USVIBVI

Zum Beitragstitel – USVIBVI. Keine Sorge, das ist keine neue, unbekannte, voll woke LPGBPVW-Abkürzung. Die Buchstabenkombination gibt es schon seit Langem. Was bedeutet, dass sie nicht gerade jungfräulich ist, obwohl sie dafür genaugenommen ja steht. ??? Wie meinen? Worum geht´s? Um die Jungfrauen-Inseln natürlich. Oft auch Jungfern-Inseln genannt, aber das klingt mir zu sehr nach alten Schachteln. Da ist mir die erste Variante bei weitem lieber. Nochmal im Klartext: Es geht um die US-amerikanischen (US-VI) und die Britischen Jungfrauen-Inseln (BVI). Es gibt auch spanische, aber die lassen wir jetzt mal links liegen, genauso wie den Umstand, dass auch Niederländer, sogar Dänen sich hier gelegentlich herumtrieben.


Der Ursprung des Namens dieser Inselgruppe ist recht profan. Kolumbus erreichte diese Inseln auf seiner zweiten Fahrt in die Neue Welt im November 1493. Wie der mitreisende Chronist Diego Álvarez Chanca berichtet, nannte er die größte Insel „Santa Úrsula“ die anderen „Las Once Mil Vírgenes“, die elftausend Jungfrauen. Was Kolumbus sich dabei gedacht hat, bleibt sein Geheimnis. Aber die Wortwahl bezeugt, dass er Jungfrauen und nicht alte Jungfern im Kopf hatte, sonst hätte er statt virgenes das wenig schöne Wort soltenoras gewählt. Wahrscheinlich erhoffte er mit solch verlockenden Namen einen steten Zustrom potentieller Kolonisatoren in seine (damals noch nicht bestrittenen sondern ihm als Vizekönig von königlicher Seite zugesprochenen) neuen Länder zu generieren.
Wir hatten nun weder Jungfrauen noch neue Ländereien im Kopf, eher ein paar nette Inselchen, an deren Gestaden wir ein wenig entspannt herumzigeunern könnten.



Doch alles spielt sich entspannt ab. Es gibt so gut wie keinen Versuch, etwas mit Macht an den Mann zu bringen. Im Gegenteil, die Verkäufer sind zurückhaltend, helfen aber gern, auch mit Auskünften, und bieten sogar mal ein Glas Wasser oder Cola an. Auch gibt es neben all dem, was die Auslagen im Eingang und Schaufenster prägt, weiter hinten in den tiefen Räumen durchaus auch andere Dinge. So kommt Anke schließlich ganz unverhofft zu Ersatz für ihre schon im Zerfall befindliche Sonnenbrille. Und da es günstige Optionen sind, kauft sie gleich zwei.
Hier wird einem blinden Musiker gestattet, sein Einkommen im Eingang eines Juweliergeschäfts zu generieren.






Es gibt zwischen all dem Gemäuer auch ein, zwei grüne Oasen.


Das Governors House, am Hang gelegen, überblickt es die große Bucht von St. Thomas. Wir streifen vorbei und wollen den Prinz-Frederik-Turm besuchen. Der Aufstieg ist eine dringend notwendige Übung für unsere schwachen Seglerbeine.


Noch zum Verständnis: Die Sklaverei war in den dänischen Besitzungen bereits 1848 abgeschafft worden, doch die Regeln für die Beschäftigung der ehemaligen Sklaven durch die Grundbesitzer blieben ausgesprochen restriktiv: So wurden viele Rahmenbedingungen einschließlich der Löhne von der Regierung festgesetzt, Kündigungen seitens der Arbeiter und Arbeiterinnen waren nur einmal im Jahr möglich. Eine Auflehnung gegen die Verhältnisse war mehr als berechtigt. Nach der Niederschlagung der Revolte von 1878 wurden 12 Todesurteile vollstreckt. Die drei Frauen wurden inhaftiert und 1882 nach Kopenhagen in ein Frauengefängnis überführt. 1887 wurden sie wieder nach St. Croix gebracht, um dort die verbliebenen Haftzeiten zu verbüßen. Anm.: Die Quellen sind leider etwas widersprüchlich, so dass Unsauberkeiten in unserer Recherche nicht ausgeschlossen werden können.


Kommt einem ja irgendwie bekannt vor, diese Gestalt, oder? Wichtiger ist eigentlich der große Knabe, der in die andere Richtung schaut. Er verkörpert den Piraten Blackbeard, der den Wachturm oberhalb des Stadtteils Charlotte Amalie angeblich nutzte, was aber nicht belegt ist. Seine Statue stand aber so im Gegenlicht, dass da nichts abzulichten war. Wie auch immer, Piratenromantik ist gut für den Tourismus. (Anm. Martin: Ich bin gespannt, ob man den somalischen Piraten in 100 Jahren auch solche Skulpturen widmen wird.)


Den Turm aus dem Jahre 1679, auch als Prinz-Frederik-Turm bekannt, oberhalb von Charlotte Amalie wollen wir jetzt nicht vorenthalten. Hübsche Idee: Der Pool davor. Von ihm aus hat man eine phantastische Aussicht. Und man muss nicht einmal Eintritt zahlen. Badeklamotten mitbringen, reinspringen und sich wohlfühlen. Wenn wir das gewusst hätten!
So sieht ein Mann aus, dem soeben mitgeteilt wurde, er sei zu fett, die Wendeltreppe auf den Prinz-Frederik-Turm weiter hinauf zu steigen. Er passe an den anderen Touristen nicht vorbei.
LÄCHERLICH!
Natürlich kam er geschmeidig an allen Hindernissen welcher Art auch immer vorbei.


Die Treppe der 99 Stufen, die den Wachturm mit dem Ortskern verbindet. Wir haben nicht nachgezählt. Aber andere: Es sind 103 Stufen!



Irgendwann war es gut in der Bucht bei Charlotte Amalie, zumal diese angeblich beste Bucht der Karibik ziemlich schaukelig war. Wir haben kurzerhand umgelegt in die Francis Bay auf St. John. Das bedeutet, wir haben mit dem Dinghi unterhalb des Bugs einer Megayacht, die den gesamten Tanksteg der Marina in St. Thomas blockierte, die Kanister für unseren Außenborder befüllt und sind am nächsten Tag aufgebrochen. Nach ein paar Meilen gab es Unmut seitens Anke, da ich ziemlich knapp am anderthalb Meter unter Wasser liegenden Packet Rock vorbeischrammelte. Das wirklich Spektakuläre an der knappe 14 Seemeilen langen Etappe ist die Passage der Enge zwischen Current Rock und Great Saint James Island. Wir beobachten andere Sportboote und Motorboote und kommen schließlich zu dem Schluss, dass Tide und die Strömung mit uns sind und wir diese Abkürzung nutzen können, ohne die gefürchteten Bedingungen anzutreffen, die es geraten lassen, auf eine Passage zu verzichten. Das Wasser wird dann auch etwas kabbelig, unsere Fahrt über Grund steigt um knapp 2 Knoten an, doch alles in allem haben wir tatsächlich eine gute und ruhige Phase erwischt.
In der Francis Bay nehmen wir eine Boje. Die kostet 26 USD am Tag und man zahlt digital oder mit einem von der Nationalparkverwaltung vorbereitetem Umschlag, in den man die Dollars und ein kleines Formular steckt, und den man dann in einen kleinen Zahlbriefkasten auf einem kleinen schwimmenden Ponton stopft. Man muss mit einem bereithängendem Stopfer stopfen, sonst bekommt man den Umschlag nicht rein. Hintergrund: Niemand soll in der Lage sein, das Gestopfte wieder herauszupulen.








Mit dieser Echse haben wir mal wieder unsere liebe Mühe. Es gibt mehrere Spezies mit einem hellen Rückenstreifen, und wir haben noch keine überzeugende Antwort gefunden, welcher Art wir hier wirklich begegnet sind.



Und nochmal begegnen wir dieser Echse. Auch diesmal wieder die Bitte, wenn Ihr eine Idee habt, was hier herumkrabbelt, dann gebt uns doch bitte eine Nachricht. Wir freuen uns sehr.



Nach der unvermeidlichen Bürokratie gehts weiter in die doppelte Lameshur Bay. Wir können in der Little und in der Great Lameshur Bay zwar keine der Standardbojen erhalten – alle belegt – doch es gibt noch zwei Bojen für große Yachten. Irgendwie ist unser Boot dann ganz schnell gewachsen und alles war gut, zumal die Liegegebühren eh identisch waren. Leider ist das Wetter nicht gerade das, was man sich unter karibisch vorstellt. (So falsch können Vorstellungen sein.)
Anke leert die „Regentaschen“ die sich so gerne auf unserem Bimini bilden.


Der Vollmond zeigt uns, dass die Regenwolken schwinden.
Mit Vollmond und der Vorfreude auf den kommenden Morgen gehen wir in die Kojen.
Und stellen an dieser Stelle fest, dass bis hierhin von den USVIBVI nur die ersten, die US-amerikanischen Jungfrauen-Inseln in diesem Blogbeitrag vorgekommen sind. Da müssen wir wohl noch was hinterherschieben.
Fair winds wo auch immer Ihr Euch gerade befindet,
Martin und Anke
***
Tipps und Hinweise
In letzter Zeit gab es etwas Bewegung auf unserer Flohmarktseite. Wer Interesse daran hat, und das eine oder andere vielleicht gebrauchen kann: unter folgendem Link geht´s zum Flohmarkt: https://www.sy-magodelsur.de/flea-market/
—
Vor längerer Zeit hatten wir Bemerkungen zu Lithium (-Batterien) unter den → Technik Tipps eingestellt. Vor wenigen Tagen haben wir diesen nun eine ergänzende Zeichnung zur Lithium-Installation an Bord der Mago del Sur zur Seite gestellt, → die man mit einem Klick auf diese Zeile einsehen und abrufen kann.
—
Bisher war es aufwendig, auf ältere Blogbeiträge zuzugreifen. Das haben wir geändert. Auf der Seite REISE(N) befindet sich nun als erster Unterpunkt der Zugriff auf alle bisherigen Blogbeiträge, chronologisch gelistet. Einfach auf → Alle Blogbeiträge klicken.
—
Noch nicht wahrgenommen? Unsere Seite besitzt eine Abo-Funktion: Wer in Zukunft keinen Beitrag verpassen will, kann den Blog abonnieren, → und das geht mit Hilfe der Seite Kontakte, oder indem man – ganz einfach – hier klickt.
—
Königinnen sind wir auf unnserer letzten Reise nicht begegnet, wenn man mal der von der Queen Elizabeth II absieht, die wir an den Kais von Lissabon sahenn. Aber es gibt Stimmen, die behaupten, Martin sei im Pazifik ernsthaft mit einer Meerjungfrau, einer Nixe kollidiert. Wir schildern dies und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. → Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.
Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.
Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.
Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“
