben unsere Simpson-Davits ab. Wer daran Interesse hat, der schaut am besten → auf unsere Seite Flohmarkt / Flea Market. Dort werden die Davits beschrieben und abgebildet.

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Noch nicht wahrgenommen? Unsere Seite besitzt eine Abo-Funktion: Wer in Zukunft keinen Beitrag verpassen will, kann den Blog abonnieren, → und das geht mit Hilfe der Seite Kontakte, oder indem man – ganz einfach – hier klickt.

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Auch wenn wir per Boot unterwegs waren, haben wir auf unserer großen Reise vor mehr als 20 Jahren auch viel zu Fuß unternommen. Beispielsweise erreichten wir in der Nähe des Aconcagua nahezu 4.000 m ü.NN und hatten die Gelegenheit etwas unterhalb der Höhe in einem (ziemlich komfortablen) Basislager zelten zu können. In den chilenischen Anden besuchten wir den höchsten Süßwassersee der Welt, wobei wir aber durch den Einsatz eines Pickups doch übel schummelten. Wir schildern diese Ausflüge und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. → Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

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