Saint Martin / Sint Maarten

Saint Martin / Sint Maarten

Fliegen scheint in Sint Maarten nicht ganz ohne Bedeutung zu sein.

Am Tag nach unserer Ankunft sind wir gleich durch die Simpson Bay Bridge, eine typisch niederländische Klappbrücke, und nach geringer Wartezeit durch die Causeway Bridge, eine Drehbrücke, auf die französische Seite der Lagune motort, um dort zu ankern. Ein dreist mitten im engen Fahrwasser ankernder hamburger Kat erschwerte allen vor der Brücke wartenden Booten das notwendige Rumkreiseln. Vorteil der Fahrt in den französischen Teil: Wir querten zwar den niederländischen Teil, mussten jedoch nur in Frankreich einklarieren und das geht ganz einfach digital. Per Dinghi sind wir dann noch schnell auf die holländische Seite, um dort ganz konventionell die Brückengebühren zu zahlen.

Die Zweistaaten-Insel Sint Maarten / Saint Martin war für uns eher ein notwendiger Boxenstopp und bietet, wenn man mal ehrlich ist, nicht ganz so viel unter touristischen Gesichtspunkten. Und da mir, Martin, gerade Segelfreundin Birgitta (Name vom Verf. geändert) nahegelegt hat, ich schwurbele in den Blogbeiträgen zuviel, halte ich mich zurück und lass mal bevorzugt die Bilder zur Zeit auf dieser Insel sprechen. Aber die Gute sei gewarnt, unter den Bildern schwurbele ich doch noch ein kleines bisschen. 😉

Shrimpy alias Michael „Mike“ Glatz, TO-Stützpunktleiter in Marigot, Saint Martin. Shrimpy ist ein echter Helfer für alles und jedes und vor allem ein wunderbarer Mensch. Er hat uns geholfen, indem er eine Paket-Sendung aus Frankreich annahm und bis zu unserer Ankunft einlagerte. Vielen Dank dafür. (Foto: Ulf Domke)
Das Paket, das Shrimpy für uns angenommen hatte, beinhaltete ein neues Spraycap für unser Cockpit. Man muss schon mit großer Bewunderung feststellen, dass das Spraycap, die der Zulieferer von Amel uns zukommen ließ, millimetergenau passte. Millimetergenau bedeutet, dass es schon eine ziemliche Würgerei war, bis das Ding an Ort und Stelle und so wie es sein sollte saß. Aber dann saß es absolut perfekt und flatterfrei. Und das immerhin 20 Jahre nach Auslieferung des Bootes ohne erneut Maß nehmen zu können! Nur die Perfix-Knöpfe (die weißen Plastik-Klipser hinten am Rand der Spraycap) haben wir gegen Loxx-Knöpfe getauscht, da wir in Deutschland vor Jahren auf diese umgestiegen waren.
Und nach einiger Zeit ein weiteres Highlight: Anke kann das von Ernst Looser (Tropical Sail Loft) passend gefertigte Bimini, die Fortsetzung des Spraycaps für das Cockpit, anzippen. Dass dies gewisse Glücksgefühle auslöst, kann man nicht übersehen. Um Ernst und anderen die Arbeit leichter und uns erreichbarer zu machen, sind wir nach wenigen Tagen in die Simpson Bay Marina umgesiedelt. Die einzige, in der wir noch unterkommen konnten.

Es ist ja schon erwähnt, dass unser Besuch hier vor allem eine Art „technischer Boxenstopp“ sein sollte. Dementsprechend standen Bootsarbeiten im Vordergrund des Daseins. Manchmal gekoppelt mit unvermeidlichen Wartezeiten, die uns Gelegenheit boten, zu entspannen oder auch mal einen Ausflug zu machen. Die folgende Tu-was-Liste ist ein Auszug, denn jeder Segler weiß es: Die Liste mit den unerledigten Aufgaben ist stets länger. ☹

Beispielhaft für die Bootsarbeiten hier ein Blick auf die Verkabelung des Lastrelais für das Bugstrahlruder. Sieht eindruckvoll aus, oder? Wenig später waren die Kabel mit einem nagelneuen Relais verbunden, und alles lief wie es sollte. Sehr zum Stolz von Martin.
Und hier ein Blick in die Verdrahtung einer der drei Klimaanlagen. Alles picobello. Anders sah es mit dem Seewasserkreislauf aus, der die Anlagen mit kühlendem Wassyer versorgt. Da mussten erhebliche Ablagerungen beseitigt werden. Hier half uns ein versierter und sehr zu empfehlender Klimaanlagenspezialist: Gavin (Gavin Enterprise), ein Einwanderer aus Guyana. Er fand auch heraus, dass der Ausfall der achteren Klimaanlage an einem defekten Timer lag. Na ja, es gab noch viel mehr zu tun …
Anke nutzt die Zeit für Rostbekämpfung und die Politur aller Edelstahlbeschläge. Eine häufig unbequeme Arbeit in unbequemen Haltungen.

Das Gute in diesem Zusammenhang, Sint Maarten / Saint Martin bietet ein großes Angebot an Ausrüstern und Fachwerkstätten für Segler: Motoren, Klimaanlagen und Kühlaggregate, Segelmacher, Rigger, Werftbetriebe, Bootsausrüster, metallverarbeitende Betriebe und anderes. Und freundlicherweise gibt es auch sonstige Versorgungsmöglichkeiten, wobei die Angebote im französischen Teil etwas französischer und vor alle auch etwas günstiger sind.

Einer unserer ersten Einkaufstouren führt uns zum Carrefour, der ironischerweise im holländischen Inselteil liegt. Es scheint gerade ein Versorger im Hafen angekommen zu sein: In allen Regalen des Carrefours wird geräumt, sortiert und hineingestopft.

So ein Einkauf beim Carrefour bedeutet für uns, mit dem Dinghi 5 Minuten an einen besonderen Anleger düsen und anschließend 15 Minuten Fußmarsch mit Handkarren. Derselbe Weg wird mit schwerst beladenem Karren zurück marschiert („Kapazität“ des Karrens: 80 kg). Der Mühe muss sich lohnen. Also wird viel eingekauft. Die Damen einer Kontrollstelle, die wir stets passieren müssen, freuen sich jedesmal über uns und den lustigen Karren und lachen uns zu. Mit dem Kauf ist es nicht getan. All das Zeug wird nun in einer Excel-Tabelle katalogisiert (Produkt, Gewicht /Masse, Anzahl und Verpackung, Verfallsdatum, Stauort im Boot) und anschließend verstaut. Darüber ist es meist schon dunkel geworden.

Auch das gehört zu den Alltagspflichten: der Besuch im Waschsalon. Anke hat bei der Gelegenheit in einer auf dem Weg liegenden Arztpraxis nachgefragt, mit überraschenden Folgen: Ich wurde zur weiteren Betreuung der großen Wäsche zum Waschsalon zitiert, Anke machte sich per Taxi auf nach Phillipsburg, um in einer dortigen Apotheke zwei von drei verfügbaren Dengue-Impfdosen abzuholen. Ich war so schlau, in der Arztpraxis rechtzeitig vorstellig zu werden, da Anke in einem Stau hängen blieb und konnte erreichen, dass wir noch nach offiziellem Praxenschluss geimpft wurden. Wir waren begeistert: Erstens – wo gibt es denn so was? Zweitens: Dieser Akt stand gar nicht in unserm Pflichtenkatalog.
Blauwassersegeln bedeutet viele Abschiede, jedoch auch überraschende Wiedersehen mit lieben Freunden. Einer unserer ersten Besuche galt Teddy, Cindy und Robert auf ihrer Juno, die in der Simpson Bay heftigst durchgeschaukelt wurden. Sie waren aus der Marigot Bay (französische Seite) wegen elender Rollerei hierher geflüchtet, nur um nach einer Winddrehung in den gleichen üblen Genuss zu kommen. Wir fühlten uns in unserer stillen Lagune weitaus besser aufgehoben.

Teddy ist ein ausgezeichneter Wachhund, nur leider kaum zu bremsen. Da helfen gelegentlich nur rigorose Zwangsmittel. Mit dieser Art Maulsperre reduziert sich sein Kläffdrang auf ein erträgliches Maß. Witzigerweise schaut er sehr betroffen, wenn Cindy mit dem Ding ankommt, aber dann fügt er sich in sein Schicksal und beruhigt sich auch sichtlich.

Einer unserer wenigen Ausflüge führt uns gemeinsam mit Cindy, Robert und Teddy ins französische Marigot, das in Teilen weitaus karibischer wirkt als wir es auf der holländischen Seite empfinden.
Unser Ausflug findet an einem Sonntag statt. Praktisch. Alle Geschäfte in Marigot sind geschlossen. Shopping unmöglich. Der Ort befindet sich im Ruhezustand. Ein Mittagsschlaf ist sicher das Richtige …
… In der Mittagshitze auf den Festungsberg zu steigen, kann logischerweise nur depperten Touristen einfallen. Wobei anzumerken ist, dass Cindy noch im Ort böse gestürzt ist, mit dem Kopf genau auf eine Bordsteinkante. Sonnenbrille zersplittert, blutender Schnitt im rechten Augenlid. Doch großes Glück, das Auge hat nichts abbekommen und der Schnitt ließ sich in den Griff bekommen. Und sie ist nach dem ersten Schreck wieder munter dabei.

Von der Festung ist nicht mehr viel erhalten. Man findet ein paar Kanonen und eine feine Aussicht.

Martin hat den höchsten besteigbaren Punkt des Festungsberges erklommen.
Über ihm die Trikolore.

Die Grünen Leguane (Iguana iguana) wurden eingeschleppt und haben die heimischen Arten weitgehend verdrängt. Charakteristisch für die Tiere, insbesondere die Männchen, sind eine ausgeprägte Kehlwamme und die auffallenden Höcker im Wangenbereich. Die Tiere können Längen bis zu 2 Meter erreichen.
Ein weiteres Wiedersehen konnten wir mit Steffi und Dirk feiern (Kat Malaika). Das letzte Mal hatten wir uns vor 1 Jahr auf den Kapverden gesehen.
Und wenige Tage später hieß es erneut Abschied nehmen.
Nahezu zeitgleich mit uns waren auch Lisa und Arjen in Sint Maarten eingetroffen. Mit einem gemeinsamen Mietauto erlaubten wir uns einen anstrengenden Tag kreuz und quer über die Insel.
Erster Halt war einer der höchsten Berge der Insel. Hinter uns Sendemasten, vor uns eine tolle Aussicht vom Pic Paradis. Die Anfahrt war etwas stressig, da uns der Anlieger des letzten Anwesens an der von uns genutzten Stichstraße die Zufahrt verweigern wollte. Er versuchte sogar uns und andere mit seinem Pickup rückwärts wer weiß wohin zurück zu drängen. Auf einer öffentlichen Straße! Tsss, tsss, tsss. Man kann ja verstehen, dass er von blöd parkenden Touristen genervt ist, aber so geht´s ja auch nicht.

Allen Sturm- und Drängversuchen zum Trotz, wir finden einen Stellplatz, finden den Pfad zum Gipfel und genießen die verschiedenen Aussichtspunkte, die der Berg bietet.

Dieser Baum war mal Bergstation einer Zipline, vermuten wir. Natürlich müssen wir ein wenig darauf herumklettern.

Unsere weiteren Wanderung auf Küstenpfaden brachte viele Begegnungen mit freundlichen Vierbeinern, sehr zur Freude von Lisa und Anke.
Ohne Schwurbel
Ein gelungenes Portrait ist nicht einfach möglich.
Einfach schöne Tiere
Ohne Schwurbel 2
Ein nettes Detail unterwegs. Der scheinbare gestielte Apfel sitzt auf dem Ende eines Kakteentriebs. Doch was ist das? Eine sich entwickelnde Frucht der Kaktee? Oder eine vom Zufall in diese Stellung vertriebene Frucht einer völlig anderen Pflanze? Es war irgendwie zu schön, daher hab ich es an Ort und Stelle belassen und nicht weiter untersucht.
Ohne Schwurbel 3 (mir fehlen offenbar die Worte)
Ohne Worte 😉
Die letzte, sehr holprige Etappe der Küstenwanderung.
Zunächst gar nicht wahrgenommen sinkt die Sonne doch ein wenig. Ich habe nur meine Sonnenbrille mit, und ab einem bestimmten Punkt merke ich, dass auf dem abschließenden, sehr steinigen Pfad die Trittsicherheit unter der zunehmend schlechterer räumlicher Sehfähigkeit leidet.
Flache Ankerbucht im Südosten der Insel. Wäre für uns schon eine Herausforderung, unsere Mago dort hineinzuschummeln.
Und wie schon öfter treffen wir uns mit den beiden auch an manchen Abend, vor allem um ‚Siedler von Catan‘ zu spielen. Diesmal hat Arjen, der gar kein Faible für das Essen hat – soweit es ihn betrifft – gekocht. Unverständlich aber perfekt: Er ist ein begnadeter Koch. Gespielt wird nach dem Nachtisch.
Abschiedsfoto. Das nächste Mal werden wir uns wahrscheinlich erst in den Niederlanden sehen. Die beiden wollen ihre Horizon verkaufen und nach Holland zurückkehren.
Das Beitragstitelbild macht es schon deutlich. Als Segler liegt man – vor allem wenn man im holländischen Teil der Lagune ankert – direkt unter der Flugschneise des Airports. Das erlaubt besonders im Abendlicht eindrucksvolle Momente, wenn der Adler seine Schwingen ausbreitet und sich in die Lüfte erhebt. Dies wird meist von einem zarten Getöse und Geheule begleitet, dass gelegentlich auch ein ganz klein wenig körperlich zu spüren ist. Good vibrations eben. Am anderen Ende der Rollbahn befindet sich der Maho Beach. Selten ist man startenden und landenden Flugzeugen so nahe. Frei übersetzte Botschaft auf dem Schild: „Der Triebwerksstrahl der startenden und landenden Jets kann schwere Verletzungen bis hin zum Tod verursachen.“ Niemanden schreckt es ab, obgleich der Sandstrand einem förmlich um die Ohren gepustet wird.

Wie man sieht: Niemanden schreckt es. Im Gegenteil. Es wird sogar nach Kräften posiert.
(Foto: Stephanie Winkler)

Und mit dieser Impression und einem Foto, das seinesgleichen sucht, verabschieden wir uns für heute.
Und bevor wir es vergessen – wir wünschen Euch schon mal Frohe Ostern!

Anke und Martin

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Tipps und Hinweise

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So spektakuläre Start- und Landeerlebnisse hatten wir nicht auf unserer ersten Weltumseglung. Dafür kamen wir in den Genuß eines ebenso spektakulären Flugs über das Auge des Villarica-Vulkans und – geradezu am anderen Ende der Welt – zum genussvollen Gleiten über dem Niltal im Ballon. Wir schildern dies und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

2 Gedanken zu „Saint Martin / Sint Maarten

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