Mehr oder weniger Kunst auf Terceira

Mehr oder weniger Kunst auf Terceira

Monument inmitten eines Kreisverkehrs in Angra do Heroísmo. Den für den Stier tödlichen Stierkampf gab es es auf den Azoren (und in Portugal) nie und gibt es auch heute nur in einer entschärften Form. Sehr populär ist auf den Inseln die sogenannte Tourada á corda. Und damit sei schon mal auf den letzten Teil dieses Blogbeitrags neugierig gemacht.

Da es mit dem ursprünglich geplanten Beitrag, der sich mit unseren Wanderungen auf den Azoren beschäftigt, nicht so richtig vorwärts geht, ziehen wir diesen einfach vor. In Angra do Heroísmo sind uns zahllose Motive begegnet, die aus dem passenden Winkel betrachtet, an anderer Stelle, an anderem Ort und mit anderen Mitteln zu einem Kunstwerk geworden wären. Wir haben lediglich fotografiert, ggfs. das Motiv etwas beschnitten, und stellen hier ein paar Ergebnisse vor. Daher gibt es diesbezüglich gar nicht viel zu sagen. Was gesagt werden muss, steht bei den Bildunterschriften des ersten Teils.

Lange habe ich überlegt, ob ich den Inhalt des zweiten Teil tatsächlich einbaue, er ist schon etwas speziell. Denn da war die Kathedrale Sé Catedral de Angra do Heroísmo, deren Türme wir bestiegen hatten (s. vorhergehenden Blogbeitrag) und die bei einem Erdbeben im Jahr 1980 erheblich beschädigt wurde. Drei Jahre später kam ein schwerer Brand hinzu, der den größten Teil ihrer barocken Kunstschätze zerstörte. Zu den mit den beiden Ereignissen verbundenen Verlusten gehörten auch die klassischen Darstellungen des Kreuzwegs. Rund ein Dritteljahrhundert später wurde der Kreuzweg neu geschaffen und dessen Darstelungen haben mich, Martin, in ihren Bann gezogen.

Abschließend wollen wir mit den Augen von Olaf Kreinsen auf eine Besonderheit der Azoren eingehen, den Stierlauf, die bereits erwähnte Tourada á corda. Terceira ist eine Hochburg des Stierlaufs und beinahe täglich finden in irgendwelchen Dörfern derartige Veranstaltungen statt. Uns ist es nicht gelungen, doch Olaf hat auf Terceira zwei Touradas in den Nachbargemeinden von Angra angeschaut und davon natürlich zahlreiche Aufnahmen mitgebracht. Er hat die Fotos im Anschluss bearbeitet und zweifellos dürfen wir sie als Fotokunst betrachten. Einige von Olafs Fotografien bilden den Abschluss dieses Blogbeitrags.

I. Könnte Kunst sein

Das Katzenportrait (Beitragstitelbild) befand sich auf der Fassade des runtergekommenen, ehemaligen Zollgebäudes von Angra do Heroísmo. Im Zuge der vollständigen Rekonstruktion des Gebäudes wird es vermutlich inzwischen verschwunden sein. Eine Arbeit, ein wirkliches Kunstwerk, dessen Vergänglichkeit dem Künstler sicher bewusst war. Alles in diesem Abschnitt Folgende ist dagegen nur Zufall, gesehen, entdeckt, in eine Datei gewandelt und hier als Ausschnitt sichtbar gemacht.

Angra do Heroísmo – Hausanschlusskästen
Angra do Heroísmo – ohne Worte #1
Angra do Heroísmo – Kaimauer. „Do not let the behavior of others destroy your inner peace.“ („Lass das Verhalten anderer nicht deinen inneren Frieden zerstören.”) Ein dem Dalai Lama zugesprochenes Wort.
Angra do Heroísmo – Farben des Verfalls
Angra do Heroísmo – Kontraste
Angra do Heroísmo – Hinter Glas
Angra do Heroísmo – ohne Worte #2
Angra do Heroísmo – ohne Worte #3
Angra do Heroísmo – Flügelmutter. Diese Flügelmutter fixiert einen Sonnenschirm am Hafencafé. Das Rütteln des Windes ließ die Mutter innerhalb einer halben Stunde um 360° rotieren.
Angra do Heroísmo – Oberflächen / Materialien (in einem Restaurant)

In der Kathedrale – ein Kreuzweg

Im Jahr 2014 sprach die Kulturkommission der Diozöse von Angra (Serviço Diocesano da Pastoral da Cultura) 14 ausgewählte Künstler, die von den Azoren stammen und mit den Inseln eng verbunden sein mussten, in der Art einer sogenannten desafio an. Der Begriff lässt sich grob als Einladung übersetzen. Jedem Künstler, jeder Künstlerin wurde eine Kreuzwegstation zugewiesen, wobei es bewusst keinerlei Vorgaben hinsichtlich des künstlerischen Ausdrucks gab. Vorgegeben waren lediglich Format und dass es sich mehr oder weniger um ein Bild handeln müsse. Die Werke sollten bewusst persönlich und zeitgenössisch sein. Nach Abschluss der Arbeiten spendeten die Künstler ihre Werke der Kirche.
Schon nachdem ich beim Besuch der Kathedrale die ersten 4 Stationen in unsystematischer Folge entdeckte, hatten sie mich in ihren Bann gezogen. (Was Anke wundert und was sie nicht so recht teilen bzw. nachvollziehen kann.) Die 14 Werke erstaunen und faszinieren mich aufgrund ihrer gestalterischen Bandbreite und Verschiedenartigkeit. Teils ästhetisch und ansprechend bis hin zu verstörend reicht deren Spanne. Daher ist aus meiner Sicht besonders hervorzuheben, dass die Verantwortlichen alle Werke ohne Abstriche angenommen haben und diese an den Pfeilern der Kathedrale angebracht wurden.

Die folgenden Fotos sind gegenüber dem Originalformat in unterschiedlichem Maß beschnitten, um sie hier einzupassen. Teils sind sie hinsichtlich Farbe und Kontrast bearbeitet, um dem Originaleindruck näher zu kommen. Alle Werke sind im Jahr 2014 entstanden. Bildtitel und Künstler entsprechen der Kennzeichnung in der Kathedrale, die Reihenfolge der Folge eines klassischen Kreuzwegs.

Tourada á Corda – Stierlauf – Olaf Kreinsen

Olaf Kreinsen ist Regisseur, Autor und Fotograf. Bei Interesse einfach mal googeln oder bei Wikipedia reinschauen. Wir waren uns in der Marina von Angra nach längerer Zeit wieder begegnet und unternahmen dies und das gemeinsam. Leider gelang uns kein Besuch einer Tourada, aber ihm. Wir freuen uns daher ganz besonders, dass wir die folgenden Fotographien veröffentlichen dürfen. Vielen herzlichen Dank, Olaf. Die Zuschnitte der Querformate haben wir etwas modifiziert, um sie besser in unseren Blog einpassen zu können. Alle Bildrechte, auch die der beschnittenen Fotos, ausschließlich bei Olaf Kreinsen.

Touradas sind auf den Azoren beliebte Veranstaltungen. Hochburg dieser Tradition ist Terceira, wo fast jeder Ort seine eigenen Stierläufe zelebriert. Diese Läufe sind unblutige Veranstaltungen. Die Tiere leben auf Weiden in kleinen Bullenherden, wobei ein wenig erstaunt, dass das unter diesen Tieren funktioniert. Wahrscheinlich haben sie keine Lust, sich untereinander zu raufen, da diese Stierläufe wahrscheinlich schon genug nerven. Recht gut zu erkennen, dass es sich um einen Jungstier und Jugendliche als Herausforderer handelt. Olaf besuchte hier eine besondere Veranstaltung für den beiderseitigen Nachwuchs. (Foto: Olaf Kreinsen)
Für die Tourada werden vier Stiere eines Züchters zum Veranstaltungsort transportiert. Dort findet mit jedem Stier ein Lauf statt, der etwa 15 Minuten dauert. Der Beginn der Veranstaltung wird mit einem Böller angekündigt und damit zugleich der Beginn des ersten Laufs. Beim Start eines jeden weiteren Laufs wird ebenfalls ein Böller gezündet. Wenn der letzte Lauf und damit die Veranstaltung abgeschlossen ist, zeigen das zwei Böller an. (Meist) Junge Männer reizen die Stiere mit Regenschirmen, Jacken, Decken und Herumhüpfen, müssen anschließend allerdings auf der Hut sein, nicht auf die Hörner genommen zu werden. Die Spitzen der Hörner sind freundlicherweise mit aufgesteckten, kleinen Kugeln entschärft, es soll auch hinsichtlich der menschlichen Beteiligten kein Blut fließen. Dass die Tiere nicht ganz ungefährlich sind, erkennt man an den Holzwänden, die die Hausbesitzer als Schutz für Fenster, Gärten sowie der Zuschauer entlang der Strecke angebracht haben. Dieser Stier scheint noch sehr jung zu sein, die Beteiligten links auf der Straße wirken sehr entspannt. (Foto: Olaf Kreinsen)

Eine weitere Besonderheit ist, dass der Stier mit einer rund 90 m langen Leine von 6 bis 10 kräftigen Männern, den pastores (Hirten) kontrolliert werden kann. Nicht umsonst heiß es ja auch Tourada á corda. Die pastores sollen verhindern, dass der Stier die Laufstrecke, meist etwa 500 m, verläßt oder dass ernsthafte Schäden entstehen. Auf diesem Foto ist die Leine zwischen Stier und einem der pastores gut zu sehen. (Foto: Olaf Kreinsen). Im Vergleich zu den anderen Fotos ist deutlich, dass so ein pastor doch ein Mann von deutlich gereifterer Statur ist.

Hier ein sehr schönes, unbeschnittenes Foto von Stier und Regenschirm-Torrero. Diese Männer, meist Amateure und gelegentlich auch mutige oder übermütige Zuschauer werden capinhas genannt. Olaf arbeitet bevorzugt mit dem Format 5 x 4. Und er bevorzugt klassisches Schwarz-Weiß in ebenso klassischer, etwas grobkörniger Auflösung, was heute natürlich mit entsprechender Software gestaltet wird. (Foto: Olaf Kreinsen)

Der perfekte Moment. Bemerkenswerterweise in Farbe: Der wagemutige junge Mann muss rennen und Olaf hat ihn exakt in der Schwebephase erwischt. Auch der Stier schwebt nahezu, nur der rechte vordere Huf berührt den Boden. (Foto: Olaf Kreinsen) Olaf hat hier einer Tourada á corda in Angra beigewohnt. Olaf schildert: „… war dieses Mal mittendrin statt nur dabei, da geht einem auch als Zuschauer das Adrenalin hoch, wenn der Stier genau vor [einem] in den Zaun rennt.”

Damit beenden wir den Beitrag an dieser Stelle recht abrupt. Wir nehmen an, der capinha ist heil davongekommen und der Stier grast friedlich und gemeinsam mit seinen Kumpels auf vertrauter Weide. Vor dem spannenden Hintergrund des letzten Fotos wünschen wir:
Stets nur sorgfältig kalkulierte Wagnisse eingehen!

Martin und Anke

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Tipps und Hinweise

Für Segler auf den Kanaren haben wir ein möglicherweise interessantes Angebot zu machen: Wir geben unsere Simpson-Davits ab. Wer daran Interesse hat, der schaut am besten auf unsere Seite Flohmarkt / Flea Market. Dort werden die Davits beschrieben und abgebildet.

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Derartige Wagnisse gingen wir seinerzeit selten ein, auch wenn es schon sonderbar war, als wir in unserem wackeligen Banana-Boot in wenigen Zentimeter Abstand von einem Südamerikanischen Seebären verfolgt wurden. Mit ziemlich nah verwandten Rindviechern kamen wir allerdings in engen Kontakt, als Anke und ich auf dem Rücken zweier Pferde im Chaco (Paraguay) an einem Viehtrieb teilnahmen. Wir schildern diese sich sehr von Viehtriebdarstellungen in Western unterscheidende Erfahrung, die Begegnnung mit dem Seebären und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

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