Es ist vermutlich nicht die Mole, auf der dieser Brauch seinen Ursprung nahm. Die ist heute nicht mehr ohne Weiteres zugänglich. Doch für die, die es nicht besser wissen, ist dies die legendäre Mauer der Hauptmole vor Horta, auf der all die vielen Malereien entstanden: Die Molenmauer, die den nördlichen Yachthafen schützt. Mittlerweile sind noch andere Mauern entsprechend verziert – geradezu übergriffig, diese Segler. Manche der Erinnerungen sind im Laufe der Zeit verblasst, andere wurden, da kaum noch erkennbar, übermalt. Schade, dass es keine Dokumentation dieser Werke über die Jahrzehnte hinweg gibt. Das wäre sicher eine spannende Angelegenheit.Eine Stegnachbarin bei der Arbeit. Hier wird die unter deutscher Flagge segelnde, dänische Hugin verewigt.
Geht es um Legenden oder eher um Legendäres? Die Anfänge dessen, worüber wir hier berichten wollen, gehen so weit zurück, dass man von Legenden sprechen könnte. Andererseits leben sie auch in der Gegenwart und sicher auch in der Zukunft weiter, sodass der Begriff des Legendären wohl besser angebracht ist. Wie auch immer, in Horta gibt es zwei legendäre Dinge: Die von Seglern verzierte Hafenmauer und Peters Café Sport. Der heutige Beitrag widmet sich erst einmal der Hafenmauer. Niemand kann genau sagen, wann die ersten Malereien auf der Mole in Horta entstanden. Es liegt natürlich nahe, dass es Ende der Sechziger oder in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war, als immer mehr der frühen Weltumsegler mit einem Zwischenstopp auf den Azoren nach Europa zurückkehrten. Heute ziehen sich die Malereien über sämtliche Molen, Mauern, Piers und Fußwege am Hafen von Horta hin und sind sogar schon auf die Mauern am Porto Pim übergesprungen. Um die historischen Festungsmauern am Hafen von Horta zu schützen, mussten sogar Malverbote ausgesprochen werden. Doch die Malereien sind inzwischen Bestandteil des lokalen kulturellen Bewußtseins. Hiesige Quellen behaupten sogar, ein Boot, eine Yacht erleide auf seiner Weiterreise Unglück, wenn die Crew kein Bild auf den Hafenmauern Hortas hinterläßt.
Mittlerweile gibt es Hunderte, womöglich Tausende dieser Kunstwerke, die an Reisen von Seglern aus aller Welt erinnern. Wir haben eine kleine Auswahl zusammengestellt und gliedern die der besseren Übersicht halber ein wenig.
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Hinterlassenschaften bekannter und befreundeter Segler
Auf Fischkind wurden wir durch einen gemeinsamen Freund aufmerksam gemacht. Und gleich am Tag nach unserer Ankunft trafen wir uns beim TO-Treffen im Café Sport, das Susanne Huber angeregt hatte. Zu diesem Treffen werden ein paar Worte im Folgebeitrag beigetragen 😉.
Auch Thomas und Jutta von der Jobber wurden uns verbunden mit der Bitte, Grüße auszurichten, empfohlen, bevor wir ihnen in Horta persönlich begegneten.
Federico und Jana von der Heureka sind wir erstmals in Sint Maarten begegnet. Hier trafen wir nur Federico, der die Heureka mit Mitseglern Richtung Mittelmeer überführt.Die beiden französischen Crews der Kauri, einem nicht mehr ganz so jungen Ferro-Zement-Bau, waren stets freundliche Nachbarn. Wir hatten die Kauri auf dem Weg zu den Azoren überholt, und ein Tag nach uns ging sie neben Mago del Sur längsseits. Crews im Plural, da sie auf Horta einen Crewwechsel vornahmen. Lange gerätselt haben wir über die Tropfnasen an den Zahlen. Künstlerische Absicht? Wir vergaßen zu fragen. Vielleicht kennt einer unserer Leser eine fundierte Antwort.Der Crew der Lillesol, Miriam und Tom, sind wir bereits Anfang des vergangenen Jahrs auf den Kapverden begegnet.Bei der Pantiki weiß ich, Martin, nur noch, dass wir uns begegnet sind. Mehr ist mir entfallen. Es sind einfach zu viele Begegnungen für ein solch bescheidenes Hirn wie das Meine.Ähnlich geht es mir mit der Stravanza. Die Erinnerung ist verblasst.Mit der Theleme setzt die Erinnerung wieder ein und es hat eine etwas andere Bewandnis. Dies Bild haben noch die früheren Eigner hinterlassen. Wir lernten die heutige Crew dieser Amel Super Maramu in Le Marin kennen und trafen uns letztmals in der legendären Happy Island Bar vor Union Island.In gewisser Hinsicht könnte man Johannes und Cati auch in die historische Rubrik einordnen. Da wir den beiden gelegentlich auf Messen und anderen Veranstaltungen begegnet sind, haben wir sie nun doch als „bekannt“ eingeordnet. Johannes Erdmann ist dem einen oder anderen sicher noch als ehemaliger Mitarbeiter der Yacht bekannt.Unverkennbar aufgefrischt wurde hier die Erinnerung an eine Damencrew aus dem Jahr 2004. Eine der Damen auf der So Long war die inzwischen legendäre Susanne, die gar nicht viel Wert darauf legt, besonders herausgehoben zu werden.Bei Susanne wird es bei genauem Hinsehen geradezu inflationär, obwohl nicht jede Jahreszahl auf einen Besuch mit ihrer Nehaj zurückgeht. Sie war ja schließlich auch mal mit anderen Yachten unterwegs. Mit 15 Eintragungen ist diese Ausnahmeseglerin sicher einsame Horta-Besuchs-Rekordhalterin. Von den Einheimischen wird sie sicherlich als eine der Ihren betrachtet.Ganz frisch erstellt ist die Erinnerung an die Atma von Jens und Ralf. Ihr Werk bewusst mit etwas Drumherum abgelichtet, um einen Eindruck vom Miteinander und Durcheinander auf der Mauer zu vermitteln. Jens und Ralf lernten wir erst auf Horta kennen, wie manch anderen netten Vertreter der Seglerwelt auch.
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Ein paar Bremer …
wollen wir nicht unterschlagen, wobei wir zu den Bremern ausdrücklich auch die Bremerhavener zählen, wohl wissend, dass mancher von den letzteren diese Eingemeindung nicht gutheißen wird. Da gibt es gelegentlich eine kleine Rivalität zwischen der großen und der kleinen Schwester. – Und es gibt auch ein Bremer Boot, dessen Darstellung wir nicht hier berücksichtigen, sondern in die Historie gepackt haben. Also alles nicht so eng zu sehen 😉 bitte.
Am Steg der Marina Im Jaich, an dem Use Akschen lag, gingen wir 2016 längsseits und schlossen damit die Überführung unserer damals noch Bronwyn heißenden Neuerwerbung von Lymington nach Bremerhaven ab.Der Name Marisol ist auf den Molen und Mauern in verschiedenen Schreibweisen anzutreffen. So gibt es auch eine Marysol, eine Mar Y Sol und nahe verwandt Luna y Sol und Tierra y Mar. Wir haben uns hier erkennbar für das Werk der Bremer Namensträgerin entschieden.Auch der Crew der Thetis sind wir noch nie begegnet, aber das kann sich ja noch ergeben.
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Geradezu historische Funde …
… sind Werke, die ein gewisses Alter oder in einem Fall ihr Dasein an der Oberfläche des Ozeans aufgegeben haben. Der älteste Beitrag ist immerhin über 31 Jahre alt. Kaum zu glauben, dass er überhaupt noch zu lesen bzw. zu erkennen ist.
Dieser gemalte Beitrag ist etwas missverständlich. Die damalige Peter von Danzig war 1936 Teilnehmerin am olympischen Zubringerrennen von Newport in den USA nach Cuxhaven. Sie hat jedoch auf dieser Regatta nicht auf den Azoren gestoppt. Später umbenannt in Peter von Seestermühe konnte sie die Azoren unter anderem im Jahr 1995 besuchen. Die Geschichte dieser historischen Yawl ist hochinteressant und kann auf der →Homepage der Peter von Seestermühe nachgelesen werden.Im Dezember 2015 hat der →Hamburgische Verein Seefahrt mit der Haspa Hamburg an der legendären Regatta Sydney-Hobart teilgenommen. Nach dieser Wettfahrt führte die Rückreise um Kap Hoorn und über Brasilien, um der Fußball-WM beizuwohnen. Von dort wurde im Rahmen der „Hamburg Süd Southern Ocean Challenge“ ein Zwischenstopp in Horta eingelegt-.Wie die Haspa Hamburg hatte auch die Bank von Bremen an der Sydney-Hobart Regatta von 2015 teilgenommen. Die vorgenannnte „Hamburg Süd Southern Ocean Challenge“ war ein Rennen mit drei teilnehmenden Yachten, wobei die klassische und freundschaftliche Rivalität zwischen Hamburg und Bremen sowie zwischen den betreffenden Booten bzw. den dahinter stehenden Clubs, dem Hamburgischen Verein Seefahrt und der →Segelkameradschaft Wappen von Bremen, natürlich gerne gepflegt wurde. In Horta haben wir allerdings keine Erinnerung an die Bank von Bremen gefunden sondern eine Malerei, die ihre Vorgängerin, die Wappen von Bremen würdigt.Die dritte deutsche Vereinsyacht, die am Sydney-Hobart-Rennen und an der „Hamburg Süd Southern Ocean Challenge“ teilgenommen hat und deren Werk sich in Horta finden ließ, ist die Walross 4 des →ASV Berlin. Was uns seinerzeit aufgrund unserer Kontakte zu Mitseglern dieser Yachten besonders faszinierte waren die persönlichen Berichte von deren Aufenthalt in Brasilien, die ja bewußt mit der Fußball-WM zusammen fielen. Diese Berichte unterschieden sich wohltuend von denen in den deutschen Medien und zeichneten ein völlig anderes Bild der dortigen Wirklichkeit.Auch schon etwas älter und damit geradezu historisch ist die Erinnerung an die Reise des Dr. Guido Marx mit seiner Playmobil. Irritierend ist die Suche nach dem Azorenhoch. Heuer muss es nicht gesucht werden. Es ist da und bereitet unserem Freund Arjen, auf dem Weg von Horta in die Niederlande einiges Kopfzerbrechen.Ebenfalls Legende: Die Pen Duick II, mit der Eric Tabely 1964 das Singlehanded Trans-Atlantic Race gewann. Die Yacht ist heute noch als Ausbildungsschiff aktiv und wird von der Ècole Nationale de Voile et des Sports Nautiques betrieben.Auch wenn die Yacht namens Jambo noch nicht alt ist, muss man sie aufgrund ihres Schicksals wohl als historisch einstufen. Nach kurzem Nachdenken wird einem klar, dass die Ergänzung „sunk off Brasil 9-2023″ nicht von Martin Daldrup, dem Eigner, stammen kann. Da hat wohl jemand historische Korrektheit, besser Vollständigkeit angestrebt. Für Nichteingeweihte sei gesagt, dass Martin Daldrup mit seiner Jambo zahlreiche Reisen bestritten hat, unter anderem eine Atlantikrunde. Bei einer weiteren Atlantikreise ist seine Yacht auf dem Südatlantik nach einer Kollision mit einem unbekannten Objekt gesunken. Er konnte glücklicherweise geborgen werden.
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Lustiges, Künstlerisches und Sonstiges
Manche der Bilder legen erkennbar Wert auf eine fröhliche bis lustige Darstellung, wie das Titelbild. Wobei das Beitragsbild darauf verzichtet, in Wort und Schrift auf das betreffende Boot und die Crew hinzuweisen. Nur Eingeweihte werden das einordnen können. Andere Darstellungen zeugen von echtem malerischemm oder gestalterischem Können, und ein zwei Bildchen wollen wir abschließend in dieses Potpourri aufnehmen, einfach weil sie halt da waren.
Los geht´s mit Lustigem, und da bietet sich die Schweizer Loustic an … … oder auch Pippi aus Dänemark, bei der ich lange überlegt habe, ob sie nicht als Titelbld dienen sollte. – Dann waren da noch …… eine gemütliche französische Baloo …… oder auch vier seltsame niederländischen Herrschaften.
Gemalte Impressionen mit einer kleinen, lustigen Einlage, einem bildnerischen Seitenhieb fast im Wortsinne. Man lasse seine Augen an der Buchstabenfolge am linken Bildrand, zweite Reihe von oben ruhen. Alles klar soweit?
Lustig aufgrund des literarischen Hintergrunds und auch als nette Überleitung zu den eher künstlerischen Darstellungen geeignet ist die „Verewigung“ der Rocinante.
Künstler haben sich bei ihren frühen – und gelegentlich auch späteren – Studien mit gewisser Nonchalance Aktstudien hingegeben. Ich möchte dies mal nicht kommentieren. Es fällt allerdings auf, dass gelegentliche Darstellungen weiblicher, nackter Körper auch auf Hortas Mauern anzutreffen sind und diese daher mit aller gebotenen bzw. glaubhaften Naivität unsererseits den eher künstlerischen Ausdruckswillen des jeweiligen Gestalters gutgeschrieben werden. (Über die Neigung von Künstlerinnen zu Aktstudien sind wir denkbar uninformiert.)
Es war die diamantene Gestaltung des Eisbergs, die dazu führte, den Beitrag der Thindra-Crew in unsere kleine Sammlung aufzunehmen.
Schlicht und einfach topp gemalt, der Shearwater. Das Motiv war bei aller Schlichtheit eines der ersten, das uns beim Schlendern entlang der Mauern irgendwie berührte.
Fast schon bildnerische Reisebeschreibung eines Atlantiktörns, bei der uns nicht so recht klar wurde, wie das Boot eigentlich hieß.
Wir hatten mit Cervantes Don Quijote bzw. der Rocinante seiner Titelfigur angefangen, da bietet sich eine Hemingway als literarischer Abschluss geradezu an. Besonders bei einem gelungenen Portrait, das allerdings eher den Skipper der Hemingway zeigt, als den Namensgeber.Ein Ärgernis ist, wenn eine Arbeit israelischer Segler beschmiert wird. Kann man nicht den einzelnen Menschen, den Segler wie Du und ich, einfach akzeptieren? Unverständlich, dass man dessen Beitrag missbrauchen muss. Und gut, dass es jemanden gab, der das auf seine Art mit einem gelben Schleifchen kommentiert hat.Auch hier die Frage: Was soll das? Niemand von uns kann doch wissen, was für ein Mensch, was für ein Charakter hinter dem israelischen Segler steht, der dieses schlichte Bildchen hinterlassen hat. Vor Jahren, Anfang 2007, trafen wir in Ushuaia mehrere junge Israelis. Alle ehemalige Soldaten bzw. Wehrdienstleistende – was für Israelis anders als für Wehrdienstleistende bei uns fast immer auch Kampfeinsätze bedeutet. Sie hatten sich entschlossen, ein Jahr in die Welt zu gehen, um Krieg, Kampf, diesen ständigen Zwist hinter sich zu lassen, zu vergessen, um inneren Frieden zu finden und eine neue, eine andere Welt zu entdecken.Neben Seglern aus den „üblichen“ Ländern, finden sich auch Erinnerungen von Exoten, wie die der Crew der Gaga aus der Ukraine …… oder die der Yugra oder Jugra aus Bulgarien. Offenbar ist der Zielort der ersten Reise (gelbe Punkte) für diese Segler Neftejugansk im westlichen Sibirien gewesen, ein wirklich exotischer Ort für Blauwassersegler. Wir mussten ein wenig recherchieren: Die 120.000-Einwohnerstadt Neftejugansk liegt am Ob und ist damit vom Nordmeer aus tatsächlich auf eigenem Kiel erreichbar. Wie deren Crews nach ihren wirklich ausgefallenen Reisen wohl die heutige Welt betrachten?Nicht minder exotisch ist sicher die Begegnung mit einer Yacht aus Usbekistan. Einer Einladung zum Tee auf der Komola würden wir sicher sofort Folge leisten.Wie man es auch immer beginnt, wie die Route auch ist oder sich entwickelt, allen Menschen, die sich hier verewigt haben, und die vielen, deren Malereien längst verblasst und unleserlich geworden oder übermalt worden sind, ihnen – uns – war und ist eines gemeinsam: Die Wanderlust. Auf den Punkt gebracht von der US-amerikanischen Crew der Wanderlust.
Jetzt steht natürlich eine Frage im Raum, und JA, auch wir werden uns hier temporär 😉 verewigen. Ein Entwurf ist schon entstanden, ein geeigneter Ort bereits ausgewählt und grundiert. Doch noch ist der Entwurf nicht umgesetzt.
Daher verabschieden wir uns mit einem geradezu klassischen Cliffhanger Martin und Anke