Freiheit
Freiheit der Meere – die Freiheit auf dem Meer. 1974. Wir waren noch Pennäler und Reinhard May besang die → Freiheit über den Wolken, eine Freiheit, die für uns Schüler damals bei aller Träumerei doch recht unvollstellbar war. Und eine Freiheit, bei der wir uns noch gar nicht bewusst machten, dass sie zeitlich stets ziemlich begrenzt war. Mal abgesehen davon, dass der Flugverkehr bereits 1974, als der Song veröffentlicht wurde, reichlich reguliert war. Vor wenigen Tagen verbrachten wir mit lieben Nachbarn einen wirklich netten Abend. Schnell stellte sich heraus, dass sie der Zufall vor Kurzem zum Segeln auf dem Wasser verführt hatte. Und geradezu zwangsläufig kam die Rede irgendwann auf die Freiheit. Die Freiheit der Meere. Die Ozeane als Orte der Freiheit. Die grenzenlose Freiheit, von der fast jeder träumt, der eine Reise mit einem Segelboot anstrebt. – Auf die Idee, die mit dem Begriff Freiheit verbunden scheint, die bei nüchterner Betrachtung irreal ist, man könnte auch sagen surreal.

Fast jeder beginnt die Segelkarriere auf Booten von Freunden oder an Bord von Vereins- und Charterbooten. Das war bei uns nicht anders. Schon da ließ sich beobachten, dass mit dem Betreten des Boots in unserem Innern eine Veränderung vor sich ging. Man betrat eine eigene, recht geschlossene Welt, in der eigene, gelegentlich auch strenge Regeln galten. Das Leben außerhalb des Bootes trat spürbar in den Hintergrund, obwohl die Gespräche und der Umgang mit den mitreisenden Freunden natürlich immer auch den Bezug zum Alltag außerhalb des Bootes herstellten. Deutlich anders wurde es mit Erwerb eines eigenen Bootes. Es war gar nicht mehr von Bedeutung, überhaupt abzulegen und zu Segeln. Allein der Umstand, den Schritt an Bord zu machen, reicht(e) aus, den Alltag zu vergessen. Man ist plötzlich wie befreit, leicht, entspannt. Kann einfach im Cockpit sitzen, mit sich und der Welt im Einklang sein. Bezeichnend ist sicherlich folgende Episode. Bei einem Unfall hatte ich (Martin) mir einen Finger abgerissen und lag nun mit frisch wieder angepepptem Finger in einem Dreibettzimmer im Klinikum Reinkenheide in Bremerhaven. Die Nacht nach der OP war schlaflos, da mein schwer gehandicapter Nachbar ununterbrochen um sich spuckte und ich nur damit beschäftigt war, mich zu schützen. Der andere Patient, ein junger Türke wusste, dass er das Krankenhaus nicht mehr lebend verlassen würde. Alles andere als ein unbelastender Zustand. Am nächsten Morgen entließ ich mich gegen den Rat der Ärzte selbst. Ein Taxi brachte mich zum Boot, das in der Marina Kuhlmann lag. An Bord ließ ich mich im Cockpit nieder. Die Sonne schien und wärmte, Vögel zwitscherten, Insekten schwirrten vorbei, leichte Wellen plätscherten. „Hier finde ich Ruhe, hier finde ich Frieden, hier werde ich gesund!“ Meine Empfindungen. Ansonsten keine Gedanken an Arbeit, OP, mögliche Entzündungen usw. Ich war plötzlich frei von allem, vor allem frei aller Sorgen und Gedanken.
Über den Begriff der Freiheit, dessen Entwicklung, Vielgestaltigleit und dessen Geschichte wollen wir hier nicht reflektieren. Da gibt → Wikipedia einen schönen Überblick und zugleich auch erste Verweise auf Quellen, deren Studium durchaus lohnenswert ist. Uns geht es hier in erster Linie tatsächlich um die Freiheit, oder die Idee von gewissen Freiheiten, die mit dem Segeln über die Meere, mit einer Blauwasserreise verbunden sein können. Und Vorsicht: Dieser Beitrag ist ausgesprochen textlastig.
Freiheit – ein vielfältiger Begriff
Wir gliedern die folgenden Bemerkungen zum Thema in mehrere Abschnitte:
- Freiheit als Voraussetzung einer Langfahrt
- Die Grenzen im eigenen Ich
- Unterwegs – die Freiheit auf dem Meer
- Ausschließliche Selbstverantwortung
- Freiheiten am „Ziel“
- Fazit
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I. Freiheiten – Voraussetzung einer Langfahrt
Jeder, der sich auf eine längere Segelreise begeben will, seien es mehrere Monate im Rahmen einer Atlantikrunde oder mehrere Jahre bei einer ausgedehnten Reise, muss sich den Herausforderungen stellen, die sich aus dem Umstand ergeben, dass man gewöhnlich in einem eng gewobenen Netz vielfältigster Beziehungen und Verpflichtungen verhaftet ist. Der erste Schritt zur Reise besteht ganz banal darin, zu sagen: „Ich nehme mir die Freiheit …“
Maßgebliche Aspekte sind:
- Beruf
- Besitz (Haus, Wohnung …)
- Soziale / gesellschaftliche Verpflichtungen
- Familiäre Verpflichtungen
- Körperliche und geistige Fitness
Beruf. Wer nicht in der glücklichen Situation ist, einerseits Rentner, andererseits aber fit und rüstig zu sein, für den stellt sich die Herausforderung, sich von seinen beruflichen Verpflichtungen zu befreien. Glücklich sind die, die für die Zeit der geplanten Reise (in der Regel unbezahlten) Urlaub beanspruchen können. Da sind Beamte klar im Vorteil, doch auch in der freien Wirtschaft hat man durchaus Chancen, eine unbezahlte Auszeit vereinbaren zu können. Wenn dies nicht möglich ist, heißt dies, kündigen oder einen Betriebsnachfolger finden. Wie auch immer, damit verbunden ist in der Regel eine Reduktion der Beiträge für die Sozialkassen (bei Rente und Krankenversicherung, bei der Pflegeversicherung ist dies nicht möglich), was bedeutet, dass man zukünftigen Einbußen bei der Rente in Kauf nehmen muss, sofern man nicht alternative Möglichkeiten der Absicherung hat. Der Entschluss bedeutet in vielen Fällen auch, die Berufskarriere zu unterbrechen und das Risiko einzugehen, nach der Reise unter möglicherweise veränderten Rahmenbedingungen wieder in das Berufsleben zurückzukehren. Ohne irgendeine Garantie, ob das klappt.
Man muss sich also die Freiheit zumuten, sich von der mit der Berufstätigkeit verbundenen, gefühlten Sicherheit zu lösen, diese aufzugeben. Und – die in Anspruch genommene Freiheit kann mit nachhaltigen Kosten verbunden sein. Darüber muss man sich klar sein.
Besitz. Für viele Menschen, die auf Langfahrt gehen, bedeutet die Verwirklichung dieses Traums, die Aufgabe ihres Besitzes: Haus, Wohnung, Mobiliar und all die Dinge, die wir im Leben so gerne anhäufen und möglicherweise als unverzichtbar begreifen bzw. als bis zu diesem Zeitpunkt für unverzichtbar gehalten haben.
Langfahrt bedeutet daher oft, sich frei machen von Besitz. Teils um mit dem Besitz verbundene Belastungen und Pflichten los zu werden, teils um die erforderlichen finanziellen Mittel bereit zu stellen. Viele Langfahrer beschreiben gerade diesen Prozess als einen Akt erstaunlicher Befreiung, als einen Akt der Erkenntnis, mit wie wenigen, wesentlichen Dingen man im Grunde das Leben gestalten und dabei glücklich sein kann.
Wer glücklich ist, kann seine Immobilie vermieten und erwirtschaftet auf diese Weise einen Beitrag zur Reisefinanzierung. Dieses Einkommen kann mehr Freiheit bedeuten, aber es kann auch Verpflichtungen und Arbeit mit sich bringen, Belastungen, denen man eigentlich entfliehen will. Und Berlinern müssen wir aufgrund der aktuellen politischen Lage bei einer Vermietung zu äußerster Vorsicht raten. ☹
Soziale / gesellschaftliche Verpflichtungen. Diese erscheinen fast die geringsten Probleme zu sein. Hier fällt das Sich-Freimachen häufig leicht. Und oft wird man feststellen, dass die Menschen des eigenen Dunstkreises an dem Vorhaben interessiert sind und es mal moralisch, mal auch tatkräftig unterstützen. Viele werden eine solche Reise mit Interesse verfolgen. Andererseits wird man auch mit Neidreflexen konfrontiert werden, sogar in der engsten Familie, wie Martin es leider auch persönlich erleben durfte.
Familiäre Verpflichtungen. Sofern man nicht mit seinen Kindern auf Reise gehen kann, müssen Kinder alt genug sein, um sie allein zurücklassen zu können. Dies nötigt die Eltern das nicht immer einfache Eingeständnis ab, Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Kinder zu akzeptieren und ihnen darin zu vertrauen. Eine Befreiung für die Kinder 😉 und möglicherweise ein großer Gewinn für die gesamte Familie.
Eltern müssen daher bereit sein, ihre Kinder in die Freiheit zu entlassen, ihnen und ihren Fähigkeiten zu vertrauen. Und sie müssen die Herausforderung annehmen sich von den bis dahin vielleicht als unverzichtbar angesehenen, elterlichen Pflichten zu lösen, zu befreien.
Familiäre Verpflichtungen können auch bedeuten, dass man sich um eigene Eltern, gehandicapte Geschwister oder Familienangehörige kümmern muss. Und das kann es unmöglich machen, einen Schritt in die persönliche Freiheit mit dem persönlichen Gewissen und Verantwortungsgefühl zu vereinbaren. Da hängt es sehr von den konkreten Rahmenbedingungen ab, ob sich eine erträumte Reise realisieren lässt. Wir kennen einen Fall, bei dem sich eine Seglerin über lange Jahre um ihren behinderten Bruder gekümmert hat und meinte, dass sie ihren Traum einer Segelreise niemals würde verwirklichen können, bis ihre Mutter, als sie dies erfuhr, ihr zuriet, sich von ihrem Pflichtgefühl zu befreien und den Lebenstraum in jedem Fall zu verwirklichen. Anke und ich hatten das große Glück (und den Mut in Bezug auf Beruf und Karriere), unsere erste Weltumseglung in einer Phase realisieren zu können, in der unsere Eltern noch keine Unterstützung benötigten. Wenige Jahre später wäre dies nicht mehr möglich gewesen.
Man sollte sich daher vergegenwärtigen, welche Lebensphasen einem mit Blick auf eigene Verantwortlichkeit und eigenes Gewissen die Freiheit für welche Entscheidungen erlauben.
Körperliche und geistige Fitness. Viele Menschen haben wir kennengelernt, die ähnliche Träume hatten, wie wir, und die sich, als sie mit Blick auf Beruf oder Verpflichtungen frei waren, häufig nicht mehr in der Lage sahen, ihren Traum zu verwirklichen. Bei den meisten dieser Segler war bzw. ist es so, dass sie die Realisierung ihrer Träume auf den Rentenbeginn verschoben hatten, und sich dann von dem Gefühl einengen ließen, zu alt, körperlich und womöglich geistig nicht mehr fit genug zu sein. Oder auch zu (ein-) gebunden zu sein. Dies ist, ehrlich gesagt, in den meisten Fällen ein rein mentales Problem, eine Form der Selbstbeschränkung.
Noël Marshall, einhand und einbein unterwegs auf seinem One-Off Sadko.

Mit wenigen Ausnahmen kann man sagen, ob Alter und Handicap einschränkend sind, hängt davon ab, in welchem Maß man sich von dem Gefühl des Eingeschränktseins befreien kann. Da uns dieser Aspekt aufgrund persönlicher Begegnungen sehr bemerkenswert erscheint, hier drei Beispiele, dass körperliche Einschränkungen und Handicaps kein Hindernis sein müssen:
Noël Marshall – britischer Diplomat im Ruhestand. Segelte Einhand von Großbritannien nach Ushuaia (Beagle-Kanal). Dort packte er Freunde ins Boot und besuchte mit diesen die Antarktis, und wenn wir uns recht erinnern ging es mit einem Umweg über die Süd-Georginen zurück nach Ushuaia. Das scheinbar Herausfordernde: Noël war einseitig beinamputiert. Er war also der erste Einbein-Solo-Segler, von dem wir je gehört haben.
Peter Bufe – Berliner Rechtsanwalt. Hatte im Krieg den rechten Unterarm verloren, was ihn jedoch nicht darin hinderte, mit seiner Frau Dorothee an Bord der Segelyacht Hikeru II von Deutschland aus zu den Olympischen Spielen in Rom zu segeln. Später gelang beiden mit der Yacht Hikeru III eine Weltumsegelung. Peter kann gemeinsam mit der französischen Segellegende Damien Seguin („Captain Hook“) als echter Einhandsegler begriffen werden.
Als dritten möchten wir den Argentinier Erwin Rosenthal nennen (s. Foto am Beginn des Beitrags). Als wir ihn 2005 in Buenos Aires kennenlernten, spielte er als rüstiger Siebziger mit dem Gedanken, einhand, also allein nach Brasilien aufzubrechen. Was er später auch gemacht hat. Die letzte Nachricht erhielten wir von ihm Jahre später aus Französisch-Guayana. Das Besondere an Erwin: Er besaß einen lahmen, also unbrauchbaren Arm und segelte, wie gesagt, dennoch allein. Er war also auch so eine Art einarmiger Einhandsegler. Und das bis in seine Achtziger-Jahre hinein.
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II. Die Grenzen im eigenen Kopf
Im zuvor Beschriebenen wird bereits deutlich, dass es eine große Rolle spielt, wieviel Freiheit wir uns zugestehen. Anders ausgedrückt: Die meisten Grenzen befinden sich im eigenen Kopf. Daher ein paar Anmerkungen zu den folgenden Aspekten.
- Freiheit von eigenen restriktiven Gedanken
- Freiheit von entgegenstehenden (eigenen) Ansprüchen
- Freiheit von Perfektionismus
- Freiheit und finanzieller Rahmen
Freiheit von restriktiven Gedanken. Die beinhalten vor allem Vorstellungen wie: Kann ich mir ein solches Vorhaben überhaupt zutrauen? Habe ich die notwendigen seglerischen und/oder navigatorischen Kenntnisse? Kann ich mir das Alleinsein auf den langen Passagen zumuten? Reichen meine technischen und handwerklichen Fähigkeiten aus? Fragen, die der liebe, kleine „Innere Schweinehund“ aufwirft und kultiviert. Fragen, von denen man sich befreien muss. Und der einfachste Weg ist, sich (immer wieder) zu sagen: „Warum soll ich eine solche Blauwasserreise nicht machen können?“ Und diese Frage gemeinsam mit Obamas berühmter Antwort „yes we can“ zu verinnerlichen. Und natürlich die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten kontinuierlich zu schulen und zu erweitern.
Freiheit von entgegenstehenden (eigenen) Ansprüchen. Das Freimachen von entgegenstehenden Ansprüchen ist vielleicht die schwierigste Aufgabe. Das bedeutet meist, sich klar für eine Option zu entscheiden: Blauwasserfahrt statt beispielsweise Reiterreisen (eine Entscheidungssituation, die erstaunlicherweise gar nicht so selten vorkommt – betraf/betrifft beispielsweise Anke), Blauwasserfahrt statt Eigenheim, Blauwasserfahrt statt beruflicher Karriere, Blauwasserfahrt statt Absicherung im Alter, u.v.m. Hier sind je nach persönlicher Situation durchaus schwere und schmerzhafte Entscheidungen gefordert.
Glücklicherweise ist es für die meisten, die bereits eine Familie mit Kindern gegründet haben, kein so großes Problem mehr. Familien auf See trifft man heute weitaus öfter als noch vor 20 Jahren, inzwischen finden sich sogar vermehrt Gruppen, in denen mehrere Familienyachten streckenweise parallel segeln. Die viele gemeinsame Zeit und das gemeinsame Erleben, die eine Reise mit Kind und Kegel erlaubt, lassen sich im bundesdeutschen Alltag kaum in vergleichbarer Intensität realisieren.
Freiheit vom Perfektionismus. Man kann bereits die meisten Hürden überwunden haben, doch man entscheidet sich nicht zum GO, da das Boot „noch nicht fertig ist“. Und das wird – bittere Wahrheit – nie fertig. Wir haben den geplanten Start zu unserer Weltumseglung 2003 um ein Jahr verschoben, „da das Boot noch nicht fertig war!“ 2004 habe ich mich dann allen Versuchen und Ideen widersetzt, weiter zu zögern, da ich wusste, wenn wir uns wieder nicht zum GO entschließen, würden wir nie loskommen. Daher: Befreit Euch von der Vorstellung, mit einem perfekten Boot zu starten. Vieles lässt sich unterwegs machen, und manchmal sogar besser und günstiger als daheim. Doch das Entscheidende ist: Ihr seid gestartet, Ihr seid unterwegs. Ihr habt den Schalter auf GO gesetzt.
Wir hatten Helen auf dem Abschieds-Gig der Sex Slaves of Hell in Falmouth erlebt. Wir hätten nie gedacht, dass wir Helen wenige Wochen später in der Lagune Alvor in Südportugal treffen würden. Sie und ihr ebenfalls in der Band musizierender Mann hatten sich getrennt, daher ging auch die Band auseinander. Um sich zu sortieren ging sie auf die Reise. Einmal Karibik und zurück. Hier ihr Lotsenkutter unter Segeln in der Lagune von Alvor.

Freiheit und finanzieller Rahmen. Eine ausreichende finanzielle Grundlage macht vieles leichter, ohne Frage. Doch erstaunlich viele Beispiele zeigen, dass man auch mit kleinem Boot und kleinem Budget spannende und vor allem bereichernde Reisen machen kann. Oft kommt man mit kleinem Budget den Einheimischen näher, als die betuchteren Segler, was einen völlig anderen Erfahrungshorizont erschließt. Naturgemäß sind Low-Budget-Reisen nicht ganz so bekannt. Aber sie sind möglich. Auch hier gilt: Realistisch bleiben, aber die Schranken im eigenen Kopf hinterfragen. Dem ungewöhnlichsten Beispiel begegneten wir in der Lagune von Alvor im Jahr 2004. Helen, eine etwa 40jährige Mutter mit 20jährigem Sohn und dessem ebenso alten Freund segelten mit einem geschenkten Lotsenkutter (Baujahr etwa 1899, wenn ich mich recht erinnere) ohne Geld eine Nordatlantikrunde. Unterwegs finanzierten sich die drei, begnadete Musiker, durch Auftritte u. a. in Restaurants und Kneipen.
Schon immer gab es Segler, die ihr Budget unterwegs durch Arbeiten aufgebessert haben. Teils indem Jobs auf anderen Yachten angenommen wurden, teils indem man in den besuchten Ländern einer zeitweisen Arbeit nachging. Die technologische Entwicklung der letzten Dekade hat da völlig neue Möglichkeiten geschaffen, und sogenannte digital nomads wird man heute in der ganzen Welt antreffen. Digital nomads leben eine Freiheit hinsichtlich ihres Arbeitsstandorts, aber frei von der Arbeit und der damit verbundenen Restriktionen sind sie natürlich nicht.
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III. Unterwegs – die Freiheit auf dem Meer
Endlich – wir kommen zu dem, was wohl jeder mit der Vorstellung einer Blauwasserreise verbindet: Der Traum der Freiheit auf dem Meer. Was bedeutet er?
- Abstand von allem (eine Flucht?!)
- Absolute Selbstbestimmtheit
- Der Fluch der modernen Kommunikationstechnologie
(Einmal wirklich weg – früher eine einmalige Entscheidung, heute eine tägliche, ja andauernd geforderte Entscheidung) - Freiheit bei der Wahl der Ziele (Restriktionen)
Abstand von allem. Das ist das, für das das Beitragstitelbild steht. Für sich sein. Nur mit dem Boot. Niemand sonst dabei (vielleicht Frau, Partner, Freunde, gfs. Crew). Nur Wasser um sich herum, nur Meer. Eins mit der Natur, Wind und Wellen. Kein Telefon, keine Emails, keine Termine, keine Meetings, keine Kollegen, keine Nachbarn, keine Arbeit, keine Pflichten, kein Aufstehen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Schweben in dem eigenen kleinen Universum, das nicht weiter reicht als bis zum Horizont. Das kann eine Flucht sein, das muss jedoch keine Flucht sein. Hinter dem Wunsch des Abstands von allem kann auch ein Suchen stehen. Ein Suchen nach Ruhe oder nach sich selbst. Oft enthalten die Beweggründe für eine solche Reise ein Sowohl-als-auch.
Bei mir (Martin) war die Sehnsucht groß, ein Abenteuer zu erleben, vor allem die Welt zu entdecken, wie man so schön sagt, fremde Länder, fremde Menschen, fremde Sitten kennenzulernen. Das Segeln auf dem Ozean, das Freisein war gar kein so vordergründiger Antrieb. Obwohl es auch so war, dass ich von meinem Berufsalltag genug hatte, die ständige Verantwortung für Projekte und für Mitarbeiter. Vor allem hing mir die ständig erforderliche Auftragsakquisition zum Halse heraus. Da gab es also ein deutliches Verlangen, sich dem zu entziehen, mich von diesem Druck zu befreien. Interessanterweise habe ich nach der Reise nicht nur feststellen müssen, dass Akquise eine meiner großen Stärken war, sondern ich konnte diese Aufgabe nun durchaus mit Freude wieder annehmen.
Absolute Selbstbestimmtheit. Das ist der zweite Aspekt dieses Traums. Und vielleicht die größte Illusion. Nicht etwa, weil der Partner an Bord mitbestimmt. Das kann natürlich eine Rolle spielen, ist meist bereichernd, da man alles teilen kann, und – das ist nicht der Anlass für diesen Punkt. Die bestimmenden Mitstreiter sind das Boot, das Wetter, die Seeverhältnisse und noch ein paar Aspekte, die weiter unten unter Verantwortung benannt werden. Jedenfalls kann man sicher sein, dass das Boot und dessen Technik so manche unerwartete Aufgabe an den Segler stellt, die keinen Raum für Selbstbestimmtheit lässt, und sei es nur im Sinne eines Aufschubs einer Tätigkeit. Ähnlich verhält es sich mit etwas Pech auch beim Wetter.
Der Fluch der modernen Kommunikationstechnologie. Für sich sein. Nur mit dem Boot. Niemand sonst dabei (vielleicht Frau, Partner, Freunde, gfs. Crew). Nur Wasser um sich herum, nur Meer. Eins mit der Natur, Wind und Wellen. Kein Telefon, keine Emails, keine Termine, keine Meetings, keine Kollegen, keine Nachbarn, keine Arbeit, keine Pflichten, kein Aufstehen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Schweben in dem eigenen kleinen Universum, das nicht weiter reicht als bis zum Horizont. Aufgefallen? Eine Wiederholung. Für all das steht die Idee einer Blauwasserfahrt, einer Weltumseglung. Doch leider – dieses Bild, diese Vorstellung ist zu einer Illusion geworden.
Vor etwa zwanzig Jahren noch konnte man (sagen wir mal, die meisten) sich mit einer einzigen Entscheidung, in diese Freiheit begeben. Man musste sich lediglich selbst zum GO überwinden. Dann war man weg, nicht erreichbar, für sich allein. Es bedurfte nur einer einmaligen, bewussten Entscheidung für die Freiheit. Vor allem auf den langen Ozeanpassagen würde man die Freiheit finden. Mit den heutigen technologischen Möglichkeiten ist dies romantische Vergangenheit. Auf See ist man inzwischen per Starlink relativ kostengünstig und meist in bester Qualität via Internet mit der Welt verbunden. Familie, Freunde, Netflix & Co., Nachrichten, Politik, alle (medialen und realen) Dramen unseres Daseins können uns fluten und belasten. Erforderte die ersehnte Freiheit vor wenigen Jahren lediglichen einen einzigen, entscheidenden Entschluss, das GO, und man war bis auf Weiteres unerreichbar, ist man heute jeden Tag genötigt, sich von der Welt zu befreien und diesen Entschluss den ganzen Tag über durchzuhalten. Mit anderen Worten: Die heutige Freiheit auf dem Meer ist nicht mehr mit der Freiheit zu vergleichen, die Menschen wie Astrid und Wilfried Erdmann, Heide und Erich Wilts, die Hiscocks und ihre Zeitgenossen erlebten.
Freiheit bei der Wahl der Ziele. Auch die ist heute nicht mehr die, die sie früher einmal war. Einreisen auf dem Seeweg werden zunehmend reguliert. Konnte der Segler früher fast in jedem Staat bei Ankunft ein sogenanntes Seemanns-Visum erhalten, wobei diese sich hinsichtlich der Möglichkeiten in dem betreffenden Land sehr unterschieden, verlangen immer mehr Staaten heute bereits ein vorab eingeholtes Touristenvisum, im ungünstigsten Fall ein „richtiges“ Visum. Manche abgelegenen Ziele, können heute nicht mehr angelaufen werden, da unter Naturschutz stehend oder aus anderen Gründen gesperrt. So erfordert ein Besuch der Antarktis beispielsweise von einem deutschen Segler eine Genehmigung des Umweltbundesamtes, was mit einigem Aufwand verbunden, aber machbar ist. Segler, deren Heimatstaat nicht dem Antarktisvertrag beigetreten sind, können dagegen völlig ohne irgendeine Genehmigung dorthin. Freiheiten können offenbar sehr unterschiedlich sein. Zwischenstaatliche ebenso wie innerstaatliche Konflikte können bestimmte Reviere oder Routen ausschließen. Vor diesem Hintergrund geradezu unvorstellbar, dass der Argentinier Vito Dumas von Juni 1942 bis Juli 1943, d.h. während des Zweiten Weltkriegs mit seiner hölzernen, motorlosen 31-Fuß-Ketsch Legh III die Welt mit nur drei Zwischenstopps (Kapstadt, Welllington, Valparaiso) und weitgehend in den Roaring Fourties umrundete.

IV. Ausschließliche Selbstverantwortung
Die Freiheit unterwegs bedeutet, man ist in jeder Hinsicht frei in seinen Entscheidungen und seinem Handeln. Wobei zunächst vielleicht gar nicht bewusst ist, dass diese Freiheit nichts anderes bedeutet, als absolute Verantwortlichkeit.
- Eigene Entscheidungen, eigenes Handeln, eigene Schuld (Verantwortung)
- Freiheit der eigenen Absicherung (an Bord, Wache, Versicherungen)
- Heute bestehen weitaus mehr Sicherheit und Hilfsmöglichkeiten, aber bitte keine Illusionen machen bzgl. der eigenen Verantwortung.
Eigene Entscheidungen, eigenes Handeln, eigene Schuld – Verantwortung. Freiheit ist untrennbar mit Verantwortung verbunden. Es gibt keine Ausreden mehr. Was immer auch schief geht, was immer wir auch nicht bewältigen, wir werden uns der Erkenntnis stellen müssen, dass es in unserer ureigenen Verantwortung lag, Situationen im Voraus zu bedenken und zu vermeiden oder uns auf die Bewältigung unerwarteter Herausforderungen gleich welcher Art bestmöglich vorbereitet zu haben. Jede Art des Scheiterns müssen wir uns selber ankreiden. Darüber müssen wir uns klar sein, und der damit verbundenen Belastung müssen wir uns stellen. Es gibt auf See keine andere Wahl!
Freiheit der eigenen Absicherung. Wie wir uns an Bord verhalten, wie wir uns sichern, wie unser Wachplan aussieht, ob wir überhaupt Wachen gehen, ob und was wir versichern, das ist allein unsere Angelegenheit. Diesbezüglich sind wir absolut frei. Aber wir sollten uns möglicher Konsequenzen bewusst sein. Dazu ein paar Bemerkungen.
Manche gehen grundsätzlich und immer mit Rettungswesten und eingepickter Lifeline an Deck. Andere, wenn bestimmte Seegangs- und Wetterverhältnisse das ratsam erscheinen lassen. Am 19.09.2025 um 03:15 habe ich vor der brasilianischen Küste bei Ostwind von 7-8 Bf meine Lifelines gegen Ankes Einwände gelöst, da zu kurz, weil ich mal eben schnell das flatternde Tuch des zweiten Reffs (Groß) einbinden wollte. Beim ersten Anlauf ist mir dummerweise die Leine aus der Hand geglitten, und beim zweiten Versuch war völlig ungeplant und ganz plötzlich das Boot unter mir weg. Irgendwie bin ich noch halbwegs auf der Reling gelandet, halb außenbords, und Anke hat dann meinen Oberkörper zurück an Deck gezerrt. Ich hatte mir die Freiheit genommen, meine Sicherheit zu ignorieren und wäre beinahe in der endgültigen Freiheit angekommen. Die Schlussfolgerungen sind offensichtlich.
Einer unserer Segelfreunde ging bei seinen früheren Atlantiküberquerungen grundsätzlich für die ganze Nacht in die Koje, wie zu Hause auch. „Ist ja eh nichts los da draußen.“ Bis er ein AIS installierte. Danach ging er mit seiner Partnerin regelmäßige Nachtwachen. Erst das AIS machte ihm klar, wieviel Verkehr auf See herrscht. Viele Segler vertrauen heute gerade auf moderne Technologien und entsprechendes Sicherheitsequipment. Dennoch ist dies keine Garantie für Sicherheit, gerade bei Nacht. Bestes Beispiel ist die Kollision von Boris Herrmann mit einem Fischerboot in der Schlussphase der Vendee Globe 2021. Eigentlich hätte seine Technik ihn warnen müssen. Hat es aber nicht. Jeder muss seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen. Wir gehen grundsätzlich nächtliche Wachen und einhand unterwegs, schlafe ich in 20-Minutenintervallen.
Ob man sein Boot versichert (Kaskoversicherung) oder nicht, ist Ansichtssache und nicht zuletzt auch eine Frage der verfügbaren Mittel. Eine Bootshaftpflichtversicherung ist obligatorisch. Ohne kann man an diversen Orten erhebliche Probleme bekommen. Auch wenn es segelnde Ausnahmen gibt, auf eine wie auch immer geartete Krankenversicherung sollte man nicht verzichten. Vor etwa 20 Jahren stand ein holländisches Seglerpaar nahezu vor dem finanziellen Ruin, als die Frau in Panama wegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung aufwendig behandelt werden musste und sich herausstellte, dass sie (aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände) nicht versichert waren. Auch zahlreiche unerwartete,überraschende Krebsfälle in unserem langfahrtsegelnden Bekanntenkreis lassen eine gute Auslands- oder Reiskrankenversicherung mehr als ratsam erscheinen.
Heutige Sicherheit und Hilfsmöglichkeiten. Die modernen Technologien haben das Blauwassersegeln sehr viel sicherer gemacht. Ortsbestimmung ist kein Thema mehr, Navigation ist ein Kinderspiel, Radar und AIS sind selbstverständlich, jederzeit sind aktuelle Wetter- und Seegangsprognosen verfügbar. Und Hilfe bei zahllosen Problemen kann man mittels der sozialen Medien erhalten. Selbst Hilfe in echten Notsituationen kann heute in der Regel schnell und zuverlässig organisiert werden, was inzwischen schon den Effekt hat, dass manches Boot trotz seetüchtigen Zustands von der in einer Streßsituation befindlichen Crew verlassen wurde. Doch trotz all der heutigen Erleichterungen, man darf sich keine Illusionen machen, der eigenen Verantwortlichkeit entkommt man nicht.

V. Freiheiten am „Ziel“
Wenn man die Berichte der frühen Segelabenteurer liest, eines Wolfgang Hausner, Wilfried Erdmann, Hugo Wehner oder auch eines Bobby Schenk, da können die Protagonisten in unberührter Natur ankommen, bei noch sehr ursprünglich lebenden Menschen und sie erleben nur selten Restriktionen. Man geht Speerfischen, sammelt Muscheln, um vom Verkauf der Gehäuse zu leben, geht irgendwo mit den Einheimischen auf die Jagd … Schon 2004 am Beginn unserer ersten großen Reise, war diese Form der Freiheit weitgehend Vergangenheit. Und heute?
- Voranmeldungen bei der Einklarierung, Visa, Rückflugticket
- Voranmeldungen für Marinas
- Bojenreservierungen
- Ankerverbote, Naturschutz
- Befahrensverbote
- Kontrollen von Boot und Ausrüstung
- Fahrtgenehmigungen
- „kleine“ Einklarierungen
Voranmeldungen bei der Einklarierung, Visa, Rückflugticket. Fluch der modernen Kommunikationsmöglichkeiten: In vielen Ländern wird heute bereits erwartet, dass der Segler sich noch vor Ankunft über (unterschiedlichste) elektronische Systeme bei Zoll, Immigration und möglicherweise noch anderen Autoritäten anmeldet. Das kann das Leben erleichtern, aber man verliert die Freiheit der Spontanität. Weitere Hindernisse sind der Bedarf vorab gewährter, also zwingend erforderlicher Visa und in seltenen Fällen auch der Nachweis eines Rückflugtickets nach Deutschland bzw. der Mittel für den Kauf eines Tickets. Ist von mir, Martin, mal bei der Querung der argentinisch-chilenischen Grenze verlangt worden. Von Anke, die neben mir stand, nicht. Freiheit?
Voranmeldungen für Marinas. Auf unserer schon mehrfach erwähnten Reise vor rund 20 Jahren kamen wir einfach an und irgendwie ergab sich immer ein Weg, einen Liegeplatz zu ergattern. Wir konnten unsere Ziele frei und ungezwungen wählen und es spielte keine Rolle, wann wir ankamen. Nur Im Club de Veleros Barlovento in Buenos Aires war eine förmliche Bewerbung gewünscht bzw. hilfreich. Heute ist es bei zahlreichen Marinas erforderlich, sich per E-Mail, Website oder telefonisch anzumelden und auch den Ankunftstag festzulegen, auch wenn das für einen Segler gar nicht sicher möglich ist. Und in manchen Marinas erhält man trotz freier Liegeplätze keinen Platz, da diese für die ARC oder eine vergleichbare Rally reserviert sind, auch wenn deren Teilnehmer noch lange nicht zu erwarten sind. So Freunden von uns geschehen mit der Marina von Arrecife auf Lanzarote, obwohl sie zuvor sogar eine Zusage erhalten hatten. Freiheit?
Bojenreservierungen. An vielen Orten kann man heute nicht mehr ankern, man muss Bojen nutzen. Teils dient das der besseren Ausnutzung einer begrenzten Fläche, teils dem Schutz der Natur, also des Meeresgrundes und von dessen Leben. Was natürlich durchaus zu begrüßen ist. Auch hier ist es inzwischen vielerorts so, dass man nicht einfach auftauchen und eine Boje aufpicken kann, man muss die Boje im Voraus buchen. Freiheit?
Ankerverbote, Naturschutz. Vielerorts gibt es ausgewiesene bzw. gekennzeichnete Bereiche, in denen das Ankern verboten ist. Meist handelt es sich um Bade- oder Schwimmzonen in Strandnähe, da man die Badegäste schützen will. Oder es handelt sich um Zonen, bei denen das Ankern aus Naturschutzgründen verboten ist. Man denke nur an die Posidonia-Bestände im Mittelmeer. Diese Verbote nehmen uns Seglern zwar ein Teil unserer Freiheit, wir sollten sie jedoch als Teil unserer Verantwortung ernst nehmen und respektieren.
In vielen Gegenden sind „Freiheiten”, die sich die ersten Segelvagabunden nehmen konnten heute verboten oder sie sind reglementiert. Den frühen Seglern war meist gar nicht klar, dass sie mit ihrem Verhalten, beispielsweise dem Sammeln von Muscheln, zur Schädigung der biologischen Lebensgemeinschaften und Ökosysteme beitrugen. Da die Zahl der Blauwassersegler immens gestiegen ist, ist unsere aller eigene Verantwortung, auf die Natur Rücksicht zu nehmen, Verbote und Regulierungen gleich welcher Art zu respektieren.
Befahrensverbote. Gelegentlich wird man auch auf Gebiete stoßen, deren Befahren verboten ist. Gründe können sein: Der Naturschutz, Militärischer Nutzung der Areale, Schutzaspekte beispielsweise bei Flughäfen, besondere Nutzungen wie Windparks usw. Auch hier gilt das beim vorhergehenden Punkt gesagte.
Kontrollen von Boot und Ausrüstung. Kontrollen kommen nicht oft vor, aber sie kommen vor. Und sie können überall und aus den verschiedensten Gründen erfolgen. Meist sind sie freundlich und harmlos. Man sollte den Beamten freundlich begegnen, sie tun nur ihre Pflicht. Auf unserer jetzigen Reise sind wir zweimal kontrolliert worden: 2021 als wir in die spanischen Gewässer einfuhren und 2026 in St. Martin. Im letzten Fall wurden wir freundlich darauf hingewiesen, dass einer unserer Feuerlöscher abgelaufen sei und wir den bei Gelegenheit warten lassen sollten. Aufwendiger waren die regelmäßigen Kontrollen der chilenischen Behörden, bevor die Genehmigung zum Befahren der Patagonischen Kanäle erteilt wurde, vgl. u. Freiheit? Eigenverantwortung?
Fahrtgenehmigungen, „kleine Einklarierungen“. Es gibt Reviere, bei denen die nationalen Behörden Fahrtgenehmigungen für bestimmte Strecken ausstellen. Das gilt beispielsweise bei Fahrten auf argentinischen Flüssen wie Rio Parana und Rio Paraguay oder auch für die Patagonischen Kanäle oder eine Rundung des Kap Hoorn von chilenischen Gewässern aus. Die Genehmigung, ein sogenanntes Zarpe, kann mal von einem Hafen zum nächsten Hafen ausgestellt sein, mal für eine recht lange Strecke. Im ersten Fall muss man in jedem Hafen bei der Prefectura vorsprechen und so eine Art kleine Einklarierung machen. Und später natürlich wieder zum nächsten Hafen ausklarieren. Beim Zarpe für die Patagonischen Kanäle kam es auch schon mal zur vorübergehenden Verweigerung der Genehmigung, da der betreffende (ältere) Segler einhand durch die Kanäle gehen wollte und die Behörden ihm das nicht zutrauten. Begleitete Freiheit! (Modern ausgedrückt 😉)
VI. Fazit
Ein Fazit kann jetzt jeder selbst ziehen. Es ist wohl leider so, dass unsere gegenwärtige Welt den Raum für Freiheit zunehmend eingeschränkt hat und vermutlich weiter einschränken wird. Auf der anderen Seite, wir leben in unserer Gegenwart. Die Generationen nach uns werden vielleicht mit Wehmut auf unsere Freiheiten schauen.
Wie auch immer man unsere Welt betrachtet, das Alleinsein auf See ist auch heute noch eine unvergleichliche Erfahrung, und es gibt sie noch, die Freiheit. Wir Menschen sind von unserer Anlage und unseren Möglichkeiten her freie Wesen und die Freiheit erfordert (unsere) bewusste Inanspruchnahme. In diesem Sinne …
Cheers
Martin und Anke

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Tipps und Hinweise
Wer unser Widget „Wo wir sind / Tracking“ gelegentlich nutzt, weiß, dass wir mittlerweile wieder auf den Kanaren angekommen sind. Und daher haben wir ein möglicherweise interessantes Angebot zu machen: Wir geben unsere Simpson-Davits ab. Wer daran Interesse hat, der schaut am besten → auf unsere Seite Flohmarkt / Flea Market. Dort werden die Davits beschrieben und abgebildet.
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Noch nicht wahrgenommen? Unsere Seite besitzt eine Abo-Funktion: Wer in Zukunft keinen Beitrag verpassen will, kann den Blog abonnieren, → und das geht mit Hilfe der Seite Kontakte, oder indem man – ganz einfach – hier klickt.
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Vor etwas mehr als 20 Jahren haben wir uns die Freiheit genommen und sind mit unserer Reinke aufgebrochen. Wir wollten unseren großen Traum verwirklichen. Der Gedank der Freiheit bewegte uns zunächst gar nicht. Ob er in den fünf Jahren der Reise Bedeutung erlangte, darüber und über vieles mehr berichten wir in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. → Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.
Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009: Just do it – von der Weser in die Welt 323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.
Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.
Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“
