Alicante – vor allem mit Ankes Augen

Alicante – vor allem mit Ankes Augen

Zwei Wochen hatte Anke allein an Bord verbracht, nachdem Kirsten in die USA und Martin nach Bremen geflogen waren. Es war viel zu tun und zur organisieren. Und es war furchtbar heiß. An mehreren Tagen erreichten die Temperaturen 37°C. Und auch nachts kühlte es kaum ab. Dennoch, Anke entdeckte zunehmend die Reize Alicantes und schaute sich neben den unvermeidlichen Bootsarbeiten in der Stadt um. Nach Martins Rückkehr aus Deutschland verblieb nicht viel Zeit bis zum Aufbruch aus Alicante. Doch Anke hatte in den vergangenen Wochen so viel gesehen, Eindrücke gesammelt und die verborgeneren Ecken der Stadt erkundet. Wenigstens etwas von „ihrem“ Alicante wollte sie doch gerne zeigen. Also sind wir an den verbliebenen Tagen durch die Stadt gezogen. Und bevor wir zu viele Worte machen, lassen wir die Bilder (und die Bildkommentare) sprechen.

Auch wenn es hier noch einmal um Bootsarbeiten geht, auf dem Foto – Blick von oben in den Maschinenraum – ist der wichtigste Moment für Ankes Wohlbefinden zu sehen: die neue Seewasserpumpe für die Klimaanlagen wird montiert. Endlich ist Schlaf bei annehmbaren Temperaturen möglich!
Fast jeder Weg in die Stadt führt über die Uferpromenaden. Wahrzeichen hier sind – wie in manch anderer Stadt Spaniens auch – die „Gummibäume“. Allerdings nicht solche Topfpflanzen, wie bei uns (Ficus benjamini – nomen est omen) , sondern gewaltige Gewächse, die sich mit Hilfe von Luftwurzeln (s. Bildhintergrund) immer weiter ausdehnen. Hier handelt es sich allerdings um den in Australien heimischen Ficus macrophylla, einen Vertreter der Maulbeergewächse, der angeblich bis zu 50 m hoch werden kann. Wir glauben es.
Ein weiterer Vertreter der Art mit nächtlicher Illumination. Sieht ein wenig aus, wie eine vom Wachs einer Tropfkerze überzogene Flasche (Kindheitserinnerung). Sehr schön zu sehen die stammnahen Luftwurzeln.
Noch in den nautischen Dunstkreis gehört Ankes Besuch im Volvo Ocean Race Museum. Die große Besonderheit: Hier ist die legendäre Brazil One ausgestellt. Brasiliens erste für eine Hochseeregatta, d.h. eben dieses Volvo Ocean Race, gebaute Yacht. Es war eine echte Made in Brazil, und man hätte es gar nicht erwartet, sie beendete das Rennen als Dritte. Eine eindrucksvolle Leistung. Für uns hat dieses Boot und dessen Geschichte eine besondere Bedeutung, denn wir hatten das Glück, bei ihrer Taufe zugegen zu sein und mitfeiern zu können. Mit all den brasilianischen gesellschaftlichen Größen, die wir natürlich nicht kannten. 2005 war das, in der Marina Gloria in Rio de Janeiro.
Auf geht´s zum Stadtspaziergang. Immer wieder beeindruckt uns die Fülle der öffentlichen Plätze und Anlagen bei unseren südlichen Nachbarn. Hier der Brunnen auf der Plaça Gabriel Miro.
Fotos typischer Stadtteilbewohner zieren ein öffentliches Gebäude. Urheber ist das Projekt „Me ves, en cummunidad“ (Du siehst mich in Gemeinschaft). Die Fotografen sind behinderte Menschen, die Bewohner ihres Stadtteils fotografieren.
In den Gassen des Stadtteils Santa Cruz. Viele der zeitweise verfallenen Gebäude sind inzwischen wiederhergestellt und erfreuen sich eines neuen Lebens. Manch einer würde über die Gentrifizierung jammern, aber das wäre falsch geurteilt. Anders gäbe es nur noch Ruinen.
Blick durch ein Tor in ein brach liegendes Grundstück. Die Ruinen des alten Gebäudes sind geräumt, in den Mauern kann man noch Spuren des ursprünglichen Gebälks erkennen. An manchen Gassen waren Teile der „Gebäude“ in den Fels gehauen!
Anke hatte bei ihrer ersten Tour einen verwegenen Weg zur Festung gewählt. Nur bei genauem Hinsehen erkennt man oben auf dem Fels die kleinen Türmchen für die Wachposten.
Mit raumgreifendem Schritt schleppt mich Anke bei brütender Hitze den steilen Fels zur Festung hinauf. (Oben wartet glücklicherweise ein Bier.)
Früher wohl kaum einnehmbar, das können wir uns lebhaft vorstellen. Weniger vorstellen können wir uns allerdings, dass wir die Festung werden nicht verlassen können, sondern in dieser zusammen mit einer Handvoll anderer Touristen eingesperrt sein werden. Wieso, und wie uns das Entkommen dann doch glückte, steht dann im nächsten Tagebuch. 😉
Leider sind Covid-bedingt nur wenige Gebäudeteile auf dem Festungsgelände zugänglich.
Hier ein Festungssaal mit künstlerisch gearbeiteten Teppichen.
Blick von den Festungsmauern auf das herrlich blaue Mittelmeer.
Leider ist hier eine verschlossene Tür. Anke erkundet sonst jedes Loch, jeden Gang, jeden Durchschlupf. Je dunkler, desto besser; und natürlich hätte sie auch gerne dieses Türmchen inspiziert.
In der Zeit des spanischen Bürgerkriegs wurde die Festung als Gefängnis genutzt. Gravuren in den Steinplatten der befestigten Flächen zeugen davon.
Zwei junge Spanierinnen posen im Abendlicht mit einem Armbrustschützen. Letzterer ist allerdings ein purer Blechgeselle, wie es sie an verschiedenen Orten der Festung in unterschiedlichster Haltung und mit unterschiedlichsten Botschaften gibt.
Die Sonne sinkt, der Abend beginnt, die Aussicht ist im Prinzip wunderbar – und wir kommen nicht aus der Festung raus. Das Tor ist verschlossen, die hohen Mauern lassen ein einfaches über-die-Mauern-klettern zu einer selbstmörderischen Aktion werden. Wir werden bleiben müssen …
Eines der Highlights Alicantes sind die Restaurants. Wir haben unerwartet genussreiche Abende verbringen dürfen. Hier sehen wir eine zunächst völlig unerwartet aussehende Variation des Vitello tonnato. Feinste Scheiben iberischen Fleisches, mager aussehend aber mit erstaunlichem Fettgehalt und unvergleichlichem Aroma, darauf Fetzen von mariniertem, aber natürlich rohem Thun, nussigen Kapern und mit Tupfen einer vom Hause selbst angerührten Mayonnaise. Martin liegt Anke bereits seit längerem in den Ohren, dass er später in Deutschland ein Restaurant eröffnen will, und diese Anwandlungen bekommen nach dem Besuch des Burros und des Boca da Vin neue Nahrung.
Auch im Burros: Martin genießt noch einen getrüffelten Büffelmozzarella, da sind Scheiben von äußerlich gegrilltem Thun auf einem mit Sepiatinte geschwärzten und gewürztem Cuscus bereits aufgetragen. Ankes Freundin Kirsten hatte sich so sehr eine Paella oder ein Risotto mit entsprechendem Reis gewünscht – doch dieser Cuscus hätte sie verzaubert.
Stellvertretend für die Begegnungen mit den Menschen hier Sandra. Sie und ihr Mann José, beide Brasilianer, leben seit längerem in Spanien. Ende September wird er den letzten Flug seines Pilotenberufs – zumindest als Verkehrspilot – unternehmen, dann wollen die beiden mit Ihrer Amel Super Maramu auf große Fahrt gehen.
Zum Abschluss noch einmal Anke – noch (zum Zeitpunkt des Fotos) ist sie allein in Alicante – aber sie genießt die Gassen und die Dachlandschaften der Stadt, wie unschwer zu erkenn ist.

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