Zweimal sind wir per Boot zwischen den Kanarischen Inseln herumzigeunert, 2004 und 2024, doch Fuerteventura blieb, abgesehen von flüchtigen Ankerstopps, stets links liegen. Diesmal wollen wir uns doch ein wenig Zeit für die Insel nehmen, zumal wir Mago für den geplanten Deutschlandaufenthalt gut in der Marina von Morro Jable liegen lassen können. Doch zunächst müssen wir allerdings das idyllische La Graciosa verlassen … Mit Blick auf den letzten Beitrag diesmal wenig Worte und viele Bilder.
Am Tag nach unserer Wanderung auf den Monte Amarillo zieht es uns zum einzigen Ort auf La Graciosa, den man guten Gewissens als solchen bezeichnen kann. Unterwegs dorthin: Blick zurück auf die verbliebenen vier Ankerlieger. Mago ganz rechts außen.Zwischen dem östlichen Ende des Strandes der Playa Francesca, unserer Ankerbucht, und dem Ort herrscht reger Verkehr. Fast wie morgens um acht vor einer deutschen Grundschule, nur dass hier nicht Erstklässler transportiert werden, sondern Feriengäste.Unsere Seglerbeine benötigen eh Ertüchtigung und unsere Figur Kalorienschwund. (Aus gutem Grund ist hier Anke zu sehen und nicht Martin.)Das Örtchen hat sich nach wie vor kaum verändert.
Wie bei jedem Besuch gefällt uns das Fehlen von Asphaltstraßen, das Fehlen von Gehwegen und die schlichte, meist eingeschossige Bauweise.
Der innerörtliche Strand am kleinen Hafen ist heute belebter als früher, doch irgendwie ist der alte Charme des Schlichten geblieben.Entsprechend gemütlich geht´s auch in dem kleinen Restaurant-Bar-Betrieb zu. Warten auf Godot. 😉 Nach gewisser Wartezeit kommen Getränke und leckeres Essen. Er kommt also doch! Godot war da !!! 😊 Die Hoffnung also niemals aufgeben!Es dämmert recht schnell, als wir uns auf den Rückweg machen. Unser Dinghi erreichen wir nahezu bei Dunkelheit. Die dezente Braunfärbung des Himmels weist auf zarte Calima hin, den schon vertrauten Saharastaub.Der nächste Morgen. Wir verlassen Playa Francesca.Wie? Soll´s östlich um Lanzarote rum gehen? Im Ernst jetzt?Ach, Du meinst eher Westkurs und die Insel links liegen lassen!Ein flotter Ritt …… und wenig später können wir Puerto Rubicon genießen, uns an den ersten Besuch 2004 erinnern und staunen, wie sehr sich die Umgebung der Marina verändert hat. Den Swimming-Pool muss es seinerzeit schon gegeben haben, doch das gastronomische und touristische Angebot ist enorm gewachsen.Schnell entdecken wir unweit unseres Liegeplatzes einen Inder, dessen Leckereien uns gleich zu Wiederholungstaten verführt. (Dreieinhalb Kilo hat Martin seit Verlassen von Curacao abgenommen. Das erlaubt entspanntes Genießen, meint er.)Wiederholungstaten dürfen nicht zu Missverständnissen bezüglich unserer Bordküche führen.Randnotiz: In unseren Gläsern kühlen und tauen die letzten Eiswürfel aus Antigua!Nach wenigen Tagen geht es weiter. Auch Fuerteventura lassen wir links liegen, bis aufs südliche Ende. Das bleibt zwar ebenfalls links, doch wir werden es runden und Morro Jable ansteuern.Frischer Wind um die 20 kn (wahrer Wind) aus nahezu idealer Richtung schiebt uns flott voran. Noch deutlich flotter, als der Ritt zur Marina Rubicon.
Anke verstellt den Schotholepunkt der Genua. Nach Jahren der Diskussion und Uneinigkeit über die Schotholepunktpositionen bei den unterschiedlichen Bedingungen gelingt uns bei dieser Überfahrt zum ersten Mal ein kaum mehr möglich gehaltenes, übereinstimmendes Ergebnis. – Achtsames Kurbeln: achtsam mit Blick auf den Schotholepunkt, achtsam mit Blick auf den Rücken.
Martin peilt die Südwestspitze Fuerteventuras, den Punta de Jandia. Nach der Karibik will man es nicht glauben, doch Martin hat tatsächlich eine gegen den kühlen Wind schützende Windjacke übergestreift.Jenseits des Punta de Jandia ist es seltsam. Der eigentlich ideale Nordwind wird abgelenkt. Mal segeln wir Halbwindkurs, mal hart am Wind, mal fehlt der Wind, dann überfällt er uns mit 30 Knoten, beschleunigt durch die Düsenwirkung einzelner Täler. Und das wiederholt sich etliche Male. Nun ja, die Wolkenkappen sprechen für sich. Zuguterletzt müssen wir auch noch motoren.
Kaum angekommen, ergibt sich eine kleine Herausforderung. Am 12. August herrscht auf den Kanaren eine partielle Sonnenfinsternis. In Deutschland ist es wahrscheinlich eine totale. Mit Hilfe der freundlichen Marineros und eines Bootsnachbarn unternehmen wir erste Versuche, wie man augenschonend an dem Spektakel teilhaben kann. Hier Martin mit Schweißhaube.
Und dann meldet sich Susanne Huber-Curphey und erwähnt beiläufig, wie wunderbar sie das Phänomen mit Hilfe des Sextanten beobachtet. In Minutenschnelle – er ist tief vergraben – ist der Sextant ans Tageslicht geholt. Anke beobachtet die Sonnenfinsternis. Bobby Schenk wird bestimmt stolz auf den Einsatz „seines” Sextanten sein (man beachte die Plakette auf dem Sextanten, voriges Foto). Bobby hat übrigens, anders als man vielleicht erwarten würde, niemals Geld für die Nutzung seines Namens verlangt oder gar erhalten. Wir halten Bobby´s Sextanten jedenfalls in Ehren und wollen ihn in Zukunft öfter mal wieder zweckgemäß nutzen. Ein bisschen Übung in klassischer Sextantnavigation kann ja nun wirklich nicht schaden.Unser einziger, gefühlt erfolgreicher Versuch, das Schauspiel abzulichten.
Auch nix gute Qualität, und doch besser. Und die Aufnahme stammt noch nicht einmal von uns. Unglücklicherweise habe ich (Martins alleinige Schuld, was geradezu und naturgemäß natürlich sonnenklar ist) auch noch verbaselt, wer uns das Foto geschickt hat.
Ansonsten vergehen die Tage damit, Mago auf die vielen Wochen des Alleinseins vorzubereiten. Anke heftet hier die frisch gesäuberten Schattenbezüge auf die Luken und säubert und pflegt deren Gummidichtungen.
Der Hydrogenerator wird zum xten Mal zerlegt und der Mechanismus geprüft (keine Pflichtaufgabe, eher Kür) und probeweise in seiner Heckhalterung montiert.
Alles wird rausgeräumt, gesäubert und entstaubt, anschließend neu gestaut – Martin bearbeitet das sogenannte Lazarett, den Stauraum am äußersten Ende des Boots. Diese Arbeit gilt übrigens für (fast) alle Stauräume. Haltbare Lebensmittel packen wir in die relativ kühle Bilge, unverbrauchte frische Lebensmittel verschenken wir.Bei der Vorbereitung auf unsere Reise werden auch die leckenden Verrieglungen der Decksluken neu eingedichtet.
Um bequem zum Flughafen zu kommen, haben wir einen Mietwagen für drei Tage organisiert. In diesem Zusammenhang gebührt der Dame vom Office größter Dank, denn die chauffierte mich persönlich zum Busbahnhof (ich holte den Wagen vom Airport), da es keine Taxen gab. Natürlich nutzen wir den Wagen auch für den ersten kleinen Ausflug.
Ein beliebter Stopp ist der Mirador auf der Passhöhe der Degollada de Cofete. Die wörtliche Übersetzung bedeutet angeblich enthauptet oder die Enthauptete. Sehr merkwürdig. Spaß macht der Ort allen hier, denn es zieht mächtig. Vielleicht hat der Wind hier schon mal jemandem den Kopf verweht.Dass wir uns ebenfalls freudig dem Wind aussetzen, kann man gerade so an den Falten von Martins T-Shirt ablesen.Diese Ecke von Fuerte ist recht einsam. So einsam, dass diese Fahrzeugansammlung schon spektakuär ist. So, wie die Aussicht.Faszination am Straßenrand. Da unten an der Nordwestküste liegt das Zwanzigseelendorf Cofete. (Zwanzig ist der Mittelwert aus 15 bis 25 ständigen Bewohnern.)Cofete – erster EindruckWir kehren für Kaffee und Kuchen und ein Bierchen im einzigen Restaurant des Ortes ein, dass wider aller Online-Behauptungen geöffnet ist. Und nicht nur das, hier trifft sich gerade eine pan-kanarische Freundestruppe für ihr jährliches Musikstelldichein.
Nach der schüchternen Frage,ob wir mal ein Foto machen könnten, werden wir gleich zu Grillspeise, Trunk und Gesang eingeladen. Und sollen im nächsten Jahr zur selben Zeit natürlich dabei sein und mitmachen. Das ist eine dieser Begegnungen, die den besonderen Reiz unserer Reise ausmachen.
Von Cofete aus erstreckt sich ein endlos scheinender Strand Richung Norden.Hier ist Wetterseite. Schwimmen kaum möglich.
Strandläufer
Blick nach Südwesten. Viel Salzspray in der Luft. Das reinigt die Lungen (nehmen wir mal an).
Anke erkundet den sandverwehten Friedhof von Cofete. Von diesem Friedhof stammt übrigens auch das Beitragstitelbild.Zurück in Morro Jable wird Mago mit zusätzlichen Leinen vertäut, weitere Fender werden rausgehängt, und noch dies und das gemacht, bis wir sie guten Gewissens zurück lassen können.Und dann sitzen wir im Flieger. Dass Martin sich wenige Tage vor dem Flug noch einen Gleitwirbel eingefangen hat, scheint er gerade nicht zu spüren. Glücklicherweise. Und Anke würde anscheinend viel lieber beim Boot bleiben.
Mit freudiger Erwartung auf eine Pause in der Heimat sagen wir an dieser Stelle