Oh wie schön ist Culebra!

Oh wie schön ist Culebra!

Bei all unserem (folgenden) Gejammer, Culebra hat seine schönen Seiten. Fast einsame, teils sehr schmale Strände mit ganz eigenem Charme.

Anke wird eine ziemlich andere Wertung hinsichtlich der Schönheit Culebras abgeben. Schließlich gab es da nicht allzuviel zu unternehmen, was in gewissem Umfang auch unserem Phlegma zuzuschreiben war, aber es gab wirklich nicht allzuviel, und irgendwie kamen wir wetterbedingt zunächst auch nicht so vorwärts, wie gedacht. So ankerten wir ein wenig tatenlos in den Buchten Culebras herum. Mir, Martin, kam das sehr entgegen, denn ich bekam endlich mal ein paar Tage, die ich wenigstens partiell wie Urlaub mit Nichtstun empfinden konnte. Stundenweise also. Oh wie schön erschien mir Culebra!

Der Ort, in dem die meisten Einwohner der Insel wohnen, hat keine Besonderheiten zu bieten, also ist er von uns ziemlich achtlos ignoriert worden. Was mich im Nachhinein ein wenig wurmt, denn es wäre doch lohnend, zu versuchen, die Bedeutungslosigkeit, Farblosigkeit, das Kleine, das Alltägliche einzufangen. Mir kommt der eine oder andere Begriff schon ein wenig hart vor. Die glücklichen Touristen hier werden wahrscheinlich andere Empfindungen beim Inselbesuch verspüren. Als kleine Wiedergutmachung leuchtet uns daher ein hübsches, farbenprächtiges Kunstwerk als Blogtitelbild entgegen, eine Meerjungfrau, die eine Hausfassade schmückt. Mehr soll hier nicht gesagt werden. Bei den Bildern, die nun folgen, wird gewöhnlich eh genug getextet.

Die Sonne wird gleich über den Wolken erscheinen. Morgenstimmung in der Ensenada Honda im Süden von Vieques. Wir tuckern langsam in Richtung Barre, die die Bucht gemeinsam mit Riffen und kleinen Inselchen vor den Unbilden von Schwell und Welle schützt.
Frisch gebrühter Kaffee steht in den Thermosbechern bereit, die Sonne schickt von achtern erste wärmende Strahlen ins Cockpit. Wenn wir erst einmal aus den geschützten Wassern raus sind, wird es anders aussehen. Sonne und Sonnenreflexe werden blenden und eine Sonnenbrille ist unverzichtbar, wenn man spätere Kopfschmerzen vermeiden will.
Frischer Wind treibt uns jenseits der Ostspitze von Vieques flott voran nach Norden. Martin genießt das Gestrudel der Hecksee.
Wir nähern uns der Ensenada Honda – eine „Große Bucht“ gibt es auch auf Culebra. Hier ist es sogar eine besonders große. Da der Wind passt, segeln wir nur unter Genua – wollen ja nicht zu schnell hereinrasen – bis dicht an den angestrebten Ankerplatz.
Ein Kanal verbindet die „Große Bucht“ von Culebra mit dem Meer westlich der Insel. An den Ufern bedinden sich etwa zwei Hotels, zwei Restaurants, eine Werft und ein Dinghi-Anleger. Der gehört zu Milka, einem kleinen Supermarkt.
Supermarkterkundungen sind Pflicht für uns, denn man muss immer davon ausgehen, dass man plötzlich bestimmte Lebensmittel, besonders frisches Gemüse, nicht bekommen kann. Eine erste Supermarkt-Erkundung im Kernort liegt schon hinter uns. Dort gab es so gut wie kein frisches Gemüse, eine gewisse Auswahl an wesentlichen Dingen, dafür aber Einlasskontrolle, vorher wurde die Tür erst gar nicht geöffnet, sowie Maskenzwang. Die Betreiberin fürchtete um die Gesundheit der stets im Supermarkt anwesenden, sehr betagten Mutter. Und was hat das Foto oben mit einem Supermarkt zu tun? Nun, hier eine weitere Besonderheit: Wege zu Supermärkten können eigenartig sein. Die Verbindung von Dinghianleger und Milka: Ein rumpeliger Pfad, an einer Katzenfutterstelle vorbei, insgesamt zugleich Hühnerlaufstall, auch wenn gerade alle ausgeflogen sind und hier und da auch Hundeklo. Multifunktional also.
Nicht verwirren und irritieren lassen. Das ist der Eingang des Milka-Supermarktes.
Kühlschränke für Frischmilch, Eier und alles mögliche. Echte Frischware ist selten.

Nicht vom etwas rumpeligen Eindruck abschrecken lassen. Es lohnt die Gänge zu durchstreifen und die Nebengelasse nicht auszulassen. Das Besondere am Milka: Er hat in einem der Nebengelasse eine Theke mit Frischfleisch. Die zeigt ein durchaus wechselndes Angebot, je nach Verfügbarkeit eben, doch die Fleischqualität ist ausgezeichnet. Daher soll das hier geradezu werbend erwähnt werden. Auch sonst ist das Angebot für einen derart kleinen Supermarkt auf so einer doch eher abgelegenen Insel außergewöhnlich umfangreich.Und das Wechselgeld wurde sogar großzügig zu meinen Gunsten gerundet.

Brückenmotiv im Abendlicht?

Nach dem Einkauf zurück zum Dinghi. Der Multifunktionspfad ist sogar gesichert und der Zugang kann abgeschlossen werden!
Der Kanal mit Dinghianleger und Hotel samt Restaurant und Bar. Gleich daneben beginnen die Mangroven. Dank der hiesigen Preise – endlich mal welche, die dem schlechten Ruf der Karibik gerecht werden – ist der Einkauf bescheiden ausgefallen, wie das Beutelchen in Martins Linker verdeutlicht, nur etwas grounded meat, etwas Hackfleisch. Man lernt überlegt zu kaufen und so, dass später möglichst nichts weggeworfen werden muss, weil es verdorben ist.
Apropos Bar, da gab es so etwas an der parallel zum Ufer verlaufenden Hauptstraße. Etwas skurril doch womöglich treffend dekoriert. Jedenfalls war nix los. Das mag aber auch an der falschen Tageszeit gelegen zu haben.
Da haben wir doch das Dinghi Dock Restaurant bevorzugt, das natürlich auch einen Barbetrieb hat und eine gern wahrgenommene Happy Hour. Zu dieser Zeit stets brechend voll. Und Warteschlangen an der Straßenseite. Wir fragten einen der Angestellten und erfuhren, die meisten auf der Straße wollen zum abendlichen Dinner kommen, erwarten aber, dass es erst spät, d.h. ab neun Uhr beginnen könne. Um neun schließt jedoch die Küche. Es wär den heimischen Gästen irgendwie nicht zu vermitteln, dass das Warten auf freie Plätze für diese späte Uhrzeit nicht lohnt.
Mit Arjen und Lisa zum Dinner im Dinghi Dock Restaurant. Seelenverwandtschaften tun sich auf. Kleinmengenverzehrer, die ihren Teller nie aufessen und stets ein Doggi-Bag benötigen (Arjen und Anke) und stets hungrige Geister (Lisa und Martin).

„Wie soll ich das bewältigen?“ Ausgerechnet Arjen und Anke haben sich Spareribbs bestellt. Ordentliche Rinderrippen. Die stellen was dar. Da ist was dran. Da könnte Mann (Lisa einbegriffen) zwei Tage von zehren, Kleinmengenverzehrer kommen auch drei Tage damit aus. 😉 Die Größe der Portion kommt auf dem Foto gar nicht raus.

Lisa und Martin sind jedenfalls begeistert, brauchen sie doch keine Sorgen wegen womöglich auftretender, nächtlicher Hungergefühle haben. 😊

Es wurde ja schon angedeutet, dass das Wetter und natürlich die Winde die Gründe für unseren langen Verbleib auf Culebra waren. Es hat mal wieder geschüttet. Mit Folgen, ein feiner Regenbogen und …
… eine Katastrophe, da wir leider die Seitenluke über der Pantry vergessen hatten. Ein fataler Fehler. Nicht nur der heftige Regen suchte den Weg durch diese einladende Öffnung, sondern vor allem jede Menge abfließendes und abtropfedes Wasser vom Deck und Rigg. Wasser sucht ja bekanntlich seinen Weg. So hatte es die Wandverkleidungen hinterströmt und drei „Stauräume“ geflutet: Ein großes Dosen- und Vorratsschapp, ein Schubladenschapp für Kartoffeln, Zwiebeln Knoblauch sowie ein Bilgensegment, in dem wir Säfte, Milch und Speiseöl lagern. Martin legt gerade das Bilgensegment trocken, das zu allem Überfluss auch noch Verbindungen zu Nachbarsegmenten hat.
Die Inhalte des Bilgensegments und des sogenannten Schapps 48 gestapelt im Salon. (Dies ist ein Ausschnitt, claro!) Bei uns sind die meisten Stauräume durchnummeriert und deren Inhalte wiederum in Excel-Tabellen erfasst, säuberlich getrennt nach den Kategorien Lebensmittel, Medizin, Sicherheit, Signalmittel, Sonstiges. Es gibt auch noch eine Liste Stauräume, sonst käme man ja gleich durcheinander, gelle? Martin nutzt die Gelegenheit für eine Inventur. Das hat ihm so viel Freude bereitet, dass er kurz darauf und angeregt durch eine Umfrage des Trans-Ocean e.V. angefangen hat, eine komplette Werkzeugliste zu erstellen.
Lohn der Mühe, eine seiner beiden letzten Havannas.
Selbstverständlich ist auch Anke fleißig und widmet sich anderen Reinigungsaufgaben. Wobei die häufigen Niederschläge das Finish mancher Arbeiten stets aufs Neue erschweren.
Einen Einkaufsversuch unternahmen wir auch auf der anderen Seite der Ensenada Honda. Dort gibt es der Buschtrommel nach bei D´s Garden besonders gutes Gemüse und Obst. Wir suchen lange nach einem geeigneten Dinghi-Anler und sind schließlich enttäuscht. D´s Garden ist zwar hübsch anzusehen, doch der Schwerpunkt des Geschäfts ist der Verkuaf von allen Dingen, die man so im Garten braucht. Gemüse und Obst sind eher Beiwerk, und wenn man genau hinschaut, kommt fast alles aus den USA und Kanada, ist gekühlt … und daher für uns nicht interessant. Selbst die Qualität erschien uns bei Milka besser. Anke besteigt nach bescheidenem Einkauf das Dinghi.
Anke hat nach all dem bescheidenen Wetter einen Sonnentag erkannt. Nichts wie hin an einen Strand. Dank ufernaher Gehölze perfekt: Gern angenommener Schatten, gern angenommener Garderobenständer.
Märchenhaft.
Man braucht gar nicht schnorcheln, um das marine Tierleben wahrzunehmen. Vorsichtiges Gehen im flachen Wasser genügt: Ein Barrakuda – wir haben ihn nach Betrachtung aller Fotos als Südlichen Barrakuda (Sphyraena picudilla) eingeordnet. Interessant zu sehen, dass dieser hier stets ganz eng von einem kleinen Schützling, wie es schien, begleitet wurde, bei dem es sich eindeutig nicht um einen Barrakuda handelte.
Ebenfalls im knöcheltiefen Wasser aufgespürt. Ein jugendlicher Schulmeister-Schnapper (Lutjanus apodus). Trifft man auf ein adultes Tier, würde man kaum glauben, dass es sich um die gleiche Art handelt. Wie bei vielen anderen Fischarten auch. Die Tierchen können bis zu 60 cm erreichen, doch dieses Fischlein hier maß gerade etwas über 20 cm.
Wir sind diesen Trieben nicht mehr nachgegangen. Und nachgegraben haben wir auch nicht. Doch sie haben unsere Aufmerksamkeit erweckt: Eine stille Inbesitznahme des Strandes seitens der strandbegleitenden Gehölzbestände..
Karte von Culebra, dem äußersten östlichen US-Territorium von Puerto Rico. Die Sternchen markieren unsere Ankerplätze, wobei der auf Culebrita für uns nur ein Tagesankerplatz war. Durch Außenriffe traumhaft geschützt dagegen die Bahia de Almovodar. (Quelle: Google Earth, download vom 10.02.2026, bearbeitet vom Verf.)
Wir liegen in der nördlichen Bucht von Culebrita. Auch hier schützen die Riffe.
Ruckzuck sind wir an Land, haben uns mit Lisa und Arjen zusammengetan und wandern zum Leuchtturm. Gut, dass er ausgeschildert ist. Wobei die Zeitangaben für Trailläufer gelten dürften, nicht für schlappe Segler wie uns.
Oh wie schön schattig ist Culebrita.
Nachdem der Pfad zunächst durch schattenspendendes Buschwerk führte, dürfen wir dann doch üppig schwitzen.
Angelangt am Ziel, dem Leuchtturm auf der höchsten Erhebung von Culebrita thronend.

Eine spannende Ruine. Da sie sich in einem Nationalpark befindet, besteht wohl kaum eine Chance, sie wieder zum Leben zu erwecken. Bereits der Aufenthalt auf den Stränden ist nach 18:00 untersagt. Keine Chance, dieses Leuchtturmensemble neu zu nutzen.

Arjen auf der Suche nach Aufstiegsmöglichkeiten.

Hier gab es die mal, die Aufstiegsmöglichkeiten, doch die Nutzung der Wendeltreppenfragmente erscheint ziemlich fragwürdig bis riskant, also wird schweren Herzens verzichtet.

Doch dann, der ziemlich profane Ersatz: Oben in der Mitte leuchtet es, der Rest ist Wetterstation, und schon ein wenig vom Einfluss der Naturgewalten gezeichnet. Martin ist bei genauem Hinsehen oben zu ahnen, und wenig später war Arjen auch da oben zu sehen. Irgendwo musste man ja mal raufklettern.

Rückblick vom neuen Turm auf den doch sehr viel schöneren alten Turm mit Wärterhäuschen. Im Hintergrund zu ahnen: die Ankerbucht.

Immer schön auf den Überblick achten!
Damit verabschieden wir uns mit lieben Grüßen

Martin und Anke

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Tipps und Hinweise

Da wir bei der Vorbereitung zur Anreise nach Puerto Rico viel Widerspüchliches und auch Unzutreffendes zusammengetragen hatten, haben wir einen kleinen Beitrag mit unseren aktuellen Erfahrungen bzgl. der erforderlichen Formalitäten bei der Anreise mit dem eigenen Boot zusammengestellt. Bei Interesse unseren kleinen Aufsatz zur Einklarierung in den USA lesen und daher hier klicken.

Vor längerer Zeit hatten wir Bemerkungen zu Lithium (-Batterien) unter den Technik Tipps eingestellt. Vor wenigen Tagen haben wir diesen nun eine ergänzende Zeichnung zur Lithium-Installation an Bord der Mago del Sur zur Seite gestellt, die man mit einem Klick auf diese Zeile einsehen und abrufen kann.

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Leuchttürme haben für den, der auf dem Meer unterwegs ist, einen eigenen Reiz. Sie können Sehnsüchte und Gefühle auslösen, mitunter so stark, dass in alten Zeiten arme Schiffer vom vermeintlichen Leuchtfeuer, das Stranndpiraten entzündet hatten, in den Untergang gelockt wurden. Wir schildern dies und vieles mehr in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

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