Hart am Wind. Wir versuchen, bei Montserrat nicht zu sehr nach Westen zu verdriften, doch Strömung und Windrichtung kooperieren gegen uns. Guadeloupe wird eine echte Herausforderung. Wir segeln hart am Wind, müssen sogar leicht reffen – was wir eh schon recht spät machen – was natürlich ein paar Grad Höhe kostet. Zeitweise sind wir schon froh bei dem Gedanken, den allerletzten Ankerplatz im Süden von Guadeloupe erreichen zu können. Wir schaufeln immer wieder Wasser über das Vorschiff …
Segeln geht einfach nicht nach Plan. Wirklich nicht. Wir hatten ja angenommen, dass wir genügend Luft haben würden, als wir Sonja mitteilten: „Kannst Deinen Flug buchen, am 10. März sind wir sicher in Guadeloupe!“ Und natürlich waren wir das nicht. Erst am 11. März gelang es uns mit Hängen und Würgen Malendure an der Westküste von Guadeloupe zu erreichen. Und es benötigte noch einen weiteren Segeltag, um sie dann bei Point-a-Pitre aufzupicken. Glücklicherweise lagen Claudia und Michael mit ihrer CKebulan (der Bootsname schreibt sich tatsächlich so) dort vor Anker und erklärten sich spontan bereit, Sonja zunächst einmal Obdach zu gewähren.
… aber natürlich nie, wenn wir das dokumentieren wollen. Hier plätschert wenigstens ein bisschen Wasser über die Nase des Vorschiffs. Die eindrucksvollen Fluten wie zuvor kommen natürlich nicht wenn man es dokumentieren will. Aber nachdem wir aufgegeben haben, da kommt natürlich wieder so ein Schwall über das ganze Vorschiff.Immerhin versöhnt der Sonnenuntergang und in Lee von Guadeloupe bessern sich die Bedingungen. Letztlich schaffen wir es, Malendure, das so ziemlich mittig an der Westküste Guadeloupes liegt, zu erreichen und dort im Dunkeln zu ankern. An Deshaies (sprich: De-eh), unser ursprüngliches Ziel im Norden der Insel, war nicht zu denken.Der nächste Tag. Nach einem Telefonat mit Michael, Claudia und Sonja, beschließen wir, um die Südspitze von Guadeloupe herumzugehen, um Sonja bei Point-a-Pitre aufzupicken. Dies kleine Foto, am Nachmittag aufgenommen, lässt anhand der Wolken ahnen, dass auch dieser Trip nicht ganz anspruchslos war.
Es folgten schöne und angenehme Tage. Zunächst zu fünft auf Guadeloupe, dann zu dritt. Und daher lassen wir einfach mal wieder die kommentierten Bilder sprechen. Wobei wir uns zunächst auf Guadeloupe beschränken, denn die wenigen Tage dort waren schon so voller Eindrücke. Doch seht selbst.
Das Wichtigste überhaupt: Sonja konnte nun endlich zu uns übersiedeln. Begrüßung und Dosen-Sundowner an Bord der Mago. Michael, Claudia, Sonja und Anke (von rechts)Anspruchsvoll, wie Segler so sind, geht´s auch gleich am nächsten Tag los. Michael und Claudia haben einen Mietwagen zur Hand, was liegt da also näher, als diesen auch zu nutzen. – Hier ein erster Inlandseindruck.Ach ja, das anspruchsvolle Wetter begleitete uns auch an Land. (Und man, besser frau, fragte sich, was zu bevorzugen ist: Nässe von oben oder eindringliches Beisammensein zu dritt auf einem knapp bemessenen Autorücksitz? Die Herren durften es sich auf den beiden Vordersitzen gemütlich machen.)
Wir lieben ihn ja sehr, den karibischen Regen. Denn wie könnten so schöne Aufnahmen entstehen, wenn nur karibische Sonne strahlen würde? Dann doch lieber Regen, und nicht zu knapp bitte, gelle!
Kaum noch erstaunt, wir sind ja nun bereits einige Zeit in der Karibik, stoßen wir im Wald auf Baumfarne. Immer wieder Baumfarne, Westindische Baumfarne (Cytahea arborea), genau gesagt. Diese Farne können einen Stammdurchmesser von fast 40 cm und bis zu 9 m Höhe erreichen.
Die Pfade beginnen, sich in plätschernde Rinnsale zu wandeln.
Dann stoßen wir auf eine Straße, auf der es eindrucksvoll strömt. Wir wollen eigentlich auf den Gipfel des Soufriere, eines Vulkans, der vor Ort angeblich auch als „Alte Dame“ bezeichnet wird – doch ist das eine gute Idee? (Seltsam – Phantasie hatten die früheren Entdecker nicht. Überall wurden die gleichen Namen vergeben. Auf den Namen Soufriere stoßen wir in St. Vincent, auf St. Lucia und hier in Guadeloupe. Und der Name Marigot beispielsweise ist uns mindestenns viermal begegnet.)Also streben wir weiter – und eindrucksvoll ist die Landschaft an den Hängen des Soufriere schon. Und üppig die Natur. Aufgeben gilt nicht …… also streben wir immer noch weiter. Schwefelablagerungen am Gestein. Durchaus präsente vulkanische Prozesse laufen hier ab, wie man zweifelsfrei riechen kann. Apropos Zweifel …… es bleiben Zweifel an unserem Vorhaben ob des karibischen Regens. Während Michael und Martin (hinter der Kamera) noch überlegen, hat es bereits eine Abstimmung gegeben – man beachte die drei Gestalten im Hintergrund: Der Aufstieg ist gecancelt – wir brechen ab!Trotz Abbruch der Wanderung; die Stimmung ist gut. Irritierend nur die unterschiedliche Annahme der herrschenden Witterungsbedingungen. Sonja, Michael, Claudia, Anke und – irgendwie sonderbar – Martin.Trotz Regen, Martin planscht in den Bains Jaunes, den Gelben Bädern. Ist doch schöner, als sich beregnen zu lassen, oder?Weg vom Berg und Regen. Michael steuert mit navigatorischer Hilfe von Claudia die Westküste an. Irgendwann haben wir Deshaies erreicht. Anke und ich erkennen, dass es nahezu unmöglich gewesen wäre, an diesem Ort, in dieser Bucht am Abend und im Dunkeln einen Ankerplatz zu finden. Wind und Strömung haben vielleicht nur unser Bestes gewollt, als sie uns nur Malendure gestatteten. Wer weiß das schon? – Eine Uferimpression.Daraus lässt sich doch eine Grafik, ein Gemälde entwickeln.Acras mit scharfer Sauce. Der Tag war so reich an Eindrücken, dass ich gar nicht mehr weiß, wo wir diese Acras zu uns genommen haben. Jedenfalls jenseits des Soufriere, irgendwo, wo es wieder trocken und sonnig war.Inzwischen, das kann ich bei diesem Foto garantieren, befinden wir uns sicher in Deshaies. In einem Etablissement, das als Kulisse in der Netflix-Serie „Death in Paradise“ diente. Wir sehen frisch servierten Ti‘ Punsch. Ausgewählter Rum auf Rohrzuckerkristallen. Hier wird nix mit Eis verwässert. Rum, Karibik, Geschmack – konzentriert aufs Wesentliche. (Qualitätsprodukte dieser Art können die Fahrtüchtigkeit des Chauffeureurs natürlllich in keinester Wiese beeindrücken. Daschisjawollklar. Hicks!)Zum Abschluss navigiert uns Claudia noch in den äußersten Norden.Weil es so eindrucksvoll war: Noch ein Foto – Windschur vom Feinsten. Da freut sich doch jeder Nordseeanrainer, wenn er das sieht.Ohne Worte
In between – das muss ja auch mal sein
Sonja und Anke kehren zurück.Am nächsten Tag: Irgendwie haben wir uns verfranzt. Aber nicht nur wir, auch andere. Claudia, Sonja und eine nette Französin versuchen Ortsbestimmung und Auswegsuche in einer Sackgasse zwischen Baucontainern.Irgendwann finden wir tatsächlich eins unserer Ziele, ein Flüsschen, das zum Baden einlädt. Dass Martin erneut in dem Naß herumplantscht, muss ja nicht schon wieder dargestellt werden. Aufnahmen anderer Plantscher und -innen sind von der Qualitätskontrolle konfisziert worden, da der depperte Mensch hinter der Kamera mit dem Handy nur völlig unvorteilhafte Ergebnisse geliefert hat. Immerhin, Anke am Ufer ist eine der wenigen gelungenen Fotografien.Gekonnt gefaltet könnte dieses Blatt einen Mantel ersetzen. Die Dimensionen sind einfach unglaublich.Nach einigen Kurven (kleine Untertreibung) erreichen wir den Botanischen Garten von Deshaies, wie man an der Aufnahme unschwer erkennen kann.Obwohl es ein Botanischer Garten ist, wir können auch ein wenig Tierwelt genießen. Vegan ist er also nicht 😉.
Der Garten hat schon einige Zeit auf dem Buckel, sonst wären solche Bäume nicht denkbar. Sonja und Anke verdeutlichen die Dimensionen, die die Brettwurzeln des Kapokbaumes (Ceiba pentandra) annehmen können. Und wie wir andernorts schon sehen durften, das geht durchaus noch größer. Diese Bäume können unfassbare 75 m hoch werden und erreichen Stammdurchmesser von 3 m. Mit ihrer enormen Größe überragen sie das normale Kronendach des Regenwaldes deutlich.
Ohne WorteVerliebtes Händchenhalten oder so im Botanischen Garten …… können wir auch. Hat da jemand gezweifelt?So nett es mit Michael und Claudia auch war, irgendwann war Abschied angesagt. Bei leicht rauen Bedingungen machen wir mit Sonja einen Eingewöhnungsschlag nach Les Saintes, einer kleinen Inselgruppe nur wenige Meilen südlich von Guadeloupe. Der Atlantik gibt sich mal etwas Mühe und zeigt extra für Sonja mal eine anständige Atlantikwelle: Der Entgegenkommer verschwindet regelmäßig im Wellental.Sonja erweist sich unbeeindruckt als seefest. Es ist nicht ganz einfach, einen Liege- bzw. Ankerplatz auf den Les Saintes-Inseln zu finden. Aber schließlich hat es doch geklappt. Sonja und Anke sind schnell im Wasser und genießen die Schnorchelei.
So hat Sonja natürlich auch ungebrochenen Appetit beim Abendessen, schließlich war die Überfahrt zwar nun keine große Herausforderung aber so ein Schnorchelgang fördert eben Hunger und Appetit. Anke hat Bananen im Schlafrock kredenzt. Das sind in Kochschinken gewickelte Bananen in Curry-Sahne-Sauce. Eins von Ankes Lieblingsgerichten.
In diesem Sinne: Nach körperlichen Herausforderungen ein nahrhaftes Abendessen folgen lassen! Es grüßen Euch Martin und Anke.
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Tipps und Hinweise
In letzter Zeit gab es erneut Bewegung auf unserer Flohmarktseite. Wer Interesse daran hat, und das eine oder andere vielleicht gebrauchen kann: Unter folgendem Link geht´s zum Flohmarkt: https://www.sy-magodelsur.de/flea-market/
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Besuche hatten wir an vielen Orten: an der Algarve, auf den Kanaren, mehrmals in Argentinien, auf den Marquesas, auf Mallorca, stets spannend, da unter den unterschiedlichsten Rahmenbedingungen. Wir schildern die Herausforderungen eines Besuchs an Bord – selbst wenn der Besuch die eigene Partnerin ist – und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. →Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.
Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009: Just do it – von der Weser in die Welt 323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.
Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.
Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“