Zwei Rückblicke auf die US-VI’s sollen noch sein. Hier die Lameshure Bay, unser Absprungsort zu den BVI, wie sie sich dem Ankommer aus Westen darstellt …… und ein kleines, schwimmendes Dinghidock, auf dem man die Bojengebühren bezahlt. Zu diesem Zweck findet man in dem dunkelgrauen Kasten Informationen für eine Online-Bezahlung und Umschläge, für eine Barbezahlung. In letzterem Fall steckt man den gefüllten Umschlag in einen sehr engen Schlitz oben an der Säule. Man muss mit einem an der Säule hängenden Stopfer ziemlich stopfen, damit der Umschlag auch wirklich drin ist. Der, vor allem sein Inhalt, soll ja nicht flüchtig werden. Im Hintergrund unsere Mago del Sur.
Nach dem kleinen Rückblick, man könnte auch von einem holprigen Beginn des Beitrags sprechen, lassen wir zunächst eine Handvoll Bilder sprechen. Auch, da wir auf den BVI’s, den British Virgin Islands, nicht allzuviel Zeit hatten. Ein Wetterfenster für die Passage gen Osten nach Sint Maarten zeichnete sich als Folge eines massiven nordatlantischen Tiefdruckgebiets ab, das hier auf den Großen Antillen vorübergehend Nordwinde bescheren würde. Und erst im Nachhinein erkannten wir, dass unsere Überlegung, diese Chance zu nutzen, goldrichtig war. Es war in diesem Jahr die vermutlich letzte Chance, mit halbwegs passenden Winden gen Sint Maarten zu segeln. Langer Schreibe kurzer Sinn: Erst einmal Bilder, um danach noch ein wenig Text beizutragen.
Teils um Schäden an Unterwasserflora und -fauna zu vermeiden, teils weil es einfach zu tief ist, halten viele Nationalparks Festmachbojen bereit. Anke hat soeben die Boje rechts von unserer zweiten Leine (wir benutzen zur Sicherheit immer zwei Leinen) gleiten lassen. Auf geht´s Richtung BVI’s.Flotte Fahrt auf der ÜberfahrtWir gönnen uns noch einen kleinen Schnorchel-Stopp, sind aber wieder einmal unglücklich, da das Wasser ziemlich trübe ist. Beschließen daher nach kurzer Zeit, weiterzugehen …
… was heute eine Freude ist (Womit dezent angemerkt ist, dass Segeln nicht immer eitel Freude und Sonnenschein bedeutet)
Anke freut sich und genießtAnkes Perspektive 1Ankes Perspektive 2Bei naher Perspektive knittert auch ein neues Segel.Nur wenige Stunden später. Im kleinen Örtchen bei der Bucht mit dem Namen Sopers Hole klarieren wir ein. Haben Glück und finden exakt gegenüber dem vermutlichen Behördengebäude eine Muring-Boje. Es gibt auch einen Dinghisteg, aber nicht bei den Behörden, sondern etwas abgesetzt. Müssen also ein paar Schritte laufen. Und dann stehen wir an der Straßenfront. Und rätseln. Wo müssen wir rein? Kein Schild, nichts, gar nichts, was auf irgendeine Behörde hinweist. Aber wir sind richtig, wie uns eine Dame am Fährschalter erklärt. Da, die Tür unter dem Pfeil. Öffnen und reinschlüpfen. Drinnen befinden sich Schalter von Customs, Immigration und Port Authority und außerdem eine Zahlstelle. Die Leute dort sind effektiv bei ihrer Tätigkeit, jedoch nicht unfreundlich, wie allenthalben behauptet. Wobei man sich allerdings fragt, ob die Kooperation zwischen den vier Stellen optimiert werden könnte. So flitzen wir hin und her, einmal übernimmt sogar ein zufällig anwesender, heimischer Charterskipper einen gebäudeinternen Botendienst für uns, und dann sind wir eingereist. Hat trotz allem Hin und Her nur 35 Minuten gedauert.Moderne Zeiten: Vorbereitung der Einklarierung bei der Zollbehörde mittels Sailclear. Was machen die Segler, die kein Internet an Bord haben? Verwunderlich andererseits, wenn man alles online abwickelt und dann doch persönlich bei den Behörden, in der Regel Zoll, Immigration (Einwanderungsbehörde) und Hafenkapitän vorsprechen muss.Nun offiziell in den BVI’s unterwegs steuern wir durch einen Pass Richtung Jost van Dyke. Da es sich nur um wenige Meilen handelt, setzen wir gar nicht erst die Segel. Ach so, vielleicht sollten wir erwähnen, dass Jost kein Holländer ist, wie man vermuten könnte, sondern eine Insel.Im Pass strudelt und kabbelt es, doch solche Bedingungen kann man meist nicht realistisch fotografieren. Für uns sieht es zeitweise so aus, als würden wir auf ein flaches Riff laufen. Doch das Wasser ist mehr als ausreichend tief, es strudelt halt nur so und kabbelt, was ja schon gesagt ist. Der Anker fällt in der Garner Bay. Zu der wir nicht viel zu berichten haben, außer dass man an Murings festmacht und in einer der zwei Kneipen für die Muring zahlt.Am nächsten Tag. Das karibische Wetter kann auch anders. So …… Zwischenzustand, die dunklen Wolken werden vom Winde verweht …… oder so. Wir nähern uns dem North Gorda Sound.Im Gorda Sound gibt es Ecken, da erfüllt sich endlich mal unser Karibik-Klischee: traumhaft, touristisch, teuer. 😉Und prominent gelegen ein kleines Felseneiland, Saba Rock genannt, auf dem der Platz für ein Hotel mit Restaurant und ein klein wenig drum herum reicht. Bei dem Namen Saba muss man – um Missverständnisse zu vermeiden – sich stets vergegenwärtigen, dass dieser Name in der Karibik mehrfach vergeben wurde.Ein wenig schnorchelten wir auch zwischen den Inseln, doch irgendetwas ging schief. Die meisten Bilder (Dateien) sind, warum auch immer, verloren gegangen. Unter anderem ein eindrucksvoller Krake und ein sehr farbenfroher Squid. Doch so ist das Schnorchlerleben manchmal.Dennoch gab es ein paar schöne Ergebnisse. Trotz der trüben Aussichten. 😉 Ein Schwarm Franzosen-Grunzer (Haemulon flavolineatum)Wie stets beeindrucken uns die Fächerkorallen. Schön zu ahnen, wie schnell das trübe Wasser den Blick in die durchaus noch sehr nahe Ferne unmöglich macht.Das dürfte ein Streifen-Doktorfisch (Acanthurus chirurgus) sein. Die Tierchen sind nicht ganz ungefährlich, denn sie tragen an der Schwanzwurzel skalpellartige Hornklingen, die wirklich messerscharf sind, wie Martin vor Jahren einmal erleben durfte.Das war bei diesen Schnorchelgängen die vielleicht beeindruckendste Begegnung. Ein Amerikanischer Stechrochen (Dasyatis americana), der nicht vor uns flüchtet, sondern sich im Sand eingräbt.Ein ziemlich blasser Sandtaucher-Eidechsenfisch (Synodus intermedius). Die Art kann ihre Färbung dem Untergrund anpassen.Immer wieder gern gesehen: ein Roter Seestern. Vermutlich Pulia horridia.Durchaus erfreulich: aus unerfreulichem, angeschwemmten Müll kann man Land Art gestalten.Klar, dass wir die Genüsse dieses Felsens genießen wollen. Wie man sieht, ist an alles gedacht.Der Balkon der Bar in der Etage des Hotels bietet entspanntes Dasein verbunden mit traumhafter Aussicht.Aussicht auf die vom Sonnenuntergang hervorgezauberten Farbenspiele auf der Wasseroberfläche.Unmittelbar vor dem Hotel bzw. der kleinen Uferpromenade des Hotels warten Tarpune (Megalops atlanticus) auf Essensreste, die wie selbstverständlich auf sie herabregnen. Wenn man genau hinschaut, sind bei einigen Schiffshalterfische zu erkennen. Bei letzteren dürfte es sich um Weißflossen-Schiffshalter (Echeneis neucratoides) handeln.Aussicht auf die Anlieferung fangfrischer Gelbflossenthune (Thunnus albacares) und Wahoos (Acanthocybium solandri) für die Küche – wenn wir es richtig gesehen haben vom hoteleigenen Fischerboot angeliefert. Frischer geht´s nicht.Eine verlockende Aussicht …… die Martin zu einem Thun-Tartar verführte. Das Tartar kommt hier nicht recht zum Ausdruck, doch Martin legt Wert auf die Feststellung, dass es eines der besten war, die er je genossen hat. Und er ärgert sich noch heute, dass er nicht sogleich seine Geschmackseindrücke notiert hat, um die begleitenden Beigaben zu analysieren.Und Anke hatte sich eine Pulpo-Ceviche bestellt, die noch sensationeller war als das Tartar. Und das will was heißen, sind wir doch von Peru hinsichtlich einer Ceviche nicht nur verwöhnt, sondern geradezu verdorben.Gelle?!Und all die Genüsse mit einer stimmungsvollen Aussicht. Martins Fazit: Die BVI’s sind zwar echt teuer, aber endlich hatte er das Gefühl, dass Entspannung und Karibik so kombiniert auf ihn einwirkten, dass es seinen (ach so) weltfremden Vorstellungen der Karibik entsprach.Und nicht nur das. Endlich entdeckte Martin in dieser Bar mal wieder Details, die er so liebt. Alles klar? Und nun noch eine Herzensangelegenheit: Mein guter Dietrich, hast Du hier auch mal einen Deiner karibischen Sundowner genossen? Ach, und dann war da noch dieses Riesenviech. Eine Karibik-Languste (Panulirus argus). Die Antennen hatten eine sagenhafte Spannweite von über einem Meter!
Nach einer problemlosen Ausklarierung in Spanish Town, im Gorda Sound ist das nicht mehr möglich, machten wir noch einen schnellen Abstecher zwei Meilen südwärts zur Spring Bay, unter Seglern besser bekannt als The Bath, nur um festzustellen, dass das Liegen dort selbst an einer Boje mehr als ungemütlich war. Gegen den einstehenden Schwell war nichts zu machen. Außerdem gefiel uns die unvermeidbare Leegerwall-Situation nicht. So zockelten wir wieder zurück in den Gorda Sound und suchten nach reiflicher Überlegung Schutz gegen die ungewöhnlicherweise aus West wehenden Winde östlich der … auf dem sogenannten Drakes Anchorage. Der Platz besticht auch, da er gegen von Norden einstehenden Schwell durch vorgelagerte Riffe schützt. Eigentlich erstaunlich, dass hier nicht mehr Yachten ankern. Als unser Anker fiel, waren wir die einzigen. Dann kam ein Kat, und etwa anderthalb Stunden nach uns auch die Santa Maria Australis.
Bei The Bath konnten wir Schauer als Dusche nehmen, aber sonst war das nicht das, was wir uns erhofft hatten. Also fiel die Entscheidung leicht, die soeben aufgepickte Muringboje wieder zu slippen und zurück in den North Gorda Sound zu laufen.
Wir hatten diese Reinke Duo schon bei Spanish Town vor Anker gesehen und die Crew prompt an den Schaltern der Ausklarierungsbehörden getroffen. Natürlich waren wir sofort ins Gespräch gekommen, zumal wir vermuteten, dass wir das Eignerpaar kannten. Und so war es auch. Vor uns standen Jeanette Talavera und Wolf Kloss, die seit mehr als 30 Jahren in Puerto Williams beheimatet sind und von dort aus Chartertörns in Feuerland, Patagonien und in die Antarktis anbieten. Im Südsommer 2006/07 hatten wir uns kennengelernt.
Nachdem der Anker der Santa Maria Australis gesetzt war, gab es schnellen Funkverkehr, und wenig später saßen wir für gemütliche und angeregte anderthalb Stunden zusammen. Mehr wollten wir uns nicht gönnen. Die beiden mit ihrer Crew aus zwei Anhaltern und einer Freundin hatten eine sehr anstrengende Gegenwindpassage von Sint Maarten hinter sich, und wir wollten am nächsten Morgen so früh wie möglich exakt entgegengesetzt auf die gleiche Route gehen. Wer Interesse an einer Reise mit der Santa Maria Australis in antarktischen Regionen hat, der kann sich unter dem folgenden Link informieren: →https://santamariaaustralis.com/de/
Nach nicht ganz zwanzig Jahren sitzen wir wenistens kurz zusammen mit Jeanette und Wolf von der Santa Maria Australis.
Frühes Aufstehen. Es ist noch dunkel, als wir uns durch die Fahrwasser-Tonnen aus der Bucht rausfummeln. Das ist an sich nicht problematisch, nur die Zahl und auch die Standorte stimmen nicht mit unseren Seekarten überein. Und die Tonnen sind schlecht zu sehen – findet Martin.
Endlich raus beginnt der Schlag mit supertollem und schnellen Segeln. Halber Wind mit leicht raumer Komponente. Wir laufen in Spitzen bis zu 10 Knoten. Das wäre ja Wahnsinn! Wäre es. Doch der Wind schralt nach einiger Zeit. Er schralt viel zu viel – das ist gar nicht angesagt – und wir können den Zielkurs nicht halten. Irgendwann herrscht sogar Gegenwind / Ostwind. Nord war aber angesagt. Glücklicherweise ist die Ostwind-Phase nach überschaubarer Zeit vorbei und es weht wieder etwas nördlicher. In einer Schwachwindphase schummeln wir, heißt, wir motoren. Dann segeln wir wieder, wenn auch nicht auf unser Ziel zu, sondern einige Grad südlicher. Überlege mir halbstündlich neue Auffanglinien für einen Kreuzschlag. Dann schummeln wir erneut, alles andere macht keinen Sinn, um noch bei Tageslicht anzukommen, schließlich kennen wir die Ankerbucht vor Sint Maarten nicht.
Das wäre letztendlich nicht nötig gewesen. Die Simpson Bay ist riesig. Unser Anker sitzt schließlich mit dem letzten Büchsenlicht und wir trinken einen Sherry auf unsere Ankunft.
Das Wetter ist nicht prall, doch zunächst erlaubt der Wind superschnelles Segeln in Richtung Sint Maarten.Martin hat die Angelleine rausgelassen und einen schönen Barracuda gefangen. Der wird auch schnell mit Hilfe von Wodka und einem gezielten Stich gemeuchelt. Das Tier soll ja nicht lange leiden. Doch das war ein großer Fehler, denn wir stellen fest, dass man in dieser Gegend keine Barracudas essen soll. Eine Ciguatera-Infektion ist hier ein großes Risiko, ganz besonders bei den am Ende der Nahrungskette angesiedelten Barracudas. Wir haben das arme Tier völlig umsonst gefangen und getötet.Es dämmert, aber wir werden Sint Maarten wohl gerade noch mit letztem Tageslicht erreichen.Kurz vor dem Ziel begrüßen uns Delphine.
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Wir leben mit dieser Reise ein für viele Menschen sicher privilegiert scheinendes Leben. Doch letztlich ist dies ein Leben wie jedes, egal an welchem Ort, mit welchen Schwerpunkten oder auch Herausforderungen und Lasten. Und es kann jederzeit enden. In den letzten Wochen haben sich drei Schicksalsmomente ergeben, die uns getroffen und berührt haben. Daher hier ein besonderer Schluss dieses Beitrags.
Wir erinnern uns an
April Laughter – verstorben durch einen Brand an Bord ihrer Yacht in Salinas. Wir denken auch an die vielen Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Unglücksortes ankerten und ohne eine Möglichkeit zu helfen das Unglück mitansehen mussten. Wie furchtbar muss das gewesen sein?
Ein uns namentlich nicht bekannter Segler – verstorben an Bord seiner Yacht Peace. Wir hatten ihn in der Simpson Bay Marina festmachen sehen. Wenige Tage später ist er an Bord seines Bootes unerwartet und unbemerkt verstorben.
Uli Metzler– völlig unerwartet verstorben bei Puerto Rico an Bord der SY Paloma Grande. Wir hatten uns auf den Kanaren kennen und schätzen gelernt. Und uns auf ein bevorstehendes Wiedersehen auf den Kleinen Antillen so gefreut. Sein besonderes, lebhaft lautstarkes, jedoch gewinnendes und herzensgutes Wesen werden wir vermissen.