La Palma

La Palma

Nun sind wir ja wieder in Santa Cruz auf La Palma und haben den hiesigen Carnaval halbwegs überstanden. Gelegenheit die Zeit zwischen und nach den Feierlichkeiten Revue passieren zu lassen. Unmittelbar nach unserer Ankunft sind wir ein wenig in der Stadt herumgestreunt, haben Viertel aufgesucht, in denen wir bislang kaum waren, und Ankes Geburtstag nachgefeiert. Präziser: Martin hat das Geburtstagsgeschenk, ein Essen im El Casino eingelöst.

Eine Wanderung in die Oberstadt führt uns zufällig zur Plaza El Dornajo. Wenn wir es richtig verstanden haben, befindet sich unter diesem ruhigen Patz eine Art Zisterne, aus der Wasser für die oben sichtbare Tränke für die Tiere entnomen wurde, die früher Waren und Güter zwischen Santa Cruz und den Gemeinden Breña Alta und Los LLanos de Aridane transportierten. In den benachbarten Gebäuden befanden sich Herbergen für deren Treiber bzw. Händler.
Mit Glück kann man auch mal „hinter“ die den Straßen zugewandten Gebäudeteile schauen. Nicht selten staunen wir über das, was wir entdecken.
Oft lassen sich liebenswerte Details finden.
Auf dem Weg zum Fahrstuhl, der uns in die Unterstadt zurück bringen soll, werfen wir einen Blick in die Ermita de La Luz. (Oder war es die Kirche am Plaza España?) – Der Fahrstuhl ist leider außer Betrieb. Und uns fällt nicht ein, dass es unweit des Fahrstuhls eine Treppenanlage gibt. Also machen wir einen längeren Fußmarsch hinunter.
Neben der Ermita einfachste Häuser, und man glaubt es nicht: Einige sind bewohnt.

Im El Casino. Für uns bisher das beste Restaurant in Santa Cruz. Und da wir es schon einmal besucht hatten, war klar, dass es sich für ein Geburtstagsgeschenk eignete. Einen Besuch des El Casino können wir auch unabhängig von Geburtstagen empfehlen. Knappe Speisekarte, was ja kein schlechtes Zeichen ist, und alles ausgesprochen lecker. Darunter auch ungewöhnliche, doch durchaus traditionelle Gerichte, die man selten erhält. Schweinebäckchen beispielsweise. (Foto: unbekannte Touristin, die in einem anderen Restaurant soeben schlecht gegessen hatte und wegen eines Nachtisches nachfragte. – Hinter der Touristin wartete geduldig der Koch mit Ankes kurz geräucherten Tintenfischen und Shrimps)

Geräucherte Shrimps und Tintenfische – leider haben wir den Räucherdeckel nicht fotografisch erfasst.
Anke liebt Märkte und Markthallen. So verschwindet sie mal eben in Richtung der kleinen Halle von Santa Cruz während Martin sich mit irgendwelchen Bootsarbeiten vergnügt.

Früher kamen die Leute hoch zu Ross zum Markt, der ja auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt war. (Ok, ich korrigiere, die drei Herren hier sind nicht hoch zu Ross, vielleicht könnte man mittelhoch sagen, also mittelhoch zu Maultier.)

Was macht man, wenn man nicht am Boot basteln muss und auch nicht im Hafen dumm herumsitzen möchte? Richtig, man mietet sich ein Mietauto. Nur irritiert mich, was Anke da macht, statt Auto zu fahren.
Auf dem Weg in den Süden der Insel fasziniert uns wieder einmal die Vegetation.
Wir fragen uns, was die frühen Seefahrer wohl empfunden haben, als sie auf unbekannte Inseln mit einer mehr oder weniger unbekannten Vegetation und Tierwelt gestoßen sind. Heute gilt es ja als mehr oder weniger gesichert, dass die erste Besiedlung der Kanaren auf phönizische Seefahrer bzw. (von denen beförderte) Menschen aus dem Atlasgebirge zurückgeht. Fast nicht vorstellbar, wenn man sich deren Schiffe vergegenwärtigt.
Martin beim botanisch-fotografischem Einsatz. Motto: Immer rein ins Gemüse.
Je weiter wir Richtung Inselsüden fahren, desto mehr zieht sich die Vegetation zurück. Man muss es eigentlich anders herum ausdrücken: Desto weniger konnte die Vegetation bis dato vordringen. Im Vordergrund besiedelte Vulkanasche, dahinter ein vegetationsloser Lavastrom.
Unverkennbar, dass dieses Land vulkanischen Ursprungs ist.
Unser Ziel – der Faro de Fuencaliente am Südzipfel von La Palma. Ihm ist sogar ein Gedicht gewidmet.

Der Leuchtturm

Der Leuchtturm von Fuencaliente,
Teil meines Lebens,
der, der mir Freude bereitet hat
auf der Suche nach neuem Ansporn.
Dieses Licht, immerwährend,
gab dem Seemann Mut.
Ich hier, als Fischer,
Sohn der alten Schule,
ich warf ein Fass aus in La Muela
und bekam ein volles Fass.


Und wenn man das Geheimnis von La Muela kennen würde, erschlösse sich wahrscheinlich auch das Gedicht. Es könnte z. B. auch heißen “ Ich warf ein Netz aus im Frühling und bekam ein volles Netz“, was mehr Sinn machen würde.

Nach oben schauen ist erlaubt, das Aufsteigen leider nicht. Treppenhaus des alten Leuchtturms, des Faro de Fuencaliente.

Unweit des Leuchtturms befinden sich seit 1967 die Salinen von Fuencaliente.
Die Becken bestehen aus Lehm. Die trennenden Wälle sind zusätzlich mit Steinen ausgekleidet bzw. befestigt. Das Meerwasser wird mit Pumpen zunächst in die am höchsten gelegenen Becken geleitet und fließt dann über mehrere „Terrassen“ in die niedriger gelegenen Kristallisationsbecken.
Rohes, mit Vulkansand durchsetzte Salz am Beckenrand. Die Salzmeister unterscheiden drei Arten von Salz: Grobes Salz – Sal gorda, feines Salz – Sal fino und das Fleur de Sel – Flor de sal. Letzteres stellt die erste Salzkristallisation an der Wasseroberfläche dar und wird mit Sieben per Hand abgeschöpft. Es besitzt einen geringeren Natriumgehalt als die anderen Salzarten, jedoch alle übrigen Mineralien, die Salz auszeichnen.
Die mehr oder weniger rötliche Farbe des konzentrierten Wassers geht auf Cyanobakterien und Archäobakterien zurück, die in diesen extremen Verhältnissen leben können. Die Salinen sind allerdings auch wichtiger Rast- und Ruheplatz für zahllose Zugvögel. Genannt werden Alpenstrandläufer, Grünschenkel, Kiebitzregenpfeiffer, Regenbrachvogel, Rotschenkel, Sanderling, Sandregenpfeiffer, Steinwälzer und Stelzenläufer. Wir haben natürlich das sagenhafte Glück, nicht einmal einen simplen Piepmatz zu sehen. Sind wir zu früh hier?
Unterwegs bei Tazacorte
Die Kunst der hiesigen Straßenbauingenieure und der Straßenbauer beeindruckt uns ein ums andere Mal. Oft fragen wir uns, wie es ihnen möglich war, in dieser meist sehr verwegenen Topographie überhaupt eine baubare Trasse zu finden.
Reiseführer und Internet verleiten uns, das Mandelblütenfest in Puntagorda zu besuchen. Und tatsächlich, auf dem Weg dorthin begegnen wir den ersten blühenden Mandelbäumen.
Mandelblüte
Die jüngeren und alle, die sich als solche empfinden, tanzen zur Musik einer Straßenband …
… die gereifteren Jahrgänge bevorzugen die Angebote in einer Art Festhalle. Ansonsten besteht das Fest aus Fress- und Trinkbuden an den beiden wichtigsten Straßen des Ortes. Spezielle Angebote, die irgendetwas mit Mandeln zu tun haben, finden wir nicht. Etwas enttäuscht ziehen wir von dannen …
… und finden nicht weit von der gerade befahrenen Straße die Relikte einer Gofio-Mühle.

Der Mühlenantrieb besteht aus einem recht schlichten Holzgestell. Das Windrad mit sagenhaften 12 Streben oder auch „Ruten“ besaß einfache hölzerne Flügel. Leider sind diese nicht mehr erhalten. Die Kraft wurde mit einer vertikalen Achse in das Mühlengebäude übertragen. Im Foto sieht man andeutungsweise das Dach des Gebäudes.

Es gelingt uns, das Innere der Mühle aufzusuchen, aber die Funktion der einzelnen Teile bleibt uns verborgen, zumal wir nirgends die erwarteten Mühlsteine finden. Dafür hätten wir vieleicht doch in das Gofio-Museum gehen müssen.

Rekonstruktion (Modell) einer typischen Gofio-Mühle aus der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Design dieser Mühlen geht zurück auf Isidoro Ortega, der nach einem effizienteren Antrieb im Vergleich zu den zuvor genutzten Mühlen suchte.

Gofio ist übrigens ein Mehl, dass ursprünglich aus gerösteter Wintergerste, später zunehmend aus geröstetem Mais gewonnen wurde. Bei geringer Gerstenernte wurden auch andere Getreide, Samen und Hülsenfrüchte beigemengt. Die Ursprünge des Gofio gehen auf die ersten Besiedler der Kanaren zurück.

Ein weiteres Ziel, das wir unbedingt aufsuchen wollen, ist Las Tricias und die Buracas-Höhlen. Zunächst haben wir leichte Orientierungsschwierigkeiten und Mühe den rechten Weg zu finden. Die wilde und aufgelassene Landschaft, durch die wir streifen, entschädigt uns.
Die zunehmende Häufigkeit der Drachenbäume bestätigt, dass wir nun dem rechten Pfad folgen.
Als Landschaftsplaner, die im Berufsleben viel mit Straßenbau zu tun hatten, sind wir geneigt, die hier angetroffene Ansammlung von Drachenbäumen geradezu als „Straßenbegleitgrün“ einzustufen.

Anke wollte mit diesem Foto einfach mal die Dimensionen veranschau- lichen. Mehr ist auch nicht zu sagen.

Weitere Besonderheit auf dem Weg zu „unserem“ Tal ist die Fülle mehr oder weniger alternativer Wohnstätten. Sie reicht von relativ normalen Fincas …
… zu versteckten und bescheidenen Hütten oder Ställen oder Lagern …
… bei denen man sich fragt, ob sie noch genutzt werden. Das Stroh ist jedenfalls frisch, die Sättel sind es weniger, und schließlich stößt man auf …
… recht rudimentäre Höhlenbehausungen …
… die hier und da erkennbar bewohnt sind. Und Waschtage gibt es offensichtlich auch bei paläophilen Alternativen.
Die mehr oder weniger alternativen Bewohner versuchen mit den skurrilsten Angeboten ein klein wenig an der (kapitalistischen) Waren- und Geldwirtschaft zu partizipieren, wenn es klappt sogar mit himmlischer Unterstützung.
Echte Engel
Die für uns maßgebliche Talsohle ist nahezu erreicht. Links der Bildmitte erkennt man einige der in vorhistorischer Zeit genutzten Höhlen.
Rekonstruktion einer prähistorischen Höhlennutzung.
Bei den Höhlen stoßen wir auf Ritzzeichnungen, vom Streiflicht etwas hervorgehoben

Ritzereien, durch ein wenig Bildbearbeitung sichtbarer gemacht.

Und überall stoßen wir auf Natur. Die manchmal auch ziemlich unerbittlich ist. Hier ein kleiner Appetithappen für einen großen Räuber.
Sehr gefreut haben wir uns, als wir endlich mal einigen der etwas größeren Eidechsen begegnet sind.

Eine Kanaren-Eidechse, und da wir uns auf La Palma befinden, sollte es sich um die lokale Unterart handeln (Gallotia galloti palmae). Bei dem Tier auf dem vorausgehenden Foto handelt es sich um die gleiche Art, aber die charakteristischen blauen Flecken und der blaue Kehlfleck sind bei diesem Exemplar sehr viel besser zu erkennen.

Eine Zierpflanze, die uns in den Gärten der Kanareninseln immer wieder begegnet, und die uns durch ihren seltsamen Blütenstand immer wieder aufs Neue beeindruckt. Es handelt sich um die sogenannte Drachenbaum-Agave (Agave attenuata), die aus Mexiko stammt, aber inzwischen auch auf Madeira, im Mittelmeerraum und eben auf den Kanaren anzutreffen ist. Uns gefällt sie jedenfalls so sehr, dass wir sie mit dem Beitragstitelbild würdigen wollen.

Mit diesem Blumengruß endet dieser Blogbeitrag. Wir versprechen an dieser Stelle schon mal, dass im nächsten Beitrag auch wieder gesegelt wird. Damit das Meer, der Ozean und das Wasser nicht völlig in Vergessenheit geraten hier noch die etwas freie Übersetzung des Gedichts von José Perez Vidal, das auf dem Fliesenbild zu lesen ist.

Bootsmann, Freund Bootsmann,
nimm mich mit in deinem Boot aufs Meer,
dass es mein kleines Boot schaukelt
und ich am Strand landen werde.

Das ganze Meer ist heute grün.
Ich will dorthin, wohin du reist:
zum Meer der Stürme oder
auf das Meer der Glückseligkeit.

Ich bin nicht erfreut, wenn es gut ist
noch betrübt, wenn es schlecht ist:
Ich nehme das Meer, wie immer es ist!
auf dass ich am Strande sterbe.

Bootsmann, Freund Bootsmann
nimm mich mit in deinem Boot aufs Meer!

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Mit Grüßen vom friedlichen, schwarzen Strand vor San Sebastián

Martin und Anke

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