Trans-Ocean

Trans-Ocean

(Beitragstitelfoto: Katja Fahnenschmidt; © Trans-Ocean e.V.) Dieser Beitrag muss jetzt einfach sein. Aus gegebenen Anlässen. Ein kleiner Beitrag zum „Trans-Ocean“ – Verein zur Förderung des Hochseesegelns e.V.. Im folgenden Text kürze ich den Verein meist als TO ab. Und keine Sorge, es geht hier garantiert nicht um Vereinsmeierei. Vorsichtshalber sei erwähnt, dass ich, Martin, von Februar 2012 bis November 2019 der Vorsitzende dieses Vereins war. Das bedeutet, ich kenne den Verein und seine Mitglieder und auch einige Stützpunkte ganz gut, und der Verein und besonders das, wofür er steht, liegt mir sehr am Herzen. Mir geht es hier um drei Dinge:

  • Ein Beispiel zum Vereinsleben zu präsentieren
  • Auf die jährliche Festveranstaltung und die Preise des Trans-Ocean hinzuweisen
  • Und zu umreißen, was der Trans-Ocean eigentlich ist.

Zuvor muss ich auf das Beitragstitelfoto eingehen. Es zeigt Rita Eichardt und meine Wenigkeit nach der ihr bestimmten Laudatio mit dem mehr als verdienten Blumenstrauß. Rita, langjährige Sekretärin des Vereins und von vielen Mitgliedern als „Seele des TO“ wahrgenommen, steht vor ihrem Ruhestand und der Festabend des TO war ein würdiger Rahmen für ihre offizielle Verabschiedung. Als die Idee an mich herangetragen wurde, als langjähriger Vorsitzender Rita zu würdigen, die mir schließlich neun Jahre lang eine große Stütze und Hilfe war, konnte es nur ein Ja geben. Es war eine besondere Ehre und ein wirkliches Vergnügen, die Laudatio auf Rita zu halten. Auch an dieser Stelle nochmal mein herzlichster Dank an Rita.

Zurück zum Kern dieses Blogbeitrags. Zunächst sei nur erwähnt, dass der TO sich als internationaler Verein versteht, der für jeden offen ist, der seine Ziele unterstützt. Zum Stichtag 30. September 2022 hatte er 4.362 Mitglieder, seitdem sind bereits einige dazu gekommen. Und seit einigen Jahren zeigt die Mitgliederzahl eine stetig steigende Tendenz. Das ist eine ungewöhnliche Ausnahme, denn allgemein herrscht bei Vereinen gleich welcher Art zur Zeit eher ein kontinuierlicher Mitgliederschwund. Er ist damit zwar nicht die größte der Blauwasservereinigungen der Welt, aber in jedem Fall die größte deutschsprachige. Die Mitglieder kommen aus 36 Nationen, wobei Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Niederlande die zahlenmäßig größten Kontingente stellen. So wird es auch nicht wundern, dass auf den mehr als 2.000 unter dem Stander des TO segelnden Yachten auch über dreißig verschiedene Nationalen wehen.

Alexandra „Alex“ Schwarz in der Bildmitte. Die Stützpunktleiterin hatte gerufen, und 40 Teilnehmer kamen zusammen. Zum allgemein großen Bedauern war ihr Mann unpässlich und konnte nicht teilnehmen.

Alex hat gerufen

Der TO hat keine eigene Marina, er lebt dort, wo Mitglieder aufeinander treffen: in der Ankerbucht, der Marina, auf dem Hardstand, auch mal in der Kneipe … oder bei einem TO-Stützpunkt. Der TO unterhält weltweit über 170 Stützpunkte (aktuelle Zahl 173), die Blauwassersegler auf ihren Reisen mit Rat und Tat unterstützen. Die Art der möglichen Hilfe variiert naturgemäß, denn es ist ein Unterschied, ob sich der Stützpunkt beispielsweise in Buenos Aires befindet, mit den enormen Möglichkeiten einer Millionenmetropole, oder auf einer zurückgezogenen Insel, sagen wir mal auf den Tonga-Archipel. Einer dieser Stützpunkte ist in Almerimar gelegen und wird von der rührigen Alexandra „Alex“ Schwarz betrieben, tatkräftig unterstützt von ihrem Mann Udo.

Almerimar liegt im Osten der Costa del Sol, also an der Südküste Spaniens. Der örtliche Yachthafen ist Ziel zahlreicher Segler auf dem Weg ins Mittelmeer oder aus ihm heraus. Viele Segler überwintern dort. Kein Wunder, dass sich darunter auch viele Mitglieder des TO befinden. Für Samstag, den 29.10.2022, hatte Alex zum TO-Treffen geladen, ihr Udo hatte einen Riesentopf Chili con carne gekocht, ein Gastronomiebetrieb hatte die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und rund 40 Teilnehmer folgten dem Ruf, viele mit einem Kuchen, einem Salat oder einem anderen Ernährungsbeitrag in der Hand; die meisten Mitglieder, doch waren auch Nicht-Mitglieder gekommen. Es wurde gemeinsam gegessen, getrunken auch – das wollen wir nicht verschweigen – und es wurden Kontakte geknüpft. Der eine oder andere verabredete sich zum Mackern auf der Strecke zu den Kanaren, Informationen wurden ausgetauscht und vor allem, alle hatten viel Spaß.

Nicht die drei von der Tankstelle, sondern die drei von der Amelija, einer 41 Fuß langen Amel Euros von 1978. Von uns und anderen bereits als „Segeljungs 2.0“ oder schlicht als „Die Zweinuller“ benannt.
An allen Tischen wurde Blauwasser gesprochen …
Eine gewisse Korrelation von Fröhlichkeit und Genussmittelverzehr lässt sich nicht völlig von der Hand weisen …
Und wer genau hinschaut erkennt auf dem Foto YouTube-Prominenz. Hier einfach mal klicken.

Festveranstaltung

Nach der jährlichen Mitgliederversammlung, auf der in diesem Jahr drei Vorstandsposten neu zu vergeben waren, darunter der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende, folgt am Abend der traditionelle Festabend, seit Jahren schon in den Hapag-Hallen. Im Rahmen des Festabends werden unvermeidlich ein paar Reden geschwungen, meist durchaus kurzweilig, und es werden die (nicht nur) vom TO ausgelobten Preise vergeben:

  • TO-Preis
  • Ocean Award
  • Silberne TO-Medaille
  • Weltumseglerpreis
  • und seit diesem Jahr der Trans-Ocean Race Award, der den bisherigen „Zinnbecher“ ablöst.

Wie es auf einem solchen Festabend zugeht wurde 2022 erstmals live gestreamt. Natürlich lässt sich bei einer solchen Live-Veranstaltung nicht vermeiden, dass es ab und zu mal ein paar Längen gibt. Aber gerade die Preisverleihung, die Benennung sogenannter „Erwähnenswerter Reisen“ sowie die Vergabe von Ehrenmitgliedschaften machen deutlich, welch eine seglerische, aber auch unterstützende und begleitende Bandbreite durch die Aktivitäten des Vereins abgedeckt wird. Einfach mal unten klicken und in den Festabend 2022 hereinschnuppern. Und falls jemand der Moderator auf der Bühne irgendwie bekannt vorkommt, es ist tatsächlich Boris Aljinovic, vielen noch als Berliner Tatort-Kommissar bekannt.

Noch eine Warnung, es geht anfangs etwas dramatisch zu, aber das Drama nimmt ein Happy End, denn es handelt sich um eine Werbung der Seenotretter, der DGzRS. TO fühlt sich den Seenotrettern von Beginn an verbunden, und so wird auch jedes Jahr auf dem Festabend für die Seenotretter gesammelt. Da Anke und ich dem Festabend vor Ort beiwohnten, wurde uns besonders deutlich, welche Breite unterschiedlichster seglerischer Aktivitäten sich im TO zusammenfindet, und auch, wie generationenübergreifend die Mitgliedschaft ist. Viel Vergnügen.

TO – Was ist das?

Der Verein Trans-Ocean wurde 1968 gegründet, um sportliches Hochseesegeln zu fördern. Auslöser für die Vereinsgründung waren die Ambitionen von Claus Hehner, der 1967 keinerlei Unterstützung für die von ihm angestrebte Teilnahme an einer internationalen Einhand-Trans-Atlantik-Regatta erhalten konnte, weder von traditionellen Segelclubs noch durch ein Sponsoring aus der Wirtschaft. 1968 fand sich eine Gruppe von Freunden zusammen, um einen Vortrag von Claus über sein Atlantik-Rennen zu hören. Nach dem Vortrag von Claus, sein Boot hieß übrigens Mex, entstand spontan der Gedanke zur Gründung eines Fördervereins, um ihm die Teilnahme einer Trans-Pazifik-Regatta zu ermöglichen. Die Geburtsstunde des Trans-Ocean hatte geschlagen.

Heute ist der TO ein Verein, der sowohl Regattaaktivitäten als auch das Blauwassersegeln als eine Variante des „Breitensports“ unterstützt. Der TO steht weltweit jedermann offen, der die Ziele und Aktivitäten des Clubs unterstützt. Er hat gegenwärtig mehr als 4.350 Mitglieder aus 36 Ländern, darunter zahlreiche Weltumsegler, mehrere Non-Stop-Weltumsegler und Extremsegler. TO kooperiert mit deutschen Vereinen wie der Segelkameradschaft Wappen von Bremen, dem Yachtclub Düsseldorf, dem Kieler Yachtclub e.V., dem Berliner Yacht-Club e.V., der HVS Hamburg und anderen ebenso wie mit international aktiven Vereinigungen. Viele Mitglieder des TO sind zugleich Mitglieder des OCC, der SSA, des RCC u.a.

Tätigkeitsschwerpunkte des TO sind:

  • Unterhaltung eines Stützpunktnetzes für Blauwassersegler mit zur Zeit über 170 Standorten weltweit. Diese Stützpunkte stehen sowohl Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern offen, und der Verein ist bemüht, das Netz stets weiter zu entwickeln.
  • Organisation von Seminaren zu zahlreichen Aspekten des Blauwasser- bzw. Langfahrtsegelns. Diese finden zum Teil als Online-Veranstaltungen, teilweise als Präsenz-Seminare statt. Die Seminare sind sowohl Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern zugänglich und die meisten sind kostenlos. Nur wenn TO Fremdhonorare zahlen muss, werden Gebühren erhoben.
  • Finanzielle Förderung (Sponsoring) von Hochseeregattaaktivitäten, Extremvorhaben ggfs. auch weiterer Vorhaben, stets in Abhängigkeit vom angestrebten Zweck.
  • Ehrung herausragender seglerischer Leistungen durch den Trans-Ocean Preis, dieses Jahr vergeben an Melvin Fink für seine phantastische Leistung beim letzten Mini-Transat.
  • Ehrung herausragender Leistungen und Aktivitäten, die dem Hochsee-Segelsport und dem Langfahrtsegeln im weitesten Sinne dienen und diesen fördern durch den Ocean Award des Trans-Ocean. 2022 geehrt wurde Bobby Schenk für sein Lebenswerk, mit besonderer Würdigung seines Engagements bei der Wissens- und Erfahrungsvermittlung. Beide Preise sind nicht an eine Mitgliedschaft gebunden und werden international ausgelobt.
  • Vergabe diverser weiterer Preise: Weltumseglerpreis, silberne Medaille, gläserne sowie silberne Kugelbake.
  • Als jüngste Entwicklung wurde der etwas unscheinbare Zinnbecher in diesem Jahr durch den Trans-Ocean Race Award ersetzt. Erster Preisträger des Race Awards 2022 ist Lennart Burke.
  • Bereitstellung einer Website mit Forum sowie einem öffentlichen und einem vereinsinternen Teil.
  • Organisation einer jährlichen Festveranstaltung, auf der auch die o.g. Preise vergeben werden.
  • Jährliche Veranstaltung des „Lossegler-Treffens“ für angehende Langfahrtsegler.
  • Andere Aktivitäten finden in Ahängigkeit von möglichen Bedürfnissen und Erfordernissen statt. So wurde beispielsweise 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie gemeinsam mit der Amateurfunk-Organisation Intermar e.V. und dem Piraterie-Präventions-Zentrums der Deutschen Bundespolizei eine “Rolling home”-Kampagne gestartet, die in der Karibik gestrandete deutsche Segler auf dem Törn zurück nach Europa begleitete.
  • Herausgabe eines Quartals-Magazins (online und gedruckt), dass die Mitglieder mit Berichten über die Regionen in aller Welt versorgt, aber auch über Neuigkeiten aus der Szene und natürlich über vereinsinterne Angelegenheiten informiert.
  • Für Eigner wird bei Bedarf und auf Wunsch ein Standerschein ausgegeben, der (inoffiziell) das Eigentum an der betreffenden Yacht bestätigt, aber auch als Einkaufsausweis dient, über den man Vorteile in zahlreichen Marinas erhält, ebenso wie Vergünstigungen bei diversen Ausrüstern und Lieferanten.

Wer nun Interesse am Verein hat, oder wer vielleicht an einem der Seminare teilnehmen will, der findet alle nötigen Informationen auf der Homepage des Trans-Ocean e.V.

***

Mit diesem Beitrag sind wir nun ziemlich in der Jetztzeit angekommen. Blogtechnisch gesehen. (Das Jahrestreffen des TO fand am 19.11.2022 statt.) Die Tagebücher hinken wie jedes Jahr noch immer ziemlich hinterher. Doch immerhin, hier kommt das nächste. Hier und da wird es darin etwas mondän, aber nur in dem Sinne, dass wir zuschauen. Wir, Anke und Martin, bleiben, wer wir sind. Interesse? Dann für den Zugriff auf das Tagebuch einfach auf diesen Satz hier klicken.

Und nun wünschen wir Euch allen fair winds aus dem frostigen Worpswede,

Martin und Anke

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