Erste Tage auf Puerto Rico

Erste Tage auf Puerto Rico

Die absolut ruhige Bucht von Salinas. Unser Ankerplatz zwischen mangrovengesäumten Ufern ist mit einem Sternchen markiert. (Bildquelle: Google Earth, bitte beachten, Norden ist rechts, nicht oben)

Wir hatten unseren Ankerplatz in Ponce verlassen und die seltsame „Sarginsel“ aufgesucht. Und von dort ging es weiter in die hervorragend geschützte Bucht von Salinas. Salinas ist als Ort nicht gerade der Knaller, aber er bietet zwei Supermärkte, einen sogar mit Lieferservice, ein paar Restaurants und mit Ronnie Ramos eine super hilfsbereite Seele. Ronnie ist ein puertoricanischer Blauwassersegler, den wir noch in Curaçao flüchtig kennengelernt hatten. Er unterstützte uns in den nächsten Tagen mit Rat und Tat. Und er unterstützt auch sonst jeden Segler, der Hilfe welcher Art auch immer benötigt.

Bevor wir uns dem hiesigen Alltag zuwenden, noch ein kleiner Rückblick, denn wir bewegen – hoffentlich kann man bald das Perfekt nutzen – uns ja in einem unerwartetem, weltpolitischen Umfeld.

Iwo Jima zieht dicht an uns vorbei.
Der Versorger, der um uns herumeierte, läuft kurz drauf ein.
Mit der Ankunft in Salinas stand Weihnachten vor der Tür, doch wir müssen zugeben, bei dieser Hitze war uns dieses Jahr nicht so richtig weihnachtlich zumute, obwohl gerade auf Curaçao, dass ja nun hinter uns lag, sehr viel Weihnachtsschmuck die Geschäfte, Behörden und auch Straßen zierte. Bei uns blieb es zunächst bei den Tannenzapfen und dem Weihnachtswichtel von Pauli und Lars, den sie uns in La Punta geschenkt hatten. Weihnachten 2007 war das gewesen.
Adventliche Abendstimmung bei 30°C.
Lustige Gesellen gibt es hier. Weihnachtsdeko ist für manche ein Muss.
Schärfemäßig war vom schwankenden Dingi aus nichts zu machen – Weihnachtsstimmung mit Hilfe der Boote an den Stegen des Yachtclubs von Salinas.
Wir tragen mit unserem traditionellen Eisbären ein ganz klein wenig zur nächtlichen Illumination bei.

Nach langem Zögern ging es dann doch nicht ohne. Immerhin hat es bei der jetzt herrschenden Dunkelheit nicht mehr 30°C, sondern vielleicht ein, zwei Grad weniger. Mit viel, sehr viel Phantasie eine Annäherung an deutsche Winterkälte. Weihnachtsstimmung zu entwickeln fällt dennoch schwer. ☹

Willi (links) und ihr Gatte – der hatte sich irgendwo verdrückt – von der Liahona hatten die gesamte (!!!) Seglergemeinschaft zu einem Heilig Abend-Umtrunk eingeladen. Rechts ein buchtbekannter Spaßvogel, der sich auch gleich dazu gesellt hat.

Willie hatte ja nur von einem kleinen Umtrunk gemurmelt. Es gab dann aber diese Pastel-Dinger im Bananenblatt, Shrimps mit Sauce, irgendwelche Fleischstückchen und und und. Und außerdem endete der Umtrunk nicht mit Sonnenuntergang, sondern setzte sich auf unbestimmte Zeit fort, da waren wir längst zurück an Bord und in den Kojen. Der eine oder andere hatte dagegen am Morgen des Ersten Weihnachtstages Probleme, dieselbe zu wieder verlassen. 😉 Heilig Abend bei uns an Bord fand letztlich nicht statt und wurde vertagt, obwohl ich doch tagsüber noch den in der Bilge ruhenden Weihnachtsbaum aufgebaut und geschmückt hatte.

Arjen, Lisa und Anke auf dem Weihnachtsumtrunk.
Martin und Randy vom Nachbarboot mit dem rot leuchtenden Weihnachtsschmuck im Rigg.
Noch bei Curaçao war ja der Ausholmechanismus für das Großsegel ausgefallen. Es war nicht ganz leicht, diese seltsame Antriebseinheit überhaupt vom Baum zu lösen. Martin benötigte zwei Tage dafür. Aber immerhin. Von anderen Amelians haben wir da wahre Horrorgeschichten gehört. Hier kann man immerhin den E-Motor, das Umlenk-Getriebegehäuse und ein wenig Getriebe (links) erkennen.
Unser Missgeschick von der Überfahrt verdeutlicht sich hier. Der Schaft des Antriebmotors für den sogenannten Linetender, der das Schothorn des Großsegels kontrolliert, ist exakt dort, wo er von 15 auf 11 mm reduziert wird, schlicht abgeschert. Das große Foto zeigt den Schaft am Motor, das kleine die abgescherte Fortsezung.
Und dann waren Motor und Umlenkgetriebe voneinander zu lösen. Anke hat beides noch als Einheit verbunden in der Hand. Erst danach konnten wir feststellen, was das voranstehende Foto bereits verdeutlicht. Der Bildhintergrund lässt trotz allem ahnen, wir betreiben Wassersport 😊.

Der Rotor, die kraftspendende Seele des Elektromotors ist heraus. Voraussetzung war die Trennung von Getriebe und E-Motor, was uns ohne Zugang zu Ronnies Werkstatt kaum gelungen wäre. Wie sich dann zeigte, war auch das im unteren Bild liegende Ende zu entfernen. Auch dies erforderte Ronnies Werkstatt und einen seiner Dreiarm-Abzieher. Letztlich gelang uns, alles zu zerlegen, was zu zerlegen war. Und das ohne irgendwelche Kolateralschäden.

In Ronnies Werkstatt. Martin lacht. Es ist gelungen, das Kugellager samt Lagergehäuse von der Achse des Elektromotors abzuziehen. Wegen sich der im Schatten der Werkstatt sehr wohl fühlenden Mosquitos wirbeln überall Ventilatoren.
Die erste der beiden uns empfohlenen Werkstätten. Eigentlich hat der Inhaber Weihnachtspause. Aber er würde die Arbeit machen. Doch er kann die Achse nicht in seine Drehbänke einspannen. Zu klein. Ein erforderliches Hilfsgestell ist ihm gestohlen worden. Er empfiehlt uns Taller Beltrán und kündigt uns bei denen auch gleich telefonisch an. Das war auch unsere angedachte Alternative.
Fast schon Großstadt-Verkehr. Es geht quer durch Ponce. Irgendwie ist´s schon amerikanisch hier. So hängt der Himmel nicht voller Geigen, sondern voller Kabel.
Taller Beltrán. Das Tor ist geöffnet. Nix wie rein.
Martin und der Honigkuchen. Da gibt es nach Ankes Auffassung nicht viel Unterschied. Wir schreiben den 31.12.2025 vormittags. Ganz Puerto Rico ist bis zum 6. Januar im Urlaub. Dem Drei-Königs-Tag. Ganz Puerto Rico? Nein. Ein paar unbeugsame Dreher und Metallverarbeiter leisten den Traditionen anhaltenden Widerstand. Und drehen und fräsen und schweißen unverdrossen. Zwei Tage, nachdem wir unser Sorgenkind abgegeben haben, hält Martin die Schachtel mit der reparierten Achse in den Händen. So schön kann Weihnachten und Silvester zusammen sein.
So sieht´s aus: Frisch geschweißt. Blieb nur noch, dass entfernte Kugellager samt Gehäusedeckel aufzupressen, alles wieder zusammenzubauen (zweimal, weil irgendwie ein paar Seeger-Ringe übergeblieben waren), an dem Baum zu montieren (auch zweimal, warum hat Martin aus Scham vergessen) und zu testen. Alles funktionierte. Honigkuchen. 😉
Als wir zwecks Einklarierung vor Ponce ankerten, haben wir vom für uns etwas abseitigen Ortskern des Städtchens nichts mitbekommen. Dank unseres technischen Problems sind wir nun mehrfach hier – auch Dank Ronnie, der uns einfach so sein Auto überließ – und können dieses quirlige Städtchen etwas näher inspizieren. Immerhin ist es die viertgrößte Stadt auf Puerto Rico.
Man findet koloniale Bauten, die der Wiederbelebung harren, …
… teils ganz schön runter. Man kann die einstige Pracht immerhin ahnen. Außerhalb des Zentrums finden sich viele kleine, typisch puertoricanische Häuschen, die wir leider nicht mehr ein zweites Mal aufgesucht haben. Was wir sehr bedauern. „Immer diese Hetze!“ Aber wir wollten natürlich das kostenlose Auto zeitlich nicht über Gebühr in Anspruch nehmen.

Einer der vier identisch wirkenden Eingänge des Mercado Reina Isabel Segunda. Der Markt geht auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück und war seinerzeit nach Pariser Vorbildern entstanden. Bei einer Erweiterung im Jahre 1941 erhielt er die heutige Art Deco-Fassade. Schöpfer dieser Erweiterung war der in Ponce geborene Architekt mit dem sinnigen Namen Pedro Mendez Mercado.

Wir staunten über die Markthalle, die gerade restauriert und moderneren Ansprüchen angepasst wird.
Der Name der Stadt geht auf Juan Ponce de León y Loyaza zurück, einem Urenkel eines der Konquistadoren. Das erklärt, weshalb man allerorten dem Löwen begegnet. Der hat heute allerdings nichts Furchteinflößendes oder Kämpferisches mehr an sich, sondern zieht mit Farbe und viel Phantasie in seinen Bann. In der Regel in vielfacher Variation.

Man muss genau hinschauen, Der Löwe zeigt nicht nur einen deutlich erkennbaren Fisch im Wasser, sondern auch die Kontur einer flachen Insel und einen Turm. Möglicherweise ein Leuchtturm. Einer der Löwen in der Markthalle.

Selbst die öffentlichen Toiletten sind den Löwen gewidmet. Da es bei diesen biologisch nur zwei Geschlechter gibt, Leones und Leonas, hat man sich das Zwischengesterne und Doppelgepunkte geschickt erspart. 😉

Turm der Kathedrale, am zentralen Platz der Stadt gelegen.

Komplett aus Holz errichtet und 1882 eingeweiht war die eindrucksvolle Feuerwache Parque de Bombas beim großen Brand 1883 nicht betroffen. Dafür war der Brand eine erste echte Herausforderung und Bewährung für die Bomberos, die Kräfte der seinerzeit noch sehr jungen Feuerwehr.
Im Inneren des historischen Feuerwehrgebäudes. Heute ist der Parque de Bombas, der „Pumpen Park“, ein gern besuchtes Museum und eins der architektonischen Besonderheiten der Stadt,
Straßenmusik
Kleine Stärkung zwischendurch. Die vielleicht beste Ceviche, die wir auf der ganzen Reise bisher bekommen haben. Martin schmilzt dahin.

Anke erfeut sich stattdessen an Bacallitos, mit fein gehacktem Bacallao (Stockfisch) gefüllten Teigtaschen. Ebenfalls sensationell gut. Unsere Empfehlung: das Restaurante Tablas, gleich gegenüber der Kathedrale.

Frisch gestärkt lauschen wir nicht nur der Straßenmusik, sondern auch einer großen Kinderbeglückung vor dem Rathaus. Bei der ist die Musik allerdings so lala. Ansonsten sind wir von den musikalischen Vorlieben der Insulaner begeistert. Eine bunte Mischung südamerikanischer, mexikanischer und auch kubanischer Einflüsse. Das meiste, was wir hören wirkt einfach authentisch.
Alle haben Spaß.
Noch ist der Weihnachtsmarkt nicht abgebaut. Wahrscheinlich wird noch bis zum Drei-Königs-Tag gefeiert.
Vor der Ankunft der Drei Könige – Los tres Magos – die auf Puerto Rico tagelang gefeiert wird, schließlich hatten die ja eine lange Reise zu bewältigen, war noch der Jahreswechsel zu überstehen. Zunächst warteten wir verwundert an der Bar des Yacht-Clubs, da selbst um 23:00 kaum jemand da war, doch dann kam die große Segler-Gemeinschaft im Schwung an. Überwiegend eine holländische Community. Der Jahreswechsel wurde noch recht lustig. Die Handfackeln waren ok. Nur, dass ein Depp eine Fallschirmrakete abgeschossen hat, war unmöglich. Die ging mitten zwischen den Booten des Yachtclubs nieder, hat aber glücklicherweise keinen Schaden angerichtet. Man fragt sich immer wieder, wie erwachsene Menschen derart unverantwortlich handeln können.
Auf dem Weg in die Berge. Wir wollen die Hacienda Buena Vista besuchen. Anwesen am Straßenrand.
Leider war die Hacienda geschlossen. Irgendwo hatten wir etwas von erratischen Öffnungszeiten gelesen. Nun ja. Da wir schon mal unterwegs waren, nutzten wir die Gelegenheit und folgten der Ruta Panoramica gen Osten zurück nach Salinas.
Wir konnten ja nicht jeden Tag Ronnies Auto beanspruchen. Anke hatte daher mit vielen Mühen einen Mietwagen organisiert. Der war ungewollt deutlich größer als geplant, was die kleinen Sträßchen zu einer fahrerischen Herausforderung werden ließ, besonders bei Gegenverkehr, der überraschend häufig anzutreffen war.
Ach ja, und da waren die Wolken. Und wir mittendrin, und manchmal auch düster. Wie im Winter, damals, bei Schlechtwetter am Teide.
Und wie am Teide, nur hier völlig überraschend: Kiefernwälder. Die Bäume dürften ursprünglich für die Papierherstellung eingeführt worden sein. Heute gibt es anscheinend drei Kiefernwälder auf Puerto Rico, auf die man offenbar recht stolz ist. Die Bosques de los Pinos von Cayey und von Jayuya und einen dritten am Rande von San Juan.
Und wieder stecken wir in den Wolken.
Es braucht nicht immer ein Automobil. Auch mit dem Dinghi lässt es sich vorankommen. Um ehrlich zu sein, auf dem Ankerplatz sind wir auf das Dinghi angewiesen. Die Distanz zwischen unserem Ankerplatz und dem Dinghidock ist doch recht groß. Und da man wegen der Manatis nur langsam fahren darf, dauert es auch stets. Nicht unbedingt ein Nachteil wie man sieht.
Viel ist nicht zu sehen, doch immerhin ist dies eines der wenigen Beweisfotoos, dass wir hier Manatis gesehen haben, präziser gesagt Karabik-Manatis (Trichechus manatus).
Salinas als Ort hat eigentlich nichts zu bieten, wenn man mal von den Versorgungsmöglichkeiten absieht. Dafür bietet uns die Natur ringsum ein paar besondere Momente. So sehen wir zum ersten Mal blühende Mangroven. Wir sind zwar nicht hundertprozentig sicher, doch wir gehen davon aus, dass wir hier vor allem die Rote Mangrove (Rhizophora mangle) antreffen.

Blütenknospen und ein erster Fruchtansatz.

Ein deutlich entwickelter Fruchtansatz, der in nächster Zukunft abfallen wird.

Ein Mangrovenkeimling hat im Tidenspülsaum Fuß gefasst, besser Wurzel gefasst und beginnt zu treiben.
Und so geht es dann weiter …
Die Inseln rings um die Bucht von Salinas sind von Mangroven gesäumt.

So nehmen wir den Ausflug zu einem vorgelagerten Mangroveninselchen zum Anlass, für heute Tschüss zu sagen sowie für 2026 alles Gute zu wünschen, Glück, Gesundheit und viele erfüllte Träume!

Martin und Anke

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Tipps und Hinweise

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Zu reparieren gab es einiges. Auch musste mal geschweißt werden. Fräser und Dreher benötigten wir dagegen nicht. Dafür brauchten wir zuweilen recht ungewöhnliche Hilfe. Auf dem Rio Paraná in Argentinien beispielsweise eine Werkstatt, die das Steuerrad richten konnte. Wir waren ziemlich heftig auf eine Sandbank gedengelt und Martin war aufs Steuerrad gefallen, das seiner Masse keinen Widerstand leisten konnte und entsprechend verbogen nur noch eingeschränkt zu nutzen war. Wir schildern kleine und große Abenteuer und die Hilfe, die uns überall geleistet wurde sowie vieles Andere in dem Buch, das unsere Weltumsegelung von 2004 bis 2009 beschreibt. Eine Weltumseglung mit einer Aluminium-Reinke Super 11. Informationen zum Buch und wie Ihr die PDF bestellen könnt, findet Ihr unter diesem Link, also einfach auf diesen Satz klicken.

Das Buch unserer Weltumseglung von 2004 bis 2009:
Just do it – von der Weser in die Welt
323 Seiten, durchgehend mit farbigen Fotos bebildert, diverse Karten, hier und da Einschübe zu besonderen Aspekten, die uns beschäftigten und ein Anhang mit gelegentlich launigen Begriffserklärungen.

Vorerst nur als PDF verfügbar. Das Coverfoto des Buches zeigt Just do it in der Caleta Beaulieu im Beagle-Canal.

Wie Bobby Schenk schreibt: „Ein großes Buch, das pure Lese-Freude schafft. Es ist wahrscheinlich das beste aller Weltumsegelungs-Bücher (vielleicht sogar besser als meine eigenen…)“

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