Der Große und der kleine Orca? Mallorca und Menorca

Der Große und der kleine Orca? Mallorca und Menorca

So oder so ähnlich muss man die Namen Mallorca und Menorca bei phonetisch korrekter Aussprache ja wohl übersetzen. Oder etwa nicht? Wahrscheinlich steht Orca im Alt-Insulanisch allerdings nur für Insel. Dann wäre es nur die große und die kleine Insel. Wie profan. Beide Inseln haben uns begeistert, auch wenn die paar Tage, die wir auf ihnen verbrachten, viel zu schnell vergingen. Zunächst lagen wir einige Tage in der Bucht von Santa Ponsa vor Anker und beschäftigten uns vor allem mit dem Generatorproblem. So blieb nur wenig Zeit, uns in der Umgebung umzuschauen. Highlights: Der Besuch eines archäologisch interessanten Geländes – hier gab es bereits steinzeitliche Siedlungen – sowie des Turms, der die Bucht vom Südwesten aus bewacht, einer der vielen Wachtürme, die die gesamte spanische Küste bevölkern. Und wir unternahmen einen Busausflug nach Palma, wobei wir den dortigen Königspalast besichtigten.

Wir erreichen die Kathedrale von Palma. Da sie leider geschlossen ist, besuchen wir den Palast, den die Mitglieder des Königshauses bewohnen, wenn sie sich in Palma aufhalten. Das die öffentlich begehbaren Räumlichkeiten tatsächlich regelmäßig bewohnt werden, erkennt man an den zur Seite gerollten Teppichen. Sie werden geschont, und nur ausgebreitet, wenn es keinen Publikumsverkehr gibt,
Anke in einem der Säle des Palastes. Der Teppich ist ausnahmsweise nicht beiseite gerollt.
Töpferwaren sind ein begehrtes Souvenir aus Palma.
In vielen Kirchen Spaniens finden wir Statuen von Johannes-Paul II, auch in Palma. 2006 war es, als wir in Brasilien auf einen Titel der Bild-Zeitung stießen: „Wir sind Papst!“
Im unterirdischen Bus-Bahnhof von Palma suchen wir nach dem Bus, der uns zurück bringen soll.

Ursächlich für die lange Zeit in der Bucht von Santa Ponsa war neben dem Generatorproblem der stets aus Norden wehende, starke Wind. Wir hatten schon Zweifel, ob ihm je die Puste ausgehen würde, aber plötzlich war es so weit. Kein Wind, ja sogar etwas achterlicher Wind.

Wir machten uns auf nach Puerto de Soller (die Schreibweisen der balearischen Ortsnamen und Ortsbezeichnungen sind sehr variabel. Man möge uns nachsehen, wenn diese dem einen oder anderen seltsam vorkommen. Wir haben sie jeweils unter Rückgriff auf verschiedenste Quellen nach bestem Wissen gewählt.) Bei der Dracheninsel konnten wir sogar mit Schiebewind segeln, das war es aber auch schon. Der Rest wurde motort. Am Ziel erschreckte uns das bereits eng gepackte Ankerfeld. Wir quetschten uns in Erinnerung an den geringen Tiefgang des alten Bootes weit nach hinten, soweit, wie irgend vertretbar, und fanden so ein noch ganz brauchbares Plätzchen. Leider sehr schwellig. So brachten wir nach einigen Tagen erstmals unseren Heckanker aus, einen leichten Fortress-Anker. Beim ersten Anlauf war das Ergebnis einerseits gut, die Rollerei war deutlich reduziert, aber wir hatten den Eindruck, dass unser Heckanker doch über den Grund schlurfte. Nachdem der Hauptanker durch einen anderen Ankerlieger aus dem Grund geholt worden war, mussten wir eh neu ankern, und beim erneuten Setzen des Heckankers beobachtete ich den Fortress mit Maske und Schnorchel. Es war unerwartet eindrucksvoll, wie der sich mühelos eingrub.

Überraschung zwei Tage vor unserem Aufbruch nach Soller: Am frühen Morgen ankert die Shtandard in der Bucht von Santa Ponsa. Nach einer anstrengenden Fahrt machen sie hier Zwischenstop. Ihr weiterer Weg führt sie nach Tunesien und dann nach Athen.
Immer wieder spektakuläre Felsentürme bei unserer Fahrt Richtung Puerto Soller
Die Ankerbucht von Puerto Soller.
Dies und die folgenden Bilder zeigen stellvertretend, wie viel Wandermöglichkeiten Mallorca bietet. Hier bewegt sich Anke auf archäologisch wertvollem Gelände, noch bei Santa Ponsa.
Wiederholt warnen uns Schilder vor der Gefahr durch heimisches Großwild. Ob damit diese Ziegen gemeint waren? Uns begegneten sie eher als scheue Wesen. Anderes Großwild hielt sich vornehm zurück.
Wieder ein Turm, den wir besuchten.
Leider waren die Türme rund um Soller, die wir gerne bestiegen hätten, reichlich verrammelt.
Die typische Vegetation auf unseren Streifzügen reicht von ziemlich karg …
… bis zu reichlich grün und frisch. Jens und Dörte berichten uns, dass die Farben im letzten Jahr zur gleichen Zeit ganz andere gewesen seien. Alles wäre braun und trocken gewesen.
Den Ort Soller erreicht man von Puerto de Soller aus langsam und gemächlich schaukelnd und quietschend mit einer altertümlichen Tram. Mit einem vergleichbaren Zug, in dem es neben einem Erste-Klasse-Abteil auch noch eine echte Holz-Klasse wie in alten Zeiten gibt, kann man quer über die Insel nach Palma zuckeln.
Beim Blick in den Himmel lassen die Straßen von Soller eine Wesensverwandtschaft zu Cherbourg erkennen. Offenbar regnet es hier reichlich.

Puerto de Soller gefiel uns außerordentlich. Ein kleines, lebendiges (touristisches) Städtchen, abends angenehm ruhig. Per Tram zockelten wir nach Soller (ohne den Zusatz Puerto), dem „Hauptort“ und wanderten später wieder zurück. Natürlich besuchten wir in den nächsten Tagen auch alle Wachtürme rund um die Bucht. Na ja, zwei waren es. Jens und Dörte von der Tendrel-Aurelie mieteten gemeinsam mit uns ein kleines Auto. Das erlaubte Besuch der winzigen Siedlung Sa Calobra, von der aus wir nach einer kurzen Wanderung, u.a. durch zwei Tunnel, das meerseitige Ende der Schlucht Torrent de Paeis erreichten. Weiter ging´s zum äußersten Kap Mallorcas, dem Cap Formentor. Eindrucksvolle Fahrerlebnisse auf Traumstraßen für Motorrad- und Radfahrer bestimmten den Tag. Und da ei n Auto zur Verfügung stand, unternahmen Anke und ich den unvermeidlichen Großeinkauf. Wir fürchten, die beiden waren doch etwas erstaunt über die Mengen, die wir in das Autochen stopften, aber wir vier passten zum Schluss auch noch rein.

Eine Straße, die jedes Motorradfahrer- und Radler-Herz höher schlagen lässt: Die Serpentinenstraße nach Sa Calobra. Zwölfeinhalb Kilometer lang, 680 Meter Höhenunterschied.
Die wildromantische Schlucht Torrent de Pareis
Annäherung an den Leuchtturm von Cap Formentor
Jens, Dörte und Anke vor mallorquinischer Kulisse
Martin freut sich über jede Aussicht auf Küstenformationen (vor allem, wenn er sie nicht alle zu Fuß abwandern muss).

Von Soller ging es dann bei passendem Wetterfenster Richtung Menorca. Wobei wegen des ruhigen Wetters ein Zwischenstopp in der Cala de Puerto de Sa Calobra unvermeidlich war. Anfangs waren wir über unser endgültiges Ziel nicht sicher, aber wir liefen schließlich Ciutadella an. Es herrschte inzwischen reichlich Wind und die Fortsetzung nach Mahon am anderen Ende der Insel wäre ausgesprochen anstrengend geworden. Die Küste bei Ciutadella ist nicht hoch, aber steil und felsig. Nach wie vor hatten wir raue See. Erst erstaunlich spät, wir waren fast querab, ließ sich die Einfahrt in die natürliche Bucht von Ciutadella erkennen. Überraschend schnell beruhigten sich die Verhältnisse, je weiter wir in diesen malerischen Einschnitt hineintuckerten. Die Hafenmeisterin empfahl uns einen Liegeplatz weit drinnen. Gerne folgten wir der Empfehlung und haben es nicht bereut. Wir lagen am Fuß der Altstadt bzw. Zitadelle. Am Kai flanierten die Menschen, nicht einmal ein Steinwurf entfernt drei feine Fischrestaurants – bei allen saß man natürlich draußen, und vor Mago – sie lag mit dem Bug zum Kai – reihten sich malerische Häuser aneinander. Hier gefiel es uns so gut, dass wir schon in Gedanken das eine oder andere Häuschen kauften.  

Wir ankern in der Cala de Puerto de Sa Calobra. Hinten in der Bildmitte der enge Fels-Durchbruch zum Torrent de Pareis.
Der innere Hafen von Ciutadella
Ciutadellas eigenwillige Kulisse. Die seltsamen Mauern haben eine Bedeutung, die sich nicht sofort erschließt. In den dahinter liegenden Gärten und Höfen und auf ihren Brüstungen sammeln sich die Zuschauer bei dem spektakulären Reiterfest, dass alljährlich in Ciutadella am Tag des Heiligen Johannes (Sant Joan) stattfindet, und bei dem die typischen Menorquiner – die lokale Pferderasse – spektakuläre Auftritte auf der Hinterhand inmitten dicht gedrängter Menschenmassen vollführen.

Der nächste Schlag brachte uns nach Mahon. zunächst auf einen Ankerplatz zwischen festungsbewehrten Inseln, dann per Muring zu bzw. an Christina. Christina ist eine von zwei schwimmenden Festmache-Inseln der Marina Menorca. Eine lustige Idee, die die Gemeinschaft und Geselligkeit unter den hier liegenden Besatzungen sicher fördert. Fast schon ein Zeichen, wir machten neben Christina und Peer von der Second Life fest, die wir schon von einem TO-Treffen 2016 in Warnemünde kannten, damals hatten wir uns im Rahmen des von der Yacht abgehaltenen Bluewater Symposiums kennen gelernt.

Auch Mahon hat uns mit seinen vielfältigen Eindrücken in seinen Bann geschlagen. Für Anke sicher das Wichtigste war jedoch ein Ausflug zum Gestüt Omnia. Hier besuchten wir eine Reit- bzw. Pferde-Show mit den typischen Menorquinern, der auf Menorca gezüchteten Pferderasse. Anke als Pferdenärrin war begeistert. Von den Tieren, von deren Charakter, von der Arbeit der Reiter und Reiterinnen – darüber konnte man nach der Show ein wenig fachsimpeln – aber vor allem von der Show selbst. Da waren Leistungen zu sehen, wie Anke sie noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Leider war Fotografieren und Filmen während der Show verboten, was doch sehr schade war. Und die meisten der davor und danach gemachten Aufnahmen und Viseos sind auch nichts geworden.

Anke freundet sich mit dem Champion an. Dieser Hengst, natürlich ein Menorquiner, ist zum besten oder schönsten Vertreter seiner Rasse gewählt worden.
Mahon ist unter anderem eine Stadt der Kunst, was nicht nur Ausstellungen und Galerien verdeutlichen, sondern auch einige künstlerisch aufgewerteten Fußgängerüberwege.
Wie oft in Spanien kann einen die alte Architektur in ihren Bann schlagen.
Blick aus der Halle des Fischmarktes in den Patio.
Mit Glück haben wir am Samstag – da premmeln sich hier die Besucher – Plätze im Patio bekommen. Statt Fisch probieren wir erst einmal die typisch menorquinischen Käsesorten.

Heute Abend bereiten wir uns auf den Start nach Sardinien vor. Die Passage wird so um die 190 bis 200 Meilen betragen. Das heißt, seit langem steht mal wieder eine Nachtfahrt an.

Grüße aus der Koje (wir schlafen schon mal auf Vorrat)

Martin und Anke

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