Auf Guadeloupe folgt Martinique

Auf Guadeloupe folgt Martinique

Unübersehbar: Sonja genießt die rund 70 Seemeilen lange lange Etappe von den Les Saintes, vorbei an Dominica nach Martinique.

Nach ein paar gemeinsamen Überlegungen zu dem Für und Wider der verschiedenen Alternativen, entschließen wir uns, von den Les-Saintes aus direkt nach Martinique zu segeln. Dort können wir problemlos an einen Mietwagen kommen und die Insel erkunden. Das ist der Vorteil, wenn man bekannte Ziele ansteuert: Man kennt sich halbwegs aus, weiß wo man den Bäcker findet, den Schlachter oder einen guten Tante-Emma-Laden, lecker essen kann oder eben einen Mietwagen findet. Schon zum zweiten Mal übergehen wir somit Dominica. Wo soll das noch enden? Und es muss ja nicht gesondert erwähnt werden: Natürlich entpuppt sich der Schlag als Am-Wind-Strecke. 70 Meilen sind es nach Martinique, St. Pierre, unserem Ziel.

Am Wind: Natürlich gischtet es kräftig, und Sonja kann ein wenig vom Fahrtensegleralltag mitnehmen.
Und wie es mit alten Bekannten so ist – wir werden freundlich begrüßt: St. Pierre empfängt uns mit dem geliebten, karibischen Regen.
Bei St. Pierre kann man in der Regel eine gute Festmacherboje finden, doch man weiß nie. Es könnten ja alle besetzt sein. Daher hat Anke ein Ankermanöver vorbereitet und die Leinen zur Entlastung der Ankerkette bereitgelegt. Da wir für unsere 13 mm-Kette bislang keine brauchbare Ankerkralle, einen Haken, mit dem man solche Leinen mit der Kette sicher verbindet, finden konnten, nutzen wir inzwischen einen Softschäkel; das blaßgelbe Etwas links, den wir mittels eines Stahlschäkels mit den besagten Leinen verbinden. Doch wir haben Glück und müssen nicht ankern, es gibt noch freie Bojen.
Die Sonnenbrillen werden bei unserer Ankunft dank Wolken und Regen nicht mehr gebraucht …
… und zum Trocknen möglicher nassen Klamotten – Stichwort Karibischer Regen (sollte man zum stehenden Begriff erklären) – sind Wäscheleine und Klammern vorbereitet.
Schön, wieder in der vertrauten Bucht zu ankern.
Am nächsten Morgen geht es gleich an Land. Überrascht finden wir einen neuen, schwimmenden Dinghi-Anleger vor. Letztes Jahr musste man noch an die recht hohe Pier, bei der die Dinghis ohne Heckanker gerne unter dieselbe vertrieben. Und außerdem war das für manche eine mühselige Kletterei, bis man persönlich auf ihr stand. Nun ist alles ganz einfach.
Wir streichen durch die Ecken und Winkel von St. Pierre. Hier in den Ruinen des „Figuier“-Quartiers. Die Häuser waren im 18. Jahrhundert am Fuß der Festungsmauern errichtet worden, hatten meist noch ein Obergeschoß und dienten als Waren- und Lagerhäuser. Damals wurde der größte Teil des Warenverkehrs auf Martinique über St. Pierre abgewickelt.
Zur Stärkung sind wir in das uns bereits vertraute Arts Café eingekehrt, das sich in dem Gebäude befindet, das nach dem Vulkanausbruch von 1902 als erstes wieder genutzt wurde. Tropische Saftcreationen für die Damen, eine Gersten- und Malzcreation für den Fotografen.

Und dann haben wir den Mietwagen, und los geht´s.

Clement

Unser erster Ausflug mit Sonja führte uns zu Clement. Der eine oder die andere wird sich vielleicht noch an unseren Blogbeitrag über unseren Besuch bei diese Destillerie aus dem letzten Jahr erinnern. Automatisch wird man denken, das ist ja langweilig, wieder der gleiche Besuch. Aber das war es ganz und gar nicht. Im Park gab es eine ganze Reihe neuer Kunstinstallationen, es waren mehr Gebäude als noch im letzten Jahr zugänglich, und auch die Informationen zu den musealen Teilen waren erheblich umfangreicher geworden. Wir haben die Stunden dort genossen und uns keinem Moment gelangweilt.

Jeppe Hein, Two Dimensional Mirror Labyrint (Zweidimensionales Spiegellabyrinth). Polierter Edelstahl und Alubond, 2006. Je nach Standort kann dieses Labyrinth ganz schön verwirren.
Auf dem Rand eines übermannsgroßen Kochtopfs laufen Bronzefiguren, bestückt mit handelsüblichen Besteckgabeln. Will der Künstler auf die Verunglimpfung von Teilen der karibischen Urbevölkerung als Kannibalen anspielen? Ein Banause oder vielleicht auch seinerseits ein Künstler, nahm die Gelegenheit war, um mit farbigem Isoliertape eine eigene Botschaft zu arrangieren. Nur welche?

Leider fehlten bei diesem Objekt Angaben zum Künstler und dem Kunstwerk.

Detailaufnnahme von einem der neuen Objekte im Park der Destillerie. Und ich Depp hab vergessen, nach den Infos zum Künstler und Objekt zu suchen.

Für eine Architektin, die lange bei einem namhaften deutschen Autohersteller gearbeitet hat, ist die Nutzarchitektur genauso wie die Destillerie-Technik natürlich faszinierend. Warten wir ab, ob sich dies auf ihre nun freiberufliche Tätigkeit auswirkt.

Sonja ist ja eine gestandene Frau, doch was geht bei diesen Aussichten in ihrem Kopf vor?
Oder bei einer solchen Ansicht?
Auch neu und im letzten Jahr noch nicht zu sehen (oder hatten wir es übersehen?) ein Foto der Clement-Familie aus dem Jahr 1923. Auch wenn es eine Schwarz-Weiß-Fotografie ist, man erkennt die verschiedenen Hautfarben, die in der Familie vertreten sind. Im Original kann man es noch viel besser erkennen.
Können nach den ersten Annäherung an die noch in Fässern verborgenen Destillerieprodukte die Ausstellungen noch ablenken, oder zieht es uns zur Verkostung? – Claude Cauquil, Manuel. Acryl auf Leinwand, 2007.
Man muss zugeben, die Kuratoren der Stiftung und ihre Mitarbeiter beweisen Geschick. Nach der Kunst kommt duftige Verlockung.

Und natürlich – dann kann die Kunst nicht mehr ablenken. Es gibt nur einen Weg. Voran. Vorwärts. Abwärts und dann im übertragennen Sinne aufwärts. Ab ins Paradies.

Die Wesenheit des Paradieses ist nicht schwer zu erraten. Im Paradies kann man genießen und erwerben.

Weil es sonst keiner glaubt: Der Weg zum Paradies ist wirklich abwärts gerichtet.

Im Laufe der Tage besuchen wir abends gerne mal ein Restaurant. Das erspart das Kochen und den Abwasch; denn unsere Tage sind meist lang. Am Abend nach dem Besuch bei Clement schlenderten wir ein paar Schritte über den Strand zum kreolischen Restaurant La Vague. Was lag näher, als bei dieser Gelegenheit vom heimischen Rum zu probieren und einen Ti Punch zu goutieren.

Und wo gibt es sowas: Man darf sich selbst einschenken – eine Mengenbegrenzung gibt es nicht! Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

Sauer eingelegte, kleine Sardinen. Als Vorspeise in der Karbik schon eher ungewöhnlich …
… Bananen auf einem Rumpunschbett flambiert erwartet man dagegen durchaus.

Trace dés Jesuites – Jesuitenpfad

Der Jesuitenpfad wurde im 17. Jahrhundert durch Mitglieder dieses Ordens angelegt. Er verbindet Fort de France mit dem Ort Mourne Rouge. Die insgesamt 29 km führen über viele Hügel und Täler, queren Bäche und Flüsse und waren mal eine anstrengende, doch wichtige Verbindung für den Norden Martiniques. Wir sind keine Helden und beschränken uns auf eine Teilstrecke, zumal es heftig geregnet hat und der Pfad dann stellenweise sehr rutschig sein wird.
Der Weg führt durch Urwald, was mit urwaldspezifischen Hindernissen verbunden ist.
Überall ist es rutschig und man oder frau ist gelegentlich kurz davor, unfreiwillig mittels des Hosenbodens abwärts zu steigen. – Was sonst selten gelingt, bei diesem Foto lässt sich erahnen, wie hoch die Bäume in diesem ursprünglich gebliebenen Wald sind.

Die kleinen Beschwerlichkeiten lassen sich recht gut erahnen. Je nasser, desto schneller der Abstieg – wenn man Pech hat. Ich fürchte, ich wiederhole mich.

Trotz der kleinen Herausforderungen, die Wanderung macht Spaß. Unsere Geschwindigkeit ist auch deshalb nicht gerade eindrucksvoll, weil wir überall Dinge entdecken und bewundern, die uns nun mal aufhalten. So beispielsweise die allgegenwärtigen Epiphyten an den Stämmen, Ästen und Zweigen der Bäume.

Oder die Pilze. Wir wollen die Pilze nicht vergessen. Pilze gesellen sich auch in diesem Urwald zur Vielfalt des Lebens.
Unser Ziel und Wendepunkt stellt ein Flusslauf dar. Die fetten Kiesel, teils vom Wurzelwerk der Bäume (noch) gehalten machen zusammen mit dem überhängenden Erdreich deutlich, was für dynamische Prozesse an diesen Stellen bei starken Regenfällen ablaufen können. Damit der rechte Eindruck entsteht: Diese Abbruchkante ist mehr als 2 m hoch.
Auch wenn der Fluß umkehren heißt, zumindest die wackelnde, schaukelnde und schwingende Brücke müssen wir noch genießen.
Gegenverkehr

Und im Gänsemarsch. Schaukeln verboten! (Foto: Sonja Rechtermann)

Nach der Wanderung über den Jesuitenpfad erkunden wir das kleine und unscheinbare, sehr schlicht eingerichtete Restaurant La Patate Douce („Die Süßkartoffel“). Die Speisekarte ist kurz (gutes Zeichen) und wir waren mit unseren Gerichten mehr als nur zufrieden. Wir legen daher jedem den Besuch dieses Restaurants ans Herz. Eine kleine Besonderheit soll nicht verschwiegen werden: Wir hatten uns noch gar nicht gesetzt, da wurden wir zum gemeinsamen Tanz mit den anderen Gästen aufgefordert. Davon gibt es leider keine Fotos. Wie naheliegt, war ein jeder von uns gerade anders beschäftigt.

Der vorletzte Tag … und das Ende des Besuchs

… schien ziemlich verregnet. Wir waren schon quer über die Insel gefahren und es schüttete immer noch. Und hatten den Ausflug sogar schon abgebrochen, als der Regen 2 Minuten nach der Umkehr nachließ. Sollten wir doch noch einen Versuch wagen? Martinique besitzt ja mit der Presqu’Île de la Caravelle eine Halbinsel, die sich deutlich nach Osten vom Kernland in den Atlantik hinauswagt. Könnte dort doch anderes Wetter herrschen? Wir kehren erneut um, und tatsächlich, wir haben Glück. Der Wettergott ist uns hold.

Irgendwann ist Schluss mit lustig und die Liebe ist vorbei. Mittlerweile nervt er, der karibische Regen.
Welch ein Glück. Während Martinique hinter uns unter grauen Schauern verschwindet, ist die Halbinsel regenfrei. Hin und wieder scheint sogar die Sonne.
Ein bescheidener Gipfelsturm zum Phare de la Caravelle, dem Leuchtturm, liegt hinter uns.
Ohne Worte

Der nächste Tag. Noch ist etwas Zeit, Sonjas Flug geht erst am Nachmittag. Uns bleibt Gelegenheit für ein paar Schritte in Fort de France. Und wir haben das Glück, dass die Bibliothek Schölcher geöffnet ist. Also nix wie rein.

Auch innen zeigt sich die Architektur und Gestaltung des Gebäudes als etwas Besonderes. Leider ist der Erhaltungszustand etwas mau.

Und dann werden die letzten Erinnerungsstücke gesucht. Sonja hat die passende Ergänzung zu ihrem Mitbringsel aus Guadeoupe gefunden. Ich hab es zwar nicht geprüft, aber beide sind sicher Made in China oder Made in Vietnam. 😉

Und dann ist sie weg. Es ist schon seltsam. Nicht ganz zwei Wochen haben wir gemeinsam verbracht und in dieser kurzen Zeit so viel schöne und angenehme Dinge miteinander erlebt, die irgendwie auch Gemeinsamkeit schaffen. Und nun sind wir wieder allein zu zwein. Richtig komisch. Andererseits, der nächste Besuch steht in den Startlöchern, und wir müssen uns nun sputen, um nach einem Zwischenstopp in Le Marin rechtzeitig in Kingstown auf St. Vincent oder in Bequia zu sein.

Das Titelbild zeigt übrigens eine Blüte, die wir im Park der Habticion Clement gefunden haben. Leider gab es keine Info zum Baum, an dem wir sie fanden. Zu schade, zumal die Infos im Park durchweg besser und konsequenter vorgenommen sind als in vielen Botanischen Gärten.

Falls also eine Leserin – ich denke da an eine ganz bestimmte – oder ein Leser einen Hinweis geben kann, zu welcher Art diese Blüte gehört, würden wir uns sehr freuen.
Es grüßen Euch und Sonja in der Heimat
Martin und Anke.

***

Tipps und Hinweise

In letzter Zeit gab es erneut Bewegung auf unserer Flohmarktseite. Wer Interesse daran hat, und das eine oder andere vielleicht gebrauchen kann: Unter folgendem Link geht´s zum Flohmarkt: https://www.sy-magodelsur.de/flea-market/

Noch nicht wahrgenommen? Unsere Seite besitzt eine Abo-Funktion: Wer in Zukunft keinen Beitrag verpassen will, kann den Blog abonnieren, und das geht mit Hilfe der Seite Kontakte, oder indem man – ganz einfach – hier klickt.

Besuche hatten wir an vielen Orten: an der Algarve, auf den Kanaren, mehrmals in Argentinien, auf den Marquesas, auf Mallorca, stets spannend, da unter den unterschiedlichsten Rahmenbedingungen. Wir schildern die Herausforderungen eines Besuchs an Bord – selbst wenn der Besuch die eigene Partnerin ist 😉- und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

2 Kommentare zu „Auf Guadeloupe folgt Martinique

  1. Lieber Martin,
    der letzte Beitrag war besonders köstlich. Danke dafür, dass Ihr Eure Erlebnisse so teilt.
    Auf die Frage „Und wo gibt es sowas: Man darf sich selbst einschenken – eine Mengenbegrenzung gibt es nicht!“ gibt es eine Antwort:
    In der Konoba „Kiss“ in der Bucht Soline auf der Insel Pasman / Kroatien ist (oder war) das – zumindest bis zu unserem letzten Besuch dort vor 14 Jahren – ebenso; dort wurde allerdings, landestypisch, Slivovitz angeboten.
    Euch weiter gute Fahrt
    – auch auf dem aus unserer Sicht eher erstaunlichen Kurs Richtung Nord –
    Andreas
    (Ex: Amica Maris II)

  2. Lieber Martin, Du hast Recht, der Bucket Hat ist ‚Made in China‘!
    Kommt aber gerade auch in Norddeutschland zum Einsatz – 22°C in Bremen 😀.
    LG von Sonja

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