Ein wenig unterwegs in Andalusien

Ein wenig unterwegs in Andalusien

Anfang März genossen wir ein paar stille Tage auf Mallorca bei Bree und Walter, doch dazu kommt noch ein kleiner Extrabeitrag. Um die Rückreise von Malle zu vereinfachen, mieteten wir am Flughafen von Malaga einen kleinen Opel mit dem festen Vorsatz, in den kommenden Tagen nicht nur am Boot zu werkeln, sondern auch etwas von der näheren und weiteren Umgebung zu sehen.

Spanien ist eins der gebirgigsten Länder Europas – was wir erst im Laufe der Zeit bewusst wahrnahmen – obwohl uns die Küstenlandschaften bereits darauf hingewiesen hatten. Nachdem wir das nun erkannt hatten, lag nichts näher, als die umgebende Berglandschaft Andalusiens zu erkunden, zumal uns die Morgensonne nahezu jeden Tag beim Gang zum Bäcker die verschneiten Gipfel der Sierra Nevada lockend illuminierte.

Unser erster Ausflug brachte uns über das um die Mittagszeit völlig verschlafene Nest Júbar, nur die hinter geschlossenen Türen krakeelenden, wachsamen Hunde machten deutlich, dass es dort auch menschliches Leben gab, zum Bergdorf Trevélez. Das Dorf, heute am Ende einer früher über die Sierra Nevada führenden Passstraße gelegen, ist berühmt für seine Schinkenproduktion. Klar, dass wir etwas Schinken verkosten und auch etwas zwecks Mitnahme erstehen. Zuvor streifen wir allerdings durch alle Ortsteile von Treveléz: das Barrio bajo, Barrio medio und Barrio alto.

Die Route nach Trevélez führt über etliche Kilometer durch ein sich tief in die Sierra Nevada hineinziehendes Tal.
Unsere Fahrt hat sich wegen vieler Stopps ziemlich in die Länge gezogen, und als wir das verschlafene Nest Júbar entdecken, beschließen wir eine spontane Mittagsrast.
Man mag es kaum glauben, aber wir begegnen auf dem Weg zum Kirchlein von Júbar nicht einer Menschenseele. Nur Hunde, die hinter den Türen anschlagen deuten darauf hin, dass es hier doch noch Leben gibt.

Neben der Iglesia del Santo Cristo del Columna finden wir zwar keinen Schatten, doch immerhin eine gemauerte Bank, auf der sich prima rasten lässt. Die Ursprünge des Kirchleins gehen auf das 12. Jh. zurück, womit sie eine der ältesten Kirchenbauten in der Vorgebirgslandschaft Alpujarra ist. Die Eingangsgestaltung im Hintergrund gilt als Beispiel der hispanisch-muslimischen Architektur.

Die drei Barrios von Trevélez schmiegen sich an die westlichen Hänge des Tales des Rio de Trevélez. Im Vordergrund die Dächer des Barrio alto, links das Barrio medio und dahinter ganz klein das Barrio bajo. Trevélez ist der höchstgelegene Ort der iberischen Halbinsel, unser Aussichtspunkt befindet sich etwas über 1.700 m ü.NN.
Ankes Spürsinn und ihre Vorliebe für dunkle Löcher lässt sie in den Gassen von Trevélez finstere Ställe finden, in denen Hühner leben, Schweine und sogar Pferde. Die Tiere werden offenbar noch richtig genutzt, und sie freuen sich über ein wenig menschlichen Zuspruch, wie man am Beispiel dieses freundlichen Hengstes unschwer sieht. Dass Anke von dieser Art der Haltung nicht begeistert ist, muss ich nicht erwähnen.
Diesem Pferd ist ein schon erheblich freundlicherer Stall gegeben. Nur eine Leine dient als Zeichen, dass pferd nicht ausbüxen soll.
Trevélez ist berühmt für seine Schinken und auch für geräucherte Forellen. Ein Besuch wäre unvollständig ohne eine Verkostung der hiesigen Produkte. Mit dem Ergebnis, dass wir uns natürlich eine gewisse Auswahl aneignen. Natürlich durch die Bank cortada al cuchillo, also von Hand mit dem Messer geschnitten. Der händische Schinken-Aufschnitt ist eine in Spanien mit Leidenschaft kultivierte Kunst, fast mit der gleichen Inbrunst betrieben wie der Sashimischnitt eines japanischen Sushi-Meisters.

Der nächste Tag führt uns strikt ostwärts in die Nähe des kleinen San José. Wir lassen das Örtchen allerdings ziemlich links liegen und streben an seinem Rande entlang gen Süden. Unter ein paar Schatten spendenden Bäumen stellen wir das Auto ab und wandern los. Zunächst leicht aufwärts, zu einer Windmühle – wie allgegenwärtig der Wind hier ist, wird durch die in der Gegend verteilten Mühlen bereits verdeutlicht, doch erst viel später, bei einem Besuch der Invernadores erkennen wir, wie schwer der Wind den Menschen hier früher das Leben gemacht hat – und folgen dann dem Gefälle abwärts. Vor uns liegt der Puerto Genovés, andere Quellen nennen die Bucht auch Cala de los Genovéses. Der Ursprung des Namens geht auf eine Flotte von zweihundert genuesischen Schiffen zurück, die hier im Jahre 1147 zwei Monate warteten, um Alfons VII. im Kampf gegen die Mauren und bei der Eroberung von Almeria zu unterstützten. Seitdem ist die Flagge der Provinzhauptstadt Almería dieselbe wie die des damaligen genuesischen Staates. Im Jahr 1571 wurde hier die aus mehr als 300 Schiffen und dreißigtausend Mann bestehende spanische Galeeren-Armada zusammengestellt, die bald darauf in der Schlacht von Lepanto kämpfen sollte. Heute sind friedliche Zeiten, und wir genießen den fast menschenleeren Strand, die versteinerten Dünen und das friedliche Wetter. Nach einem Blick auf die jenseits des Morro Genovés steil nach Süden abfallenden Felsen kehren wir auf einem etwas landeinwärts verlaufenden Weg zurück.

Eine der typischen Mühlen bei San José.
Blick vom zugigen Geländerücken, auf dem hinter uns erneut eine Mühle steht, auf die Cala de los Genovéses. Der Felsklotz am Ende der Bucht ist der Morro Genovés. Da der Wind gerade in die Bucht hineinsteht, ist kein Ankerlieger zu sehen. Auf unserem Weg von Cartagena nach Almerimar verbrachten wir im Schutz des Morro eine angenehm ruhige Nacht.
Nach den Knieproblemen aus dem letzten Jahr gelingt Anke das Wandern schon wieder richtig gut.
Eine Besonderheit ist, dass es unmittelbar an diesem Strand fossile (verfestigte) Dünen gibt, die durch den zurückweichenden Meeresspiegel entstanden sind. Anke erkundet gerade, wie es hinter diesen Dünen weiter geht.
Hinter dem Strand schließen sich malerisch große Bestände der aus Mexiko bzw. den südlichen Vereinigten Staaten stammenden Pitaco-Agave (Agave americana) an, die heute im gesamten Mittelmeerraum verbreitet ist.
Knospenden Blüten der Picato-Agave.
Die Ensenada de los Genovéses – wieder eine andere Bezeichnung – vom Morro aus gesehen.

Auf der Rückfahrt lassen wir uns einen Abstecher zum Cabo de Gata nicht entgehen. Wir sind überrascht, dass wir auf diesem kleinen Umweg noch ein paar sehr unerwartete Eindrücke bekommen. Die Randbereiche des kleinen Küstenstädtchens mit dem großen Namen La Almadraba de Monteleva erinnern sehr an eine Geisterstadt. Bei genauem Hinsehen erkennt man aber doch Hinweise auf Leben. Von der unmittelbar am Uferstreifen verlaufenden Straße aus kaum sichtbar, wird in einer langgestreckten, küstenparallelen Lagune Salz gewonnen. Auf dem schmalen Strand stehen Winschböcke und -gestelle, mit denen man einfache, offene Fischerboote auf den Strand zog und vereinzelt auch heute noch zieht.

Über eine anschließende kurvenreiche Etappe mit bis zu 10% Steigung und auch wieder Gefälle erreichen wir schließlich das Kap und den dortigen Leuchtturm. Zurück in Almerimar locken uns Sunny, Isabel und Horsti nach einem gemeinsamen Restaurantbesuch noch zu einem Absacker ins Stumble Inn. Ob Sunny es wirklich nicht gewusst hat, lassen wir dahin gestellt sein, jedenfalls wird im Stumble Inn der Saint Patricks Day gefeiert, na ja, also feiern wir mit.

Die Lagune vor La Almadraba de Monteleva. Im Hintergrund das Küstengebirge, dessen rechte Flanke im Cabo de Gata ausläuft.
Beinahe eine Geisterstadt

Was braucht es mehr als einen Strand, eine Winschvorrichtung und ein einfaches Boot, um zu fischen? Ein, zwei Boote sind noch einsatzfähig und werden genutzt, der Rest erinnert an die Vergangenheit.

Leuchtturm am Cabo de Gata
Es geht zurück …
… und nach einem skurillen Intermezzo …
… landen wir bei einer feucht-fröhlichen Saint-Patrick-Party.
Die Party scheint Gelegenheit zum Junggesellenfang, einer hat sich schon der geballten Übermacht ergeben 😉

Auweia, sieht ja echt verboten aus…
Mit dem St. Patricks Day im Hintergrund wünschen wir, Martin und Anke, Euch

FROHE OSTERN

Kommentare sind geschlossen.