Wanderungen

Die Azoren sind eine wunderbare Inselwelt für Wanderlustige; die Landschaften abwechslungsreich und vielfältig und die Temperaturen meist angenehm moderat, sodass die körperliche Anstrengung sich gewöhnlich in Grenzen hält. Die Pfade und Wege sind mit ganz wenigen Ausnahmen gut gekennzeichnet. Man findet sich in der Regel bestens zurecht. Unseren Trip um den Kraterrand auf Faial haben wir bereits im Blogbeitrag → Faial und Pico beschrieben. Hier geht es um ein paar weitere Wanderungen. Beginnen wir mit einem Blick zurück auf Fajal, obwohl wir die meisten Wanderungen auf Terceira absolviert haben. Wir schreiten los!
Cabeço dos Trinta
Hinter dem Namen Cabeço dos Trinta verbirgt sich eine kleine Caldera exakt im Westen der gewaltigen Caldeira inmitten von Fajal. Der Abstand beträgt von Kratermitte zu Kratermitte rund zweieinhalb Kilometer. Die Distanz lässt sich also leicht an einem Tag zurücklegen, auch wenn sie aufgrund der gewundenen Wegeführung gewandert deutlich länger ist. Der Cabeço dos Trinta liegt auf etwa über 750 Metern ü. NN, wobei uns nicht klar ist, ob sich diese Angabe auf die Kratersohle oder den höchsten Punkt des Kraterrandes bezieht.
Wir befinden uns im Tunnel, der den Krater des Cabeço dos Trinta erschließt. Im Tunnel ist es extrem dunkel, anders als das Foto suggeriert. So bleibt uns erspart, die Wand- und Deckenstruktur auf unserem Weg zu erkennen. Das schont durchaus die Nerven – meine – da das Gewölbe nicht so vertrauenerweckend scheint. Anke kennt da bekanntlich keine Bedenken und kein Zögern: Je dunkler und geheimnisvoller, desto besser. No risk, no fun! Freundlicherweise gibt es von Anfang an das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels.


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Trilho da Levada
Nicht weit vom Cabeço dos Trinta entfernt stoßen wir auf den Trilho da Levada, den Levada-Pfad oder -Trail. Das ist nicht wirklich überraschend, denn wir haben natürlich geplant, nach dem Besuch des Kraters diesen Trail zu gehen. Er führt von einem Startpunkt nahe des Cabeço zum Alto do Chão, einem 878 m hohen Berg. Wir brechen die Wanderung nach gut der halben Strecke ab, da die sich irgendwann dauerhaft öffnende Landschaft etwas langweilig wird, die wenigen Entgegenkommer die weitere Strecke ebenfalls als langweilig beschreiben und vor allem, weil es bei dem trüben Wetter nicht wirklich Spaß macht, hier herumzustreunen.







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Monte da Guja
Südlich des Hafens von Horta liegt der sichelförmige Monte da Guja. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass es sich wie bei fast jedem Berg auf Fajal um einen alten Vulkan handelt, hier sogar mit einer halb versunkenen Doppelcaldera. Nördlich am Fuß des schützenden Berges befand sich früher die Walfangstation von Horta.




Seine Arbeit als Spotter beginnt morgens um 06:00 oder 07:00 Uhr, so dass die Anbieter noch vor dem Start der Boote ziemlich sicher wissen, ob man Wale sehen wird. Bestehen schlechte Aussichten, können die Kunden auf einen der Folgetage umbuchen. Man sucht die Tiere übrigens auch mit Hilfe einfacher Sonare, aber das visuelle Spotten ist zuverlässiger und erfolgreicher.
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Monte Brasil
Mit zwei kurzen Schlägen sind wir von Fajal über São Jorge nach Terceira gelangt und liegen vor dem reizvollen Städtchen Angra Do Heroísmo. Der Berg, der die Halbinsel vor dem Ort bildet und damit dessen Naturhafen schützt, wird Monte Brasil genannt. Er ist der größte Tuffstein-Vulkankegel der Azoren und bietet überraschend viele Wandermöglichkeiten, die Anke nutzt, um mich zu erschöpfen. (Unvorsichtigerweise hatte ich irgendwann einmal erwähnt, abnehmen zu wollen.) Streckenkilometer mindestens 10 und Höhenmeter glatt mehr als 200. Und ich bin doch so müde und schlapp …



Auf dem höheren Teil des verbliebenen Kraterrands – auch der Monte Brasil ist wie bereits erwähnt vulkanischen Ursprungs – befinden sich die Sockel früherer Signalstationen. Auch die ziehen Anke magisch an und sie ist schneller oben, als man gucken kann. Was guckst Du!



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Zu den Furnas de Enxofre
Da ich gegenwärtig leichte Probleme beim Abrollen mit dem Großen Zeh (rechten Fuß) hab, wünsche ich mir von Anke Bei der Planung der für den nächsten Tag beabsichtigten Wanderung wenig Höhenmeter. Was Anke auch berücksichtigt. Schlappe 150 Höhenmeter insgesamt und etwa 8 km Wegstrecke werden für ihre Wahl angezeigt, die sich allerdings auf satte 2 x 600 m (plus) Höhenmeter auswachsen – kleine Unsauberkeit des digitalen Paralleluniversums.
Der Weg führt durch offene Landschaft mit lebhafter Topographie. Es scheint viele potentiell feuchte Passagen zu geben, die mittels interessanter Holzbohlenpassagen passierbar sind. Das Holz stammt von gefällten Eukalyptusbäumen, die im Rahmen eines Programms zur Beseitigung der (nicht heimischen) Eukalyptusbestände anfallen.


Solch gelbe Blüten begegnen uns auf den Azoren immer wieder. Und erst nach einiger Zeit stellen wir fest, dass es hier zwei zunächst sehr ähnlich scheinende Arten gibt. Nach langem Brüten und nachträglichen Vergleichen haben wir dieses Blümchen als Tolpis azorica bestimmt. Einen kleinen, auf den Azoren endemischen Halbstrauch. Einen eindeutigen deutschen Trivialnamen gibt es für die Art nicht.



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Algar do Carvão – In einem Vulkanschlot
Das ist eigentlich keine Wanderung, sondern lediglich der Abschluss der vorausgegangenen. Er sagt mir hinsichtlich Distanz und Höhenmetern sehr zu, schließlich habe ich heute schon genug abgenommen! Nur wenige Meter über Zufahrtstraßen und das Ziel ist erreicht. An aktiven Baustellen vorbei geleitet finden wir einen bescheidenen, improvisierten Eingang, der den Zutritt ins Innere eines Vulkans erlaubt. Der Gute ist erst vor 3.000 Jahren eingebrochen (ja, richtig, er ist eingebrochen, nicht ausgebrochen) und damit ist dessen Schlot überhaupt erst zugänglich geworden.

Geschätzt 15 bis 20 m unterhalb der Öffnung des Schlots verlässt man den Tunnel und blickt unwillkürlich nach oben. Der nächste Blick ist abwärts gerichtet. Hier kann man noch runde 70 m in die Tiefe steigen. Theoretisch. Bei unserem Besuch ist das unterste Drittel leider gesperrt.


Der Blick in die Tiefe lässt den ausschließlich von Niederschlägen gespeisten, kleinen See erkennen. Zu Schade, dass man zur Zeit nicht dorthin kann. Wäre ja spannend, nach Grottenolmen oder ähnlichem Getier Ausschau zu halten.



Es wundert also nicht, dass sich an den Wänden und Decken reizvolle und vielfältige Stalagmiten finden, die von den wenig gemütlichen Umständen ablenken, wobei sich hier ganz witzige pilzförmige Strukturen ausbilden.


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Trilho los Mysterios
Am Abend des erschöpfenden Vortags stand plötzlich und unerwartet Olaf vor dem Boot. Spontan verabredeten wir uns zu einer Wanderung am nächsten Tag, wobei meine hartnäckige Weigerung nicht schon wieder epische Distanzen und Höhenmeter anzustreben dahingehend missverstanden wurde, dass ich keine anspruchsvollen Strecken wolle. Es bedurfte gewisser Überzeugungsarbeit, dass ein womöglich abenteuerlicher, herausfordernder Weg durchaus mit meinen Wünschen nach Kürze vereinbar war. Ich musste richtiggehend um den letztlich gewählten Weg kämpfen. Olaf, Anke und ich besuchten also den Trilho los Mysterios, auch Misteriós negros, genannt. Eine Wahl, die keiner bereute.
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Was sonst noch geschah
Natürlich geschah noch vieles, aber wir wollen nicht übertreiben und behalten das Meiste für uns, bis auf die folgende Episode. Ein wenig Nervenkitzel erwartete uns noch am Tag der Wanderung auf dem Trilho los Mysterios. Am Morgen hatten wir geholfen, Olafs Boot zu verholen und auch unser Boot auf einen besser vor Schwell geschützten Liegeplatz umgelegt. Von der Wanderung zurückgekehrt wollten wir uns lediglich frisch machen und anschließend mit Olaf Essen gehen. Kaum an Bord gestiegen verspürten wir eine leichte Erschütterung. Dann noch eine. Und dann eine heftige. Der schnelle Blick über Bord ergab nichts. Kein Orca, kein wildgewordener Seelöwe. Nichts. „Können wir auf einem Stein sitzen?” Anke sprang kurzentschlossen mit Taucherbrille und Schnorchel ins Wasser – bei mir hätte es zu lange gedauert, denn ich sehe unter Wasser ohne Kontaktlinsen nichts. „Ein Stein! Der Kiel stößt von oben direkt auf einen Stein!” Es war nicht zu glauben. Wir hatten das Boot exakt über einem fetten, mindestens drei Meter durchmessenden Felsklotz geparkt, der statt die Mole zu stützen und schützen, einfach zur Seite gerollt war und nun genau neben dem Ponton lag. Exakt unter unserem Kiel. Beim Einparken waren wir ebenso exakt mit der vorderen Hälfte des Bootes an ihm vorbeigeschrammt, exakt so (Inflation des Exakten), dass er vom Echolot nicht erfasst wurde. Und leider herrschte Springtide, mithin die niedrigstmögliche Ebbe. Und das war bei unserem Tiefgang zu viel, bedeutete also zu wenig Wasser unter dem Kiel. Die Lösung war einfach. Mit Leinenhilfe verholten wir das Boot um zwei Meter und alles war gut.
Und da auf dem holperigen Trilho ja nichts derartiges geschehen war, stieß ich mir zum Abschluss des Tages den linken kleinen Zeh so heftig, dass Anke als Nothelfer einspringen musste.

Obiges zur Mahnung: Setzt Eure Schritte mit Bedacht 😉
In diesem Sinne
Martin und Anke
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Tipps und Hinweise
Da wir ja schon wieder hinterherhinken, kommt dem Widget „Wo wir sind / Tracking“ besondere Bedeutung zu. Also immer mal dort drauf klicken und schauen, wo wir sind.
Für Segler auf den Kanaren haben wir ein möglicherweise interessantes Angebot zu machen: Wir geben unsere Simpson-Davits ab. Wer daran Interesse hat, der schaut am besten → auf unsere Seite Flohmarkt / Flea Market. Dort werden die Davits beschrieben und abgebildet.
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Noch nicht wahrgenommen? Unsere Seite besitzt eine Abo-Funktion: Wer in Zukunft keinen Beitrag verpassen will, kann den Blog abonnieren, → und das geht mit Hilfe der Seite Kontakte, oder indem man – ganz einfach – hier klickt.
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Spannende Wanderungen brachten uns beispielsweise auf knapp 4.000 Meter über Normalnull, nahe am Aconcagua. Oder an den Kraterrand des Lavabrocken spuckenden Vulkans auf Tanna. Und noch hierhin und dorthin. Von diesen Ausflügen und noch vielen anderen schildern wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen sowie vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. → Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.
Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.
Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.
Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“
