Dido und Aeneas – eine Premiere

Dido und Aeneas – eine Premiere

Dido und Aeneas, eine Oper von Henry Purcell, Premiere am 05.11.2021 im Teatro Massimo Palermo – Bühnenbild zum Auftakt der Oper. Es zeigt das Schiff, mit dem Aeneas, Prinz von Troja, nach der Zerstörung seiner Heimatstadt in Karthago gelandet ist.

In Trapani hat es uns nicht lange gehalten, die Liegegebühren waren uns schlicht zu hoch. Nach einem Zwischenstopp sind wir in Palermo gelandet. Eine Stadt, die uns sofort in ihren Bann zog. Aber darum soll es heute nicht gehen. In einem der vielen Touristenbüros der Stadt, genauer in dem, neben dem der Umzugs-Karren der Heiligen Rosalie geparkt ist, entdeckte Martin ein Faltblatt des Teatro Massimo. Beim Blättern hatte stellte er fest, dass es im November, zwischen dem 5. und 7. drei Vorstellungen der Oper Dido und Aeneas von Henry Purcell geben sollte. Die Dame hinter dem Schalter wiegte den Kopf und bemerkte, dass die Preise sehr teuer wären und zweifelte zudem, ob es noch Karten gäbe.

Martin ist jedoch bereits bei der Parkplatzsuche stets der Ansicht, dass es für ihn unmittelbar vor dem Rathaus, der Oper, dem Festspielhaus, dem Kaufhaus, dem Hotel oder was immer er besuchen will, einen Parkplatz gibt und es absolut unsinnig sei, entfernt zu parken. Befremdlicherweise ist es dann meist auch so. Und so meinte er nur, wir schauen mal. Langer Rede kurzer Sinn: Es gab noch Karten, und die ab 22 Euro aufwärts, was durchaus noch verträglich war bzw. ist. Und wie es sich schließlich ergab, letztlich hatten wir Karten für die Premiere erstanden, im ersten Rang und gleich an der Bühne bzw. dem Orchestergraben.

Das Teatro Massimo im Licht der zahllosen Strahler. Es ist ein erhabenes Gefühl, die vielen Stufen hinaufzusteigen zum Tempel der Kunst.
Judith und Martin posieren mit Bellini. Böse Zungen behaupten, Martin versuche mit düsterem Auftritt Eindruck bei den Gesellen der Ehrenwerten zu schinden. Er selbst meint, es ist dem Opern-Anlass angemessen.

Gestern Abend, also am 05. November, besuchten wir folglich halbwegs angemessen und aufgebrezelt und in Begleitung von Geert und Judith, die sich spontan zum Mitkommen entschlossen, das Teatro. Bereits die Annäherung war irgendwie atemberaubend, denn es war längst dunkel, und illuminiert machte dieser Tempel der Künste einen noch weitaus überwältigenderen Eindruck als bei Tageslicht. Über eine imposante Freitreppe gelangten wir zum säulengeschmückten Eingang. Dort wurde – ganz neuzeitlich – geprüft, ob wir Tickets haben, ob wir einen Green Pass vorzeigen können (den Nachweis, dass wir gegen Covid-19 geimpft sind) und ob unsere Körpertemperatur im zulässigen Bereich liegt.

Danach durchschritten wir gemessenen Schrittes die himmelhoch scheinenden Pforten und befanden uns in einer gewaltigen Vorhalle. Was hat man seinerzeit nicht nur den Göttern für Bauwerke gewidmet, sondern auch den schönen Künsten. Eine Büste erinnert an Bellini, ein Harmonium an Richard Wagner, der dieses nutzte, als er hier in Palermo den Parsifal im Hotel de Palmas vollendete. Eher unscheinbare Gänge verteilen die Zuschauer dann auf die Ränge, sofern sie nicht Parkett gebucht haben. Wir sind erstaunt, dass wir in einer Loge landen. Nur für uns zwei. Ganz vorn, unmittelbar über dem (heute) geschlossenen Orchestergraben, unmittelbar an der Bühne. Das bedeutet: unmittelbare Nähe, aber auch etwas eingeschränkte Sicht auf einen Teil der Bühne.

Die Stühle und selbst die mit Samt bezogene, gepolsterte Brüstung scheinen noch aus dem Barock zu stammen, aber das kann nicht sein. Nicht bei nüchterner Überlegung. Dennoch sind sie etwas in die Jahre gekommen und zeichnen sich durch angemessene Patina aus. Eh egal – die Vorführung beginnt.

Der schmale Gang nach einer extra für uns aufgeschlossenen und entriegelten Tür wirkt sonderbar. Doch er endet in einer „Box“, einer Loge für vier Personen, die wir ganz für uns nutzen können.
Anke ist – genauso wie ich – begeistert von diesem spektakulären Theater. Angeblich ist es das drittgrößte Theater Europas. Es fasst um die 1.300 Zuschauer, was man auf den ersten Blick kaum glauben mag. Die Bühne ist unglaublich tief, was viel Raum für den Bühnenbildner erlaubt, und die Akustik ist beeindruckend. Rechts im Bild die Königsloge. Dort wurde angeblich die Schluss-Szene des Paten (Episode 3) gedreht. Wir sitzen in unserer eigenen Loge, nur zu zweit. Kein Risiko, dass irgendein Bösewicht uns etwas antut. Im Gegenteil, wir sind nah dran am unmittelbaren Geschehen. Mit etwas Strecken könnten wir den Cellisten und Kontrabassisten ans Instrument greifen. So etwas tun wir aber nicht. Claro!
Martin an der plüschenen Balkonade
Unglaublich, diese Staffelung in die Höhe. Wir haben nachgezählt. Das mit den 1.300 Plätzen passt schon. Soviel Menschen kommen hier zweifelsfrei unter.

Wir genießen die Oper von Henry Purcell, die gemeinhin als sein wichtigstes Werk, vor allem als seine einzige echte Oper angesehen wird. Einzuordnen ist sie in die Zeit des Barock.

Die Handlung ist schnell erzählt. Dido ist verwitwete Königin von Karthago und in Aeneas, den Prinz von Troja verliebt. Aeneas hat es nach der Zerstörung Trojas nach Karthago verschlagen. Auch wenn es Dido sich anfangs nicht zugestehen will, gibt sie nach der Fürsprache ihres Gefolges, vor allem ihrer Schwester Belinda, ihrer Liebe nach. Aeneas geht es nicht anders.

Dummerweise gibt es eine Handvoll übel gesinnter Hexen und eine Zauberin, die Karthargo zerstören und das Glück der Dido zerstören wollen. Sie entwickeln einen simplen Plan. Aeneas, der den Göttern Gehorsam geschworen hat, soll durch einen gefaketen Götterboten zum sofortigen Aufbruch nach Italien genötigt werden und Dido also sitzen lassen.

Der Plan der Hexen gelingt scheinbar. Doch Aeneas ist zwischen seiner Liebe zu Dido einerseits und dem Schwur gegenüber den Göttern zerrissen. Und gibt schließlich der Liebe nach. Unglücklicherweise – wir befinden uns in einem Drama – weigert sich Dido jedoch, dessen Abfuhr an die Götter als Liebesbeweis anzuerkennen. Allein, dass er überhaupt an eine Abreise dachte, stellt für sie ein nicht wieder gut zu machendes Verhalten dar. Sie lehnt ihn ab und begeht nach einer Arie, einem Lamento (aha, daher das Verb lamentieren) Suizid. Was aus Aeneas wird, bleibt offen, genauso wie die Frage, aus welchem Grund die Zauberin ihr Werk überhaupt begeht. Vielleicht fehlt mir/uns das nötige Wissen aus der griechischen Mythologie. Bei den Hexen ist es einfacher, sie singen mit Begeisterung: Zerstörung sei ihre Leidenschaft.

Da die Handlung selbst seinerzeit kaum ausreichte, eine Opernstunde zu füllen, hat Purcell noch eine erzählte Geschichte eingeflochten, bei der Actaeon Diana beim Bade beobachtet. Als das rauskommt, wird er zur Strafe in einen Hirsch verwandelt und von seinen eigenen Jagdhunden zerrissen. Typischer Fall von dumm gelaufen.

Das ist nun alles salopp beschrieben. Aber wir sind begeistert. Die Solisten, besonders Deniz Uzun als Dido und Mauro Borgioni als Aeneas sind mehr eindrucksvoll. Letzterer kann dem Schmerz und seiner Verzweiflung wunderbar Ausdruck verleihen. Auch Adriana di Paola als Zauberin und Filippo Adami als Führer der Matrosen begeistern nicht nur uns. Ebenso der als Götterbote auftretende Geist, der genauso gut eine Rolle als Kastrat ausfüllen könnte, gegeben von Federico Fiorio. Nicht minder mitreißend ist das Orchester. Der Maestro verzichtet auf einen Taktstock und leitet es mit schlichten Händen. Begeisternd ist der Chor. Zumal, da er mit Masken singt, was eine echte Herausforderung ist, und dem einen oder anderen erkennbar Probleme bereitet. Um so größer ist die gesangliche Leistung. Besonders bei der Szene, in der er sein eigenes Echo singt.

Das Ensemble nimmt die Ovationen entgegen.

Als der Vorhang fällt, ist das Publikum begeistert. Und wir auch. Der Applaus ist gewaltig, und gewürdigt werden neben den Musikern, dem Chor, den Sängern und den Ballett-Tänzern auch der Regisseur, der musikalische und künstlerische Direktor, der Bühnenbildner und die Maske. Schön zu sehen ist auch, wie sich die Akteure selber freuen, sich gegenseitig auf die Schulter schlagen oder sich herzen. Wir machen mit, bedanken uns bei den Cellisten unmittelbar unter uns und werden unsererseits wiederum gegrüßt von Besuchern, die soeben die erste Reihe des Parketts verlassen. Was für ein Abend!

Weil es einfach dazu gehört und uns eine Ehre ist, wollen wir die Beteiligten mit Namen nennen:

Dirigent Gabriele Ferro
RegiLorenzo Amato
Bühnenbild und Kostüme Justin Arienti
Beleuchtung und Lichteffekte Vincenzo Raponi
Chorleiter Ciro Visco
Cembalo und Orgel Ignazio Maria Schifani
Erzlaute Francesco Olivero
Thirbe Domenico Cerasani, Giulio Falzone
Cello Kristi Curb
Teatro Massimo Orchestra and Chorus

Ensemble

Dido Deniz Uzun
Belinda Francesca Aspromonte
Zweite Hofdame Vittoriana De Amicis
Zauberin Adriana Di Paola
Erste Hexe Shakèd Bar
Zweite Hexe Rosa Bove
Geist (gefakter Götterbote) Federico Fiorio
Aeneas Mauro Borgioni
Seemann Filippo Adami

Teatro Massimo Orchestra and Chorus

Wer die Premiere in einer Live-Aufzeichnung sehen möchte, klicke hier. Die Figuren zu Beginn der Aufzeichnung im ersten Rang rechts, ganz vorne, eine mit leuchtend rotem Blazer, sind übrigens Anke und ich.

Begeisterte Menschen verlassen das Theater.
In der Umgebung des Theaters warten diverse Bars, Cafes und Restaurants auf die Besucher des Theaters. Auch wir kehren irgendwo ein und beschließen den Abend mit einem netten Getränk.
Geert, Judith und Anke freuen sich auf ein nettes Getränk …
Zum Abschluss noch ein Blick auf ein Modell des Theaters. Mehr als eindrucksvoll.

2 Gedanken zu „Dido und Aeneas – eine Premiere

  1. Glückwunsch zu Euerem höchst gelungenen Ausflug in das Teatro Massimo (bei unserem Besuch 2018 war nur eine Führung möglich, keine Aufführung), noch dazu zu einer Premiere. Hoffentlich entschädigt Euch das für die Wetterverhältnisse, die dem Vernehmen nach in Sizilien derzeit recht bescheiden sein sollen. Herzliche Grüße von der Amica Maris II-Crew

    1. Danke Euch beiden,
      vielleicht klappt es bei Euch beim nächsten Mal auch mit einer Aufführung. Lasst uns in Verbindung bleiben.
      Liebe Grüße, Martin und Anke

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